Die Geige.
Won Pa'ul Aexandcr Schettler.
(Nachdruck verboten.)
^ alten.Schullehrer hing eine Geige in der Stube, eine
Wte, dunkelbraune Geige. Sie hing gowiß schon lange dort an der Wano, lohne daß sie eine Hand berührt, ern Bogen gestrichen hätte; kSS 1 ,lc < ^ ltor einer Grauen Samtschicht von Staub be- bvttt. Und iwn ihre einzige Ijaite, die sve noch beslaß, hatte eine a * t> Fl? me Shrnne ein hübsches, gleichmäßiges Muster von Fäden gewirkt.
Il>ai ^ber nnr möglich gewesen, iveil der Schullehrer ein Wtttver tvai und ihm keine Haushälterin zur Hand ging, denn er . war eigen und sonderlich, jnnd es gab noch mehr Ecken, mH Eintel, die die stillen enrsigen Künstlerinnen in Silberfäden des Bergeisens eingespönnen hatten, und über manches Spind, und über manchen Lchrank lvar der Schleier von feinem Staub gebreitet.
5 Wie in Toniröscheiischlaf lvar die ganze Stube des Mten ver- ^"^eu. seitdem er allem für sich hauste Selbst die alte Uhr war Stehen geblieben und schwieg. So lvar eine atemlose Stille Un Zimmer. Niil das manchmal leise eines der alten Möbel Lrackte, Wie es wurmstichiger Hausrat zu tun pflegt. Und nicht leiten tam es vor, daß auch von der alten Geige her ein leiser Seiiszer heruiederrann, wenn ein Luftzug über die eine lebte strich, ^.ann geschah es wohl, daß der Alte verträuimt auch lickte und ixnx Kopf sackst wiegte. Doch — er ließ das Instrument oben am rostigen Naget hängen, der Seufzer der Ber- .gesseuen Blieb uugeW^.'. i
Ta geschah es eines Tages, daß ein Knabe von seiner kranken Mutter zum Lehrer geschickt wurde mit dem Ansuchen, er möchte der Lchule ferichlnben, denn sie habe feine Hilfe in ihrer ^cio-t.
Ern blonder Kiabe war es, mit großen, klugen Angen, in deneii viel Unerlvecktes lag, und die beredter zu sprechen wußten als die wenig gewandten Lippen.
_ Wie er zu dem Alten in die Stube trat, ging ein Lufthauch von der Tur zur Wand und rührte an der alten Geige, «und au^ dem holzeriien Bnseii klang es fein und dünii, wie aus einer zerbrochenen Menschenbruch
ehe der. Knabe-einen Ton gesprochen hatte, blieb er er- schreat stehen, chm Blick fiel auf die Leufzerin, iiUd er hauchte in sreudigein Erstaunen: „Eine Geige'" f
A'E Ff seist Mge au dem Jnstrnmelck haften, und nur wit Muhe fanden sich seme Gedastken zur Llusrichtung des Auftrages, den ihm seine leidende.Mutter gegeben, wieder zusammen.
.. .^be alte Lehrer hatte lächelnd die Zwiesprache verstanden, dre die LlUgen des Jungen mit dem lockenden Wesen gepflogen, hatten, und da er beit Kleinen leiden mochte, sagte er: , Magst du .sie dir einmal in der Nähe ansehen, die Geige?"
. , Der Blonde wurde rot, teils aus Scham, teils vor Begierde, das Instrument berühren zu dürfen, uiid ohne daß sein Mund Nli sprechen wagte, baten seine Blicke um die Gunst.
Ta erhob sich der alte Lehrer, ging zur Wand und griff niit seinen welken Fmgern nach Geige und .Bogen. Das Äbernek der ^pmne zerriß leicht imd der Staub zerstreute sich.
Ter Alte fuhr mit dem Acrmel säubernd über das Holz der Gnge und beklopfte — wie der Arzt die Brust des Kranken — den braunen Holzrörper, wobei er das Ohr lauschend neigte. Hohl klang es <mv dem Kasten wider, und die einzig gebliebene Saite schnarrte plärrend.
