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„Wahr ha stick," sagte der jrmg-e Franzose nr:d ivarf sein Dckjerlertuch erbost in eine Ecke, „sell ick' hier bin. habe ick Noch ML m die Hand gehabt als Scheuertticher; — mx Gewehr! — erste occasion ick gehen über die Grenze!"
„Mflleicht rverden wir selbst mobil gemacht gegen Mexiko." „Wir ? Pshaw, wir säst äsen ja nächstens ein! Wir haben ja mcht mal Pferde! Wjenn hie Garnison mobil gemacht wird, dann müßte die halbe Kavallerie M Hause bleiben oder zu Miß hinterher laufen."
Tie Leute lachten.
alter
„Teil Teufel Ivevd' ich gegen MAcko ansrücken," sagte ein ' Soldat, „ich Hab' geiutg von den Spanl)ards! — Wieder halb
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verhungern, wie damals auf Cuba und in zerrissenen Stiebeln mmlanfen und. verdorbene Konserven kriegen vorn Fleischllust . .. Ich danke! Bei der nächsten Gelegenheit rücke ich aus und mache Revolution/'
.,, ^r Eintritt des Sergeanten, eines langen Schotten, der sehr fromm war und eine lose Hand halte, brach die Unterhaltung ab. Tre Leute duckten sich. —
Leutnant Evans wachte endlich mit schweren: Kops auf. Tie Ordonnanz stand vor seinem Bett und hatte ihn schon mehrfach frafttg gerüttelt. Lmrgsam kam ihm die Erinnerung an den gestriger: Abend. Richtig! Erst waren sie alle bei dem Eolonel zu Tisch geweser:; der rvar Pvolstbillonist und strenger Gegner des Alkohols. Lann waren sie nach San Antonio gezogen in die Hoffmann-Bar Mw hatten Whiskl) getrunken i:nd Poker gesvielt, und eine Sennora Ranurez hatte er 'kennen gelenrt irr: Electric Parc ... Ob, die Kopft schmerzen!
„Wwat's the matter?"
„Captain Smith läßt sagen, Sie pwästen einen Versuch mit den nerc an gekommenen Maultieren machen, ob sie sich vor die Geschütze spannen lassen."
„Goddam! Kann der Captain das nicht selber tt:n?"
„Tie Mistreß hat ihr: zur Stadt geschickt."
„Ist der Eolonel da?"
A «^ x ' ^ er au f ^ er Börse. Tie Mistreß meinte, er koMe nnrl Nachsehen, obd er „Fuß" in Mexiko schon .Einfluß ans d:e BaumwoN-Kurse hätte “"
„Gee, gee!" stöhnte Leutnant Evans. „Ter fnss ir: Mexiko makes me sick all oder!"
„Patrick!"
„Mir?"
!„Weißt bin, wie die Consolidated Eopipier stehen?"
Patrick nahm den „Da ich Expreß" vom Tisch und sah nach.
„S7Vs, Sir."
„Gott sei Tank!" '
Leuttrant Evans griff sich an die schurerzende Stirn.
„Allright, Pat! sag' den: Sergeant, er soll die MulasI ein spannen. Ich käme gleich!"
„Pessir." Tie Ordonnanz machte kehrt' nick) ging.
Rach geraumer Zeit schleuderte Leutnant Evans, die Hände m beit ..Hosentaschen, dem Exerzierplatz zu. Durchgehende und bockende Manlttere, Umgefallene und'in: Sand festgefahrene Ge^ schütze, ein Durcheinander von schreienden und fluchenden Soldaten bot sich seinen entsetzten Blicke,:. Zwei Leute trugen einen Verwundeten weg. Ter Sergeant stürzte mit roten: Kopf aus ihn zu.
„Tie Mulas kann kein Mensch einspannen, Sir! Die sind ja überhaupt noch nicht gebrochen, haben nie Sattel oder Zaun: gefühlt!"
„Well, dann nrüssen wir sie eben einzeln.einbrcchen," sagte Leutnant Evans ergebungsvoll.
