Ausgabe 
24.9.1917
 
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xtftb da erinnerte ich mich, daß gerade zu der Zeit, Mo dn dis geheinte Unterredung mit Dagny hattest, der alte Oberst übersatten wurde. Du hattest dein Ps-erd grasen lassen, denn bu nmßdest ja nicht anders, als daß es ans der Weide ein friedliches Tier sei, uitd es muß beim Grasen bis in die Nähe jenes Ortes gekommen sein, wo Holgar überfallen worden ist. Ich' erinnerte mich an die Verwundung des Obersten. So etwa trifft ein Pferd, wenn es mit den Vorder­beinen schlägt. Und während wir um den totbesch-lagenen Advokaten herumstcutden, bemerkte ich, daß dern Pferd in der Nähe iveidete, und der Verwalter erzählte mir, daß diese Stelle die Pferdeweide fct. Damals hatte ich schon beinahe keine Zweigt mehr, aber um sicher zu sein, telegraphierte ich rcach Christiaiäa."

Der nrnae Beamte, der mit Teilnahme Asbjörn Krugs AnseinandcrsetzAng gefolgt war, nickte verständnisvoll.

Und ich machte mich gleich auf und suchte zu ergrün­de'.:, wo der Herr Rittineister das Pferd gekauft hatte," sagte er.Darum wußte ick) auch vor einer Weile so genau, daß Sie sechs tausetchfünfhuudert Kronen dafür bezahlt hatten."

Asbjörn Krag reichte dem-Rittmeister ein Papier, das er aus oer Dokumentenmappe nahm.

Dies ist der Kauskontrakt," sagte der Detektiv.Kennst du ihn?" Der ^Riitmexfter betrachtete das Schriftstück.

Jawohl," sagte er.Da steht ja auch meine Unter­schrift."

Und aus diesen andern Papieren können wir ersehen, wem das Pferd vorher gehört hat," fuhr Krag fort.Eva" ist Zirkuspferd gewesen. Das erfuhr ich gestern abend durch ein Telegramm, und nun hatte ich keinen Zweifel mehr. Und wenn ich tioch einen Zweifel gehabt hätte, so wäre er gleich Zerstreut worden, als ich das eingeschlagene Fenster zu sehe:: bekam. Das konnte nur ein Pferd und kein Mensch getan haben."

Zirkuspferd!" rief der Rittmeister sehr erschrocken. ,Mavou hatte ich keine Ahnung. Derartige Tiere haben immer ihre besonderen Tiüken."

Ja, dressierte Tiere sind immer gefährlich weil sic nie wissen, wann sie ihre Kunststücke machen sollen und wann nicht. Aus diesen Papieren ist weiter zu ersehen, daß Eva" in der Manege bei einer komischen Pantomime mit­gewirkt hat, genanntDer Mann mit dem Regenmantel". 'Dabei hatte sie unter anderem die Ausgabe, auf die Hinter- imwe zu steigen und eine mit einem Gummimantel beklei­dete ansgestopfte Figur, die einen Einbrecher vorstellte, niederzuschlagen. Sie spielte überhaupt in dieser Panto­mime das finge Pferd. Leider hat sie daun später ihre Klugheit verkehrt angewendet, aber damit hatte sich das Schicksal verschworen, mtd das Schicksal rächt.

Ich habe dir früher schon die Tragödie deiner Ver­lobung erklärt. Jetzt steht nichts mehr-im Wege, daß du und Dagny das glücklichste Paar des Laiches werden. Und nun hast du auch die Erklärung der zweiten Tragödie, die damit Hand rn Hand ging, ja förmlich damit verkettet warj beiden Ueberfälle. Möchtest du sonst noch etwas

.. ®£ r flttttmcifter starrte seinen Freund an. 9Lur all­mählich konnte er das altes fassen.

^ird es nicht schwierig feilt, zu beweisen, daß das Pferd der Schuldige ist?"

»w Einte ich bis gestern abend auch," sagte dar Detektiv.Darum ging ich ins Haus des Obersten hinüber.

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Me geht das zu?"

Der alte Oberst ist zu sich gekommen."

W faßte dar Rittmeister seines Fvorrndes Hand.

"^^as wirklich wahr?" fragte er sehr, bewegt.

. "'o?' ^?^brte Krag.Schon gestern abend war er

emen Augenblick bei Bewußtsein, u H da sprach sein Mund ettnge Worte, dre den andern sinnlos vorkamen, die ich aber gut verstand."

Was sagte er ?'

lZr^üßt den Rittmeister von mir und sagt

e l das Pferd totschießen!" Ader ich habe dir atZ noch einen andern Gruß zu bestellen." ;

Von wem?"

Dagny. Sie hatte der etwas zu sagen, aber sie nchchte es dir am liebsten selbst mitteilen."

-Der Rittmeister stand lange Zeit gedankenvoll mitten «n Zimmer.

Das Schicksal rächt!" sagte er vor sich hin.Es hat schon ein Leber: genommen.

Wir können wohl sagen zwei!" fiel Krag ein.

Wessen Leben noch, außer dem des 2ldvo taten?'

Das des Pferdes!" sagte der Detektiv und packte ge-, lassen die Papiere wieder zusammen.

Der Marschaü.

Novelletts von Kanns Gisbert (Nachdruck verboten.)

