Ausgabe 
22.8.1917
 
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Mittwoch, den 22. August

Der rcüfelfiafte Feind.

Rmnan von Sven Elvestad.

(Fortsetzung.)

Woher wollen Sie aber so sicher wissen, daß diese Sperren von dein Pferde des Rittmeisters herrühren r'

Da9 habe ich auf dieselbe Weise festgesdellt tvie Sie selbst," antwortete der Advokat und blinzelte den. Detektiv wieder spöttisch an.Sie müssen vorsichtiger zu Werke gehen, wenn Sie die Indizien verbergen wouen, die gegen Ihren Freund, den Herrn Rittmeister, sprechen. Eine halbe Stunde, nachdem Sie im Stall gewesen waren und die Hufe der Stute untersucht hatten, wußte ich davon, und nun tvar ja altes klar."

Mit andern Worten, der Rittmeister ist von allen Seiten mit böswilligen Spionen umgeben," rief Krag nicht wenig gereizt.

Ja, er soll sich nur in acht nehmen. Das Netz um ihn hieht sich zu. Morgen früh hat er vermutlich seine Rolle pusgespielt, wenn ich als Zeuge anftrete."

Asbjörn Krag ergriff den Mann an seinem Kragen- -Ufschlaa.

Ich will Ihnen einmal erwas sagen!" brach er los. 'Es ist mir gleichgültig, was Sie morgen vor Gericht in dieser Angelegenheit Vorbringen werden. Aber ich bin nun einmal fest davon überzeugt, daß der Rittmeister un­schuldig ist. Und außerdein glaube ich, daß hier von ver­schiedenen Personen Ranke geschmiedet werden. Dieses Ränkespiel aufzudecken, wird meine erste Aufgabe sein. Und bei dieser Gelegenheit werde ich auch, klarstellen, welche Rolle Sie in diesem Drama spielen. Gute Nacht, mein Herr. Setzei: Sie nur Ihre Untersuchungen weiter fort."

Der Detektiv ließ den Advokaten stehen und entfernte sich eilig. Nicht lange daraus setzte auch dieser seinen Weg sort und nahm die Richtung den:! Hofe des Rittmeisters zu.

10. Kantel.

Der Schrei.

Asbjörn Krag ging durch die Felder und näherte sich der:: großen Besitztunk des Kaufmanns. Die Fenster des Hauses waren erleuchtet und schimmerten durch die zu­nehmende Dunkelheit.

Ar: einer Biegung des Weges blieb er plötzlich ver­wundert stehei:. Eine Dame kan: ihm entgegen. Es war Dagnt).

Krag grüßte, und Fräulein Holger nickte ihm zu.

Daglih wollte erst schweigerck an ihm Vorbeigehen, aber dann war es, als bedächte sie sich.

Sie tat Asbjörn Krag herzlich leid, dem: sie sah ver­stört und totenblaß ans.

Wie sonderbar, daß wir uns hier treffen," sagte er.

Das war von mir auch nicht beabsichtigt," erwiderte

sie.Ich nahm an, Sie seien bei ihmi bei dein Herrn Rittmeister."

Ich vorllwe eben voi: ihm her. Darf ich mir die Frage erlauben, wo Sie Herkommen, gnädiges Fräuleins

Ich bin ein wenig spaziere:: gegangen."

Asbjörn Krag betrachtete das Mädchen forschend.

Habe:: Sie wirklich Lust, jetzt zu dieser Zeit spaziere:: zu gehen, lvo Sie doch leicht einer peirrlichien Musinerkfam- kett aus ge setzt sein könnten?"

Nein, ick babe keine große Lust dazu."

Dann sind Sie also an einen destinunlc Ort ge­gangen?"

Ja."

Haben Sie eilten Feind oder einen Freund ausgesucht?"

Fräulein Holger schwieg längere Zeit. Es war deutlich zu nterkell, daß sie nach Fassung rang. Endlich stieß sie die Worte hervor:

Ich hoffte, ich würde keinem Menschen begegnem Nun ich aber doch mit Ihnen zusammengetroffen bin, habe ich eine Bitte an Sie."

Nur heraus damit, liebes Fräulein."

_Versprechen Sie mir, dem Rittmeister nicht zu erzählen, daß Sie mich hier getroffen haben."

Das verspreche ich Ihnen. Haben Sie sonst noch eine Bittet

Nein," antwortete sie und machte Anstalt, weiterzu­gehen.

Dani: möchte ich Ihnen etwas sagen. Sollten Sie sich in den nächsten Tagen einer großen Gefahr ausgesetzt sehen, so lasser: Sie n:ich rufen."

Dagny nickte nur und gab mit Worten keine Antwort. Aber als sie eine kleine Strecke gegangen tvar, wandte sie sich, um zu sehen, ob der Detektiv ihr folge.

Krag lvar stehen geblieben und starrte dem jungen Mädchen nach, bis es hinter einer Wegkrümmuna ver­schwunden war. Dann schüttelte er den Kopf und ging in der entgegengesetzten Richtung weiter.

Er fühlte sich sehr erregt von der unerwarteten Be­gegnung, und er hatte das bestimmte Gefühl, daß dieses Drama noch nicht zu Ende gespielt sei, daß sich in: Gegen­teil jede Stunde etwas .Neues ereignen könnte.

Zu welchem Zweck war die junge Dame um diese Tages­zeit unterwegs? Was hatte diese Geheimnistuerei zu be­deuten, mit der sie sich umgab? Der Detektiv sing an zu vermuten, daß er sich noch weit vom Kern der Sache befinde. Wenn er ihr weiter nachspürte, würde er vielleicht auf noch größere Rätsel stoßen. U:rd wenn er sich die verweinten Augen der jungen Dame vorstellte, dann überkam ihn eine Ahnung, daß etwas neues Schreckliches ihrer warte oder vielleicht schon einaetroffeu sei. Unter solchen Gedanken war Asbjörn Krag beim Hause des Kaufmanns angelangt. Er trat ssin und verlangte den Kasuftnann zu sprechen. Dieser erschien auch sofort. Krag merkte chm gleich eine gewisse Zurückhaltung an. Der Manu sprach ausweichend,