Tie Ordonnanz kan: in vollem Galopp gerannt.
„Order vom Hauptquartier, Sir!"
Leutnant Evans erbrach nervös das Schreiben und las: „Auf Befehl des Präsidenten Taft ziehen sich die Streitkrüftei von ^.exas bei San Antonio zusammen. Tie Batterien von frort San: Houston treten den Marsch ans Laredo an."
„Govd God!" rief Leuttmnt Evans.
Pserde^etrappel ertönte vor den Toren des Forts
Eine Schwadron RoUgh-Riders von San Antonio trabte rn den Dof ein. —, Hagere Gestalten in schäbige:: Khaki--Unzügen, und verbeulte:: Filzhütm hinge:: in salopper Halttmg in den hohen Bochatteln. T:e Reiter, meist kann: den: Knabenalter eill- wachsene im:ge Leute, waren mit Staub bedeckt, von der Sonne verbrannt und sahen abgehetzt aus. Ihre bunten Taschentücher hatten sie zum schütz vor Bäund und vftrse gebunden. Ans Befehl ihres Führers saßen sic ab. Mit zittencher: Knim blieben d:e mnden Gaule stehen.
„Hallo, Evans!" rief ßeutuaut Brown. „Ich komme, um zu fragen, ob s:c von: ,frort uns nrit ein paar Pferde,: aiEls-mr! Wunen. Unter Regiment ist beinahe nur halb beritte::"
„Twl nur leid, Brow,:," sagte Evans mit höhnische::: Lächeln
Es ist Abeud. Gttllwt ist die Sonne urrtergegaiigen und hol d:c alle, spanische Stadt mit ihren verfallene:: Kathedralen und Gefarcht schäften, den rnoderner: Wolkenkratzern ,md Palme::, rausche:,dm Parks mit glühenden Farben übevgosse::. Jetzt slanmll san Antonio in einem Meer von elektrischem Licht aus. Auf allen Talern bunt leuchtende Reklamen, alle straßdn überspannt von Bogen kleiner elektrischer Lanipen. Unter diesen Bogen in der Hauptstraße, der Houston-Street und aus der Alamo-Plaza, deren Palmen :n: lauen Abendwiich rauschen und an der sich düster die alle spanische Feste erhebt, rreben den: Rtenger-Hotel, einem vicr- “Jüeii Rreseiwau, wogt eine bunte Menschenmei^e Hin und her. Glattrasierte Geschäftsleute, Nord-Amerikaner mit ausacpolsterte,: schultern, breiten, schuhe:: imb hastigen: Gang, behäbige Deutsche oenen inan den Brauer ansieht, süße American-Girls in hellen, dufttger: Dolletten, ohne Hut mit Riesensrisuren, lebhaft ftirttnch m.ll :yrer: Boys und Gummi kauend. Dazwischen schreiten alint- äug^e Mexakanerinnen, .bunt gekleidet, .die Mantilla über "das durale Haar geworfen. Arnerikauische und mexikanische Soldater: Granne PeoneS, gelbe Chinesen.. Neger und Mulatte::: — das alles wimstlätt >cü:f den Tvottoirs, strömt in die Kinennrtographen- ^deater, Vanetes und Trug-Stores, wo es Eis und Lmw-nade gibt. Allerhand Straßenhändler schreie,: durcheinander Auf den: rpahrdanun bewege:: sich in unabsehbarer Kelle elektttschc Balmen, duMws und Eselkarren. Ueberall herrscht sndläridisches Leben und sudlmck):sche Farbenfrende. Tie Leute von San Antonio sind ern leichtlebiges Völkchen, sie kümmern sich wenig un: Politik Und drohende Kr:ege, dazu sind ja die SAdneblluppeu da! Sie Neuen i:cy ihres Lebens, solange die -Baumwollpreise g:ll sind die »raUOTMt jftmerat — Oben tm Tachgartm des San Ä ble - ^ Geiellschjast versammelt imd lauscht ben feurigen Weissn einer Merrkarrer- ^aude. Zu Fußen des Riese:kbmtes dehitt sich dpe lichtsprübeiche -tadt aus toch set-nWn zieht sich das »de Äschsand mit seinmi M^qm.Mgesünipp, m dem noch, vor fünf* Jahren Büffel und ^idtaner. Umherslrerfeen. llttir hier mrd dort leuchtet ein IjeTDer BS® Es tn der Sevnc, Wo eine Farm, eine kleine Ortschaft ist SÄÄ d« Du^httt rast ein Zug, Wie eine feurL
