Ausgabe 
15.9.1917
 
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Wählte eine ans und zündete sie an. Ter Rittmeister trünnntei jich förmlich unter dev Freundes sicherer Gelassenheit. Weiht du jetzt, wer der Mörder ist?"

Ja."

,llub er ist immer noch ans freiem Fuße'?"

,;Ja, das kann man wol>! sagen."

Der Rittmeister schaute seinen Freund an.

Das kann man wohl sagen? Ich verstehe dich nicht."

Aber Asbjörn Krag liest sich nicht aus seiner unerschüt­terlichen Ruhe bringen. Er nictte bloß und wiederholte.:

Gewiß, man kann wohl sagen, daß der" Kerl aus freiem Fuße sei."

Und noch immer ebenso gefährlich?"

Durchaus ebenso gefährlich."

Aber wnrurn in aller Welt bietest du däinn nicht alle vorhandene Mannschaft a.ls, um ihn #it sangen?^

Das ist in diesem Augenblick nicht notwendig," er­widerte Krag.Aber wenn ich es angebracht finde, den Kerl zu. überführen, kostet es mich nur einige Schritte Und ein einziges Wort, ihn zu sangen."

Er ist also hier in der Nähe?"

Jit unserer nächsten Nähe."

Erschreckt schaute der Mttmeister den Detektiv» an.

Du hast doch nicht einen von meinen Leuten im Ver­dacht?" fragte er.

Dir sollst alles erfahren, wenn ich einmal so weit bin. Vorerst müssen wir ein wenig von Advokat Bomann reden. Du bist doch auch überzeugt, daß er ein Schuft gewesen ist?""

Ja, das habe ich begriffen."

Er hat den. Lohn für seine Daren erhalten. Er ist es gewesen, der Dagny so bedroht hat, daß sie ihre Verlobung mit dir löste.""

Großer Gott! Wenn ich, das gewußt hallo!" rief der Rittmeister und ballte die Hände.Sie hat ihn also- ge­kannt?"

Sie hatte ihn niemals gesehen, ehe er hier in der Gegend auftanchte."

Aber wie ging es dann zu, daß...'"

Asbjörn Krag streifte die Asche von seiner Zigarre.

Lieber Freund," sagte er,du tveißt, daß es gewisse lichtscheue Wesen gibt, ivelche nttl Mitteln arbeiten, die ehr­liche Menscheil nicht benützen können, ohne sich aufs ge­meinste besudelt zu fühlen. Er war tm Besitz einiger Doku­mente, und auf Grund dieser Dokumente zwang er Fräu­lein Dagnh, gegen ihres Vaters Willen und gegen ihre eigene starre Neigung zu handeln. Sie war in seiner Macht."

Der Rittmeister wurde blaß !vie der Tod.

Ein wahres Glück, daß der Mann tot ist/" sagte er.

Asbjörn Krag sah seinem Freund forschend ins Gesicht und fuhr dann ebenso gelassen wie vorher fort:

Am selben Abend, wo der Advokat starb, befand sich Fräulein Dagnh in seiner Wohnung. Nein, sei ganz ruhig, lieber Freund, sie war allein dort. Sie hatte eilten Zeit­punkt getroffen, wo er ausgegangen war, und bahnte sich dann den Weg in seine Wohnung. Ich wähle mit Absicht den Ausdruck: sie bahnte sich den Weg! DU kannst daraus entnehmen, zu welchem Grad von Verzweiflung das junge Mädchen gebracht war. Es war ihre Absicht, die ge­fährlichen Dokumente zu stehlen, die der Advokat in seinem Besitz hatte. Aber sie konnte sie nicht finden und mußte sich unverrichteter Sache davonschleichen."

Hat sie dir das alles erzählt?"

Nein," erwiderte Krag.Aber ich fand irr des Advo­katen Zimmer einen Ring, der ihr während des Suchen s vont Finger geglitten war. Den nahm ich heimlich an mich und zeigte thn ihr später. Es war ihr Ring. Vielleicht kennst du ihn auch."

Der Detektiv legte einen schmalen Ring mit einer Perle auf den Tisch. Der Rittineister griff danach und ein schmerz­licher Zug glitt über fein Gesicht.

Vor einem Vierteljahr an einem herrlichen W-inter- mor-geu habe ich ihr diesen Ring geschenkt," flüsterte er vor sich hin.Aber die Dokumente!" fuhr er dann auf. Was t|t aus den Dokumenten geworden?"

"Die waren, wie gesagt, nicht in der Wohnung zu sindeu. Wenn ein Schuft rm Besitz von solch wichtigen Papieren ist, dann trägt er sie womöglich immer bei sich. Als ferne Leiche- gefunden wurde, fand ich auch die Papiere "

Zeige sre mir!" flehte der Rittineister erregt.

