Ausgabe 
17.9.1917
 
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RaUcktisch irnfc l&utctc. Ter SMTnet trat du.Gareon, bringen Die mir eine Eule," sagte- der Vierte.

Was beliebt, mein Herr?" fragte dersprachlose Kellner,

,^ch sagte, bringen Die mir eine Eule. Wenn Die daraus An­spruch machen, Englisch zu verstehen, so müssen sie mich verstanden haben." . t _ ..

Ianwhl, mein Herr! Gewiß, mein Herr," wgte der Kellner, der geneigt u«r, Euneh.neu, daß die Eule irgendein ihm unbe­kanntes, amerikanisches Gettänk sei.Wie wünschen Lre die Gnl-e?

Gehen Sie nnd bringen Sie mir eine Enle "

Ter Kellner entfernte sich: als er nach einer kleinen Weile nstederlam. erklärte er:Ich bedauere sehr, wem Herr, aber wir können Ihnen nwmenlan keine Eule servieren. Es sind uns euuge der Beitaten ausgegangen, ans welchen wir Eulen zu mischen pflegen. Ick kann Ihnen aber mit einem ausgezeichneten Cocktail dienen"Mcht nötig", entgegnete' der Amerikaner',es wird's auch so tun! Sie können gehn!"

I beg' pordon, mein Herr," nahm hier einer der Zer­gliederer de - französischen Volkes das Wort,würden Sie viel­leicht die ü-'t Freundlichkeit haben, diesen Gentlemen und nur *m sagen, iv. . Sie eine Eirle bestellten?"Mt Vergnügt," war die Äntwori ..aber ich faim es nicht gut tun, ohne Ihnen zuerst eine Geschichte zu erzählen." r _,, ^ . a ...

All right, Colonel! Lassen L>ie ihre Geschichte mal los!

Ter ältere Amerikaner lehnte sich in den Stuhl zurück, rollte die endlose, schslvere niggerlike Zigarre von einein Mnrdwinlel in den anderen und wieder zurück, dann begann er sehr ernsthaft

seine Erzählung:

Ein Papagei, Gentlemen, ist die miserabelste aller Kreaturen. Laute, welche mit Papageien umgehen, mtb ich iveiß nicht, ob Sie mit Papageien bekamtt sind, behaupten aus das allerbestimmteste, daß es nichts gibt. wodurch man es dahin bringen kann, daß ein Papagei sich vor sich selber schämt. 9hm, das ist ein Irrtum, denn ich habe einen Papagei gekannt, der schließlich doch dahin gebracht wurde, sich vor sich selbst zu sckstinren. Und dies ging so: Ich faru eines Tages nach Hause und fand einen Papagei vor. Meine Dochber Jsal'el hatte ihn von einem Seemanne gekauft. Wollte sich zivar niemals von dein Vogel trennen, sehnte sich aber danach, in die Stadt zu reisen, wo seine alte Mutter lebte, und j>i den Vogel daher fiir einen Tollar seil. So kaufte denn Isabel den Papagei, hing ihn im Parlour auf und wartete, daß er §11 reden beginne -- Es stellte sich aber heraus, daß das Biest um- spanisch sprechen ffomtte und sogar dieses nur .wenig. Eines Tages jedoch 'ffttg er ganz allein urch aus eigenem Antrieb <ui, Englisch zu lernen. Er gebrauchte eine Aid Ollendors-Vte thode mtb der Berlitz School, vielleicht, tuest er Isabel auf diese Weise französisch lernen gehört hatte. Lu allererst begnügte er sich mit dem Satze:Deirötigt Betsie einen Nußknacker?" Bald aber variierte er die Geschichte um Euch einen Beg riss, von seinem System zu gebeil in dieser Weise: Beirötigt Betsie den hölztw- nen Nußknacker des Küchenmädchens oder den goldenen Nußknacker des Iutveliers?" Und aicttvortete dann:Nein! Betsie benötigt weder den hölzernen Mlßknacker des Küchenntädchens, noch den goldene,l Nußknacker des Leucht er macl)ers, sondert! den mäck)tigen ttniglstp^ Nußknacker des Grobschmieds." Er pflegte nach diesem Muster täglich drei Stiurden vormittags und ^ebenso viele des Nachmittags zu üben und gönnte sich auch au Sonn- und Feier­tage,' keine Nutze, so daß ich mutmaßte, daß es kein sabbathaltender Vogel war. Tas Unglück bestand darin, daß der Papagei die ganze Zeit in einein fort sprach, ausgeuomiuen, wenn er schlief. Meine Frau ist nickst sehr schwerfällig im Reden: aber ich iah sie in Tränen ansbrechen. itveil dieser Papagei sie nicht zu Worte kommen ließ. Er sprach uns halb taub, dumm und blind. Tie Kotze gab es nach den ersten Tagen auf. Ter Papagei war nänilich furch st'ar persönlich in seinen Bemerkungen und fragte sie hohn­lächelud auch Papageie, aber besonders die Weibchen, die

