Ausgabe 
10.9.1917
 
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den er auf das rasche Erlernen, des Hebräischen, Griechischen^ Lateinischen und mrd-erer Sprache»: legte. Beide Gssichtspilnkbe Mutzten Christoph Helwig entspreche»!- seinen eigenen Anlagen ttnd Interessen anzicchen. Ten: Pädagogischen beivies er auch schon vor der Bekanntschaft mit Ratke lebhaften Eifer. Fiir das Paeda- üvgium wurde»: damals von verschlkedenen Gießener Professoren Lehrbücher geschrieben. Helwig hatte bereits 1606 die unter den: Trtel !Gietzener Grammatik" berühmt gewvrdene lateinische Sprachlehre verfaßt, die noch bis 1769 in Gebrauch gewesen ist- 1608 hatte er ihr eine hebräische Grammatik und in Zusammen­arbeit mit seinem Kollegen Bächnmnn eine lateinische Poetik folge»: lassen. 1610 erschien: seine Anweisung zum Berscmachen, in grieckfifcher Sprache. Auf das Reden und Be'rsemachen in "den attei: Sprache»: legte die dainalige Schulerziehung großen Wert. Man begreift bei dieser Tätigkeit Helwigs, daß er sehr bald durch o:e von Ratte ausgehende Bewechmg mitgerisse»: wurde. Ratke kän: auch persönlich nach Gießen, und dam: hatte der 'Larchgraf Ratkes Memorial de»: Gietzener Professoren.zUr Beurteilung zn- geyei: lassen, lieben seinem Anttsgenosse»: JUiux arbeitete »um an 9 n ' e 3cit mit Ratke zusammen, erst» in Frankfurt, Hann n: Augsburg. Jung bearbeitete das Gebiet der Mathematik, der Dialektik uud Rhetorik, ^Helwig gerade das für Ratkes System Do w:cht:ge Gebiet der Sprachen, voran der orientalischen. .An, Epott hat es den beide»: eifrigen Gießenern nicht gefehlt, »oeil sie s:ch eurem noch nicht einmal durch akademische Grade beglcuwig- terr Schwärmer unterordneten »md für ihn A B C-Bücher versatzten. Sie Hobe»: aber dann ihrerseits das allgemeine Verständnis für die neue Pädagogik durch eine»: Bericht, der mit demjenigen zweier Jenaer Professoren zusammen erschien. Was Helwig für die Sache Ratkes »mb für die Pädagogik überhrupL geleistet hat, stellt Profeisor Lübeck in seiner gründlichen Studie in per Universitäts- seftchrist von 1907 JBand II, Sette 293 ff.) dar. Zn i>en obe»:- ^wähntcn HauptgesichtspU»»tte»: tritt die Begeistermrg für viele Einzelheiten der Ratleschen Lehrkunst hinzu, so für Gedarrten wie: die Lchüler nichts Unverstarldenes auswendig leriren zu lasse»:; s:e gleich an die Sache (»ras freilich da'nals nur so viel bedeutete, }w e an den lateinische»: Aittor) herarrzuführe»:; z»machst

Mutlersprache zu pflege»:, die sich mit dien: Griechische»: und Hebrasichen besser reirne als das Lateinische, »r»»d worin auch alle freu»: Künste Und Wissenschaften erst gelehrt werde»: könnte»:, ehe man solche »n fren»den Sprachen lehre. Tas Zusan»n:enarbeiter: »i»:t Ratke, sür welches Helwig u»»d Jung von: Landgrafen be-^ Urlaubt waren, fand freilich eir: mrliebsaines Ende d»»rch bitteres Zerlvürfnis. Weim in derAllgeineinen Teutschen Biographie" d:e A»»deutm:g gemacht wird, als ob auch Helloig ei»: Teil der Schuld trage, so hat dieser Vorwurf wenig sachliche»: Bode»:. Wor­über srch Helwig beklagt, das ist Ratkes Herrschsucht »md Geheim­niskrämerei, Eigensck-aften, die dem ga»:ze»r Wese»: der Sache wenig entsprachen .int-b die Ratke überall mit feinen Pläncki [Centern ließen. Auch kam Helloig »virklich »»icht' nur als Schüler, Mdcrn vo»: vornherein nrehr als verständnisvoller, begeisterter Mitarbeiter zu Ratke, »:»:d es »var des letztere»: Torheit, eine so wertvolle Kraft nicht besser benützt M.haben. An soliden Kenntnissen, ttnd s»ttl»chen» Ernst übcrtraf jedensjakls Helwig den beriihurtei: Pädagogen, und als friedfertige Ratur wird er »»icht »mr in der Oratio fnuebris geschildert. 1614 nach Gießen heimgekehrt, führte da»»»» Helloig das inzwischen Gelernte ii: seiner: dortigen Wirkungs­kreis *-»»», während sein Amts genösse Iu»:g nach Lübeck ging/ Es lvurdcn »hm aus den drei unteren Klasse»: des Paedagoginms 20 Lchüler, dazu einzelne Stadtschüler und Prosessoreukinder auvertrant, die vor: den: Pädagoglehver Medikus täglich 3 Stun­den nach Hellvrgs Anleitn»:g in: Lateinischen »mterrichtct »ourbcn. Ter Erfolg war günstig, »md nun schickte der Landgraf auch a»»dere Lehrer zu Helloig, daß sie bei ihm lerne»: .sollten. Bon über-, eifriger pädagogischer Arbeit si»»d d-ic loenigei: letzte»: Jahre

