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nach Stylten äuZschMt, sind Sie bereits cktn Hanse des aKnf- manns angelmigt.
Hier möchte ich eine Frage einschicben. Ich habe mir sagen lassen, die Iran des Kanfmaims sei Ihr Kindermädchen gewesen. Ist das richtig?"
Dagny nickte.
„Gut. Und wie bekannt, haben Kindermädchen oft eine rührende Anhänglichkeit an ihre Pflegebefohlenen, auck> wenn diese längst erwachsen sind. Ich kann mir also gut denken, da stgeschehen nmßte, was geschah. Nittcrvrechen !6rte mich nickst, liebes Fräulein, ich mochte letzl, w-o ich am Schluß meiner Entwicklung angelangt bin, ungestört wcitcr- kreden."
16. Kapitel.
Der ne ne M ö r d c r.
phne sich durch des Mädchens steigernde Angst und Uu- aednlL ansechten Kn lassen, fuhr der Detektiv fort, indem er deir Ring einfteckte:
„Als ich vorhin, nachdem ich diesen kleinen Ring im Zimmer des Advokaten gesnndcn hatte, die KainsmaimSsrau fragte, vb gestern abend jemand den (Advokaten h-libe sprechen wollen, nachdem er um halb acht Uhr anscheinend ans sein Zimmer gegangen, tatsächlich aber ansgegangen war,
S erie sie mit der Antwort. Da merkte ich, daß sie jemand en wollte. Und wer hätte das anders sein können, als Kind, das sie früher gewartet hatte, wer anders hätte diesen Ring droben verloren haben können, als das elegante Fräulein Dagny Holder? Ich ging nicht näher daraus ein, ich unterließ es, die Frau zu bedrängen, sie brauchte also ihren Schützling nicht zu verraten. Sie sehen, Fräulein Hol- ger, daß ich m der Tat sehr diskret bin.
Jetzt war es mir leicht, klar darüber zu werden, was geschehen war.
Sie und der Advokat hatten einander also bersehlt, und als Sic ,vvn jedermann ungesehen, am Hause augelaugt sind, treffen Sie da die Frau des Kaufmanns und überreden sie zu dem Versprechen, nichts zu verraten, was ich ganz verständlich finde. Dann fragen Sie nach dem Advokaten, und sie antwortet — denn sic weiß es ja nicht anders, er sei auf seinem Zimmer. Sie gehen allein hinaus, denn bei der Unterredung, die Sie jetzt mit ihm haben werden, wünschen Sie keine Zeugen.
Sie klopfen au, keine Antwort. Sie klopfen stärker, immer noch keine Antwort.
Liebes Fräulein, was regte sich da in Ihrem Hirn, das ist den letzten Tagen von Leid und Kummer und Sorgen erfüllt gewesen war? Sie begriffen, daß der Mann nicht zu Hause war, und Sie dachten: Wenn ich jetzt nur einen Augenblick in sein Zimmer kommen könnte, nur einen einzigen kleinen Augenblick, und seine Schubladen durchsuckieu! Und da bemerkten Sie, daß die Türe, die Sie von der Stätte Ihrer Hoffnung schied, eine von den altmodischen Türen mit einem nur schlechten Schloß war. Sie brauchten nur ein wenig stark zu drücken, um das Schloß zu sprengen. Und in diesem Augenblick fühlten Sie sich am Rande der Verzweiflung. Eie drückten, und die Türe sprang auf. Nun fingen Sie an, seine Schubladen zu durchsuchen und warfen seine Papiere wlterdipolter herum. Sie glaubten, Sie hätten nur wenig Zeit, und für Sie galt es, ein einziges kleines Ding zu finden. Ich irre mich wohl nicht, wenn ich annehme, daß es ein Papier war, ein Dokument, was Sie suchten. Seien Sie ganz ruhig, Fräulein. — Sie wagten nicht, noch länger im Zimmer zu bleiben, und liefen davon, erfüllt von Schreck und Verzweiflung."
Fräulein Dagny hatte sich erhoben. Sie war entsetzlich blaß und zitterte aM ganzen Körper.
„Haben Sie das Dokument gefunden?" fragte Krag scharf.
Schwankend schritt Dagny der Türe zu.
„Nein!" flüsterte sie vor sich hin. „Ich habe das Papier nrckst gefuiiden und ich bin noch ebenso unglücklich wie vorher.
_ , Sinn stand sie schon an der Tür«, aber Asbjörn Krags Stimme rief sie noch einmal zurück.
, So werde ich das Schriftstück für Sie finden, Fräw- l«m Solger, »exfaffen Sie sich bnrauf," sagte er. Aber nun Aar cs, als ob sie plötzlich znm Bewußtsein erwache. Sie hob den Kopf.
„Von welchen Schriftstücken reden Sie?" fragte Dagny. »ann ich nickst mehr bleiben. Ich habe andere Pflichten. Damit verließ sie das Ziinmer.
Asbjörn Krag blieb allein zurück. Er war wirklich bewegt und begriff, daß es ein entsetzliches Geheimnis sein mußte, das dieses arme Mädchen zwang, so unverbrüchlich! zu schweigen.
