Msntag. öen 2f September
Dar rciffeihaffe Feind.
Roman von Sven Elvestad.
(Schluß.)
27. Kapitel.
S ch i ck s a l s r a ch e.
Bom Stall her erscholl Wiehern und Hufgestampf, urrd der Verwalter und seine Leute kamen und brachten „Eva" daher. Das Pferd ließ sich gutwillig führen, aber ein unruhiges Zucken in seinen (Medern verriet, daß es nervös war. Ter Nittnreister rief es an, und es spitzte die Ohren, als es seines Herrn Stimme vernahm.
„Legt den Sattel auf!" rief der Rittmeister.
Der Stallknecht kanr mit dem Sattel gelaufen Urrd wollte ihn eben aufschnallen, als ihn Asbjörn Krag anfhielt mit dem Zuruf:
„Nein, lassen Sie das!"
„Willst du auf ungesatteltem Pferde reiten?" fragte der Rittmeister. Der Detektiv gab keine Antwort, sondern. sagte nur zu dem Stallknecht:
„Tun Sie, wie ich gesagt habe."
Der Knecht legte den Sattel auf die Erde. Plötzlich hvb das Pferd den Kopf und starrte erschreckt Asbjörn Krag an, der etwa zwanzig Schritte von ihm entfernt staud.
„Lassen Sie das Pferd los!" rief oer Detektiv. Seine Stimme klang so befehlend, daß der Verwalter unwillkürlich das Pferd fahren ließ, das sofort stieg und dann mit den Vorderhufen den Boden schlug. Da rief der Detektiv dem Beamten ans Christiania zu:
„Beginnen Sie mit der Vorstellung!"
Der Beamte warf die Dokumentenmappe weg, lief rasch zu den: Pferde hin, gab ihm einen Schlag mit der flachen Hand auf den Schenkel und ries:
„En avant, Eva, en avant!"
Im selben Augenblick stürzte das Pferd auf Asbjörn Krag los, stellte sich auf die Hinterbeine und würde den Detektiv niedergeschlagen haben, wenn ihm dieser nicht entschlossen einen Hieb auf die Nüstern gegeben hätte. Der Schlag war so stark, daß das Pferd unwillkürlich mit einem schmerzvollen Stöhnen zurückwich. Zitternd und mit bebenden Nüstern blieb es stehen und starrte Krag an.
„En avant, Eva!" rief der Polizeibeamle wieder, und mir Schnauben stürzte das Pferd von neuem auf den Detektiv, los. Aber wieder wurde es durch einen Peitschen-- schlag znrückgetrieben. Und nun waren die Rollen getauscht. Jetzt war es nicht mehr das Pferd, das ailgriff, jetzt war es Asbjörn Krag, der mit erhobener Peitsche das Tier dein Stalle zutrieb. Hier wurde es von dem Verwalter und den Stallknechten eingefangen, die sich höchst erstaunt vor der Stalltüre ausgestellt hatten. Der Rittmeister sprang herzu und faßte Asbjörn Krag am Arme.
..Was in aller' Welt bat das zu bedeutend rief er.
„Das hat zu bedeuten: „Hier steht der Mörder!"" sprach Krag und zeigte mit einer vorstehenden Handbewegung aus „Eva".
„Der Mörder!" ries alles äußerst erstaunt im Chor.
„Ja," sagte Krag, „niemand anders als „Eva" ist der Mörder. Ich bedauere lebhaft, daß ich ihn nicht verhaften kann, aber es fehlen uns die Strafbestimmungen gegen Pferde." Gelassen zog Krag den Gummimantel wieder aus. „Ich glaube jetzt auch nicht mehr, daß wir Regen bekommen werden," sagte er und deirtete lächelnd an ben wolkenlosen Himmel hinauf. „Du kannst deinen Rebenmantel wkeockr haben, lieber Freund. Führen Skt das Pferd in den Stall, .Herr Verwalter, die Ruhe wird „Eva" gut tun auf den Schrecken."
Asbjörn Krag faßte den Rittmeister unter dem Arm und ging mit ihm in feine# Freundes Arbeitszimmer. Der: Polizeibeamte aus Christiama kam nach; er hatte ftlnt Dokumentenmappe wieder vom Boden au schoben. Als die Herren Platz genommen hatten, sagte Asbjörn Krag Al seinem Freunde:
„Du bist vielleicht eiu wenig erstaunt?""
„Erstaunt?'" erwiderte dieser. „Ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich denken soll."
Asbjörn Krag deutete auf das entzrveigeschlagene Fenster. „Ich habe sofort gesehen, daß das Fenster von einem Pferde eingeschlagen sein müsse. Das Blut an den Splittern zeigte, daß ein Tier das getan hatte. Wenn ein kräftiger Mann mit der Faust den Schlag geführt hätte, so wäre bedeutend mehr Blut geflossen."
„Du willst mir doch nicht erzählen, „Eva" habe..." sing der Rittmeister an. Asbjörn Krag nickte.
„Doch, „Eva" ist es gewesen, die den alten 'Oberst Holger so schwer verletzt hat, und es ist „Eva"" gewesen, die den Advokaten totgeschlagen hat. Ich bedauere, lieber Freund, daß du so viel für das Pferd bezahlt hast, denn du wirst genötigt sein, es totzuschießen. Mer du wirst vermutlich den Verlust mit Fassung tragen, da sich jetzt alles für dich zum Bestell wendet.""
Ein beinahe unbemerkbares Beben von des Rittmeisters Lippen verriet dessen tiefe Bewegung. Mit seinen Gedanken war er auf einem Gut in der Nähe, wo ein junges Mädchen war, das sich unendlich unglücklich fühlte.
„Geben Sie die Papiere her," sagte Krag zu dem Beamten. Dieser reicht ' ihm die Dokumentenmappe, und Asbjörn Krag öffnete ,
„Was hat dich eige..clich ans den Gedanken gebrack:, daß das Pferd der VLörder sein könnte?"" fragte der Rittmeister.
„Es war ein Zufall, oder richtiger gesagt, eine A'eihe von zusammentreffenden Zufällen. Erstens war es ja merkwürdig, daß der Oberst und der Lldvoka: ans die ganz gleiche Weise verletzt worden waren. Beide wurden gejagt und eingeholt, und beide hatten einen ganz ähnlichen gelbbraunen Gummimantel wie der deine. In der Einsamkeit deines Zimmers dachte ich näher über den Zu.sammenha.ng näck


