Ausgabe 
15.9.1917
 
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<m beinern Schlagring. Mich hat nur einmal einer betrachtet. Das Nxrr der blonde, schlanke Iünge, du tveißt es.Die ist doch viel glänzender," bewiunderte er mich schüchtern.Wer nicht alt unb tastbar," war Me Antwort. Tn must nicht meinen, das ich drum lranria wäre. 2:\t fünfzig Jahren hänge ich neben, dir im iMiorfe .ni.M, und ein Tag war schöner als der andere. Tn sahst miel ;ü 'Anrang nur über di - Schultern an und .schwiegst. Ach war deiner Freundschaft nich. wert Aber jetzt darb ich ja schon lange mit die reden, Ursula, du kennst mich. Tn liebst die Macht, ich den Tag. Tie Bonne küßt mich am ch> argen und' erfüllt .mich mit Sehnsucht nach Licht und Liebe."

So denkt die Jugend," wirft Ursula ein.Was leuchtet!, liebt sie. WckS glüht, verehrt sie. Was offen da liegt, beschaut sie übermütig und voll Wahn. Weist du nicht, alles ist Trug, Blmdwerk. Ter Dag nimmt die ?kugeu und führt sie immer ringsherum, er will sie reizen und verführen. Tie Welt ist dein, ftrgt er. Und die 2lug.n glauben daran, wenn sie jung sind. Tie Wimpern 'können den Glanz nicht all Hallen, sie Meten zusammen. Wir Alten gehören der Vtacht, den Schatten: schau in dich hinein, sagen die, nich>t außer dir, in dir ist deine Welt, dein Glück. Bilde, deine Seele. Sei weich und gut."

Wozu soll aber die Schönh.nt der (£tbe feiltV" fragt Beronita. Mein jungem Herz umfängt sehnsüchtig den Dag und ich schaue hinunter -um Gewirr des Martt.es und hinein in die Fenster- und hinauf in den bfa»reit Himmel. Und die Sonne nanbert mit mir und zeigt mir überall Leben. Siehst dn nicht an den einen Fensterlöcher!, unfern Glockenistulbe die Ptauerrante? Die Sonne, erhält sie und die grüne Farbe sagt mir: ich lebe. Tos Grau deiner Mächte aber ruft: ich schlafe, ich versimlc in Nichts. Leben ja leben. Irl fühle heiß, was dies Wort bedeutet."

Tu Heissporu," erschallt es' schrill,dein Empfinden ist. natürlich. W.-h.-r solltest du auch die AKgeAartheit nehmen'? Schaust du aus Iahrhuuderie Zurück- Wagst du mir deine Auffassung auf- zudrängeu? Vergiß nicht, mit wem du sprichst, ich bin uralt, heilig. Tein Leben ist Galt geweiht, aber du bist ein Kind der Erde. Fern, m it rauscht meine Äugend, ich war auch voller Glut, aber nur kurze Zeit."

Dir kreischt di? ©ule," slüstert Veronika,hörst du's, oben in der Latrrne ist ihr Nest. Tn kennst es. Sie paßt zu dir und deiner kalten, kalten Macht. Mir zwitschert die Mauerschwalbe bald, wenn der Morgen 'kommt. Tie ist voll zartem, reinem Klingen, der gehört meine Liebe. In mir bleibt'ö hell, ich schwinge stets in Wonnen. Mein Ton ist höher als der deine, nick-t so voll und lveiltragend, das geb ich M. Mer er stiegt über die alten Dächer «und geht zu jungen Herren und entflammt sie. Trüben steht ein zartes Mädchen am zensier, tvenn lvir läuten. Das macht

die Alugeu weit aus und schaut starr herauf. Meinen hellen Ton

hört es und dein dumpfes, tiefes Tönen ergreift es nicht. Lichten Klangs brauet ein junges, sehnendes Herz."

Sei setz! still," erwidert Hart die alte Ursula ,üvarnm läßt du mich nicht ^zum Träumen kommen? Waches Tränen ist

mein Bestes. Tie Sterne glitzern Friede, der Wind säuselt es.

Tn aber machst mein Herz schwer und unruhig."

Ta schlreigeii die beibcu und schauen einander an. Die Schatten verfliegen, die '.Nebel lömm-en, es imrd langsam leise Tag.

Guten Morgen," sagt Veronika.