Helwigs erfüllt. Er gab Luthers Verinahnuirge»: an.die Bürger­meister »mb Ratsherren aller Ltädte mit einen»Rachbericht" neu heraus, Ivelch letzterer auf de»: da»»»als in Herbori» weilende»- berühmter» Päjdagogen Ainos Eoinenius besonderen Eindruck »nachte. .Helwig ist »oohl auch- der Verfasser derAnleitm»g »»: der Lehr-Kuu,t W. Rattchii". Reben der eigenen Lehrtätigkeit arvertete er. noch nn neuen Graminatiüen. Hatte Ratke in den: Mittelpunkt des Latein-Unterrichts de»: Terenz gestellt, so erschiei: das Helloig »veger: des vielfach anstößige»: In Hills bedenklich. Des­halb gab er 1616 seine Eolloquia fannliaria, eii: lateinisches Ge­spräch- und Lesebuch heraus, das »»ach den Gesprächsbnchcrn der gropeu Dumainste»: Erasmus und Vives .zusainiue-ngestcllt ist. B»s zum Ende des Jahrhunderts »rar diese Gesprächssaniinlung das Hauptschulbuch der Gieß er» er Gymnasiasten. (Mai» vergleiche hier- zu MesfersGeschichte des Lcmdgraf-Lndwig-Gyinnasmms zu ^Aeu »»» de»» Vertragen zur hessischni Schul- »md Universitäts- geschchte, Band I ^. 3t5 ff.). In allen feine»: Lehrbüchern kommt es Helw:g auf kurze lieber,»chlichkeit an, weshalb er vielfach vor: der' , vor ii» der Tabellen Gebrauch niacht. Auch für das Geschichts- stUd»!»»n fnchitc er ,o in lateinischen oder dc»»tf'chcr: Chroniken be- qlieine Unterlagen zu schaffe»:. Während seine Grauunatiken der Zeit Vorausnltcn, kam: man dies freilich vor» seinen geschichtlichen Lchrbltchern »»icht sage»:. Hier hält er sich »roch an die mittelalter- lrche ErnterlUNg der Weltgeschichte tn vier Weltreiche, gemäß der bekannten Ltelle m: Propheten Daniel, .Kap2, 31 bis 45. Die Ze»t von der Ersck-affnng der Welt bis y,it Zündflut iintb als

exitc Periode für sich vorangestellt. So wird also die absolute Zeit- rechmmg auch hier noch zngrn»»de gelegt, twtzdenr danials scl^n durch Glokhofred»»s eine richtigere Te»'luug und M»ffassu»:g der Welt­geschichte sich anbahnte. Immer noch fließt bei HeUvig die deutsche Ka»sergeschicbp.' mit der röm»scher: zl»san»n»en. Eine Fülle be­deutungsloser Herrschername»: uehnier: vielfach de»: Raun: in 9lu- spvuch, bloß u»n den zeitlichen Z»:samn»enhang herzustelle»», »mr hre. und da ciunrat durch sachl:ck-e Mtize»: oft anekdotenhafteir Charakters belebt. So wird das Wort des Polpbros übel a»:ge- wa»:dt, daß »nan aus der Kenntnis der historischen E»»»zclheitein »veu:g für die Gesanlta,»ffassuug der Geschichte ler»»en»»ne. Scharf- s:m: und Belesenheit beweist aber Helrvig selbst »roch gn diesem trockne»: chro»»olügischer» Material. Bei der libergroßen Last seiner Arbert ist ihm die Zeit wohl oft knapp gewesen, so datz Wiukel- »nanu :»: der Gedächtnisrede darüber sagt, die macht habe ihn: nicht leiten nachliesern.muffen, was der Tag ihn: oirtzog. Er rsthnU Inerter, Une HeUvig alle seine Lebensbodürftiisse »rnd selbst den SckMf anfs a»»tzerfte eingeschrärrkt habe. Leider wird er aber auch gerade durch diese lleberarrstrengimg seilrein Leben ein so frr'lhes Ziel gefetzt habe»». Rach seinern Tode ließ das pädagogische Interesse tu G»etzen rasch wieder nach. Teils waren die Lehrer mit der: an fte gestellten höheren Anforderurrgei: bei Beschränkung ihrer Eiu- ki»»»ste ün zu fr reden, teils u»:d noch uiehr war es der Truck des ftlrcU- baren Krieges, der nur: alle kulturelle»: .Bestreb»»»rgen lähinte Anderer seits war doch- auch gerade wieder der Krieg damals eru strenger Mahner M guter Iugeirderziehung, als dem wichtigsten Mittel des geistige»: Wiederaufbaues. Ernmerten mir schon an A"os Eomenrus, der vor: der: Gietzener Pädagogen e»:tscheider»d« Anregung en»pf»>»g, so dürfe»: wir auch der: Hanrburger Prediger Balchasar schupp, de»: tüchtigen Kanzelredner und Schwieger'sohn Hclw-rgs, »»icht vergesse»:. Auch feine pädagogischen Gedartte,: sind vielfach eme Fortsetzung von Helwigs Bestrebimgen. Es sei nur an so wichtige Forderungen, wie stärkere Beto»:nng der Mutter­sprache n»ch schaff»mg von Lehrerbildrmgsstätten, erin»:ert. So haben »»icht nur Hekivigs Lehrbücher de»: großen Glaude»:skrieg N»:d »roch ern Iahrhimdert »nehr überdauert, sondern auch feine allgememei: pädagogischen Anregungen habe»: weiter getoirkt und surd zu einer Kraft im Strom her allgemeinen Erttwickltina ge- wiorde»», der auch uns he»»tenoch ttägt. Ter große Krieg erstattete der Znkmift an u>ertvo-llen Theorie»: wieder, ,uas er der Gegenwart daniials an praktische»: Möglichkeile»: geraubt hat.