Sdjiwioaib blickte der ffiioie aut das Jiistrnmcnt „Hat lange da oben gehangen." sagte der Wie. „®tu& neue Sailen „haben, dann klingt sie besser/'
Er nahm dm Bvgcn rlknimte das Instrument unter das Kann Und strich emrge Male über die Lacke fym ..., ? cl ' Knabe trat scheu zurück. Der Lehrer setcke ab und lächelte kopfschüttelnd „Tann klingt sie besser." wiederholte er „Hat emma bessere Tage gesehen," fuhr er fort, indem er sie zärtlich ansah, „und Ersolge gefeiert — ist nicht echt aber lied ist sie mir. Hab' sie voni Vater -— w>ar w aro r, .»'je du »1&, so grob. Lvllte Klnsllcr werden - ach Gott. ' a Künstler!' Echan, nnd mm hangt ,ie verstaubt an der Wand, und ich sitz' hier — da, nur mit einer Saite — eilten Saite. Alle anderen! sind gesvriingcn mit der Zeit - eine nach der anderen So
P 'V- Wc "- ,rr l 4Bcr "icklt Vorrat an neuen Sattm hat der steht «mes /tageS,,o da iuuc sie - unbrauchbar, verstaub nifi onenb. Aber eine Saite hat sie bod; noch behalten. Und 1C n. l v 113 ' «wit« es aueh mir eine Saite ist."
wollen wir ihr neue Saiten geben? Neue Sacken für umge Finger, nnd lokniu diese jungen Finger sie Meister, i werden, wie einst die alten, baitu soll sie bei ich,,en bleiben — nicht mehr an dieser Wand dort — hin?"
Er streckte den mageren Arm, der die Geige hielt dem!
Ter tastete zögernd, mit leuchtendem' Ausblick nach den. Instrument. Ter Alte sah das Leuchten n den Augen des^ Kleinen, und er nickte: „Ta, nimm sie nur wid mach' mir Freude und ihr Ehre!" '
k . £F e 0,1 c e * 1! Dankeswort .zu denken, ergriff der Blonde fertÄ H ^Aenden Auges Ä.
Inö sah ihm der Lehrer nach. Lächelnd und senfzeiid.
Uiid er saß laiige in seinem Stuhl am Ofeii und gab den Ge daukeii freie Bahn.
Anderen Tages saß dcr Blonde in dcr Kasse mit einer foim= moi EraebeHM, la Andacht. Nie war er io still getvesen, imd mit Ruhnmg nnd Wohlgefallen blickte ihn oft der' alte mrer au, legte ihm wohl auch mal die Hand auf beit huschigen Kopf. . ^Mittag läutete und die Bänke sich teerten, machte
er „Pst! urid lmnPte den Jungeii zu fich.
o "• mÄ, s ^ e ^ e J 9C T. Klomm heute nach dem Essen zu nur. Will s versuchen, dich die ersten Griffe zu lehren "
^er Knabe senkte den Kopf iroch tiefer, als er ihri bisl-er irug. Uno es ivar, als/ oih er die bre?inende Röte, die .seine
Wangen überflutete, verstecken wollte.
^ach einer Weile stammelte er: „Wir haben
haben
kein ^Geld, Herr Lehrer.'
Ä Ä; mih fü & te des Jungen Harid;
... "Wre? Was? Geld? Ich fordere sein Geld, mein Kiich, mir .tvÄm du Lust mitbringst und Fortschritte machst sollst em Klinscker werden!" sehte er eifrig hinzu.
.'Mttette wieder beu Kopf und schluckte. „.Autter , sagte er leise, „Äiutter — braiichbe ölrznei — unb
^sli^sein^Spre^en. ~ ® hl «usbrcchendes Schluchzen
Dem Alten war es in diesem Augenblicke, als vernähnie er Ton emer Zerspringenden Sache an seinein Ohr — oder to* 01 ' er ru [emer Brust erklungen?