,Gmeu Morgen," ruft laut die Nachbarin.Ich habe eine schwere NNcht gehabt, »tem Herz tut mir weh. Hast du es gestern gehört, was der alle Glöckner sagte?Ihr armen Glocken," seufzte er,lro hält ick) je au so was gedacht. Weiß^ bin ich geivorden. Und alt mit euch. Plötzlich muß eine meiner Schützlinge herunter, zum Einschmelzen. Tabei standen ihm Tränen in den Augen."

Veronika erschaudert ein wenig.Wen sie wohl holen? Mir hätte cs noch lange hier oben gefallen. Mer ich bi . whvrsain."

Ursula lacht überlegen.Ich werde wohl . ? bleiben, ein solches Kunstwerk zerstören sie nicht. Atter mach: heilig. Aber dich kann's treffen. Tu glühst ja immer und schwärmst, vom Leben Und Kamps, von .Schaffen und Blühen. Du wirst hinabsteigeu auf deine Erde. Tu kannst die Menscheu aus der Mähe betrachtet!. Tu wirst, sie anders finden. Hart sind sie und zerstören deine, schöne Form. Tn vergehst."

Arme Ursula," jauchzt .Veronika,wie kläglich ist deine Missa fiung vom Dasein. Ich ergehe nicht, ich wandle mich um. Erz bleibl und wirkt."

Eines Tages holte .mau die lebensfroli-e Veronika wirklich herunter.Was für einen Spruch tragt sie," fragten die Männer, die H'? t müh am lwrnnternahmen.

Wenn mein Stündlein gekötnmeu ist.

So nimm mich zu. dir, Herr Jesu Christ."

Ta^> paßt gilt," meinte einer.Heilt ist ihr Stündlein ge­fönt turn."

Ta nickte die Glocke und wartete geduldig auf ihr Schicksal. Kinder und Mengierige umringten sie und sprachen ernste Worte.

Lebe noh!," sang leise Ursula ihr zu. Lie war traurig über de» Acprtcd. Einsam mußte sie jetzt im stillen Turm wohnen und niemand har:? mit solch offener Seele ihren Reden zu.

Und ti-enn der Glöckner läutete, zog nur ein tiefes, schwnwes Tönen ub-?. die Stadt. Ter jaucknzende Klang fehlte.Wir haben Iveuigcr blocken," sagten die Leute,wir trauern uni die Ver­lorenen." 'Aber daß auch die eiiisame Ursula trauerte, das iv'nßtcn sie nicht.

Zweite Begegnung.

Von Ilse Rc i cke.

(Machdruck verboten.)

A,ur Raube eines Hochpl ateaus, das ei nett, tueileu Rundblick sreigibt »der die braunen polnischen Felder und «nisten MildimaeN,

am Hange eiuos Hügels liegt der Frieohm. Zur Linken, aus der leeren Hochebene, ein niederes weißes Geoftide mit scharf- grün r,n Dache: der einstige ruf iifdje Bahnhof, burrf: den nie mehr ein Ziug seine fröhlich.slalterude Tantpffahne zieht, deim die Wachsamkert der russischen Geschütze reicht bis hierher. Man hört sie immer nieder Inuiinmeu und knurren durch den nichterfüllten FrüHlmgtlachturttag: dort, an dem naben, bfmien Höhen-tige, wo zerschossen und n-eidetoeiß cm Kirchturm aufragr, Lßort läuft die ru)fische Front. Zur Reck,reu steigt das Fricdhossge lande! hinab zu weiten Wiesen. Ein. .Fluß, mir schwermütig klangvollem Maw'cm, der anu-uiet wie der Name eines schönen. Slaven mädchens, sksht still' und silbern zwischen durchsichtigem Erlengeäst. Er 'ließt wicküt, er scheint, getränkt von dem Glanze des ersten Sommers, stptlMstcheu und dem Lerchcujubcl in der Luit zu laitschon. Eitre Tuoficl flötet über die Gräberstille . . .

Eine niedere Mauer, aus Feldsteinen gefügt, umschließt die Glätte. Und dort, 'jvv der sacht raunend:.Wald als- getreuer Hüter feines Schlumnrers an den Friedhof hcrantrikt, dort ragt ein runder, tuassiver. gedrungener Turm, ans Granitquadern: ein Denkmal, das die Kärnöradeu den. loten Brüdern errichtet. 2buf seiner flachen .Kuppel hockt ein steinerner Dler mit kummervoll gespreizten Fittichen und äugt uttbelreglich fick Land . ..

