Ausgabe 
25.8.1917
 
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tue n.fflüftcrt wmden, und aus den finsteren Blicken, die nach der Seite gerichtet waren, von der der Rittmeister erwartet wurde, ging deutlich hervor, gegen wen sich in diesem Falle die Antipathie der Leute richtete.

Aus der Hauptstadt waren einige Jonrnausten ange kommen; diese gingen herum und plauderten mit den um herstehenden Bauern. Lie erfuhren zwar nicht viel, denn Bauern sind in solchen Dingen in der Regel sehr wortkarg; aber so viel brachten sie doch heraus, daß sie mit beinahe mi bedingter Sicherheit schreiben konnten:

Man vermutet, daß das Zcugenverhör von heute vor mittag von abschließender Bedeutung sein werde. Der Fall ist. äußerst interessant, und eine Liebesgeschichte zieht sich wie ein roter Faden durch diese rätselhaften und verwictel- len Ereignisse. Vorläufig sammeln sich alle Indizien der Täterschaft in unheimlichster Weise um Rittmeister Rye. Seine Sache stellt um so schlimmer, als er offenbar zum Ver­schweigen und Verdrehen von Tatsachen seine Zuflucht gc nommen hat.

So verweigert er jede Auskunft darüber, zu welchem Zweck er an dem Unglückstage zwischen drei und vier Uhr einen Ausritt unternommen hat. Auch leugnet er bestimmt, nn dem genannten Tag übers Feld geritten zu sein, obgleich die Spuren von Huftritten bestimmt darauf hindeuten.

Der Mann, der diesen wichtigen Umstand mit den Pferdespuren ans Tageslicht gebracht hat, ist derMm Dorfe wohlbekannte Advokat Bomann ans der nächsten Stadt. Er hat großen Spürsinn bewiesen und hat in dieser Sache mit anerkennenswertem Eifer gearbeitet.

Die Verhandlung wird von dein jungen stellvertreten­den Amtsrichter geleitet, da der Amtsrichter selbst zurzeit krank ist. Die Leute erwähnen es hier als einen bemertcns- werten Umstand, daß der Amtsrichter in den letzteil Jahren stets krank gewesen ist, sobald es sich nur einen bedeutenderen Fall gehandelt hat. Man kann natürlich nicht erwarten, daß der Stellvertretende, der erst fünfundzwanzig Jahre alt ist, Erfahrung genug für die tadellose Führuilg einer solchen Verhandlung habe. Jedenfalls aber müßte eingegriffen wer­den, chenn es sich als richtig Herausstellen sollte, was die Leute behaupten, daß er sich nämlich bei der Verhandlung gestern sein Verfahren teilweise voll einem Detektiv habe vorschreiben lassen, der aus Christiania hergekommen sein soll.

Dies ist um so merkwürdiger, als der genannte Detek­tiv - sein Name war nicht zu erfahren, und er hat sich auch bis jetzt nicht blicken lassen der beste Freund des verdacht ligen Rittmeisters ist und bei ihm wohnt. Im ganzen be­trachtet wäre cs angebracht, wenn der Staatsanwalt, dein ja doch höchst wahrscheinlich diese Sache in die Hände fällt, den wichtigen Verhandlungen beiwohnte."

Dies wurde vor der Verhandlung geschrieben und so­fort nach Christiania telegraphiert, damit man dort doch ein­malfür den Anfang" etwas zu berichten habe.

Als die Berichterstatter von der kleinen Telegraphen­station zurückkehrten, merkten sie an der Haltung der Leute, daß etwas los sein mußte. Alle standen regungslos und schauten nach der Straße, die zum Hause des Rittmeisters führte.

Er kommt!" wurde geflüstert.

Wer kommt?"

Der Rittmeister!"

Drei Herren kamen in lebhafter Unterhaltung die Straße dahergeschrilten.

Der in der Mitte ist der Rittmeister!" sagte jemand.

Und die beiden andern?"

Der eine ist der Detektiv und der andere der stellver­tretende Amtsrichter."

Die Journalisten steckten die Köpfe zusammen. Das war doch sonderbar, daß der Vertreter von Gesetz und Recht, der Verdächtige und ein unberufener Dritter sich so offen vor aller Welt miteinander unterhielten!

Als die drei vor dem Hause angekommen waren, fragte der Stellvertretende nach de.t Advokaten Bomann. Der Stellvertretende hielt ein SchriMück in der Hand. Der Kauft mann trat vor und sagte, Advokat Bomann sei noch nicht er schienen, er erwarte ihn aber jebeu Augenblick.

Ich wollte ihn als ersten Zeugen vernehmen," sagte der stellvertretende Amtsrichter.Er ist der nichtigste Zeuge. Gestern hat er an mich geschrieben."

Und er las halblaut vor sich hin:

bähe Ihnen in dieser Sache wichtige AufkMrun-

gen zn geben.= Na ja, der Mann kommt wohl noch, wenn fi cs versprochen hat," fügte cr hinzu. Daun sah er nach der Uhr ..Es ist ja auch noch eine Viertelstunde Zeit, bis die Verhandlung beginnt."