' Prof. Dr. Strecker.

wie Ungodill ein Gentleman wurde.

Mizze von G. Ka tz (Prag).

vulgo Irngobill, war er»: feiner Kerl, ein Heller Kopf, das gäbe»: alle seine Kaineraden neidlos zu. 2lber zum Gentleman hat ihn doch erst der Krieg gemacht, zu so einem richtigen Gent m:t patenter Kluft, hohem- Hut »md einem tückstigen Gnthabei: ans der Bank.

Und das ist so ztigegangen.

Iingobill hat^sich nie viel mit Schulloeisheit geplagt, kaum da 5 er Lese»: nnb Schreibe»: erlernte. Rechne»: formte er übrigens muß ihn» rem angeboren würden sein. Rechnen konnte er

^Erbrachte sich recht und schlecht durch. Mal eff» kleiner Taijchen- dwostahl, utoI em leichter Einbncch, n:al fing »nan emen H»md und verkaufte ihn Leiter. Lieferte ihn g»ich gelegentlich wieder ab, wenn die Belohnu»:g groß gemig »oar. Bei dein Reimen gab es auch M» t»»n: verlorene Eintrittskarte»: bringen bis zu dein Viertel des Preifcs. Ratt'irlich ein Gent ,vird »na»: auf ^ »lrt »»»cht, auch »oeu»: n»ian »ojizeilich als Hilfsarbeiter' gemeldet :,t Und noch .nie erwischt wurde.

Eines zeichnete Bill vor allen seinen Kainerade»: aus er Jcttt Patriot, glühender Patriot.Geh mir mit deiner Guillotine'" hatte er einem Franzosen, einen: schslvere»: Iu»:gen, gesagt. Ich bin Eiiglairder!" *

bcr Krieg ansbrach, schuf sich Jingobill eine neue Speziäli- lat. Er wurde Jmgoma»»»» und das ist eii: Geschäft, das rwch etwas tragt Beim Pln»:dcrn deutfcher Geschäfte, beim Sprengen von Fr»ed «ms v ersa m m lim gen fällt iwnier ctums ab; hat »nan zudem c»ne,» schleppenden F»»ß, bann lassen die Werber einen: »mgeschorsn »i»m: magRache an den Barbaren!" schreien, so laut nia»: eben w:ll.

Iinaobills Weizen blühte, er iv^hsclte mit der Bleibe, .zoa "'hdftert m eine respektable Straße und nannte sich mm mehr William Croy, Esqu. Agcrtt. Mit dein geregelten Leben kamen ihn: auch alle Instinkte der Bürgerlichkeit zurück - ^ er ließ sich cm Konto be: der Bank eröffnen und legte SckMii:g ans Schilliim Hunderundfunfzrg Pfünd hatte er gespart, ein Anlagekapital für folidcre G-efchafte Hehlerei, Micher oder so. Indes arbeitete er mlna werter »m ffcinen, wartete seine Zeit ab »md niackste sich beim Wechseln des belgpchen Geldes nützlich. Schade »:ur, daß es so tief :n» Kurse stand! Billies Klienteil verloren tüchtig Küm istWoa'

Es :st ein schlechter Mich, der niemand Gutes zulveht- Bill wurde l.niner vergnügter, je länger das Morden dauerte.' Ei»

1.am» »n den besten Jrchren, dachte er sich nach den» Frieden orteil- hast z»» vcrhc»ratm. Es war ja eine Hochkonjunktur in Männeru Uni) lustig pse»fend gmg William Croß Esqn. die Straße hin unter' nm uach Geschäften auszufpähen. Er stand fest auf de» Fäßen er hoppla! R»m JiAire er doch beinahe gefallen! '