Uebcr einen harter! Gegenstand, der' am Rande des Bürger-. Miies lag. Billie bleckte sich. Eine große, abgeschabte Brieftasche! Meclmnisch versenkte er sie in den Uedervock.
Als Bill zu Hause, bei sestv er riegelt er Türe, die Prieftascl>e ßmt er suchte, hatte er einen schweren Kanips gegen seine schleclckerent Regungen zu bestechen. Gegen fünfhundert Pfund in belgischen Bantimten und basem Gelde lagen vor ihn! ausgebreitet. Fünfhundert Pfund! Ein Bernrögen! Und das sollte er nnr so einfach
auf die nächste Polizeistrativn tragen? Und der vecda --Belgier-
Würde es mit einem „Danke schön!" eirrstecken? Eh dies geschah —
Ruhig, Bill, ruhig! Tie Sache n-ill überlegt sein.! Respektabili- tär ist auch ein Kapital: wenn man nun beobachtet hatte, wie er die Tasche ein steckte! Daß der Belgier Lärm schlagen »vürde, war gennß. Und dann ade ihr- Träume von einer vorteilhaften Heirat! Auch mit den LHechsclgeschästen war es alle: wenn einer mal gesessen hat. — Uird Billie setzte sein Geld so vorteilhaft UM! Eben recht lagerr tveit über hundert Pfund in belgischen Banknoten in seinem Schreibtisch. Das heißt, hundert hatte Billie gegeben, tvie viel war nun da?
Billie ging an seinen „Safe", nahm die bloten heraus und zählte: „Hundert, zehn, zwanzig, zwei urrd ein halb." In vier Wochen! Rein, dies Geschäft durfte er sich nicht verschlagen, es blieb nichts anderes übrig, als —
Wirklich, nichts anderes? Bills edle Züge strahlten. Er nahm die Briefe, Karten und Rechmmgen — vorhin hatte er sie als unwichtig IzUr Seite gesckwben —, studierte sie und warf sie zerrissen ins Jener. Daun packte er die Banknoten'säuberlich wieder in die Tasch'. Wieviel er ivrohl zulegte? Mles, alles! Es würde ja gute Fruchte tragen!
Und Billie gelobte sich, sollte dies Geschäft gelingen, auch innerlich den Gent auzuziehen, allsonntäglich zur Kröche zu gehen und nie lviedcr zu stehlen. Das heißt — direkt.
Auf der Polizeistätion wurde er, seiner Ehrlichkeit ivegen, als Held gefeiert, lind so was macht inun-er Vergnügen.
„Sie wissen doch," sagte der Beamte „daß die Brieftasche samt Inhalt Ihnen zufälit, sollte sich der Eigentümer in Jahresfrist nicht melden!"
,/O Herr, damit ist nicht zu rechuen!"
Ter Beamte schrieb die Adresse auf: „William Croß, Esqu.
Ageni..-iftreet", beglückwünschte ben „ehrlichen Finder" noch
einmal zu seiner Rcspektabilität urrd.Bill war entlassen. Es blieben ihm zn»ar rrur knapp fünfzig Pfmrd ans der Bank, aber Gott würde weiter helfen.
Rach einein Jahre tarn der sehnlich erwartete Brief van der Polizei. Bills Traum hatte sich erfüllt — Brieftasche und Inhalt würden chm zugespvochen. Er holte sie persönlich ab und erfuhr zu tzinem Erstaunen, daß sich nock> am selveu Tage ein belgischer Flüchtling, „efti verdächtiges Individuum", gemeldet habe, der das Geld für sich^reklamierte. Ta. er aber nur von nicht ganz fünfhundert Vsund an zwölftausend.Franken belgischer Roten und losenr Gelde - sprach und außerdem von Briefen, Pisit- mrteu, Rechnungen faselte, wies man ihn ab. Es waren ja über ssschsh uudertzlvanzig Pftmd ^ an dreizehntansendrcihuudert Franken — vorhanden!
