Montas, den <3. August
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Der rätselhafte Feind.
Ron'.an von Sven Elve st ad.
'(Fortsetzung.)
6. Kapitel.
Zu Pferd.
Sehr verblüfft schaute der Vorsitzende des Gerichts den Rittmeister an.
„Ich verstehe Ihre Erklärung nicht," sagte er, „vor emem Augenblick haben Sie doch erklärt—"
„Ich habe gesagt, hast ich einen Brief an Herrn Oberst Holgcr geschrieben Habe," sagte der Rittmeister. „Zeigen Sie Mrr diesen Brief, und ich werde mich dazu bekennen. Diesen Brief hier habe ich jedoch nicht geschrieben."
„Aber dies ist der einzige Brief, der bei dem Oberst über diese Angelegenheit zu finden ist," sagte der Vorsitzende. „Haben Sie vielleicht eine Probe Ihrer Handschrift bei sich?"
Der Rittmeister reichte dem jungen Vorsitzenden einige Papiere, und dieser räumte sofort bereitwillig ein, daß die beiden Handschriften nicht die geringste Aehnlichkeit hätten.
Hier mischte sich Asbjörn Krag in die Verhandlung ein.
„Wenn Sie mir eine Bemerkung gestatten wollen, Herr Vorsitzender," sagte er, „dann möchte ich die Anregung aussprechen, daß der Brief zur Verlesung gelangt."
Der Vorsitzende nickte nach kurzem Besinnen und las dann den Brief*vor. Er lautete:
„Herr Oberst! Der Mann, an den Sie beständig denken, fordert Sie auf, heute um halb vier Uhr auf den Weg, der über die Hollewiese führt, zu kommen. Dort können wir ungestört verhandeln, und ich erwarte, daß ein Ueber- emkommen erzielt wird. Aus bekannten Gründen wünsche ich jetzt nicht, Ihr Haus zu betreten."
„Der Brief trägt keine Unterschrift," erklärte der Vorsitzende. „Wenn der Herr Rittmeister den Brief nicht ge- sH^leben hat, so wird mir, aufrichtig gestanden, die Sache rätselhaft."
„Was wird Ihnen rätselhaft?" fragte Asbjörn Krag.
„Der Mord!" erwiderte der Vorsitzende unwillkürlich).
Der Mord! Unter den Anwesenden entstand eine Bewegung. Der Detektiv blickte seinen Freund an. In des Ritt-- trtetftnc' Gesicht waren Sorge und Kummer deutlich zu lesen. Er sagte kein Wort. Der Vorsitzende hatte das deutlick-e Gefühl, zu lnet gesagt zu haben, und suchte sich hastig heraüs- zureden.
Ya 7 '% &ie Sache jetzt liegt, sieht es wenigstens so aus, als ob ein Mordversuch vorliege," sagte er.
„Verzeihen Sie, Herr Vorsitzender, wenn ich hierzu eine Bemerkung mache," warf der Detektiv ein.
„Bitte?" fragte der Vorsitzende.
„.Man kann die Sache auch anders ansehen, und das tue ich, erklärte Krag. „Wenn dieser Brief wirklich von
dem Herrn Rittmeister geschrieben wäre, so könnte er allerdings vielleicht so gedeutet werden, als ob der Rittmeister den Oberst habe in eine Falle locken wollen. Ich sage vielleicht! Die Unwahrscheinlichkeit liegt jedoch zu sehr auf der Hand. Man mag meinen Freund, den Herrn Rittmeister, betrachten, mit was für Augen man will, man muß doch wenigstens das einräumen, daß er kein Esel ist."
Der Rittmeister warf Krag einen mißbilligenden Blick zu.
Krag sprach jedoch-eindringlich unh Ernsthaft weiter. „Wenn der Rittmeister den Herrn Oberst wirklich hätta aus dem Hause locken wollen, um ihn umzubringen, so niüßte er tatsächlich ein ganzer Esel gewesen sein, ihm einen der- artigen Brief zu schreiben. Er hätte ja doch mit ziemlicher Sicherheit, annehmen müssen, dieser Brief werde in die Hände des Gerichtes fallen."
Der Vorsitzende wurde augenscheinlich unsicher.
„So plump benimmt sich der dümmste Verbrecher nicht," fuhr Krag fort. „Aber es ist ja ziemlich wertlos, diese Frage zu verhandeln, da es erwiesen ist, daß der Rittmeister diesen Brief, durch den der Herr Oberst aus deni Hause gelockt wurde, gar nicht geschrieben hat."
Verdrießlich rückte der Vorsitzende seinen Stuhl.
„Mit diesem Brief paßt aber doch alles ausgezeichnet ineinander," sagte er. „Es ist kaurn möglich, daß ihn jeniand anders geschrieben hat."
Asbjörn Krag runzelte die Stirne.
„Meinen Sie?" sagte er. „Aber der Herr Rittmeister hat nun einmal den Brief nicht geschrieben. Sie haben ja Herrn Ryes Handschrift gesehen; sie hat mit dieser nicht die geringste Aehnlichkeit. Dazu kommt noch, daß der Rittmeister zugegeben hat, einen vielleicht ganz ähnlichen Brief an den Obersten geschrieben zu haben, aber nicht diesen hier. Weiter: Was ist das für ein Ton in diesem Brief! Er hat ja geradezu etwas Befehlendes, was sich der Herr Rittmeister dem Herrn Obersten gegenüber gewiß nicht herausgenommen hatte."
Der junge Gerichtsvorsitzende dachte in wachsender Verwirrung über die Ausführungen de^. Detektivs nach.
Krag schwieg nun eine Minute.
Als der andere zu keinem Ergebnis gelangte, nahm der Detektiv ihn beiseite und sagte leise, so daß es die anderen nicht hören konnten:
„Wenn Sie mir als älterem und vielleicht erfahreneren! Kriminalbeamten erlauben wollen. Ihnen einen Rat zu geben, so möchte ich Ihnen ans Herz legen, zuerst das zu untersuchen, was vor allen Dingen untersucht werden muß, und dann erst die Zeugen zu verhören. Haben Sieden Herrn Oberst gesehen?"
„Ja, fltichtig. Die Aerzte sind eben bei ihm."
„Sind ^oie auch auf der Holtewiese gewesen, an der Stelle,Ivo er gefunden worden ist?"
. „Selbstverständlich bin ich dort gewesen," antwortete der Vorsitzende.


