859
An der Spitze tos Ztuiges selbst ftchren zwei) Wa^en der fürst- lichen Familie. vtach ihiren Hamen :lte Beamten, die,Kndwetzc^ Offiziere, der Stadttnagrstrat, die Krrchenaeltesten und die Zünfte der 'Bürgerschaft. - c . stM .*
Hinter dem Zuge versammelten sieh! nun dre iübrme lLyrrsst,>aie Gemeinde zur Kirche. Eine beginnende Musik in derselben Wo mm ganz unerwartet Altar nnd Taufstein mit Blumen, Ephen und Eichenlaub umkränzl und Luthers Bildnist auf dem Altar nebst mehrere Bibolansgaben angebracht fand, stimmten die Herzen zur Andacht vor. „
Das vor geschriebene Lied, Ein feste Burg i ^ J} n ' ^ J Got t,' wurde gesungen, die bestimnrte stelle Psalm .89 Vers 16 bis 17 vor den, Altar, nach einem tont Tage angemeßenen <öebät, van dem dritten Stiftsgeistlichen verlesen und über erste Lhimo- thcnm 2 Vers 4 von denr Dechanten gepredigt.
Am Sstlnste diese Predigt vor dem B. U. ertönte von etlva 12 — 16 stimmen das Lied: Lobt den Herrn Mit
Posaunen schall, lobt den Herrn mit usw. Hierauf würde das heilige Abendmahl gel-alten, woran unsere ^rau Fnrsttn Durchlaucht (was vorher itoch nicht geschehen war) und sehr viele Familien der Honorationen mrd der Bürger ohne Ausnahme Lutherischer und Reformierter Cousession antheil nahmen. Ber dem Aiisgehen ans der Kirche erhob .man die verordnete CoUerte für die Armen.
9iach mittags predigte der 2te Stiftsgeistliche über die ebensaUs vorgcschriebene Stelle Johannes 8 Vers 12 wobest gesungen wurde, Der D u s e l b st die Wahrheit bi st und beschloß somit dre Feyer des ersten Tages, welche bei allen, die den Gottesdi en stIich«cu. Bersamniliingen behgewohnl l>arten, walsthaft Religiöse Gefühle enveckt hatte und bei ton Gedanlen wir lutd unsere Kruder et* leben und feyern iiim diesen Tag nicht wieder, einen niM alltags, lichen Eindruck zurück ließ.
Ter folgende zlwcpte Tag zu einer Schul scher lichtst angeordnet, ivurde Abends dar 31ten Oktober und dem andern Morgerr um ackst Uhr ebetisalls Mit der Bespergloche als hol/er Festtag angeiäntet.
Um der Nach'.onimimschaft lvelä-e in hundert Jahren lvieder dieses Reformations-Jubelfest begehen wird, ein bleibeiches Tenk- nml zln stiften, pftanzten die Jugend (ähnlich^ anpflanz-nngen geschaheti fast an allen Orten bei dieser Gelegenlieit) eure Eiche^ welcke der Förster und der damalige Landlvehr Hauptmann Gerth aus dem Licker StadtimUd mit rühmlicher Sorgfalt ausgesucht und geliefert l>atle und die seht an dein Ruhr-Brunnen in der Mitte des offeiieu Platzes steht. Unter dem Kirckengeleistc zogen die Scknliindcr die Eich' voraus tragend ans ihren Schul len zu genannter Stelle vor. zur Aii Pflanzung tos Baumes wo der Herrschaftliche GartenaiiNcher Horche das Loch gegraben hatte. Sänuntliä e Kinder schloßen daselbst eilwii Kreis und stintmten das Lied an, Besieh! D u D eine W e g e. Wahrend dieses Gesanges, an welchen! bald ein großer Theil der Gemeftide, die sich inzwischien zinr Kirche sammelten mit vieler Rührung Antheil nahnr, würde der Baum gesetzt. Da der Kinder zuviel waren und nicht alle dabei) thätig sein konnten, so trugen dile drei obersten Mädcheii^md Knabcii sowohl ails der Privat als ans den öffentlichen schulen als Stellvertreter ihrer ganzen Kameradschaft, ,'edes einige Schwuselii Erde zum Stainme zu. väach Beendigruig zog inan zur Kirche. Rach tont hier das Lied. T u l ä ß eft Herr n ns u n t erweisen, b 1 i r ch Deiner Lehre helles Licht, gesungen .nwrdeii war, hielt der dritte Geistliche als Rebtior der Stadtschule vor dem Altar einen Bortrag an die vor ihm sitzende fönnntlicf ;j Jugend ans der Resormations<feschickte. catechisierte nachher über das Borge» tragene und schoß endlich mit einigen Erinnerungen ftir sie in Bezug auf die für die 9tach'itolt gegründete Eich.
