„Nein, er war nicht zw Pferd nnd ich aiuch nicht. Wir redeten zusannnen an der Wegkreuzung, nördlich von unseren: Hofe."
„Trafen Sie zufällig zusammen?"
„Nein, wir hatten abgemacht, uns da zu treffen.
Hund Ihr Herr Vater war mit einem splchen fammentteffen nicht einverstanden?"
„Nein." ,
„Hatte ch Ihnen verboten, auszugehen?
".Der Rittmeister schrieb also den Brief an Ihren Vater, um Gelegenheit zu haben, mit Ihnen zusanimenzulrmen
„Nicht diesen Brief da," antwortete Dagny ntid deutete aus das geheimnisvolle Schriftstück des Dritten. „Einen andern."
Asbjörn Krag nickte. . . .
Es ist eine merkwürdige Uebereinsttmmung, dah dnic beiden Briefe dieselbe Stunde für eine Zusammenkunft bestimmen," sagte er. „Nun gehe ich gleich, gnädiges Fra lUem, aber ehe ich gehe, möchte ich noch eitles sagen: Falls der Meister der Täter sein sollte . . ."
Der Detektiv bemerkte, das; Dagny unwillkürlich zu-
sammensuhr. „ ^
. . Ich sage falls," fuhr er fort. „Ich personlul) hin überzeugt, daß er es nicht ist. Aber angenommen, er wäre es, so müßte er unmittelbar vor der Zusammenkunft nnt Ihnen hingeritten sein unb beit Oberst zu Boden geschlagen haben. Worüber hat er mit Ihnen gesprochen?"
„Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das ist auch unwesentlich für die Sache."
„Haben Sie verabredet, später wieder zusammenzutreffen?"
„Nein," sagte Dagny leise. „Das haben wir nicht verabredet."
„So haben Sie also Abschied von einander genommen?
„Ja."
„Dann kann ich mir denken, daß mein Freund sehr niedergeschlagen gewesen sein muß, als er von Ihnen ging, niedergeschlagen säst bis zur Verzweiflung Und in solch einem Zustand kann selbst der beste und kaltblütigste Mensch . . ."
„Sprechen Sie nicht weiter!" rief Dagny entsetzt. „Aber ich weiß nichts und ich kann nichts sagen."
„Gut, so gehe ich jetzt, aber in zwei Stunden komme ich wieder. Entweder haben Sie sich bis dorthin entschlossen, zu reden, oder auch ..."
„Ich verstehe durchaus nicht, was Sie meinen. Oder..." ...
„Oder werde ich dann reden," sagte der Detektiv und verließ das Zimmer.
*
Fünf Minuten später sah der Rittmeister den Detektiv gelassen vom Hofe des Obersten her aus sein Haus zuspazie- ren. Er kam über die Felder. Der Rittmeister hatte erwartet, der Detektiv werde sofort zu ihm heraufkommen, aber Krag schritt statt dessen auf den Stall zu.
Der Verwalter machte ihm die Stalltüre auf; Krag trat in den Stall und blieb eine Viertelstunde drinnen.
Als er wieder herauskam, siel es dem Ritttneister aus, wie außerordentlich ernst er aussah. "
„Hast du etwas zu essen?" fragte der Detektiv, als er KU Rhe ins Zimmer ttat. „Ich bin allmählich entsetzlich hungrig."
„Der Tisch ist gedeckt."
Asbjörn Krag ging zuerst und wusch sich die Hände, denen es deutlich anzusehen war, daß er damit in der Erde gewühlt hatte.
Der Rittmeister fragte, ob es etwas ^koue-s gebe.
„Eine Menge Neues," antwortete der Detektiv.
„Steht meine Sache bessert'
„Sie steht viel schlechter, lieber Freund. Wenn ich nicht to fest und unerschütterlich an dich glaubte, so tväre ich jetzt davon überzeugt, daß du der Verbrecher bist."
„WaS hast du entdeckt?"
„Beantworte mir zuerst eine Frage! Nicht wahr, um vier Uhr warst du zu Pferd?"
„Ja."
„Und du hast „Eva" geritten?"
„Ja."
„Und du bleibst dabei, daß du den ganzen Dag nicht in der Nahe des Ortes gewesen bist, wo der Oberst gefunden wurde?" i
„Ja, dabei bleibe ich." ' ^ ^ , iJ
„Lieber Freund, hast du bemerkt, daß eines von „EvE Hufeisen zerbrochen ist?"
Nein."
"Das Hufeisen des linken Vorderbeines ist zerbrochen.^ „Das wußte ich nicht. Aber was hat denn das mtt dev Sache zu tun?" ^ ^ r „ r ,
„Ich war soeben drunten im Stall," fuhr Krag fort. „Das habe ich gesehen. Was wolltest du dort?"
„Ich wollte mir „Evas" .Hufeisen arischen, und da fand ich den Schaden."
„Ich verstehe immer noch nicht . . ."
