Ausgabe 
3.9.1917
 
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Der rätselhafte Feind.

Roman von 3 o i n Elvestad (Fortsetzung.)

Asbjörn Krag änderte fein Benehmen voll ständig. Er wurde mit einemmale die Liebenswürdigkeit selbst.

Ich habe Ihnen gesagt, daß Advokat Bomonn ver­schwunden, spurlos verschwunden ist/' sagte er.Seit gestern abend hat ih»» kein Mensch mehr erblickt. Und denken Sie daran: ich war der letzte, der ihn gesehen hat. Da war er in feurdseliger Stimmung und schwur, er habe Beweise in Händen, durch die der Rittmeister schon ftit Fall kam inen werde."

Der Detektiv sah >oohl, daß diese Mitteilung Eindruck auf Dagny machte. Aber er tat, als ob er nichts merke.

Sie haben wohl and) keine Ahnung, wo der Advokat sein kann?" fragte er.

Nein."

9hm überkam Danny eine gelvifse Unsicherheit.

Wann wann Huben Sie zuletzt mit .Herrn Bomann gesprochen'?" stamurelte sie mit niedergeschlagenen Augen.

Gestern abend."

Um wieviel Uhr?"

Unmittelbar ehe ich n»it Ihnen zusammentrns."

Dann war es also gegen acht Uhr?" mitrmefte sie nachdenklich

Sehr richtig. Es war sieben Minuten vor acht llhr. Ich stelle immer die Zeit fest, ivenn ich arbeite. Der Advokat kam von der Holtewiese her, wo er vermutlich seine Nachfor­schungen, um Beweise gegen den Herrn Rittmeister zu sammeln, fortgesetzt hatte."

Und jetzt ist er verschwunden?"

Ja, seit jener Zeit ist er spurlos verschwunden."

Rittmeister Rye ist ivöhl ist Nwhl mit jene Zeit zu Hause gewesen, nicht?"

Wann? Gestern abend um acht Uhr'?"

Asbjörn Krag fühlte eine innere Erregung. Er hatte die Empfindung, vor einem Wendepunkte zu stehen

Ja."

Um acht Uhr?" murmelte Krag vor sich hin, so daß Dagny den Eindruck bekam, er denke und rechne nach. Nein, um diese Zeit machte er einen Spaziergang. Das hat mir der Vermalter erzählt, als ich heimkam."

Aber als Sie hei in kamen, trafen Sie den Ritt­meister an?" - ' ,

Ja," antwortete Krag, und sie scharf anblickend fuhr er fort.Der Rittmeister war durchaus wie sonst. Ich konnte nichts Ungewöhnliches an ihin entdecken."

Es lief ein Schauer über Dagnys Körper.

Das kann mir doch gleichgültig sein," sagte sie.

Nun entstand eine Pause. Fräulein Dagny hatte bren­nende Lust, die Unterhaltung abzubrechen, aber es war. I

als wage sie es nicht recht. Asbjörn Krag nahm den Faden von vorhin »nieder auf.

Sie »vollen mir also nidyl mitteiten, was Ihr Grund tvar, den» Advokaten einen Besuch alb zu statten?"

,/Ichhabe nichts zu sagen."

Asbjörn Krag fächelte und nahm ruhig ihr gegenüber Platz.

Dame erlauben Sie wohl, daß ich statt Ihrer das Wort ergreife," sagte er beinahe spöttisch.Sie können mich ja unterbrechen, wenn Sie mich zu berichtigen wünschen."

Gestern abeud um sieben Uhr," fing er an,schrieb der Mvokat einen Brief wegen eines Waldkaufs, aljv in einer Sache, die mit diesem merkwürdigen Drama nicht das »»lindeste zu tun hat. Er war mitten in den» Wortever­käuflicher Wald" (ich habe den Brief in Händen, g»rädigeH Fräulein), als ihm plötzlich etlvas einfiel. I chdarf lvenig- stens annehmen, daß es keine Begebenheit von außen war, die ihn veranlaßte, plötzlich aufzustehen und feinen anafr faiigeueit Brief liegen zu lassen. Er entdeckte näwllch. daß es ttrzwischen halb acht Uhr geworden »var, oder vieUetcht, daß noch einige Minuten dazu fehlten. Mar »licht halb acht Uhr die Stunde, zu der Sie verabredet hatte»», mit ihm zusammeuzutreffen?"

Krag bernerkte, daß das Fräulein eilte u»r»oillige Be- wegung »nachte urrd hob abwehrerrd die Hand.

Unterbreche»: Sie mich nicht!" sagte er.Es ist möglich daß ich »nich bei einigen minder wichtigen P»mkten irre, aber in der Hauptsache habe ich jedenfalls vollkommen recht. Ich weiß das ganz gewiß. Mm also, ich setze voraus, daß Sie etlvas sehr Wichtiges mit dem Advokaten zu besprechen hatten und daß Sie sich überwunden hatten, ihin eine Zu­sammenkunft zu gewähren, ihm, de»n geschwore»»en Feinde des Rittmeisters. Darf ich sagen, seine»»» Todfeinde? Gut, so sage ich das.

Während er seinen Brief schrieb, cntbecfte er also, daß die schicksalssck>wangere Stunde nahe. Dabei kam er auf den: sehr vernünftigen Gedanken, es sei doch »licht ganz das» richtige, mit Ihnen vor oder im Hause des aKnfmanns znsa!»nnel»zutreffei», »vo jeder beliebige Neugierige Zeuge der Zusammenkunft »verden könnte, di edoch »inter den vor­liegenden Umstä»lde»l ziernlich ausfallend »var. Er entschloß sich also, Ihnen entgegenzngehen, so daß Ihr gusammen- treffeii mit ih»n »venigstens einiger»naßen den Eindruck des Zufälligen machen könne. Aber da er nur noch lveuig Zeit hat, läßt er seinen angefange»»en Brief liegen Seiner Wirtin, der Frau desa Kufmanns gegenüber, behauptet er, er gehe auf fein Zimmer, geht aber statt dessen Ihnen ent- gegen.

Aber nun kornint der unglückliche ich will sagen der glückliche Zufall, daß Sie, gnädiges Fräulein, einen Umwea gemacht hatten, mit niemand zu begeg»ren Sie kamen durch das Gehölz. Das konnte er nicht ahnen, »md die Folge ist, daß Sie ei»»a»»der verfehlen. Während er untertvetzs ist Und