ftntf. allein ich spreche hier nicht als sein Freund, sondern als Polizeimann. Sollte es sich ergeben, daß der Rittmeister der Schuldige ist — nun, dann läßt sich eben nichts machen. Uber nichts sollte mir lieber sein, als wenn es mir gelänge, seine Unschuld ztu beweisen. Ich glaube fest daran, daß er unschuldig ist. Ich werde mich indessen nicht darauf beschränken, seine Unschuld zu beweisen, rch will auch den Schuldigen finden. Eher werde ich nicht ruhen noch rasten."
„.Haben Sie irgend eine Vermutung, »ver der schuldige sein könnte?' fragte einer der Journalisten gespannt.
Krag antwortete sofort:
„Davon habe ich nicht die mindeste Ahnung."
Zugleich aber lächelte er jo sonderbar und geheimnisvoll, als ob er dennoch mehr wisse, als er sagen wolle, und die Bleistifte der Berichterstatter glitten immer zögernder und unsicherer übers Papier.
„Damit Sie aber einen einigermaßen richtigen Eindruck von der Sache gewinnen, möchte ich Ihnen folgendes erzählen," fuhr Krag fort: „An jenem Tage war es keineswegs des Obersten Absicht gewesen, auszugehen. Da erhielt er einen Brief, und in diesen! Briefe wurde er dringend auf- «ejordert, sich zu. einer bestinnnten Stunde an einem bestimmten Orte einzufinden."
„Diesen Brief hat natürlich der Tater geschrieben!" riesen die Journalisten eifrig.
Asbjörn Krag machte ein sehr geheimnisvolles Gesicht.
„Einen solchen Brief hat der Rittmeister an den Obersten gerichtet," sagte er.
„Aber das ist ja ein entsetzliches Indizium!"
„Wir werden sehen. Um diesen Brief wird sich heute Vormittag das Verhör hauptsächlich drehen. Wie ich anNehme. steht Ihrer Antvesenheit dabei nichts im Wege, meine Herren."
In den meisten Fällen empfindet Asbjörn Krag wde Art von Oesfentlichkeit höchst unangenehm, »nährend die Verhandlungen Und Untersuchungen noch im Gange sind. Diesmal jedoch wich er von feiner Regel ab. Warum? Hatte er in seinem Kampfe eine bestimmte öffentliche Meinung nötig? Meinte er, daß der harten und herzlosen Verdächtigung des Rittmeisters hier in der Gegend an: besten durch eine Stimmung, die von außen tarn, das Gegengeivicht gehalten werden könne? Eines ist sicher und gewiß: Wenn Asbjörn Krag für volle Oesfentlichkeit eintrat, dann hatte er eine bestimmte Absicht dabei, dann war sic ihm von Wichtigkeit.
Es wurde noch zehn Minuten gewartet, und die Uhr war ein Viertel nach zehn, als die Verhandlung eröffnet wurde. Der Kaufmann wurde immer unruhiger. Er hatte seinen Jungen in fein Haus geschickt, der sich nach dem verschwundenen Advokaten erkundigen sollte. Atemlos kam der Junge zurück und sagte, der Advokat sei nicht zu Hanse gewesen und sei auch von niemand gesehen worden.
Auch der Vorsitzende, der junge stellvertretende Amtsrichter, wurde bei dieser Nachricht auffallend unruhig. Er flüsterte Krag etwas zu.
„Ja,, beeilen Sie sich nur so sehr als möglich. Es könnte sein, daß wir nachher keine Zeit mehr zu verlieren hätten," sagte dieser. Und die Verhandlung begann.
„Das Gericht wünscht vor allen Dingen darüber ins reine zu kommen, wer den Brief geschrieben hat, durch den Oberst Holger an jenen! Unglückstage ans dem Hanse gerufen worden ist," sagte der Vorsitzende.
Er griff in die Dokumentenmappe und holte ein Papier heraus.
„Hier ist der Brief," sagte er. Nachdem er das Schreiben vorgelesen hatte, fuhr er fort:
„Ich und andere waren der Ansicht, daß dieser Brief von Herrn Rittmeister Rye geschrieben sein müsse, da Umstände in dem Briefe angedeutet sind, die mit bestehenden und wohlbekannten Verhältnissen übereinzustimmen scheinen. Bei der ersten Verhandlung fragte ich den Rittmeister, ob er einen derartigen Brief geschrieben habe, und er gab das auch sofort -u. Als ich ihn fragte, in welcher Absicht er den Brief geschrieben habe, antwortete er, er sei durchaus nicht in der Lage, mir darüber Aufklärung zu geben, er sei gebunden. Ich nelt das für eine Ausflucht, die meinen Verdacht nur bekamen könne. Ich machte ausdrücklich daraus aufmerksam, )aß der Herr Rittmeister bis dahin den Brief, den ich hier m der Hand halte, nicht gesehen hatte. Als aber der Brief verlesen wurde, erklärte er sofort, diesen Brief hier nicht geschrieben zu haben, wohl aber einen ähnlichen 'Inhalts.