„Dann will ich dir den Zusammenhang erklären. Als der Oberst gefunden wurde, lag er unter einigen Bäumen am Rande der Wiese. Es scheint wenig wahrscheinlich, datz er dorthin gelockt worden ist: man möchte eher denken, er ei dorthin gejagt worden. Tie Spuren deuten darauf hin, daß der Oberst gelaufen ist, als gelte es sein Leben. Er ist von einem Mann zu Pferd dorthin gejagt worden.
Und nun kommt das Interessante:
Die Spuren zeigen deutlich, daß das Hufeisen des linken Vorderbeines des Pferdes zerbrochen war, gerade wie das deiner „Eva"."
Erschrocken fuhr der Rittmeister-zusammen.
„Dn siehst also, daß deine Sache sehr schlecht steht/ fuhr Krag gelassen fort.
(Fortsetzung folgt.)
Beschreibung des Besormationssestes. vor ,00 Jahren in Lich, nach einer alten Schrift.
Beschreibung der Reformations-Jubelfeier, oder eines alle 100 Jahren gefeyert werdenden DaMestes wogen der 1517 durch Luther unter göttlichem Beistände bewirkten Reformation, das heißt eine Verbesserung des Pro festländischen Gottesdienstes, ivie solche ,m Jahre 1817 den 31. Oktober in der Stadt Lich begangen worden ist. . . ^ ^ ~
Zu Ende des Monats September ivurde m der Land es-Zerrung betannt gemacht, daß in dem sämmtlichen Gvoßhl. Hessischen Lande. wie ebenfalls in den übrigen Proteslaiidisclen Staaten Deutschlands geschah, Mim Andenken an die rar 500 Jahren durch LutherUnter göttlichein Bcystande beNnrtte Reformation ein zweitägiges Tankseft, welches gleich, iedeni anderen hohen Feste des Jahres den Sonntag vorher von der Kanzel anzu kündigen und am Vorabend mit allen Glocken pn ku läuten spüre, gehalten werden sollte. Ein ini Anfang Oktober all die Geistlichen erlaßenen Rescript des Gvoßh. Hessischem Kirchen- und Schulraths in Gießen setzte weiter fest: daß am 31. Oktober dem Tage einer Kirchlichen Feyer vormittags die Stelle Psalm 69 Vers 6 bis' 7 vvr den: Altar anstatt der gewöhnlichen -Sonntags Epistel verlese,r ,rach dem Liede, EinsesteBlurg ist unser Gott, dann über erste Thimothcuw 2, Vers 1 gepredigt, hieraus das heilige 'Abendmahl gehalten. Bei dem ausgehen aus her Kirche eine Collekte für die Armen aller Consessionen erhoben werden sollte. Für deir Nachmittag warf der Predigt Text Johannes 8, Vers 12 und das Lied: Der Du selbst die Wahrheit bist, vorgeschrieben; zugleich hatte man gedruckte Geböte fttont vor lesen nach der .'Predigt erhalten. Lim zweyten Tage, der gleich bei Anordnung des Festes zli einer Schiulseyerlichkeit bestimmt war, sollten Vorträge und Catechisatiioncn über die Reformations-Geschichte bey der Jugend statt haben, wobei man Ajustheilnugen von Geschenken an die Kinder, als Micher, Wecke und dergleichen Vorschläge, doch dieser, sowie alle übrigen Anordnungen zur höheren Feyer der Tage beit Ortesumständen und Behörden überlasse. _
Infolge des vorher gesagt traffen nun die Stiftsgcisllichew Authäus, Brühl, Cellarins mit Mitwirttmg der beiden jetzt lebenden Stadtbürgermeister Johann Heinrich, Zimmer und Hermann Philipp Jhring nachfolgende EinrvrlMmgen zur lvürdigen Feyer der zlvey denkwürdigen Tage.
Nachdem am Vorabend mit der Bcspcrglockc das fest angelcütct lvar, ocrsammleten sich beu andern Morgen unter aber ,nahligen leuten der Fest-Glocke um 6 Uhr sämmtliche Einigungen unserer Stadt, als nähmlich die Geistlichen, Beamten, Landwehmfsiziere die Kirchenaelteften, der Stadt Magistrat, die Bürger nach Zünften die Kinder sämmtlicher Schulen auf dem Schloßplatze in einzelnen Auszügen. Tic Jugend schloß einen Kreis den die cr,viachsene Ver^ sammkling umgab. seyerlich und rührend erschallete unter Gottes freiem GWeölte, welches sich nach einer regnerischen und stürmischen Nacht wieder erheitert hatte und sein Wohlgefallen an diesem Morgenvpfer zu bezeugen schien, von Musik begleitet das Lied:
Allein Gott in der Höh s e y E h r uslv. Nach), endigung dieses (Liedes hob unter dem Kirchengeleule der Zug nach der Kirche in folgender Ordnung an, wobei) man weiter sangt Aus Christen p re ißt mit mir den Herrn. Ten Zug cröfsnelen die Schulkinder. Arm in Arm, zur ReMen hie Mädchen, darneben in glejcliier Linie ebenso die Waben, bcitidn, die Ä 1 das. Chor und die Geistlichen folgten..