Mamageyc, wissen Hohn zu lächeln: also, er fragte die Katze ironisch, ob sie schon jemals in ihrem gewiß langen Leben eine reguläre Maus gesehen habe? Tie beleidigte Katze ging liefgekrankt aus dem Hause, das sie meines Wissens nie wieder betrai Ter Papagei hatte gewiß bei von Scheffel, Lindau oder sonst einem dieser widerlichen einfältigen Boches gelesen, daß zu Zeiten goldene Rücksichtslosigkeiten geboten seien. Und weil dieser Rat von einem Teutschen hnstamntt, lachte er darob. Nicht zUsrieöm damit, drei Viertel der Zeit zu sprechen, hatte er über­dies die Gewohnheit, laut zn denken, und dies war noch viel schrecklicher, als seine Konversation. Zürn Beispiel, wenn der sunge James des Abends zu uns. herüberkam, um mit meiner Tochter Isabel zu plaudern, fiel es dem Paingei ein zu sagen: Well, I gueß, ich wette, dieser junge Idiot wird bis Mitternacht da sitzen und wie geivoh.-stich das ganze Hans wachhalten!" Natürlich uotttc es niemand glauben, daß der Vogel solche Be­merkungen aus eigenem Antriebe machte, rmd daher kanl sehr bald überhaupt niemand mehr zu uns.

Und dann hatte der Papagei eine Aot, eine geradezu wider­wärtige Ltrt, zu prahlen. Er hörte nicht ans, von seiner Ueber- legenh ii über andere Vögel zu Windbeuteln, und von der Pracht

seiner Federn und von seinem Mira und von der Unbedeutende heit aller Tinge des Lebens, sich selbst und seine Besitztümer auSgenomnren. Die werden vielleicht fragen, warum ,oir ihn nicht töteten oder was Aeynlick>es: loarnm gvir ihn nicht den Missionären mitgaben, die aus wackeren Indianern und stillen Chiiresen schlechte Christen ^Herstellen? Well, weil Isabel sagte, das wäre das beste Trug, sie zum Selbstmord zu bringen, oder sich vom Fenster heraus m den Hudson zu. iverfen, da der Niagara zu weit ei User nt läge. Sie ließ mich absolut nichts gegen das Brest unternehmen. Und so hatten unr beim sichere Aussicht, durch ihn aus dem Hanse vertrieben zu werden. Ta besuchte uns eures Tages ein Mann, der bedeutende Erfahrungen in Papagei­sachen sein eigen nennen durfte, denn er besaß sie. Er stellte) nrernen berechttgten Klagen einfach die Frage gegenüber: ..Und warum kaufen Sie nicht eine Eule^ Nehmen Sie eine Eule, hängen Sie diese in einen.Käfig neben den des Papageis und in zwei Tagen tverden Sie suchen, daß der Vogel infolge unange­brachter Konversatvon todkrank ist!"Well! ich kaufte eine kleine Eule, und setzte sie in einen Bauer in nächste Nähe des Käfigs des Papageis. Tiefer versuchte es sofort, die Eule mit seinem arroganten Geschwätz zu betäriben. Aber es ging nicht. Er machte ein.totales Fiasko. Tie Ercke saß da nnd schaute auf den Papagei just so ernst, lvie ein Schauspieler, der seine Gage nicht ^gekriegt hat. Nach einer Weile versuchte es der Papagei, ihr mit,Spanisch beizukommen, war aber ohne jeden Erfolg. Tre Eule tat so, als ob sie's nicht verstünde. Tami probierte der Papagei seine Aufschnei­dereien nnd nahin einen Anlauf, um der Eule zu beroeis-en^ daß von allen lebenden'Papageien der geschickteste und herrlichste er sei. Aber er vermochte nicht, eine Feder der Eule zu rühren. Tiefer vornehme Vogel blieb stumm wie das Grab und blickt« den Gegner m^r an, als wollte er sagen:Ties ist wirklich ein außergewöhnlicher, melancholisch^: TummDpf." Well, noch ehe es Wen.d wurde, schämte sich der Papagei so sehr ferner selbst, haß er aufhörte zu.schwatzen und von diesem Tage an nicht mehr ein unnötiges Wort sprach, solches, Gentlemen, ist der Iwohl­tätige Einfluß eines guten Beispiels selbst auf den schlechtesten aller Vögel!"

Ter dlmerikaner zündete sich eine dritte von seinen schweren, endlosen Niggerfarbenzigarren an, drückte den Hut tief m die Augent. als Knolle er nicht mehr gesel)en sein, mred verfiel in ein nachdenkliches, aber äußei-sd- beredtes Stillschweigen.

Seine brei Zuhörer machten zu seiner Geschichte leinerlei Bemerkung irnd wiedercholten auch nickst: hie Frage, tvarum er von dem Kellner eine Eule verlangt hatte. Noch, einige Minuten qualmten sie ivorftos ihre Zigarren und dann lnd einer die aildern ein,mal rüber Zu schauen ^u Henry Glavesmerrder und bei ihm was zu nehmen", eine Einladung, toelchjer sie mit affenartiger Ge- schwindigknt Folge leisteten. Ten Verbleibendeir störte an jeuein Abend kein aufschneiderisch Papageieugeschwätz mehr. Und das Rauck-zimmer sah die drei Untertanen des ententefrsundlichen. Wilson an demselben Abend nicht ivieder.

Zchach-Aufgade.

'Lou Baron F. Wardener.

» d c d e f g h

(7 -f 6 ) Weip

Weiß zieht an und setzt mit dein 3. Zuge matt. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Füklrälsels in voriger Nummer: X S T LAUTE OST BRAUN I N N M 0 X A T S R E

GchruüeUung: Fr. R. Zenz.Zwillingsrunddruck und Verloq der Brüyl'scbei' Universitäts-Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.