fester Hand zusa m mengehalteu hätte, Hann nräre an den meisten Tagen fein Stück Brat- im H-aus genesen.

Wie nwlltest du es durchbeißen ohne mich?" fragte sie ihn jedesmal, wenn er nicht wußte, roloher er das Gkld zu einer Rolle Leder nehmen sollte, und sie dann ihr Sparkästchen öffnete, das sie frauenklug immer aufzumllen verstand. So lvar es andt> heute lvieder.

Wo du nur all das Geld herkriegst?" meinte er vergnügt.

Und du deine Einfälle?"

Er strich sich rr-ohlgenrnt ,'koer das Kinn.

Tie Bauern bezahlen doch so selten, Ptarie?"

Leiten grad nicht, aber wenig gern. Halte nur (uumc-t dein Buch genau. Siehst du rum, n»as du für eine Frau hast?"

Ja, ja Wann du nicht lvärst, hätte ich's heiraten ganz

vergessen."

Und untergegangen ivärst du auch."

Mag sein."

Und da liegt dir natürlich kaum etwas dran? lind da sitzest du mir immer da wie ein Lehrbub und draußen bist bii doch so ausgelassen? Und wegen deiner Lustigkeit habe ich dich dom gefreit! Einen Mann kvmrte ich schon längst kriegen."

Ist das am Eirde nicht lustig genug, daß ich bei dir so ordentlich bin, Rtarie? Tu bist mir zu gut, Marie."

Wirtlich?"

Und sie gab ihm einen schallenden Kuß.

Vfcim behalte deine lustigen Augen und bezahle dein Leder. Und mache nie wieder einem Mädchen so ein paar Tanzschuhe wie mir."

Mit den Tanzschuhen das war die Geschichte. Er setzte sich wieder auf sein Treibein und durchlebte die frohe Zeit von Neuem. Tie Leute auf dem Reithof hatten ifyu wie gewöhnlich mit lanteur Jubel empfangen: de,« mm gab es ein paar lustige Tage. Er hatte seinen Ranzen mit dem schwereir Werkzeug auf die Bank geworfen, die großen Lederrollen begutachtet und mit dem Herrn des Hofes gefrühMckt. Nachher war am Fenster die Schusterei wie alljährlich eingerichtet worden und der Pechdraht nahm mit dem Zeisig über der Tür den Wettkantpf, ans. Trei Wochen durfte er damals Arbeitsgast, auf dem Hof sein, und die Letzten, denen er neue Schuhe anmaß, waren Marie, die Küchen- magd, und Kenner, der jüngste Klemkneclst. Ta war es wieder einmal vergnügt hergegangen, und die ganze Familie war zu­gegen gewesen.

Also Henner heißt der Herr vom Pferdehuf? Ja, aber wenn man neue Stiefel kriegt, dann zieht nran seinen Sonntags- vock cur. Freilich, natürlich! Marsch! Willst du die Absätze vorn oder hinten hin? Msv vorn? Hinten? Mch gut! Glas vder Leder?"

Und als der Jungknecht zur Freude aller nüt verlegenen iAngen im neuen Rock weder gekommen war, hatte August gesagt: ^,So, nun gucke mal grade aus. scharf auf den Baum dort, guck durch die hohle Hand, sonst tritt man die Absätze schief. So isUs recht."

Tann chatte er Maß genommen.

So, nun ziehe ich dir noch^ein Haar vom Kops durch die Türe. Tas kommt zwischen die Sohlen, daß die Wasser halten."

Und der Junge hatte von: Aausgang her den Kops gegen die Tür halten müssen, unb er hatte von innen so fest gegen, die Stelle mit dem Hammer geschlagen, daß man von draußen ein lautesAu" vernommen hatte. Run kam die Marie daran.

Willst du auch tanzen drin? Ja, dann muß ich Quicksleder nehmen und die Sohlen __ glätten. ,Urrb du kannst mir mal die Schweinsborste am Schleifstein spitz schleifen, daß es feine Stiche gibt."

Am Abend war darm die Magd ivvch einmal gekommen und hatte sich für ihr Geld ein. Paar ausgeschnittene feine Kirmesschuh bestellt, imd sie hatte ihm einen Kuß geven müssen, sonst wären sie nicht geraten.

Als dann die Kirmes \mx, war die Marie zu ihm gekommen und hatte gesagt:Schuster, du hast mir nun die seinen Schuh gedeichselt. nrm wollen wir sie auch mal zusammen probieren, das; sie richtig eingetanzt werden." Und die Magd hatte ihn ge­schwellt t wre einen Spielball und tvar immer wieder gekommen, Weil sie mii einem andern nicht darin tanzen kon.ne.

Tas liegt nicht am Schuh, das liegt an dir."

Und an dir, Schuster. Tanz mir die Schuhe nur auch richtig

Tu hast die Sohlen nicht pecht poliert, Marie."

Tas kannst du mm. Tanz bis zum Kehraus."

Ter Schweinebraten schmeckte damals gut und der .Kirmeswein gar suj, und als die Musikanten schon längst in ihrer Kammer schnarchten, stand der Jnxschuster noch immer bei der Marie vor dem Reit Hof.

T«i hast mir «da v^rl^te Schulz geniacht, August. Allemal wann die Klarinette singt, zwhen sie nrich nach dir. Ist das richtig Qkttckslkder?"

Jo, ein Herzstück lvar's."

t:vsleu wir mal scheu, We es morgen geht. Gute Rächt."

Veg war sie.