Sorgfältig gepflegt'? Weue führen von den: Denkmal herab Livifcheu die Gräberrecheu. Liebevoll sind die Hügel alle gehalten, liebevoll die viele , Kreuz« aus braunen, ungeschälten Kiefernästen äufgepflanzt. Andächtige Sorgfalt, wie sonst nur dir F rauen- Hand sie aüsteilt, iraltet über allen diesen Hügeln. Muß man erst hierher kommen, um zu wissen, wie 'wir alte die Erde liebe.i und hegen, cütch die russische Erde, die ckus so viele Vernichter gebar? '

.Hier ruht ein uwbckkanwker russischer Krieger" steht auf einem der Kreuze,Laudstirrmmanu W. und Mmdsturmmann G." auf dem nächsten, dann ein großes Kreuz:Hier ruhen fünf tapfere Russen", dan n trieb er deutsche Muren. Tie rn ss: scheu Kreuze tragen den zweiten, schrägen Querbalken, bei den Inden ersetzt der sechszackige Stein die Kreuzes *orm.

R'an geht auf und nieder Und liest Namen, liebe deutsche Inn gennamen. Fast fürchtet inan, einem, den man kamite, zn begegnen, find da, als habe es die Seele vor ausgewittert: da stcktst auf dein gelben Holzschilde, in schwarzer Schrift ein Name, der erschreckt, - ein Klang wacht auf, wann wohnte dieser Klang schon einmal in deinen Ohren? Woher konntest du diesen Nanrein schon? - Stand er nicht einmal ach längst, längst, vor vielen Menden, - auf einer weißen Tischlftrte? Lag dieser Name da nickst neben dir, zwischen Porzellan, Silbei-, Kristall und Blumen?

Und stand ep nicht nachher, mit Bleistift gekritzelt, aus 'einer Taiifickrte, -- für irgendeinen verliebten, sehnsüchtigen Walzer?

Ein Name, ein Klang, Erinnerung an einen längst verschollenen Abend voller Ätusit- und Blumen, voll blitzender Gcjpräche und verstecklem Lächeln . . . Namftc nicht in der Nacht darauf ein Traum diesen Namen noch einmal?

Und nun steht dieser Naute plötzlich toieder vor dir, schlvarz gepinselt ans ein gelbes Schild an eineut Kiefern kreuz, tief in der Einsamkeit russisch-polnischer Weite .... hinten, an dem blauen Höhenzuge, grollen Kaiwnetr... Eine Trossil flötet über die Gräbcrstillo . . .

Silbern slcht zwischen dttrchfichtigei» Erlengrast der Fluß in den Wiesen, der Fluß mit dem schrvermütig klangvolleni Namen eines flavisckwn Mädchens ....

OermischLes.

^ B v m G r t, n d lv affe r. »lieber das Grundivasser, das innerhalb der sesnetp Erdrinde in einer gewissen Tiefenlage, meist zwis'chssn ? und 6 Metern, Mkgetroffen n?ird, werden in der Natnr- wissenschaftlichen Wochenschrift bemerftnsirerte Mitteilungeu ge- mackt. Zn einer iMschiätznng der Menge dieses unterirdischen! Wassers ist man gelangt, indem man von dcr Beobachtung d?n Trmpwraturverhältnisse ausging. Ta die Temperatur der Erde bei je 33 Meter Tiefe tun einen. Grad Mtiimutt, so müßte bei 3300 Metern Diese das Wasser in Damvfform übergehen. Ter mit der Tiefe zunehmende Druck hemmt sedo.1 dir Tamvsbildung,. Und es ist wahrscheinlich, daß,die Erde bis zn einer Tiefe vom 18o00 Meiern noch wasserhaltig ist. Danach hat man die Menge des tinierirdisch.m Wassers aus 1284 765 000 Kubikmeter, gleich Vhas dcs Rauminhalts der Erdkugel berechnet. Die Verteilung des Grund Wassers ist abhängig von der Lagerung und Beschaffen beit der Erdschichtcn. I?ose, sandige Schicken u lassen das Wasser leicht durch, während Tone. Mergel und Lehme undurchlässig trerden. wenn fic genügend Wasser ansgenomtneu haben. Aber auch die fi'sleslett Gestein? eutüaitei, stoch Wasser. Die .Hanpl.nenge des Grnudtoasskrs entstammt den Niederschlägen: indes,en fit,du auch eu, Waffe raus tun sch zwischen den Flüssen, und dem Griinotvasier statt. In der Nähe der Meerestüsteir iverden die täglichen Sck ran-' mydgen, von Ebbe ,tnd Flut auch, aus dgn. Grifid>N.^sferipiegeck über-«