Damit der Tag nun den Kindan lange unvergeßlich, bleiben mistl'ite, so waren von Seiten des Stifts lind der Stadt Geschenke! als Bergmanns Resormationsgeschichlte, Wecke und diese Bogerr 'Lapicr, ivoraNs nur gegenwärtige Aachriästen schreiton. ansgesktzt worden. Diese Gescheute wurden durch die bereits oben nahm Haft geniachen drei. Geistlich?i nd beyde Stadtdingermeister mit Hülfelcisinng des Mädchen SckLckleHrcrs und Glöckiters Jung, der sich überhaupt zur erhöhten Fester des Festes und n um endlich zäir Anpflanzung der Eich tchätig beniesen hatte, eigenhändig ansgeteilt, nachdem die Kirchich Aiidacht vorher dnrck) einen schön eil angcmeßeneu Gesaiig, welche die hiesige Dtadtinnsit, die sich gegenwärtig in Lich anszeichtet, mit mehrereii JNstrunienten begleitete, geschosseil ivortoli war. 'Nachmittags lvahr keine Gotteö- dinestliche Versammlung mehr, Uito'ssen scherte die gairze Stadt deii ganzen Tag in größter Ruhe und Stille. So beging malt allhier zii unserer Lebenszeit 1817 beit 31 teil Oktober zur dankbaren. Erinnerung an die Reformation 1517. Rachommen? Die ihr vielleicht 100 Jahre nach uns ivieder ein ähnliches Fest feuert, damit Ihr erfahret nie nur 100 Jalste früher er danrü hielten: Daruni schrieben lvir dies ft'tr Euch nieder. Schon die Zeit, worin wir es schrieben, ist ivege.ii des Uiilstandes, daß in dem Iaht 1916 imb 1817 und noch diesen Augenblick eine nligewöhnliäfje Teuer,mg Überall herrsche, so daß in, Fwülstahr 1817 der Weihen bis zu 80 Gulden, das, Korn bis 20 fll., die Gerste bis 17 fll., Hafer biS 10 fll.. Erbseii bis 16 fll.. Kürtoffeln bis 6 Grstden m Mchel gestiegen waren, .schm tosstn^feii es lver ch Glich der 'A'aetovelt «IS nnvergestlich genannt Kit Werden.. Möge baljer jede Familie die nnen Elchen schiftllchn wljnssatz in ihrem H<inse besitzt, sorgsam
dareulf bedacht sein, dast er nicht durch den Leichtsinn Ker die Ur> oÄmnna eines ihrer Mibllieder für Euch die Urenkel oerlorrt, gehe! Möge aber auch der Baum ton wir setzten immer unbeschädrat um in Ehren bleiben, damit er, wenn wir einst lange nrch ntehr sind, noch von den Rachkommim gvftinden nnd unserer dabet dankbar von ihnen gedach werde.
Lich den Iten Jänner 1818.
Philipp ZiMmcrmMU.
Rainen der SstMer der Rektor sch le.
I. Ordnung.
1. Heinrich Christian Walz. 2. Johann Hcnieich Heiler. 3. Johanii Warn Heller. 4. Heinrich '7ldarn R'ecb. 5. war! Friedrich, Jung. 6. Philipp Zilnrnermaim. 7 Conrad Ziinrniw 8w^riedrich, Wilhelm Löschenkol-l. 9. Friedrul) Fischr. 10. oernnch Lepper. 11. Georg Jung I. 12. Johannes Fuhr. 13. Friedrich Scherf. 14. Johann Heinrich', Glöckner. 15. Herrn. Helbig. 16. Karl Friedrich Kraus. 17. Friedrich' Liidwrg. 18. Johann Heiitrich Heller. 19. Philipp Fischer. 20. Johann Heinrich Pfeifer. 21. Philipp Keck. 22. Jacob Wagner. 23. 2tda„i Lotz.
II. Ordiiung.
24. Pf. Reilihard Walz. 25. Heinrich Lang. 26. Philipp Wal». 27. Jiohannes Renß. 28. Peter Tietz. 20. Jacob Jung II. 3(1. Friedlich Deubel. 31. Joh. Heinrich Sturm. 32. Jacob Metzger. 33. Philipp Sommer. 34. Joh. Heinrich LchMettor.
Noch find die Tage der Nosen ....
Skizze von Hedwig von Pilttkamer.