^„Kind," sagte er und preßte dem Kiaben nrnig die Haiid beiftt ^ ‘ mb lC ^ ! -Ut,d 7- steSt es der Witter
beinhalten 8e^n?ai,f eman ^ UTten ^ ^ Lehrer
er SXr ? 5e ^tlang und bog üi die tleilie, E-i'^wo er den Laden des Mthändlers wußte. Vor dem kleinen LoüMlfenster, das mtt i;iner Fülle von Plunder beladeil war, blieb er stehen. ^rurwer
lerne alte Geige! Nah«: einem Paar Lackstiefeln, neben Taschenuhren und dem Trichter eines Gram- fffe f^nte sl^. An ihrem Halse hing ein Zettel intt M 'ahf 1 * Angebot! Echter Stradevarius!
. ^us dem Besitze eines großen Künstlers!" —
^ em Seine rotumränderten
Auaen,branicken, er nrußte sich wegwenden. Waren es die vielen Ansricfuiigszeick^i, die ilw schaner^ten, oder dachte er an den stillen, ^br^r Knaben?^Erwikßte es nicht, ^ir eines sah und wußte er
Geige war pun Mich gespningen. Althändler hatte es nicht einmal für nötig ^.E ztl beziehen ,Er stülte sie znm Kauf aus, irre >ledes midere stück, wie dro Stiefel, die Daschentchren. den ^'"^Tniackitcr^ Ms wenn sie sich nicht selbst verkauft hätte, '‘"L™ Menschenleben zu retten, die alte, schadhafte, stumm° geuordene, braune Gerge! Ms wenn sie nicht zivei Hoffnimgen Mif dein ?lltar der Lrebe geopfert Mtte'
„usÄÜ 'dar sie siche,n feil, der M feilschen Um&tc. Trm isln^wleBte U ^ ^ ""d er durste mit ihr machen, was
Der Zuxschuster.
Bon Valentin Traudt.
(Nachdruck verboten.)
Es umß Line heitere Stimmung ini HimnE g-ewesen sein. OB man die öee e des «einen August Stripp zur Lde eutließ- ^'?Äer August nmrde a lgeniach der lustigste Schuster i.n ga neu Kreis Großheml „Ter wird nie so ernst, daß er ruhig jtnS kanik, der nmtz sich tot lachen", sagten die Leute, rvenn die Rede aus ihn lam Mr in lemen eigenen vier Wändem ivar er ^in merkwürdig stiller Mann, obgleich auch da eine lickste Sckwlk sernen Abrnd zuckte und, in jedem Mge/twinkel eck! f Fi* ^ .? ay ]mx leck dem Tage so, an dem
fru ^')e BolAvcnkel bei ihm als Eheweib einzog. Aiigust hatte öür mchr öfeiraten wollen, beileibe nicht; denn die Ehe twir luic inan ihm sagte, emc ernste Lack-e, und davon lvar er kein Freund Abci er war auch oft woäxmlang aus den groszeu Bauernhöfen umher und machte für Mann, Frau, Kind und Jngesind die Schuhe aus cui Jahr rm voraus, und da konnte seine Marie nickt die ^umnihecken Horen nnd die Narrenstreiche ,'ehen, die ihm keine Ruhe ließen, bis sie an den Mann gebrackck tvaren. Saß er dagegen in seiner Wert statt, dann ivanderte sein Auge von der Sohle auf der sem Hammer plappernd umherspazierte, zu den bunten Bildern, die er wahllos an die Wand geklebt« hatte hinaus in die Ztveige des Apfelbaums, die an sein Fenstar- klopftni und wieder in sich hinein. Zucpe es spitzbübisch über sein ^sucht daun fragte wMhl seine Marie: „Hast wieder eine Mücke gofangeil? Nicht wahr? Laß sie mal flisgen." ^ '
Aber das tat er nie. Tie Marie lmtte so etwas ,,, s.u. das s.o sicher, fest und klar war, auch so stplz und gebieterisch' datz er fiai.z in Ijch blieb. Wimn die ,a Lch nM «L I