Die Landrys stamnrten aus Frankreich und warm immer ein wenig stolz auf diese Herkunft, die einer unverbürgten Neben lieferung zufolge bis zu den Höhen des fciofeg Ludwigs des Sech­zehnten führte.

Tatsächlich tvar der Urahn mit dm Emigranten irach Deutsche land gewmmm, hatte sich eine Zeitlang in einem kleinm Orte an der Mosel verborgen gehalten und schließlich nachdem er als älterer Mamt und Witwer die junge blühmde Tochter seines Gastfrenndes, eines kleinen Landwirtes, Heimgeführt noch ein an-sch-ütches Aint in dem bmachbarten Trier erhalten, das er in Ehren und mit gutem Verständnis führte. Eine Tochter erster Ehe, die ihn: gefolgt war, verheiratete sich, schlecht mtd recht möchte man sagen, mit einem Baron d'OuLreville, auch einem Emigran­ten, dessen schmale Rente' nur eine kümmerliche Lebens sührtmgj gestattete, und der nach kurzer Ehe starb.

Aber der Name warf doch einen gewissen Glanz auf die ganze Aanüie, die auch um die Vergangenheit des Urahns einen Glokicu- schein zu weben bemüht war. Mm: munkelte von einer Kammer-, Herrn stelle am Hofe, von glänzenden Heiraten der ältesten Töchter und war fest überzeugt, daß ec dm ihn: geöührendm Adel abgelegt hatte, als er aus Frankreich fliehen mußte. Wahrheit und Dichtung waren so enge vermischt, daß man sie kaum mehr zu trennen wußte. Und so nahmen die späteren Generationen denn als sesthehend an daß der Aelttwvater, det ünzw-üftlhaftvon Familie" ' ge­wesen, den^ höchsten Mel Frankreichs entsprossen sei, was cinm mächtigen >Lporn auf dm Ehrgeiz aller dieser tchaufleusc, Bramtm und Ofltziere setzte. In das Timlel der Bergan.r,Hut führt« kein Psad. Nur van der Familie der U-großmutter hätte man aus dem lothringischen Torfe her leicht Näheres ermitteln rönnen Aoor über d:e Exrstmz dieser pi'ächtigm Frau, die dem alternden Gatten Gluck und Behagen und ihren Kindern Gesundheit und Tarkraft geaebm hatte, gingen die späten Nachkommen nase- rumpsend hinweg.

Da fiel doch noch ein leuchtender Strahl auf die Familie Wahrend diese bürgerlick>en ALLnnmen der lothringischen Aelter- mntter, die von dm hochstrebenden Gliedern der" Landrys als eme Art von ländlichem SchaM fl eck betrachtet worden war, ge­diehen und UwvMm, daß sie zu einer stattlichen Herde herange-, wachsen waren, hatte die Linie der d'Outreville immer war gerade vegetiert nnd^znletzt itur mehr auf zwei Augen geruht. Diese ge-

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gehaust hatte und nach deren Tode eine kleine Erbschaft von der franzömchen Verwandten machte, die ihr eine bessere Lebens- luycung er m vgl: aste, und jhr viele wertvolle Mtertüiner m feinem Porzellan und getriebenem Silber brachte. Ltts auch Tant' Liiiä hochbetagt starb, wollte jeder der Erben ein ansehnliches Teil vo« der Erbschaft aus Mhloß d'Orttrevillc haben; Kissen, Decken unt Teller, aus mmen eilt Wappen angebracht war, wnrden mit nn- glanbltchen Preisen bewertet; Kammern und Speicher ivnrdm nach verborgenen Schätzen, die dm Fainilienstolz stärten konnten, durchsucht. . ,

Bereitwillig bot Marche, des Fabrikanten Gattin, ihre gntm Angeil uno ihre Lprachgewandtheit zur Entzifferung der sranzösi- schm Lettern an. ste ivar sogar im Sacre-Eoenr zu Baris erzogen Worom und ließ sich nicht gerne eine Gelegenhmt entgehen, iln flujpges französisch und ihren trefflichen Akzeitt ins richtiac Licht zu setzm. ^

Sie brache ihre anmutige Gestalt mtd ihr feines Pvofil nan» nahe an dte^L-cheibe des großen Erker fettster s, das um diese Zeck noch volles Tageslicht abgab, und begamr zu lesen:

^ ä Milet, genannt Ferdinand der Marschall, im Mer von 77 Jahren."

Marschall?" unterbrach sie erstaunt der Bezirkskommandenr uno in dm Augen der anderen stand dieselbe Fnage.

. ^ natürlich! hier stand es ja klar und deutlich: ämtg DttleL ?Ebm etwas gänzlich Unleserliches, Wohlde Jahreszahl oder eine OrkSbeftimmung, auf die es nicht ankam.

Eüvvs gereizt durch di« Unterbrechung/ begann Marthe mit mhvboiier stimme wettsrchesm. indem ,ce von mm an jede» Satz rn ftmtzösischr Sprache vvrLrng, ehe sie ihn verdmlschte.

,Mifek, genannt Ferdinand der Marschall, der dem 5kavalle° rieregimmt von Mo^ zugE war, reiste einst durch cinm dichte Walo, um nach Dke. Vdmehould, fernmt Heimaksvrl, zn gelangen."