(Rachdnick verboten.) *
„Weißt du auch daß heute inrser siinsjähriger HockUeits-
^ Fraii von Herzberg fragte es, nnd ihre etiras malten Gesichtszüge belebteii sich,, »vähreird sie über den Zierlich gedeckten Lisch Wwca m ihrem fflami hrnsah. Er hob Heil Kopf m,l dem dunklen, kurz gehaltenen Haar aus der Zeitung, sein Blick kehrte aus irgendeiner nnbekannten Ferne zurück. Er hatte^sichtlich nur geleserr, lim midern Gedantzeti nach hängen zu können, sie,erkannte es deutlich, imd es gab ihr einen Stickens Herz. Er war,.letzt oit so gcdankenabweseüd. Was verschwieg er ihr, was beschäftigte ihn?
„Wie sagtest du: Fünf Jahre . . . ach so . . . o, verzech, ich lwtte üs total vergeffen." Sein sämmles, vornehmes Gefmu. das voii starkein Innenleben deutliche spuren trug, bedeckte mit leiser Röte. . ^_
Men: Gott, irre jung ist er noch . . milt diesem Erröten ...
ftihr es ihr durch den Sinn. Ach«t.Jahre jünger als ,m. Welche Zeitspanne des Erlebens ftir einen Mann in feinem Stlrer' sre strickl mit der sehr sorgsästig gepflegten Hand, .die dennoch die ivel'ke Blässe der altcrntoii Franenlwnd nicht vcrlengnete, über Stint und Augeii, als könnte sie die.Fältchnr sortwisck.m. bv das unerbittliche Lebvii Kr, der Frau über Fünfzig, »enigezculmei, hatte. Die herbe Linie im ihren schmalen.Mmd verttenc sich Er legte die ZeitMig fort niid stmid auf.
„Du willst geheii?^ _ k
„Ja. Ich will . dir ein paar .Rosen holen ' Es kam w heraus, als wäre es ihnt nur eben .schielt eingeiallen. als Boi- wand, loszickominei,. ..Roch sftid ja die Tage der Roseii," fugte er mit einem flügellahmen Versuch zum ^ävrzcn hinzu.
Ihr tat das tnatte Mort iteh. Fast wäre ilw eine towige dlbwehr entschlüpft. „Jch> mag diese Rosen nicht, die dil imr ans Ziraiig für mich holst " Dottl« sie to'herrsätc ich.
Als sich die Tür butter seiner jugendlni' .schlanten Crsctrenmnq schoß, barg sie den Kopf in beiden Handel, und blieb lange w, in stummer, dumpfer Unruhe mid Herzcnsnot.
Fred von Herzberg war seit gestern vier Wecken ans Urlaub daheim. Seit Kriegsto'giMr im Felde, waren ihm jedes Fahr nur diese g<
nnd siä> keinen besseren Kameraden für die ttcu ^r
nese wenigen Wochen des Zusammenseins mtt semer .vran gegönnt lcwesen, und bisher lwtte er sie sröi.ich und zufrieden aewi'en .md sich keinen besseren Kameraden für die Zeit geivün, bl. als sic Sie ivar eine Jugendliebe, an der er noa:- als Bkann von vnizig Jahren in Treue sestgehalttn und ne gelriralet ivi 11 v. niwld tnc Berhälttnsse cs gestatteten. Der große AttersnMernI:ed !wln :lm
einen
ein
bisher nicht gestört. Er glaubte selber»il ErrcgiMgcn fertig zu sein und wünsche ruhiges, sricdsames Altern miteinander. .
Ta brach der Sttirniwind des .Krieges die am Brento' \:i dies LebensboUwert Und die Liebe lag a: de. Laue» nnd ttiang wie ein toller Frühliiigslnabe in ">d in di-.' Einlawkeu.
in der er auf weit vorgeschobenem nrilitätn 1 'n Bonrn an -liarren mußte. .Er toilte ein Leto'n bang über.die Liebe an, dn gespöttelt, nun mußte er sie an iici» selb i erlabten ihren Banden. Sie streute die Blüten ihrer selig! mid drückte ihn» dock, zugleich)« die sckxn'K n Dornen aU» r ^.naien in-- Her.;, die sie zu geben vermag.
Lore Wittes Mann toitte sich eiul^sia,. als ie»n <
Zllsalnnlcllbruch lutoanuitoui« sck,en Kinde,los ebe. ni! hi c*i Foniilienanhang, stand sic vor der Roiivt-ndntterl. n.t nlto» r^r erhtilftni. UnverdixFin nnd nuststz v»'»suche ne die «nt rucs
ncn Blick" ld lag in über i!m