Dann ging auch er. Als er ins Freie kam, lauteten auf den Hosen ringsum die Mittagsglocken.
Krag dachtcsiiber seine Stellung in dieser Sache nach und kam zu dem Schluß, daß er noch niemals so viele Schwierigkeiten gehabt habe wie hier. Es lagen hier ungewöhnliche Umstände vor; selbst die Personen, die ihm hätten helfen sollen, banden ihm die Hände, weil sie ihre Karten nicht offen auf den Tisch legen wollten. Sie behaupteten, was sie verschweigen müßten, habe nichts mit der Sache zu tun, aber er selbst war überzeugt, daß gerade das Gegenteil der Fall! war. Wenn nur der Advokat auf-»treiben gewesen wäre!
Plötzlich wurde Krag auf einen Menschen aufmerksam', der ihm in höchster Eile entgegengelaufen kam. Er sah gleich, daß es der stellvertretende Amtsrichter war.
Als der Amtsrichter näher kam, bemerkte der Detektiv, daß der junge Manu blaß und verstört aussah. Da mußte etwas geschehen sein.
„Endlich finde ich Sie!" rief der Stellvertretende atonlos. „Ich habe Sie überall gesucht."
„So? was ist denn geschehen? Sie sehen ja aus, als ob Sie ein Erdbeben oder sonst was Entsetzliches erlebt härten."
(Fortsetzung folgt.)
Wandlungen.
Skizze von. Elsbeth Sell icn.
(Nachdruck verboten.) >
Klingendes, nbermWtges Mädcherilachen. Berich Wolfram ntot voll Zorn. Er liebte dies' Lachen, intb haßte es doch, wenn es! ifyu galt.
Die Füßchen in den trägen Tennisschuhen wippten ungeduldig, nnd aelangürält hin mtb her; sic wären lieber lustig jedem uorFm- den Ball über den fesbgestainpsteri. Kies nack-gestogeu. Aber da ipsiltc eben der Baker mit der Hausdame ihr evcns-o korrektes! wie langweiliges Einzelspiel. Mau mußte sich schon gedulden nnd aus ruhen.
, Zn diesem Zwleck hatte sich Eva also auf die Brüstung der Rosen taube aeschvnngen, und weit sie sehr gut wusste, daß die üppig blühenden, tm -lhendsch'tn wie Rubinen leuchtenden Crimson
Wolfram sie ansah.
Ter stand blond nnd stattlich vor der graziösen Partnerin^ Mw m seinen Augen brannte verzehrendes Feuer.
„Geben Sic mir eine Zigarette, Bernd! — So dmckd Run kommen sie näher - noch näher! Halt, nicht weiter —' lch will mir ja wir den Papyros an ihren Augen anzündcn, sonst verbrennt all die edle Glut nutzlos."
Ter junge Mann preßte die Lippen aufeinander: „Sie sollten mcht s» mit imr spielen, Eva!"
„Ich spiele aber gern mit Ihnen, Bernd; Sie sind ein famoser Tennrspartner."
„Eva - —!" Es ttmlg drohend.
„Pich — jetzt Hab' ich aber dbrgst vor Ihnen. Seien Sie lieber gemütlich Jmb geben Sie mir Feuer; Ihre Augenglut jst mir doch nrcht h?rß geistig."
Ach, es war doch nett U'id amüsant, einen so stattlichen und sonst so energischen Mann — Vater schätzte seine Energie sehr hoch -- mit emein Wink, einem Blick drrigicreir zu können
Tw kleine Kirke hielt die Zigarette graziös' zwischen den fchlnaken Fingern. Tas Rauchen tvar ihr durchaus kein Genuß, eher das Gegenteil; sie wußte aber, das; Bernd diese Gewohnheit vn Frauen nicht leiden mochte — Grnnd geirutz für Eva, sich den timten Zwang aufiuer legen.
„ . kann doch noch immer nicht Ringe rauchen, Bernd" Es klang ganz traurig; indessen, während der kleine Mund sich vergeblich zu einer möglichst runden Qesfnung formte, streifte ein blinzelnder Leitciiblick vergnügt forschend die Züge ihres Partners
Plötzlich mx sie aber doch erschrocken. Bernd Wolfram hatte ihr mit ungestümer Bewegung die Zigarette sortgerissen und ihre beiden Handgelenke gefaßt, die er nun >vA im Schraubstock festhielt
„Lassen Sie mich los, Bernd, was fälltz Ihnen ein!" Sie iah m ein iveißes Gesicht und hörte eine gepreßte Stimme: „Wenn Sne erst meine Frau sind, Eva, werden Sie nicht mehr rauchen."
Sw Mckste ihr klingendes Lachen ihm gerade ins Gesicht
sind köstlich, Bernd. Ich Ihre —' Frau-! Rmt lassen
Sie mich aber lös, Sie tun mir weh."
Er gab ihre Hände frei, stammelte verwirrt eine Entschuldigung. -Lchmollend betrachtete sic die roten Streifen, die sein fester Griff al'f Aren Handgelenken zurückgelassen hatte: „Ta sehen Sie l>-sr — Sw Barbar!"


