Montag, den JO- September
Der rätselhafte Feind.
Roman von Sven Elve st ad.
. (Fortsetzung.)
„Wir haben längst gegessen," sagte er. „Wer ich wollte dich nicht stören." " r
„Ich brauche vorerst nichts zu essen," erwiderte der Detektiv. „Nur eine Tasse Schokolade möchte ich gern haben."
Krag schritt einigernale im Zimmer ans nnd ab.
„Hast du die Sache überdacht?" fragte der Rittmeister.
„Ja."
„Hast du heransgefurrden, tuec der Mörder ist?"
„Ich glaube ja."
„War es ein urrd derselbe, der den Oberst nach den Advokaten niederschlug?"
„Eirr nnd derselbe."
„Hält er sich n-vch tinmeu hier in der Gegetrd ans?"'
„Wenn der, den ich meine, der richtige ist, dann hält er sich rroch irnmer hier in der Gegend ans."
„Wo?"
„In rrnserer allernächsten Mhe."
„Urrd er ist rroch irnmer ebenso gefährlich'?"
„Er ist immer noch ebenso gefährlich. Lieber Freund, hast du einen Revolver?"
Der Rittmeister zog eine der Schubladen seines Schreibtisches heraus. Drinnen blitzte ein Browningrevolver.
„Das ist gut," meinte Krag. „Aber bn tatest am besten, ihn bei dir zrr tragen. Dann hat man ihn stets in dev Nähe." ' ' i
Der Rittmeister lächelte überlegen.
„Was sollte mir denn in dieser friedlichen Gegend gescheherr? Ich habe mich in Indien nicht gefürchtet, und ich fürchte mich hier auch nicht."
„Stecke den Revolver ein, das verlange ich," sagte ftrag. „Und wenn du die Gefahr kommen siehst, dann schieße, schieße sofort?"
„Man kann also die Gefahr sehen, ehe sie über einen kommt?" fragte der Rittmeister, während er den Revolver in die Tasche steckte.
„Das glaube ich bestimmt. Beide, der alte Oberst wie der ''Advokat sind ja wie wilde Tiere deni Wald zugejagt worden, ehe ihnen das geheimnisvolle Weset: den Schlag versetzte. Findest du es nicht sonderbar, daß beide dein Walde zu ge flohen sind, statt über das freie Feld oder den Häusern zuznlaufen? Wenn jemand einem Mörder zu entrinnen trachtet, ist es nicht gerade das gewöhnliche, daß er in den tiefen, finstern Wald läuft. Das ist mir gleich als ein sehr merkwürdiger Umstand a.rsgesalleu, aber ich habe zuerst kein besonderes Gewicht drauf gelegt. Ich dachte, es konnte Zufall sein. Jetzt sehe ich, daß es keineswegs ein Zufall war. Im Gegenteil, gerade dieser llmstand macht mir die ganze Sache erklärlich, psychologisch erklärlich."
„Was hast du M tun im Sinn?"" fragte der Rittmeister.
Asbjörn Krag lächelte auf sorcderbare Weise
„Heute bin ich es, der spazieren gehen will," sagte er.
Er hitrg ans Fenster und blickte hinaus. Es fing bereits an zu dämmern, aber die Luft tvar vollkommen klar. dRcrn konnte die Lichter in den Fenstern des Dorfes blinken sehen.
„Klares Wetter," murmelte Krag, „ganz klares Wetter. Demvoch, lieber Freurrd, nrußt du mir deinen gelben Gummis mantel borgen. Ich habe draußen im Mur einen hängen sehen."
„Was Mim Henker willst du bei diesem Prachtwetter mit einem Regenmantel?"
„Gib ihn nur her. Die atrdern beiden sind auch im Regenmantel überfallen worden. Ich wünsche ebenfalls in einem gelben Gummimantel zu sterben."
Ms er beu Zdegenmantel erhalten hatte, sagte er:
„Bielen Dank? Jetzt gehe ich."
„Allein?"
„Ganz allein. Das geheimnisvolle Wesen greift nur einzelne Mensck)en an," erwiderte Krag, indem er der Türe zuschritt.
20. Kapitel.
Das zerschmetterte Fenster.
Der Rittmeister hielt fei nett Freund noch einmal aatf. „Wohin willst du?" fragte er mit gerunzelten Brauen.
„Ich habe kein bestimnttes Zrel fltr memert Spaztw- galtg."
„Zmn Kaufmann?'
„Durchaus nicht."
„Zürn Amtsrichter oder zun: Amts Vorsteher?"
„Auch nicht."
Krag blieb mit einem nachdenklichen Ausdruck auf dem Gesicht an der Türe stehen. Er deutete mit der Hattd nach Osten.
„Wenn ich irgendwo hingehe, dann gehe ich in dieser Richtung," sagte er.
Der Rittmeister suhlte sich von einer tnerkrvürdigcm Bewegung ergriffen. Er verstand, was sein Freutrd meinte.
„Zu ihr?" fragte er.
„Das ist noch nicht sickier. Soll ich vielleicht Grüße von dir bestellen?"
„Nein!" erwiderte der Ritttneister hart. „Ich habe ihr irichts zu sagen, ehe sie selbst gesprochen hat. Aber du kannst ihr erzählen, daß du tnich gesehen hast uttb daß ich noch am Leben bin."
Ein bitteres Lächelt: legte sich um feinen 2tiMzld. As- björn Krag nickte.
„Gut, lvenn ich sie wessen sollte, werde ich ihr Mitteilen, daß du noch ani Lebet: bist," sagte er. „In ^tvet Stunden bin ich wieder da." Krag sah tmch der Uhr. „Jetzt ist es nenn Uhr. Bis elf Uhr bin rch zurück."


