Ausgabe 
19.9.1917
 
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Der rätselhafte Feind.

Roman von Sven Elvestad.

(Fortsetzung.)

Krag stellte den Angenommenen als Polizeibeamten Brünne von der Detektivabteilung in Christiania Nor luw forderte ihn dann aus, ins Haus zu kommen. Gespannt blickte oer Rittmeister auf eine Dokumentenmappe, die der Mann unter' dein Arme trug.

Altes in Ordnung?" fragte Krag.

Ich glaube ja,", erwiderte der Beamte.Jedenfalls war Ihre Vermutung richtig. Der Direktor..."

Der Detektiv wehrte mit der Hand ab.Noch nicht! sagte erLassen Sie mich erst die Papiere sehen."

Der Beamte überreichte ihm die Dokumentenmappe. Krag nahm ein Schriftstück heraus. Der Rittmeister loarf zufällig einen Blick darauf.

Das kommt mir so bekannt vor," sagte er halblaut. Ich erinnere mich nur nicht genau..."

Asbjörn Krag steckte das Dokument wieder in die Mappe und »nickte befriedigt. .

Alles in Ordnung!" sagte er.Jetzt wollen wrr hrnaus- gehen und uns den Mörder betrachten."

Der Rittmeister griff wieder nach seinem Revolver: allein zu seinem Erstaunen bemerkte er, daß der Detektiv gerade das Gegenteil tat: er legte seinen Revolver auf den Tisch

Den brauche ich nicht," sagte er.

Einem Mörder gegenüber brauchst du kernen Re­volver ?" döein."

^Aber der ernrordete Advokat und der halb totgeschlw- geue Oberst lassen doch darauf schließen, daß er gefähr­lich ist."

Du irrst dich," erwiderte Krag.Dies ist für gewöhnlich der friedlichste uwd ungefährlichste Mörder, mit dem ich je zu tun gehabt habe. Bitte, rufe deine Leute."

Der Rittmeister rief nach dem Verwalter, der sofort gelaufen kam. Der Mann war immer noch sehr blaß. Hinter mm tauchten mehrere der Leute auf.

Wohin sollen wir gehen?" fragte der Rittmeister.

Vorerst einmal durchs Haus," erwiderte Krag.Geh du voran, lieber Freund."

Durch alle Zimmer?"

Ja, durch alle Zimmer."

,Der Rittmeister ging voran, Asbjörn Krag, der Beamte und der Verwalter folgten nach. Krag bettachtet neugierig die Einrichtung, untersuchte hie und da ein Fenster und sah vor: Zeit zu Zeit nach der Uhr. Man bekam den Eindruck- daß er eine bestimmte Zeit abwarte, und daß diese Wande­rung Hur in Szene gesetzt sei, um die Zeit zu vertreiben. Gespannt sahen ihn die andern an. Zuerst ging's durch alle Zimmer des Erdgeschosses und dann durch die des ersten

Stocks, in dem sich auch die Gastzimnler befanden. Der Ritt- Meister ergriff die Gelegenheit, zu bemerken, daß für den Beamten ein Zimmer in Ordnung gebracht werden solle.

Das ist nicht nötig," sagte Krag.Fetzt ist es drei Uhr llnd in zwei und einer halben Stullde kommt der Schnellzug nach Christiania hier durch. Ich denke, wir werden so fertig, daß Brünne und ich mit dieser?! Zuge abreiseu können."

Mit dem Mörder?"

Mer da lächelte Krag nur.

Nein," sagte er.Der Mrder sott hier bleibe n k"

Wie? Was meinst du derm? Ich habe keine feste Zelle auf meinem Hof, in die man einen solchen Kerl sicher erw sperren könnte."

Ach was, er hat vielleicht gar keine so große Lust, durchzugehen, loie du rneinst," erwiderte Krag.Und roeurr du ihn nicht in deinen Zirnmerm haben willst, dann kannst du ihn ja anderswo nute rbrin gen."

Wo? Vielleicht in der Heuscheune?"

Ja, oder irn Stall. Wir wollen uns diese Lokalitäten

einmal anschauen."

Sie halten nun das Hauptgebäude von oben bis unten durchschritterr, und Asbjörn Krag hatte dabei seine Beobach- tnngen gemacht. Die Spannung der andern stieg von Mi­nute zu Minute, aber Krag schien immer gelassener' zu

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Nun gingen sie über den Hof. Beim Brunnen blieb As­björn einen Augenblick stehen und starrte in das schwarze Wasser hinein.

Wo ist die Heuscheune?" fragte er.

Der Verwalter zeigte den Weg und machte die Tür auf. Der Detiktiv schaute hinein. Er stand unter der offenen Tür, ohne sich um irgendeine Deckung zu kümmern; der Ver­walter jedockr und auch der Rittmeister hielten sich vorsichtig ettoas zurück. Es war ja möglich, daß der Mrder brüllten war, und im Schein der mitgebrachten Laternen bot ein Mensch unter der offenen Tür ein deutlich zu erkennendes Ziel. Krag betrat die Scheune nicht. Er warf nur euren Blick hinein und forderte dann den Verwalter auf, die Tür wieder zu schließen. .... c . r

Nun kommen wir an den Viehstalt!" sagte er und net) sich vergnügt die Hände.

Die Herren gingen nun also durch den Viehstall, und Krag zeigte ein auffallendes Interesse und wollte alles genau besehen. Die Kühe rasselten unruhig mit ihren Ketten. Sie waren nicht gewohnt, mitten in der Nacht gestört zu werden. Nachdem der Viehstatt besichtigt war, verlangte Krag auch noch die Pserdeställe zu selben. Des Rittmeisters vorzügliche Pferde weckten Krags größtes Interesse, und er bettachtete sie einzeln ganz genau. Endlich roar diese sonder­bare Untersuchung beendigt, und als die Herren wieder draußen ans dem Hofe standen, rief der Rittmeister:

Aber wo bleibt denn der Mörders'

Jetzt kommt er," erwiderte Krag.