Ausgabe 
5.9.1917
 
Einzelbild herunterladen

Der rcüelhafie Feind.

Roman von Sven Elvestad.

(Fortsetzung.)

Es ist auch etwas Fürchterliches geschehen!" rief der Amtsrichter.Wir Haben den Advokaten Bomann gefunden."

Das ist ja schön. So haben wir doch endlich Hoffnung, der Sache auf den Grund zu kommen."

Advokat Bomann ist tot!" sagte der Amtsrichter.

Äsbjörn Krag blickte ihn scharf an.

Von eigener Hand?" fragte er.

Mas war Krags erster Gedanke, und er wartete ge­spannt auf die Antwort. Der Stellvertretende war so be­stürzt, daß er kaum reden konnte.

Nein," stammelte er endlich.

Also eines natürlichen Todes gestorben?"

Nein."

Der Detektiv faßte ihn hart am Arm.

Was wollen Sie damit sagen, Herr Amtsrichter? Ist er-"

Advokat Bomann ist ermordet worden. Wir haben seine Leiche gefunden."

Der Detektiv fuhr heftig zusammen; er wurde sonst nicht leicht durch etwas verblüfft, aber diese unheimliche Kunde überraschte ihn dock). Nun erinnerte er sich auch mit einem male an Fräulein Dagnys sonderbare und ängstliche Fragen, ^rnd ein drückendes Gefühl, daß die Sache, wenn sie zum Schwur kam, noch entsetzlicher sein könnte, als er seither angenommen hatte, überkam ihn.

Führen Sie mich hin!" rief er und machte sich hastig 'auf den Weg. *

Der Stellvertretende kam mit ihm und erklärte in un­zusammenhängenden Sätzen, was geschehen war.

Der Verwalter des Rittmeisters hatte die Leiche gefun­den und hatte sofort den Amtsvorsteher benachrichtigt, der sich eben in der Gesellschaft des stellvertretenden Amtsrich­ters befand. Sie waren zusammen hingeeilt. Die Nachricht von dem unheimlichen Fuird hatte sich mit Blitzesschnelle verbreitet, und von allen Seiten tarnen die Menschen herbei­gelaufen.

Man hatte den Advokaten am Rande des Gehölzes in der Nähe vom .Hofe des Rittmeisters gesunden. Offenbar war es seine Absicht gewesen, über die Felder zum Hause des Ritt­meisters zu gehen, und da war er überfallen worden.

Ist er erschossen worden?" fragte Krag.

Nein, der Mörder hat ihm einen gewaltigen Schlag mit irgend einem stumpfen Instrument beigebracht. Er muß auf der Stelle tot gewesen sein, die Verletzung ist fürchterlich."

Ist irgend eine Spur zu finden?"

Nein, nicht die mindeste. Das Ganze ist vollkommen rätselhaft. Es scheint, als ob der Advokat genau auf dieselbe Weise zu Boden geschlagen worden sein müsse, wie der alte Oberst Holger."

Krag fuhr SusgMM SN.

.Und um welche Zeit?" fragte er.

Gestern abend muß er ermordet worden sein."

Der Detektiv erinnerte sich nun an den unheimlichen Schrei, <den er auf dem Heimweg nach seiner Unterredung mit dem Kaufmann gehört hatte. Das mußte ein Hil^ruf des Advokaten gewesen sein; es hatte wie der Schrei eines Menschen in Todesnot geklungen.

Endlich langten der Detektiv und der stellvertretende Amtsrichter am Tatort an. Eine Menge Menschen standen umher. Krag fühlte sich davon höchst unangenehm berührt, denn er wußte, daß nun alle Spuren zusammengetrampelt waren.

Der alte Amtsvorsteher, der ganz außer sich war vor Entsetzen, hatte die Leute nicht vom Tatort fernzuhalten ver­mocht. Einige beugten sich über den Toten, andere liefen herum und traten das Gras nieder, einige weinten auch vor Schrecken und Aufregung. Sobald man den Detektiv kom­men sah, wichen die Menschen scheu zur Seite. Der Detek­tiv stutzte unwillkürlich, als er den Toten erblickte.

Ist die Leiche angerührt worden?" fragte er.

Nein," erwiderte der Verwalter, der ebenfalls an­wesend war.So, wie er daliegt, habe ich ihn gefunden."

Der Tote lag unter einem Baume, halb auf dem Gesicht, genau so, wie der alte Oberst gefunden worden war. Er hatte eine fürchterliche Verletzung an der linken Seite des Hinter­kopses. Die gleiche Verletzung hatte aiuf) der Oberst gehabt. Krag blickte eine Weile über das freie Feld hin. Plötzlich kam ihm ein Gedanke.

Auch der Oberst war unter einem Baum am Rande des Waldes gefunden worden. Der Advokat war unzweifelhaft auf dem Weg über das Feld gewesen, gleichwie der Oberst über die Holtewiese hatte gehen wollen.

Da war der geheimnisvolle Feind erschienen, uird beide alten sich in den Wald zu flüchten versucht. Aber keiner von eiden war bis dahin gelangt. Asbjörn Krag sah ein, daß seine ganze sinnreich aufgebaute Hypothese im Begriff war, zusammenzustürzen. Er hatte während der letzten vierund­zwanzig Stunden sicher geglaubt, daß es der Advokat ge­wesen sein müsse, der den Schlag nach dem alten Oberst ge­führt hatte .Aber dieser neue Ueberfall warf seine Annahme vollständig über den Haufen.

Die Leute, die seither schweigend den Detektiv betrachtet hatten, fingen nun an, die Köpfe zusammenzustecken. Krag blickte auf.

Dort sah nran eine Gestalt langsam übers Feld daher- kommen.

Es war Rittmeister Jvar Rye.

17. Kapitel.

Wer ist der Mörder?

Die Leute wichen scheu zurück, als der Rittmeister näher kam. Das Flüstern hörte vollständig auf.

Der Rittmeister, der sah, das; etnmS geschehen sein mußte, beflügelte seine Schritte. Er mar im Jagdcrnzug und hatte sein grilnes Hütchen tief ins Gesicht gezogen. Die « M« fafe <3 in den TMxn Mer $»££§ ßersm&su