Nein," erwiderte der Detektiv.Die Papiere gehören

Dagnh. Sic hat sic von mir ausgehändigt bekommen, und ich nehme an, daß sic sie sofort verb-rarmit hat."

lind durch diese Papiere ist also das Geheimnis ent­hüllt worden?"

Znm Teil wenigstens," antworte.e Krag.Durch diese Papiere habe ich ergründet, w-airum es Dagnh für unmöglich hiel>, sich mit dir zu verheiraten. Ich kann dir aber nur so viel sagen, daß sie um leinen Preis den andern, den Schur­ken geheiratet hätte."

War davon wörtlich, die Rede?"

Ich vermute, daß der Advokat dariiber mit den: alten Holger reden wollte, als er ihm den beinahe drohenden: Brief schrieb- und ihn zu einer Zusammenkunft aufforderte. Ich nehme jedoch an, daß der Advoktt gar nicht dazu kam, mit dem alten Holger zu reden. Wahrscheinlich war er zur gegebenen Zeit zur Stelle, aber schon vorher hatte beit alten Oberst der gefährliche Schlag getroffen."

Er war also schon vorher von dem Mörder überfallen worden?"

Ja, von demselben, der später den Schurken, selbst er­schlagen hat. Das Schicksal wollte, daß dieser den Lohn für seine Taten ernten sollte."

Und der Mörder?" fragte der Rittmeister.In welchem Zusammenhang steht er mit Dagnh und der ganzen Ge-

Asbjörn Klag sperrte in geheucheltem Erstaunen die Augen weit auf.

In gar feinem," sagte er.Dadurch gerade wurde die Sacke so sonderbar und war schwierig zu ergründen, .hier handelt es sich nicht um eine einzige Sache, sondern um Zwei. Die sind ganz verschieden und haben nichts mit­einander zu tun, haben sich aber in sonderbarer Weise in­einander verwickelt. Bisher hatte ich mich selbst gefragt: Wer hat den alten Oberst übersatten, imi> welche Absicht hatte er dabei? Ich habe versucht, diese Frage auf Grund der vorliegenden Umstände zu beantworten, kam aber zu keinem befriedigenden Resuttat. Die andern, die sich dieselbe Frage vorgelegt hatten, kamen zu den: Schluß, du seiest der einzige, der ein Interesse an des alten Mannes Tod haben könne. Ich, der die ganze Zeit über von der Voraussetzung ausgegangen war, daß du dir nichts vorzuwerfen hättest, begegnete diesem Verdacht mit den Enthnttungen über den Brief des Advokaten und sein ganzes drohendes Austreten. Auf diese Weise lenkte ich den Verdacht in eine andere Bahn. Aber daun wurde der Advokat ermordet, und damit warst du. wirklich rettungslos verloren. Wer sonst als du sollte irgend ein Interesse daran gehabt haben, ihn aus dem Weg zu räumen? So kam ich auf den Gedanken, die beiden Falte einmal vollständig auseinander zu halten. Wenn man an- nimmt, daß die beiden Morde nichts mit der Verlobung und mit den Drohungen des Advokaten zu. tun haben, dann wird das Ganze viel durchsichtiger und erklärlicher."

Die beiden Morde!" stieß der Rittmeister hervor.So ist Dagnys Vater seiner Verletzung erlegen?"

DagnhS Vater?" fragte der Detektiv.Der, den du meinst, ist am Leben und befindet sich, lvie ich erfuhr, ans den: Wege der Besserung."

Dm-, den du meinst?" wiederholte Rye.Was soll das heißen?"

Er ist gar nicht ihr Vater," antwortete Krag.

(Fortsetzung folgt.)

Zwei Glocken.

Bon K'arola Bock.

Tie Menschen schlafen nachts, aber die Glocken nickt. Sic rufen wohl, aber sie denken und sinnen dabei. Das weiß nicht jeder Ganz spät abends muß man durch, die Gassen luttitfern, da hört man irgendwoher geheimes Rannen. Es kommt von oben Nicht von ton Sternen. Ter alte Kirchturm klingt und surrt

Ursula, beut ist Vollmond," sagt Veronika, die Glocke * oejnc Wandung leuch:et und nrie dein Herz bebt, ich suhle es.

Du hast recht," »mute die «»geredet«,die Nacht äst mein Freund und bei Harem Mondschein bin ich im Paradies. Tn

spure ich und stolz zittere ich vor. mir selbst."

Veronika lächelt:Tu bist selbstbeu..isch Tu bist auch schön, nud dw Menschen sagen, du seist eilt seltenes Rulisvv-ert'. Wenn sie heransliommen mit unserem Glöckner, tasten sie ehrfurchtsvoll