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äh iruf dich «arten f-
f Ja."
,,Und luenn du vis elf Uhr nicht da bist?'^
ASbjöm: Krag überlegte.
„Wenln ich bis elf Uhr nicht da bin, so warte bis zwölf Uhr," sagte er.
^.UnD wenn du auch bis zwölf Uhr nicht zurück bist?"
Der Detektiv wurde plötzlich sehr ernst. Er ging auf seinen Freund zu und ergriff dessen Hand.
„Wenn ich bis Mitternacht nicht da bin, so bedeutet das Gefahr," antwortete er nachdrücklich. „Dann mußt du sofort deine Leute aufbieten. Du mußt denr Amtsrichter Botschaft senden und die Bauern zusammentrommeln."
„Wozu sollen alle diese Menschen zusammengerufen werden?"
„Um nach mir zu streifen. Dann bin ich mit dem geheimnisvollen Wesen zusammengestoßen, das den Advokaten umgebracht hat und um ein Haar auch den alten Oberst Holger umgebracht hätte. Dann muß die ganze Gegend abgesucht werden. Geht über die Felder und Wiesen, bildet im Walde Ketten und ruht nicht eher, als bis ihr mich, tot oder lebendig, gesunden habt."
Der Rittmeister erschrak sichtlich über diese ernsten Worte.
„Und du willst dennoch allein gehen?" fragte er. „Wenn ich mitginge, dann wären doch noch zwei kräftige Arme und ern sicherer Revolver mehr dabei."
„Einer allein kann vieUeicht etwas zu sehen bekommen, zwei Werder: jedenfalls nichts erkrrnden," erklärda Krag- ,,Und ich habe mich nur: einmal errtschlossen, allein zu gehen. Ich freue mich der Gefahr, und ich habe keine Lust, sie mit jemand zu teilen. Darin bin ich selbstsüchtig. Aber verarg nicht, wenn ich bis zwölf Uhr nicht zurück bin,'dann komme ich vielleicht gar nie mehr."
Mit diesen Worben entfernte er sich. Der Rittmeister mochte nicht noch einen Versuch machen, ihm seine Gesell mast aufzudrängen; er kmrnte seinen Freund zu gut, als ß er nicht gewußt hätte, wie nutzlos das gewesen wäre, r lauschte auf seine Schritte, die allmählich draußen verlangen.
Rittmeister war sichtlich, nervös geworden. Das Untunliche bn dieser Geschichte hatte sich schwer auf ihn ge- Ößtte ihn verwirrt. Gefährliche und nervenerre- aerttre Erlebnisse waren ihm nicht fremd, aber etwas so Unheimlichen: hatte er noch nie gegenübergestanden.
?aß wirklich eine Gefahr vorhanden war, konnte er aus Krags Auftreten mit Sicherheit entnehmen. Der zur Un- tästgkeit verurteilte Rittmeister fühlte sich unsicher und nervös. Wenn er stch Nicht durch Asbjörn Krags Anordnungen gebunden gefühlt hätte, wäre er ihm am liebsten nach^- gelaufen.
sich die Zeit zu vertreiben, ging er in das kleine
e <u' Krag nachgedacht hatte. Noch immer zogen
dichte Rauchwolken an den Wänden hin; allein der Ritt- fühlte stch m der schweren Luft ruhiger und legte sich auss Sofa. Der Diener brachte ihm Whisky und Zigaretten, und die Rauchwolken verdichteten sich. Eine halbe Stunde verging. Plötzlich fährt der Rittmeister auf. Er mernt, vor dein Hause ein Geräusch zu hören; es klingt wie A-N und Atmen und vorsichtige Schritte im weichen Grase.
ff 101 /#, bewegt sich um Haus und hört unter bfn Fenstern seines Arbeitszimmers auf.
-Abe Asbjörn Krag schon zurück sein?" dachte der Rittmeister, aber :m nächsten Augenblick nrußte er diesen Gedanken wieder fallen lassen. Sein Freund brauchte $ doch Nicht Wie etn Dieb an den Wänden entlang zu V löet ? er ms Haus wollte. Oder sollte es am Ende der Unbekannte se:n, der böse Geist der Umgegend?
dips.^^^FL'öhnlichen Umständen hätte der Rittmeister d eses Geräusch gar iiickst beachtet. Möglicherweise war ja nur einer von den Leuten, vielleicht der Verwalter draußen
' Ö ri e bie Dunkelheit. Aber das Gefühl des
Unheimlichen hatte ihn nun einmal in den Klauen.
tm ^^RUtmeister war jedoch ein mutiger Mann, und halb in. Berger darüber, daß er wirklich erschrocken war, stand f* a Hf' llm "Ader Ursache des Geräusches zu forschen. Er JÜ?. ör liuf die Türe zu, da stockte sein Fuß
Lautes Klirren von zerbrechendem Glase drang an sein Ohr
in S?r bCn ^^brn seines Arbeitszimmers wurde
FuÄm ^ Klirrend fielen die Scherben auf den
Der Rittmeister griff in die Tasche nach seinem Revolver und stürzte in sein Arbeitszimnier.
, Er hatte erwartet, einen Menschen drinnen zu finden, allein das Zimmer war leer. Ueber seinen ganzeii Schreib- Nsch lagen die Splitter von den zerbrochenen Scheiben zer- ftteut. Der eine Fensterflügel war zertrümmert. Ein mehr als gewaltiger Schlag mußte gegen das Fenster geführt worden sein.