SKf^u. r lyt SSJ&S; ^ er seht nach Laredo, nach den: SnwAr, uLt 1 i^Ü 5o !:-2 e ^Ä^ saven anflangt, — &ie elegante Gesell-,
oben im Dachgarten unterhält sich auch über die drohende polttische Lage, aber lerch-thm, oberftäckstich. Das geht sie iam
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„pujtiieu Nichts schadet! — Und überhaupt ist ja nichts z:r be-
furchten. Mrercka :ft fmüberwindlich, vor allen: TexasWenn die
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vor, die bei Baseball und Football
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Manila sind noch frisch ^
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Wl>Äu" 9tmericrt,t§:! 38e ’ n ««» th- WSW« World! KM Begeistert stimmen die anderen ein.
Die belehrten Amerikaner.
Humoreske von Alfred Fried mann.
(Nachdruck verboten.)
Vier Amerikaner saßen eines Abends in dem elegante:: Nauck- zrinmer emes gvoßen Pariser Hotels. Es w'ar lange vor der V I nmgen Entschließung Wilsons, den armen Deutschen den Garaus M machen und. ihnen den Hals unqudrehen. Ter eine des Qu^- tieors, ein ergrauter Kerr in mittleren Jahren, saß schnei«»" entfernt von dem ander», und rauchte träumerisch, svw-it cii, Amerikaner traumer„ch ,em kann, ohne seinem Bunneß ,melnu- gehen und rauchte eine negerschwarze, schwere, endlose Jigarre Kx-dr« oberen ruhrtm enre ungsvöhulich laute UnterWwL' -lmerrkaner ettbas geräuschvoll, sie hatten j» drei % .5°« «*?6 Napoleons in den
and mftc die Achseln, „Wie ’lto f3b« fchT - 1 ©£ biefc Momesel! iie sollen wir eiubrechen, als GeschrkKespanming!"
"be: Wermiorgei: sollen Wir (Uif Laredo marschieren „W:r auch, sonnp!"
Tie beide:: Lercttmnts sahen sich ratlos an.
'"Nd das „Monlin Rouge". Nun hätte h n P , r* nic 5 t davon abgebracht, daß sie Litllc Pans na: :hre Westerllasche kannten, daß die Hauptstadt des ertlen Frankreich an der serne in allen Dingen fünfzig Jahre huller der Zell, und 60 Jahre hinter Amerika zurück sei. In Pa>ns
-Lvr/V-r jkiiuuh: uri ö'uiic eines vier «wra-v.zu
ll?Olucks sei nicht die geringste Hilfe vo. gekehrt. Aus Grund ihrer entgehenden sttidien auf dem Ball des , ' v yol<Uu znm enter: Male richtigen Cancan tanzen sahen, vchaupchetcn pe, d:e Moral der französischen Gesellschaft sei korrupt über alle Maßen, und d:e Franzosen sprächen nick: englisch ,ras allem genügte, um sie als polittsch unreif zn crUärcn, und was fte zur selbswegrevimg- total unfähig mache. Ihre Vorliebe für die schweren rAuftranksstücke — wo es doch so viel leichte und schmutzige Dollarnoten zu nehmen gäbe, beweise haarscharf aill welch tiefer Krckturstnse sie storchen. wawmi auf
■3:o ergriff der schweigende, ergnülle ^Harr die Glocke auf dorr:


