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18. Kapitel.
Die Briefe in den: blauen Umschlag.
Das Papier!
Asbjörn Krag hatte sich plötzlich an das geheimnis- ttoflle und wichtige Dokument erinnert, das von den: jungen Vräulein hvlger so eitrig gesucht worden war. Er begriff, vaß sich um dieses Schriftstück die ganze Sache drehte. Könnte er darauf die Hano lege::, so hätte er das Rätsel aelöst. Dieses Dokument mußte von allergrößter Wichttg- Veit sein und entweder den Oberst oder dessen Tochter oder auch den Rittmeister betreffen.
Krag wußte von früheren Fällen her, wie außerordentlich gefährlich solche Schriftstücke werden konitten, !vie sie in den Hände:: gewissenloser Leute nicht nur das Glück einzelner, sorrdern sogar das ganzer Familien vernichten konw ten. Sollte wirklich ein solches Dokument Vorhände:: sein, das von Anfang an dieses Trauerspiel tit Gang gebracht hatte?
War, was hier vor sich ging, ein Karnps um dieses Dokument, ein Kampf, der bereits er:: Menschenleben, ja beinahe z:oei gekostet hatte?
Er glaubte nicht, daß Fräulein Dagny das Dokument bei ihrer Drrrchsuchinng von des Advokate:: Wohnrmg ge- suuden hatte. Ihm selbst waren dort auch nur gleichgültige Geschäftspapier^in die Hand gekommen.
Solch wichtige Dokumente vertrant n:an auch nicht gerne Schreibttschschnbladen oder andern noch weniger sicherer: Verschlüssen an, die trägt man lieber bei sich. Und wenn der Advokat im Besitz eines solchen Dokumentes gewesen war, so hatte er es wahrscheinlich in seiner Brieftasche ausbewahrt, ür:d es befand sich noch dort, wenn nicht —.
(Fortsetzung folgt.)
vor *00 Jahren.
Die 3. Jahrhundertfeier des Reformatio ns fest es
in Gießen (1181 7).
Von Dr. H. Vergär, Gießer:.
Das evangelische Deütschla:ü> rüstet sich allmählich zum Be« gehe:: der 4. Jahrhundertfeier des' Reformatrons festes. Tie erste Jahrhundertfeier fiel in die Zeit immittelbar vor Beginn des verhängnisvollen 30jährigen Religiouskrieges, in die Negierungszeit des hessischer: Landgrafer: Ludwig V., des Getreuen, des Gründers Unserer Universität. .Man beging damals diesen evangelischer« krchlich-en Gedenktag ans Anordnung des Landesfürsten in Gieße:: aus den Mlerheilignttag, an: 1. Mvember 1617. Die Festpcedigt hielt der erste Theologieprofessor der Universität, Srcherintendeut Dr. Joh. Winkel mann in der alter: Stadtkirche (ehemalige Pankvaturskirche). Tie Universität veranstaltete am folgenden Tag, am 9. Mvember, in der Mcka des ehemaligen Uuiversitätsgebäudes vn: Botanischen Gatter: eine besondere Feier, bei der der damalige Rektor. Magister Christoph Scheibler die Festrede hielt.
Tie 2. Jahrhamdettfeier, 1717, fiel in die Regiernngszesi des Landgrafen Ernst Ludwig. Eine große und eine kleine silberne Münze wlurde zu diesem Tage geprägt. Tic kleine Münze, die etwa die Größe eines heutigen Zweipfennigstücks hatte, trug auf der eine:: Seite Pas hessische Wappen m:t der Aufschrift: Ernest Ondov. d. g. Lastdgrav. Hassiae. 1717. 31.Ort. Ans der nudeln Seite der Denkmünze stand: Jubilaeum secundum ecclesiae Lutheri mit der Umschrift: Verbum äomini manet in aeternum (Des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit). Tiefe kleine silberne Münze wurde am Nachmittag des 31. Oktober nach Beendigung des Gottesdienstes an alle Gießener Schulkinder verteilt. Die mehrtägig^ Feier wurde schon am! Wetnd des 29. Oktober eingeläittet. Für Samstag, den 30. Oktober war ein allgemeiner Landes-Buß- und Bettag angeordnet. Die kirchliche Gedei:kfeier fand Sonntag, am' 31. Oktober statt, während die Universität am 1. November besondere Festlichkeiten veranstaltete.
m r dritte Jal-rhnndertseier 1 8 1 7 siel in die Zeit nach tat Besremngskrwgen, in die Regierungsze.it des Grwßlvrzogs Ludwigs I. lieber die Anordnung der Feier macht der Großli Hess Kirchen- und Schulrat zu Gieße:: am 28. September 1817 in Gemaßte:t a!lcrhöch sten Befehls" folgendes bekannt: 1 An: 26 Oktober fkit eine würdige Borhervertündiguug des Fcfftes von der Kan- ^ ans zu erfolgen. 2. Als Predigtlext ist nach allerhöchster Auswahl best:mint: Bormittags: 1. Timoth. 2, 4. „Gott will, daß allen .Menschen usw", nachmittags: Johs. 8, 12. „Ich bin das L:cht ufw>. . Am! Altar :ft vorzulesen: Psalm 89, 16 u. 17 Als Lreder h"? zu singen: Vormittags : Ein feste Burg. —' Herr Gott dich loben wir; nachmittags : Ter du selbst die Wahrheit bist.
~ Nun danket alle Gott. — Außerdem sind 'besoiwere für diesen Tag verfaßte be,getilgte Kanzelgcbete vorzulesen. 3. Züge nach ta- Krrche, ASchmücknng derselben, Austeilung milder Ga'lx-m Speisung :md Bekleidung der Hausarmei: (ohne Unterschied fllri 11 ' fromme Stiftungen sind dem Gutdünken ta
„local Au tontaten zu ul>erlasien. — Werktagsarbeiten, Handel
und ueltliche Geschäfte haben „allerdings" am 31. Oktober zu. ruhen, «doch wollen S. K. H. der Großherzog nicht, daß uack döm Gottesdienst an. diesem.' frohen Tage Freude und Vergnügen verboten werde". 4. Der folgende Tag ist zur Schulfeier bestimmt. 5. Jln wder evangelischen Kirche ist am! 31. Oktober eine Kollekte für die Bedrängten und Notleidenden des Otts zu Erheben und ohne Unterschied der Konfession zu verteile::. 6. „Die Verweisung aller Anzüglichkeiten gegen aridere Confesswnen in den Vorträgen am 31. Oktober wird .den evangelisckM: Geistlichen zur besonderen Pflicht genracht." 7. Bei den Schulfeierlichkeiten sind klerne Prämlsen, Wecken und dergleichen zu verteilen.
Tie Festfeier 1817 lourde in Gießen Donnerstag abend, am 30. Oktober durch das Geläute :nit sämtlichen Glocken eingeletteft, und auch am zweiten Festtag, Samstag, den 1. November, bei der Sä>ulfeier, ettönhe ^ie:sl!iches Geläute: denn der Glöckner Schneider ermelt nach der Stadtrechnung dafür als besondere Vergiftung 3 fl. Dve kirchliche Feier ivurde Freitag, am 31. Oktober in der kleine:: B u r g k i r ch e, die hinter dem Botanische:: Garten stand, abgehalten ,da der Neubau der Stadtkirche noch nicht fertiggestcltt war (erst 1821). Festprediger _ war vormittags Superin teilen t Buff, nachmittags Prof. 0. Diessenbach. Tie Gesänge ivurde:: mit Musik begleitet: dem: nach der Stadtrechnung erhält der Konz midien er Die hl 20 alb::s (2 Viart'>, „um die Pauke:: in die Kirche zu brüo- Ser'.T Tie Kirche ivar festlich geschmückt, lieber dem War prangte e:i: Oelbrld von Luther, das für diesen Tag besonders neu hergerichtet wurde: denn der Gießener Bürger Balthasar Hedderich erhält 1 st. 15 alb., „das Bild des Or. Luther zu reinigen und anszm behern' . (Das Oelbild befindet sich heute noch an der östlichen Wcuü> der heutigen Stadtkirche.) Am! Ende des Nachmittagsgottesdienstes aül! 31. Oktober wurden „Prämienbücher" an fleißige Schulkinder verteilt, die der Buchhmwlier Heger für 19 ft. 00 alb. geliefert hatte. Es waren 1 Exemplar Luthers Leben von .Holthaus, 9 Sttick Luthers Leben von Tischer und 80 Stück Luthers Lebe:: pmi Berg^ Rbwi. D:e Auswahl und Vetteilüng der Bücher geschah durch Prof. I). Treffende ch.
An: zweiter: Festtam Samstag, den 1. November, :var S ch ul- ferer. T:e Feier wurde abgehalten auf einem freien Platz vor dem „Neuweger Tor", vermutlich an der Stelle, wo jetzt das Theater steht. Nach einer Ansprache und Absingen Luther'scher L:ederm:t Musikbegleitung zog die Schuljugend auf das Rathaus, wo 680 Butterbretzeln", die der Bäcker Konrad Noll zum Preise von 12 Pfennig für das Stück geliefert hatte, unter die Köcher verölt nsurben. Der Austeilung der Bretzeln gingen verschiedene Ansprachen und „Katechisationen" voraus: denn die Schuten müssen dort länger verweilt kt&en, da nach der Stadtrechnung der Burger .Vetzberger eine Vergütung von 1 fl. 18 Kreuzer erhielt für die Bänke zu bringen von der Schule aus das Rat- hcn:s und vom Rathaus wieder in die Schule."
Mr den 2. Festtag war eine besondere Feier auf dem „Trieb" vorgesehen. H:er wurde in der Nähe der heutigen „Licher Straße" e:ne , „Luthereiche" gepflanzt, die der Stadtwald lieferte. Für Verrichtung des Platzes und Herbeischaffung der nötigen Erde :mrd der Bürger Bernhard Klingelhöfer beaufttagt: denn er erhalt nach der Stadtrechmma 3 fl. 10 albmch „um für einen Tag m:t 2 Pferden Erde zu fahren zur Setzung der Eiche" Die Festrede hrelt der Frerprchiger Frcnrz; denn nach der Rechnung wird an den Bittger Vetzberger eine Vergütm:g getvährt. „um dem Fre:pred:ger seine Sackten (Ornat) nach den: Trieb zu bringen."
An: Abend des 31. Oktober, des 1. und 2. November waren viele Häuser der Stadt und auch daS Rathaus illuminiert Zur Verhütung der Feriersgefahr waren 2 Manu als Wächch-r angestellt ; sie erhalten nach der Stadtrcchiurng 4 fl. 15 alb , für verschiedene Wachen während der Feier des Reformationsfeslks"
Indische Sage.
Uebertragen von Käte van Beek er.
(Nachdruck verboten.)
Eine alte indische Sage erzählt:
Vor Zeiten lebte ein lveiser Mann, den Pas Volk eine:« Heiligen nannte, denn seine Bedürfnisse für die/ Grde waren genug und er lebte nicht für das Irdische, sondern in Wibetuug Gottes und Erkennttris von dessen Größe, Güte mrd allmächtiger. Weisheit.
Er lebte dann aber nicht nur für sich, sondern auch für jeden andern, der Teil daran haben und der den: Lichte, das über seinen Tagen leuchtete, folgen wollte. Tarun: kamen gar viele Sucheride und Gläubige zu ihm mit Bitten um Belehrung und um Antwort zu erlangen auf Fragen, die ihr Herz beschwerten und ihnen den Bl:ck in tröstende Osfenbarnngcn verdunkelten. Unter iene, die so in Verttauen und Glauben nahten, mischten sich aber auch, w:e es stets :m Leben ist und war, mannigfach Ztveisler und Spötter, die den Heiligen durch ihre Eiuwünde und Fragen in Vcttvlrnlng zu setzen und seinen »vohttätigen Einfluß auf das Volt zu untergrabe:: versuchten.
Unter diesen ivar ein reicher Mann ans einer großen Stadt des Landes, der lvar klng und geschickt, hatte viele Schulen besucht, viele Bücher stüidrert und mancherlei erlebt und erfahren n,ch überall gesucht, d:e Wahrheit zu finden. Aber in seiner Seele war es dunkel geblieben, u:w das Licht seines Geistes konnte n^hl


