Ausgabe 
27.8.1917
 
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Der rätselhafte Feind.

Roman von Sben Elvestad.

(Fortsetzung.)

Aber dann ist es dockt merkwürdig, daß Sie ihn seit gestern abend nicht mehr gesehen haben."

Er hat viel zu laufen seiner Waldkäufe und anderer Geschäfte wegen. Vielleicht hat er bei jemand, mit dem er wegen eines Waldkaufes in Verhandlung steht, übernachtet."

Sprach er davon, als er wegging?"

Nein, das tat er eigentlich nicht,"

Wann ging er denn von Ihren: Hause fort?"

Gestern abend um halb acht Uhr."

Asbjörn Krag überlegte. Uni acht Uhr hatte er selbst den Advokaten getroffen, und da deutete nichts darauf hin, das; dieser im Sinn habe, das Dorf zu verlassen. Und außer­dem hatte er doch mich den Brief an den stellvertretenden Amtsrichter geschrieben und diesem mitgeteilt, daß er pünkt­lich am andern Morgen erscheinen und seine wichtigen Aus­sagen machen werde, das heißt, die Indizien vorlegen, die es ihnr gelungen sei, gegen den Rittmeister znsammenzld- tragen.

Haben Sie ihn gestern abend zurückerwartet?" fragte Krag weiter.

Ja, das habe ich allerdings getan. Er hatte im Laufe des Tages davon gesprochen, daß er noch Briefe zu erledigen habe, und die hat er jedenfalls noch nicht abgeschickt."

Krag wechselte mit denk Amtsrichter einen Blick.

Wir fragen nur, weil ihm ja vielleicht etwas zu­gestoßen sein könnte," sagte dieser.

Aber nun wurde der Kaufmann plötzlich lebendig.

Ach, das glaube ick) nicht. Bomann hatte einen Re­volver bei sich?" rief er nrid warf Krag einen stechenden Blick zu.

Asbjörn Krag zuckte die Achseln und lächelte. Dann wurde er die beideit Journalisten aus der Stadt gewahr und grüßte verbindlich.

Auch hier?" sagte er.Sie sind zeitig zur Stelle, meine Herrn."

Hier muß die Benierkung eingeschoben werden, daß Asbjörn Krags Person nur sehr wenigen bekannt war. Wenn er sich öffentlich sehen lassen mußte- trat er am liebsten un­ter irgend einer Verkleidung auf, darum war es sehr be­greiflich. daß ihn die beiden Herren Journalisten nicht per­sönlich kannten. Aber jetzt wollten sie Nüssen, wer der Mann sei, und stellten sich darum vor. Sie wareu Mitarbeiter an zlvei großen Zeitungen der Hauptstadt.

Sie kennen wahrscheinlich meinen Namen," sagte der Detektiv.Ich bin nicht von der Polizei hergesandt, sondern arbeite ganz privatim und habe mich hier in erster Linie aus Juteresse an dem Fall an sich eingeruischt, besonders aber auch aus Juteresse für meinen alten Freund, Rittmeister Rye. Ich heiße Asbjörn Krag. Wohin, meine Herren?"

Dieser Ansruf des Detektivs war sehr berechtigt, denn kaum hatte er seinen Namen genannt, als die beiden Herren kehrt machten und mit flatternden Rockschößen aufs Tele- graphenbureau rannten. Nun war die Sachlage mit einem Male vollständig verändert. Die abgesandten Telegramme mußten mit der Nachricht vervollständigt werden, daß AS- björn Krag, der berühmte, geheimnisvolle Detektiv, der so selten zu sehen war. die Fäden in der Hand halte.

Krag lachte. Es war ihm klar, um was es sich hier handelte, aber für diesmal hatte er nicht mehr die Absicht, sich zu verstecken.

Der stellvertretende Amtsrichter sah nach seiner Uhr. Es tunt beinahe zehn Uhr. Jedermann spähte die Straß« entlang, ob sich beim der Hauptzeuge nicht doch noch im letztet! Augenblick einfinden werde.

13. Kapitel.

Noch ein V e r h ö r.

Aber es wurde zehn Uhr, und der Advokat erschien nicht. Dagegen kamen die Journalisten znrückgestürmt und wollten durchaus Asbjörn Krag über den Falt 'interviewen.

Irr wenigen Worten tat er ihnen seine Ansicht kund

Es ist ein sehr geheimnisvoller Fall," sagte er.Ws jetzt haben loeder die Verhöre noch die Nachforschungen, di« von verschiedenen Seiten angestellt worden sind, Licht in di« Sache gebracht. Das einzige, was man weiß, ist, daß der alte Oberst Holger einen Feind hat, der ihm nach denr Leben trachtet. Der Schlag, der ihn getroffen hat, ist so gewaltsam geführt, daß der Täter unbedingt im Sinn gehabt haben muß, ihn tödlich zu treffen

Vorläufig sagen die Aerzte, der Oberst sei außer Lebens­gefahr. aber es werden vermutlich noch mehrere Tage ver­gehen, bis er zum Bewußtsein kommt. In dieser Zeit könnt« der Täter längst entschlüpft sein, so muß man also .sehen, sich, so gut es geht, ohne die Aussagen des Obersten zu be­helfen.

Die Indizien, die bis jetzt dem Gericht vorliegen, sind meiner Meinung nach nicht so überzeugend, daß sie eine Ver­haftung rechtfertigen würden," fuhr Asbjörn Krag fort, während die Journalisten eifrig Notizen machten.Die Leute waren bisher geneigt, anznnehmen. der Herr, den Sie dort sehen, sei durch das Verhör und die Untersuchung stark belastet. Da sein Name Wch schon in den Zeitungen genannt worden ist, trage ich kein Bedenken, ihn zu nennen. Es ist Rittmeister Rhe. Genuß, meine Herren, wir haben Indizien, die daraus hinzndenten scheinen, daß der Rittmeister der Täter sein könnte. Mit einigem guten Willen kann man diese Indizien sogar für völlig überzeugend erklären, und ich kann Ihnen versichern, daß ans dem einen oder dein andern Grunde fast alle Menschen hier in der Gegend diesen guten Millen haben. Es sind aber wichtige Umstände vorhanden, die diese Indizien teils einander widersprechend erscheinen lassen, und teils sie, was den Rittmeister betrifft, vollständig außer Betracht setzen. Ich räume ein, daß wir Jugendfreunde