Draußen vor dem Fenster ließ sich ein schwaches Geräusch vernehmen. Es klang beinahe, wie mehrfache flüchs- tige Fußtritte in der Ferne.
Der Rittmeister lief ans Fenster und schoß aus gut Glück seinen Revolver ins, Dunkel hsineiw ab. Dann zog ev sich ins Innere des Zimmers zurück Und wartete, was geschehen werde.
Aber ttt beii ersten Minuten geschah nichts; dann vernahm er Schritte urns Haus her. Das waren ferne Dienstleute, die, vor: dem Lärm aufgeschreckt, jetzt von allen Seitei: zusammenliefei:.
Der Rittmeister klingelte. Sein Diener kam xinb hatte üvt Schreck ganz aus den Höhlen gequollene AUgen.
„Rufe den Verwalters befahl der Rittmeister.
Blaß vor Erregung trat der Verwalter ein.
„Was ist Schlimmes geschehen?" fragte er und warf dann eine:: erschreckten Blick auf den Revolver in des Rittmeisters Ha ick), und einen zweite,: auf das zerschmetterte Fenster.
„Hier ist nichts Schlimmes geschehen," antwortete der Mttmetster. „Rufer: Sie die Lmtte zusammen."
(Fortsetzung folgt.)
Ein Siebener Pädagoge vor 300 Iahren.
Zwn 10. September.
v * A" 10- September vor 300 Jahren, am Vorabend sozusagen be* 30jährigen Krieges, schloß ein junger Eichener Professor die Augei: zun: ewigen schluimner, der seinerzeit viel znm Glander Universität beigettagen und es wohl verdient hat, daß wir uns auch heute noch fernes Geistes Und seines Fleißes erinnern.! Christoph Helwig war als Professor des Griechischen mib der orientalischen sprachen an die neu gegründete Universität berufen worden und übernahm dann .1610 eine theologische Professur Hailptsachlich aber liegt seine Bedeutung auf den: Gebiete der Pädagogik^ Er wurde als Sohn des Sprendlmger Pfarrers 1561 geboren, seme ungewöhnliche Begabung zeigte sich so bald, daß F 1 r 4 ; "Nb 15. Lebmsjahre lateinische, griechische und
deutsche Verse schrieb und zu ferner Uebung das gewöhnliche Donw- tagvevangelium :ns Hebräische übersetzte. Er hat alle diese Sprachen Und 1 pater auch mdy Chaldäisch und Syrisch beherrscht. In hebräischer Sprache vermochte er sogar mit de:: gelehrten Frankfurter Jude::, über .Glmbensfragen öffentlich >zu disputieren. .Er hatte erst be: fernem Vater gelernt; dieser schickte ihn aber dann'.nach Frankfurt:n die schule, damit er nicht, wie sein Kollege Wiiickek^ mann m der Gedenkrede (Oratio flmebris, April 1618) erzäUt, mm Menschensemd würde. Mit 14 Jahren wurde er auch schm Bakkalaureus und. mrt 18 Jahren Magister. Tie erstere Würde erwatt» man smj damals nach ein- bis zweijährigem Studium in der philosophischen Fakultät als untersten akademischen Grad. Tie .vtaglsterwurbe, dre dann etwa Unseren: Toktortitel entsprach war die Voraussetzung für das eigentliche Fachstudium in den Oberen Fabultatm M:t 20 Jahren war Helwig Professor des Griechrschm und Lateinische:: m Marburg. Da fan: es bekanntlich U-?bu be JL Men-Kasselschen und der Hessen-TarmstädtiM
zum streit über die Verioaltung der Universität des Glau-
522 qnnn r ‘ J fl ü b i raf der Getreue gründete 1605 in der
Einwohner zählenden .Festung Gießen, absichtlich in der Rahe Marburgs, die neue Universität, die nun zugleich eine Festung dev reinen Lutherwms sein sollte. Da fand denn auch Christoph Helwig seinen Platz. Mit der Universität Verbmiven Luch schon räumlich :m alten Rathaus) »var das Pädagogium, ^urlaustr des Gymnasiums. Tie Mitglieder des letzterem
^e Schüler, bildeten mit den Mitgliedern der Universität Msammen eine Art eigener politischer Gemeinde, die nur in ßaich^c^^. D^euchtsbarkeit dein Festungskommandanten unter-
Au dieser Gemeinde blühte nun damals ein besonders leb- haftes pädagogisches,Interesse. Einmal galt es, der neu gegründete:
zum geeigneten geistigen Nachwuchs zu verhelfen. Man wollte Marburg überflügeln, was auch in kurzer Zeit gelang. Mau wollte ferner aber auch dem lutherischen Glauben im Kampfe Ealvinismus recht leistungsfähige Bor- kainpfe: erziehen. Bind hierin begegnete mau sich mit dem viel- beru hinten und vielumstritteneu Pädagogen Ratte, der gerade
SUimit' 1612 der Kaiserwahl nach Frankfurt a. M.
kam und seine nenerfundene Lehrart anpries. Er loar der lieber 2^' r bc Jl mün zu ^uer einträchtigen Religion wieder foiinnen uur auf Grund genauer SpraclLeuntnisse die Bibel richtig zu lese:: verstünde. Daraus erklärt sich der hohe Wert