Asbjörn Krag, der bis jetzt schweigend neben dem Ritt­meister-gestanden hatte, trat vor. Er hatte das Gesicht des! Kausmauus aufmerksam betrachtet, und da war ihm ein Ausdruck von merkwürdiger Unruhe ausgefallen.

Guren Tag!" sagte er zn ihm.Erkennen Sie mich wieder?"

Jawohl, der Kaufmann erkannte ihn wieder.

Wissen Sie, wo sich der Herr Advokat aufhält?" '

Nein."

Ich dachte, Sie und er wollten zusammen herkom-» men?"

Der Kaufmann schaute hinaus in die blaue Luft.

Nein, das wollten wir nicht," sagte er.

Nun wurde der Detektiv mit einemmale von einem Ge­danken ergriffen.

Wann haben Sie den Herrn Advokaten zum letzten­mal gesprochen?"

..Das ist noch iA®l)t tapge her."

Wie lange ist es her?"

Asbjörn Krugs Frage war in einem Tone gehalten, der Antwort forderte.

Seit gestern abend habe ich ihn nicht mehr gesehen," gab der Kaufmann zögernd zur Antwort.

Nun wurde auch der Amtsrichter aufmerksam und trat zu den beiden.

Advokat Bomann wohnt bei Ihnen?" fragte cr.

Ja. Das tut cr immer, wenn er hier in der Gegend ist."

(Fortsetzung folgt)

Dar Slrlldichein.

. Von K u r t M ü uze r.

In dem Saat der großen Villa standen fünf Himmelr-, neu, und dort schliefen die Offiziere, trenn sie ihr Rnhequartier hinter der« Front bezogen. Aber in dieser Nacht -waren nur vier von den präch­tigen Lagerstätten besetzt. Die fünfte stand leer. Der volle Mond, der im Halbrund des Fensters stand, beschien das Bett grell lutb bleich, gespenstisch dehnte .cs sich mit .seinen weich wallcnd-euj seidenen Vorhängen, als hätte man eben einen Toten von ihm fort-! getragen.

Sein Besitzer, der Hauptmann, war am letzten Abend in Urlaub gefahren. Traurigen Urlaub. In der Nacht vorher^hatte cr seine Kameraden erschreckt, indem cr plötzlich mit lautem Schrei, ans dem Schlaf einporgefahren lvar. Er hatte geträumt, sein ein-, zigcs Kind, ein Mädchen von sechs Jahren, habe ihn erstickt, röchelnd, hilfeflehend gerufen, so faiit und leibhaft, daß er davon, eniporschrcclte. "Am nächsten Mittag hatte er ein Telegramm cr--. halten, daß sein Kind in dieser Nacht gestorben sei . . .

Wuu drehte sich das Gespräch, der vier Kameraden um ihn und das Traumerlebnis der Nacht. Sie tonnten alle nicht schlafen, erregt von dem Unglück des Freundes, erregt von der übor'hellenl Wintcrnacht, deren Frost durch die Mauern drang. Sie sprachen ohne Ziel und Sammlnug, zerstückt, in Pausen, ein wenig bc-i klemmen von der Ahnung mystischer Möglichkeiten.

Bis der Oberleutnant abschließend energisch sagte: ..Genug da^ von. Alles ist Zufall. Er hat eben gelvußt, daß sein Kind krank ist, hat Tag und Nacht daran gedacht; und dann hat mau eben eine scheinbare Ahnung, einen Traum, mit hem zufällig die Wirtlichkeit korrespondiert."Ja, aber," wandte ein anderer ein,wenn cs! sich nun herausstellt, daß er den Ruf seines Kindes in demselben; Augenblick gehört hat, in dem es, starb?"

In das Verstummen hierauf sprach .ein junger Leutnant hinein:Ich will Euch eine Geschichte erzählen, die hierher ge-, hört, in diese schaurige Mondnacht, in dieses stille Haus, in diese unheimliche, mystisch geschwungene Stimmung. Ich will keinen überzeugen, aber ich habe es selbst erlebt, jung, nüchtern, am! hellen Tag, cinwandsfrei. Ich erzähle Euch nur die Tatsachen!. Kombinieren müßt Ihr selbst. Aber geschehen ist cs so im Juni vor vier Jahren! Und Träumer, Phantast, Illusionist bin ich nie gewesen!"

Tie drei Kameraden hüllten sich fester in ihre seidenen Decken, über denen noch Pelze und Mäntel lagen.'Im Kamin erstarb die letzte Glut, ohne Wärme mehr zu geben. Ter Mond lvänderte! langsam und beschien nun das Gesicht des Erzählers, der auf den Ellenbogen gestützt durchs Fenster blickte, als stände da draußen die kleine Stadt, in die er jetzt crinncruugsvoll zurückkehrte.

"ch kam als FälMrich nach G, in das schmutzige, schlcsijche es außer unserem Kasino nichts gab, seine Abende zu-, .^Menschen zn treffen, ein Gespräch zw führen. Alles war v> i'.-hrr Ta,, ohne Ende. Man ritt viel, spielte tteiidirekims:i;l einmal