Die Handschrift ist auch nicht die seinige. Ich dachie dabei Jo* fort, der Rittmeister könnte doch unmöglich leugnen, diesen hier vorliegenden Brief geschrieben zu haben, wenn er es wirklich getan hätte, während er zugleich zugibt, einen ähnlich lautenden Brief geschrieben zu haben. Diesen Brief des Herrn Rittmeisters können wir nicht finden. Ich. frage Sie nun, Herr Rittmeister, ob Sie in allem Ihre Aussagen von der ersten Verhandlung aufrecht erhalten?"
Der Rittmeister erhob sich.
„Ja," sagte er fest.
,^2ie geben also zu, einen Brief an den Obersten geschrieben zu haben mit der Aufforderung, um halb vier Uhr an einen bestimmten Ort zu kommen?"
„Ja."
„Was, hatten Sie dabei für einen Zweck?"
„Darüber wünsche ich keine Erklärung abzugeben."
„War es Ihre Absicht, mit dem Herrn Oberst zusammen-utreffen?"
„Nein, ich hatte nichts mit ihm zu reden."
„Dann hatten Sie vielleicht die Absicht, in seincur Hause — hm — einen Besuch zu nrachen und wollten dazu freie Bahn haben?"
„Nein, das war auch nicht meine Absicht."
„Aber Sie hatten doch eine bestimmte Absicht dabei?"
„Ja."
„Wollten Sie dein Oberst in irgend einer Weise schaden?"
„Durchaus nicht. Ich hatte dazu keine Ursache, i nt Gegenteil, denn ich bin dem alten Herrn sehr zugetan."
„Trotz allem, was sich in der letzten Zeit zwischen Ihnen ereignet hat?"
< t-,Jch kam: nur wiederholen, daß er mir sehr lener ist. Ich habe ihn genau so gern wie vorher. Vielleicht noch mehr, denn er scheint von einem großen Unglück getroffen zu sein."
„Sie wollen sich also nicht näher über den Brief und die Absicht, die Sie damit gehabt haben, äußern?"
„Nein." ^
„Damit setzen Sie »«ich in die größte Verlegenheit," erklärte der junge Amtsrichter etwas ärgerlich. „Ich möchte doch gerne so rasch als möglich der Sache auf den Grund kotnmen, und eine offene Aussage von Ihnen könnte inich vielleicht auf eine Spur leiten."
„Das glaube ich nicht. Was ich verschweige, hat nicht die mindeste Bedeutung für die Sache."
„Aber es hat Bedeutung für Sie selbst, Herr Ritt- melfter. Sie kommen durch Ihr Schweigen unwillkürlich in eine schiefe Stellung."
„Ich nehme die Folgen meines Schweigens und meines Auftretens auf mich."
Der Vorsitzende ließ die Aussagen dieses Zeugen zu Protokoll nehmen.
(Fortsetzung folgt.)
5rau Agaihes Beziehungen.
Von Paul Alexander S ch c t t l e r.
Frau Agatha gab immer ettctö' aus Beziehungen. Kein Mnnd^- Wenn man eine erlvnchsene Tochter im heiratsfähigen Alter IM, die man standesgemäß verheiraten will. Denn anders als' standest gemäß wäre es ein halbes Leben gen-esvn, darüber ivar iich Frau Agathe klar, und sie hielt auf Familie. Ihr Mann nm Wt nur kleiner Beamter, dessen Gehalt keine großen Fprünarj duldete. Aber sie selbst hatte etivas Geld in dir Ehe mit ihrem Joachim mitgebracht, und mit diesem Gelbe- einen iliwertt'unbarcn Zug zur Höhe. Diesen Zug teilte ihr Gatte keineswegs, weshalb Frau Agathe auch überzeugt rvar, daß er es nie weit bringen würde im Leben. Um so mehr pflegte sie ihn bei sich und ihrer Diese, das stand bei ihr fest, sollte es einst glänzender haben als die Mutter. Warum auch nicht? Tie verdiente es. Sie war hübsch und hatte eine verbildliche Erziehung genossen, war in einem Pensionat genasen, 'konnte Klavier spielen, hatte Französisch Englisch gelernt, trieb Sport und verstand es, sich nett und gefällig zti kleiden.
Es fehlte Hildchen auch keineswegs an Verehrern, die sich inu das hübsche Mädel nach Kräften bemühten, und >venn es nach Herrii .Joachim gegangen wäre, er hätte zu allem Ja und Amen gesagt und dem Kinde das Glück an der Seite eines K'ansmanns vder Beamten gegönnt.
sticht so Frau Agathe. Sie war ganz und gar nicht damit einverstanden, daß ihre Tücher den ersten besten wählen in echte. O, auch sie glaubte einst, ein. aus Liebe geschossene Herzeusbnnd werde ein dauernder Paradiestraum fein, und wie war sie bei ihrem Joachim später aus den Wollen gestürzt, als sie erfahr«!