Und da hatte er Qemerft, daß er richtig Herzleder genomme» hatte. Und am fvlgerchen Tag, als sie fast nur init dein Jungkliecht tanzte, erst recht. Ta wäre er am liebsten heim gegangen Am Abend tröstete sie ihn.Ich Hab deine Schuh ja gar net an, Tavvn koinmt's, August. Und der Jnngknecht hat gesagt, du toärst kern Maim für mich. Tu macht'ft nachher einer andern noch ein Paar bessere Lchiuhe io© barm wäre das Unglück da. Und er hätte gesehen, daß du seine Schrrhe auch ans Herzled.ee ge­schnitten hätt'st?"

Ta tvar er am dritten .Tag nicht auf den Tanz gegangen und hatte sich daheim tu den Garten gehockt, und gegen Mend tvar die Marie zu ihm gekommen.

Ich habe die rechten Schlitze wieder an und die l-aben mich zu dir gezogen, August. Komm nur, der Lausjung hat unrecht."

Uub da hatte er ihr sein einsames Häuslein gezeigt und den Ltall, in dem zwei Kühe Platz hatten, urcb ben Fenster­platz,' von dem man in das lachende Tal schauen konnte. Und sie waren zuscnv mengeblieben bis der letzte Geigenton in der Wirts- liiid'e verklang und aus den Tanzschuhen Brautschuhe geworden warm.

Tos irar ihm wieder durch den Kops gegangen.

Laß den Hammer tanzen."

Richtig, Marie!"

.r. , . lr ' ar . ^eder auf der Welt mrd sagte, daß er heute Rachmittag eine Rolle Leder holen müsse.

Aber kein Herzleder, Mann! Wir haben genug Herz."

Und dann sachten sie und beschickten ihr Tagewerk.

Vermachtes.

* R u s s i s di« Revolutionsbriefmar. keu. Sehr bald nach> dem plötzlichen Aiusbruche /der russischen Revolution im März dieses Jahres begann sicki ein enrpft.kdli>cher Mangel an Briefe marken, und zivar besonders an Fünf-Kopeken-Marken bemerkbar zu imacben. Der Gruuo Hierfür war der, daß Briefe an Angehörige tes aktiven russischen Heeres, die bis dahin unter gewissen Voraus­setzungen portofrei befördert rvurden, ,rurn mät 6 .Kopekerr frütt- gemacht werden miußlen, wivdupch der Verbrauch an dieser Vrief- markenart natürlich, bedeutend gesteigert Wurde. Run kamen be­kanntlich in den erst-etn .Tagen der Revolution alle Petersburger Fabriken zum Stillstände, und so setzte auch die Erzeugung der Briefmarken aus. Außer der Fünskopekenmarke herrschte noch.großer Mangel an den Ein- und Dreikopekenmarken: überhaupt aber war der Vdarkenmaugei so dringend, daß die neue Leitung der ruf fischen! Post telegraphisch in Finnland aniragte, ob manpon dort russische Marken, ja im dtotfalle sogar finnische Marken erhalten könne, die dann in Petersburg Kur Be-nutzung zngelassen werden sollten. sDa die dlntivort in beiden Beziehutngm verneinend anssiel. so wandte man sichs Murmehr an die Druckerei, wo die russischen Mar­ken hergestelli wurden, mit üo,i dort Briefmarken zu beziehen. Die Druckerei hatte tvohl Vorrat, aber die Marken waren .lischt serttg es fehlte die Durchlochung; und da es an Arbeitern damals völlig mangelte, so entschloß -nun sich, die undnrchlochten Briefe marken in Umlauf 'ztu setzen. Der russische Post- und Telegraphen­leiter sandte also ein Mundschst-eiben ans, worin er mitteilte, daß die undurchiocksten Marken allgemein zur Verwendung. zuK^ lassen feien. Auch .in den russischen Provsirzstädten trat Marke il­mangel, und zwar besonders wiederum Mangel an Fünfkopeken^ inarken, ein. Eiire Reihe von Postämtern half sich in der Not damit, daß sie Zehnkopebenmarken der iLänge nach halbierte und die Hälften als Fünfkopeken marken zuließ. So hat die russische Revo­lution für die Briefmarkensammler zwei ueue. Seltenheiten geschaf­fen : Die halbierte und die undurchlochbe Marke. Bon letzterer Klasse ist das Fünfkopekenstück am häufigsten, am seltensten sind Dreikopeken, vor allein aber Zweikopeken undurch,locht. Es kommt lwch> jetzt vor, daß undarrchlochte Marken zur Freimachung benutzt werden; diese stammen noch immer aus dem Vorrat, der in der ersten Revolutionszeit in Petersburg cmgekaust und in Umlaujf gebracht rvorden ist.

YZchertisch.

Hochland, Ädonätsschrift für alle Gebiete des Wisse,cs, der Literattir und Kunst. Herausgegeben von Professor Karl Muth. Jvs. Wsel'sche Buchhandlung, Kempten und München. Viertel­jährlich 4,50 Maßt.

Delphischer Spruch.

Rage zrun Himmel, belehr' dich und dien' auch häufig zur Kleidung. Werden die Zeichen verstellt, liebt man ,nich frisch und pikant. -ü

(Auflösung in nächster brumnier.)

Auflösung des Zahlenrätsels in voriger Nummer: Soinmerfrische, Vsiris^ Meise, Moses, Esche, Reis, ^erse, Romeo, Isis, Seife, Chef, Homer, Erich. Sommerfrische.

«chnftlettung: Fr. 5t. Z«j. - ZwiNingsrunddruck uitb Verlas der Brühl'Ichen Univerfitäts-Buch- und Stetndruckerci. R. Lange,