„Und da ist uns der Gedanke gekommen!" fuhr der Beamte fort, „Sie müssen im Kaffee oder — ja? Also, dort müssen Sie herum geschtoatzt haben, Herr! Ter Kerl verhörte sich glücklicherweise in der Summe, sanft hätte er Sie richtig um das Geld gebracht!"
„Ich kann wirklich den Attrnd nicht halten!" gab Bill bereitwillig zu. „Und verkehre tatsächlich im London-Cafe, wo es von belgischen Flüchtlingen wimmelt!"
So kam es, daß Iingo-bill ein richtiger Gent .vurde, mit einer patenten Kluft, einen, hohen Hut cmd einem tüchtigen Guthaben auf der Bank, das stetig wachst. „Ehrlichen" Geschäften geht er nicht aus dem Wege. Er wechselt ausländisches Geld, kaust und verkauft „Wertsachen" — mein Gott, der Krieg! Rach den! Frieden wird er es nicht schiver finden, eine vorteilhafte HeiraÜ zu machen, denn er ist respektabel, sehr geachtet und stiehlt nicht direkt.
Er geht sonntäglich in die Kirche und will von keinem Frieden mit den „Hunnen" hören.
vermischte».
* Kriegsgefangenen- und Internierten -Zeitungen. Hinsichtlich der geistigen Rührung haben die Kriegsgefangenen es am heften, in Deutschland uns bei unseren Verbündet,',,: nirgends gibt es in den Gesaugen-öir- und J'nterniertenlagern so viele (befangenenZeitungen wie bei den Mittelmächte!», die ihreiß Gesai.genen aus diese Weise ihr herbes Geschick zu mildern suchen'. Mau kann, so schreibt Siegbert Satter in einem Aussätze über , Lage!-Journalistik" im nen-ften Hefte der Zeitschrift „Ueber Land und Meer" (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart) die Kriegsgefangenen- und Internierten-Zeitungen in vier große Gruppen ÄNorduen. Die von den Kriegsgefangenen selbst i!n den Lagern f^r- aestellten Blätter sind dabel di.- deiillvürdigsten. Die Gefangenenlager von Zossen, Ohrdruf, Ruhteben, Döberitz, Stendal, Göttiugen/ !
u.m.a. sahen eine ganze Mrzahl derartiger Zeitungen entstehen und vielfach erstaunlich schnell auch wieder eingehen Erwähnt seien La Gazette du- Cainp d'O-hrdrus", die in einem Umfange vvi< vier Seiten tvöl^ntlich erschhey wnd eure Lebensdauer von saß einen! Jahre auftveiseu könnt«: CanftH bat Hanovre", okiI
Blatt, das für die Gefangenen dieser ^Provinz bestimmt war, kam nur einmal heraus, und die handschriftlicb herg'estellte ^Zossener Qagerzeitung „Le Hörgut" erschien «nur ein einziges' Mal, mn> sogleich unter dem Nanven „L'Echo de Zossen" kn einer Auslage von 300 Stück wieder auszncrstehen. Aper auch diesmal war rhre erste Mummer auch die letzte, ^vas nrdessen nicht verhindern konnte, daß sie, voller ^ähetr Lebenskraft, unter arabischer Flagge als „El Dschihad" nochnrals auf der BildflLche erschien. Freundlicher lächelte das Geschick dem „Echo de BiaraqucS' de Zwickau", der „JNteruvßde de Wflrrzlbourg", dps eine „garantierte" Auflage von 1000 Stück aufzmveisen hatte, .und dem „Echo du Camp de Renrv- bahn", das sechs Seiten stark erschien — eine Seite englisch > und nach, ziveiuumatigem Besltehen berefts eine Auflage von 7500 Stück besaß. Die Blätter des Göttinger Lagers „Dhe Wooden City" für die Engländer, „iöe Camp de Göttin gen" für die Franzosen und „Ouze Taal" süfr fiie Mamiesn sind in drucktechnischer Beziehüng^ besonders hervorzuheben: angeführt.seien ferner „In Ruhlebenj Camp", die „.Döberitz Gazette" und das Blatt der Kriegsgefangenen im Lager Stobs in Schotklalüd, die oft erwähnte „Stobsiade". Eine zweite Gruppe bilde nlvie Zeitungen, die die Behörden herausgeben, ilm den .Gefangenen die Zeitereignisse mitzuteilen und ihnen ein Bild von Deutschland, sevnSn Verbündeten und seiner Kultur zu vermitteln: dahin gehört ,bae öflvrraichrstche „Redjeftä" (Mjochch, die Hauptmiann Hugo .Nagele M Aufträge des k. u. k. Kriegs- minisieriunls für die russischen Kriegsgefangenen in Oester reich-lln- garns l^eransgibt, das von der KommandMtur des Lagers Ohrdruf gegründete „Journal du Ca »Pp d',Ohrdruf" und der für die russischen Kriegsgefangenen in Deutschland bestinrmte „Russische Bote", ein Blatt, ims wöchentlich gchtstlitig in GtzwUormät von 42 mal 50 Zentimeter erscheint. Tße dritte Gruppe dieser Zeittingm verdankt ihre Entstehung wohltätigen, im Dienst.der Kriegsgefangenen tätigen Vereinen, die damit einen doppelten Zweck verfolgen: den, Gefangenen geistige Nahrung und ihren stets hilfsbedürftigen Kassen Mittel zuz'usühren. Hierher gehören die „Nouvelles Hebdomadni- res", die Wochsenzeitung der Kriegsgefangenen, für die sich in Köln am Rhein eine besondere „Bereinigung zur Herausgabe einer Zeitung für Kriegsgefaugene" gebildet tjktt und die bereits Asnsangi 1916 an 40 Gefangenenlager und mi mehr als 100 Asrbeitskommai,- dos versandt »verden konnte. Die Vierte Gruppe endlich! umschließt die Lagerzeitungen der Internierten. In der Schweiz loaran es Wö Professoren Dr. Woltereck-Leipzig und Sck.ulthes; in Verbindung mit den. Dichter Hermann! Hesse, die für unsere dortigen Internierten die „Deuts'che Jnternicrtem-Zeitung" mit einer eigenen Drucke rei gründeten. Auf der Insel Man ivlarön es die Zivilgefangenen selbst, die für die 40 000 deutschen und österreichisch-ungarischen. Insassen des Lagers Knockaloe ein* Zeitschrift unter dem Titel „Quousque tandem?" („Wie lange ,noch,?") schrieben, zeichneten, setzten und druckten. .Sie wurde auch, von dem Hilfskomitee fite» Zivilaefangeue in Zürich Weihnachten 1916 zu ihrem Gunsten! vertrieben.
Vöchertisch.
— Das literarische Echo. Halbnvonatsschrift für Litera- tnrfteunde. Verlag: Egon Fleischet & Eo., Berlin W 9. Das 15. Septemberheft ist soeben mit folgen dein Inhalt erschienen: Friedrich Sebreckst: Metaphysik in Lyrik und Drama: Theodor Heuß: Wather Ratenau: Raoul Rikolas: Chauviiüsmus in der srmrzösi- schen Ateratur: Hugo Bieber: Christian Reuter: Georg I. Vlotke: Fünf Stvrm-Miszelleu: Ferdinand Gregori, Lyrische Mischernte: — Echo der Zeitungen; — Kurze Anzeigen — ^öotizen — Nach; richten — Ter Büchermarkt.
8 9
9 2 4 b
1 8
4 7
Sahlenrätsel.
56571894 Erholung.
1 ägyptische Gottheit.
Singvogel, biblische Gestalt.
Baum.
Nahrungsinittel.
Körperteil.
Titelheld eines DraniaS von Shakespeare, ägyptische Gottheit. ReilligungSinittel. leitende Persönlichkeit, altgriecbischer Dichter, männlicher Vorname.
Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer.»
Auflösung des Abstrichrätsel.- äi voriger Nummer, I. m To . ., Dist ... . le . ben .
<J>n Tod ist Leben.)
Schrrüleitung: Fr. R. Zenz. — Zwillingsrunddruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch. und Stetndruckerei. R. Lange, Ysteßen.


