Ausgabe 
11.8.1917
 
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überhaupt keine Mufprüche mehr <rn die Geschästskasse, jtoiibern KN"E, so hat er geschrieben, aus' der Kvmpagitiekasse regelmäßig Borsckiuß Mrs die von den Engländern Kn zahlende Kriegsmt- xck>ädigung. Ader das Geschäft hat große jährliche Unkosten und bringt keinen Pfennig mehr ein. Hansen bezahlt alle Angestellten Me Kn ^Friedens Zeiten, obgleich-, sie keinen Federstrich mehr zu mn haben. Er unterstützt und opfert mit stets bereiten Händen und mitleidvollem Herzen, nnd das alles nun schon seit zwei Wahrem Leine Fabrikanten sind selbstverständlich alle bezahlt; ^rne Bank hat er noch, nicht in .Anspruch goto nt men. Tag egen got er einem Geschüftsfteunde eine Lumme gesendet und wartet mm täglich, auf deren Eingang, da die Zahlungsfrist seit einiger Zeit verstrichen ist.

Das sind seine Dörgen, als er allein im stillen Kontor sitzt Nnd den letztjähngen Abschluß überprüft. Tie Zahlen, sechsstellig tn den gesegneten Friedensjahren, und nun Lewaltig gemindert, machen ihm die Arbeit leicht.

Es klopft an der Türe. Dein alter Kontordimer tritt ein Mrd bringt die Abendpost, Z eitim gen, gedruckte Unterstützungs- vrtten, einm Feldpostbrief vom Junior und Verlvundert betrach- Jet Hansen den gelben Umschlag ein Schreiben vom Amtsgericht p -.Ta lvvhnl ja sein Schuldner, der mit der großen Zahlung rückständig ist! Tie Hand zittert und wagt den Brief nicht zu oftnen. L>oll er nichit lieber den Feldpostbrief zuerst lesm? Toch er hat es stets so gehalten: das Geschäftliche zuerst, und so soll es auch hearte sein. Also ö-ffuet er und liest muß es noch einmal lesen, da es ihm vor den Augen flimmert jaja, mit seinen Augen Joill es so rechit nicht inehr geheir, und muß sich schilver m den Lessel Kurücklegen, wie weiiir ihn: einer einen Schlag vor den Kopf versetzt habe. Das Amtsgerich,t teilt ihni mft^ daß über das Vermögen seines Freundes der Konkurs verhängt worden sei. Tas hak er jetzt begriffen; es verwirrt ihn minutenlang daß er glaubt einen 9lbgruud zn sehen, vor dem er die Migen schließen müsse.

Tocki die Hansens sind zähe niid lstiugeu mn Leben mehr als am Gelde. Ta ist ja auch, noch der Feldpostbrief. Den will er lesen, bevor er das Kondor verläßt, um dann zum Mendessen nach. Daus^ zu gehen. Briefe vorn Junior liest er gern; er hat so eine srischsröhliche und auch wieder nachdenklich ?lrt zu schreiben. Er schneidet dm Umschlag auf nnd liest:

Lieber Bater.

Seit meinem lctztm Brief bin ich wieder iim acht Tage jünger geworden. Tas ist nämlich das merkwürdige an dieser Zeit; die lieben Heimatleute rechnm ftch die Kriegsjahre doppelt und dreifach «l und zählen an jedem Väorgen, an dein sie iwch immer kein Friede ns gel Litte hörm, ein Weißes Haar mehr; ioas aber ein rechter Feldgrauer ist, der schöpft Jugend und Gesundheit, Kraft des Leibes und der Seele aus dem großen Jungbrunnen Krieg. Ich Sehüre zu diesen, Du aber nichit zu.jenm, imd beides erfüllt mct stolzer Freude. Term, mein lieber Vater, vbgleW »mschen Temm letzten liebm Zeilm von Sorgen viel zu lesm l-o bin ich deshalb nicht sonderlich beunruhigt, weil ich weiß, daß EM Dir nicht Deinethalben Sorgen machst, sondern mir . Wohlergehens Und der Zukunft unserer geliebten Mutter Mid Tein er Kinder, vemt wollen wir mal das graue Ungetüni, das Tir seit Swer Jahren das gewohnte schone Gleichgewicht im x>Mlptbuche stört, bei dm Hörnern fassm und Msehm, ob wir es Nichit klein kriegm. Es gilt also einm Kamps. Tagegen müssen wlr rüsten. Rüstamgen kosten' Geld, stttm schreibe aus dieses vtitstungsbouto soviel, lvie wir mtbehren können von dem, was Du für Dich, die Mutter uud die Schwestern als Sicherung gegen alle Erdmnötte für angemessen erachtest. Tiefe .Trennung der irdischen Güter wird keine Schwierigkeitcn machen; unsere Werte, als da sind Geschäftshaus, Lagerspeicher, Schiffspnrk sichere Forderungen, gestatten es. Ans diese Weise kannst Dn auf das Rustungskonto ernm stattlichm Betrag buchen. VSuli gilt es ein­mal keichtsuung -M sein ach! stiur ein einziges^ Mal' w'serm Herzm solch einen Stoß zn geben, daß alle löblichn Grundsätze der Ordnung und des Gleichftewichs Umfallen Ich Meine, es gilt das Soll des RüstUngÄdntos von vornherein »Äs Verlust zu betrachten. Was dann später hereinkommt, werdm wir als wiedergeftmdmes Geld, als Gewinn betrachten. Wird das Nicht eme Freude sein?

Ich sche, lieber Baker, Tein Stirnrnnzcln. Das ist mir aber bein Beweis für Deine Mstbilligung. Es käme Dir nämlich % 1 ' bas Opfer ru bringen, wenn Tu es zu tragen hattest. Aber Tu denkst an mich; Du willst mir nicht den Boden unter deii Füßen wegziehm, Tn willst nicht, daß ich nach dm: Kriege wieder von vorne ansangen muß. So lauten Deine Ein - Iffe die ich As früheren Briefen gut genug teune und die U seitdem reiflch geprüft habe. Und zum erstenmal Muß ich Dir mem Einverständnis mit Deinetl Ansichten miriveigern. Ich mache hiermit Gebrauch von meinm Rechten als Teilhaber der und erkläre daß mir billig znkommt, was T i recht ist Du beanftmichst nichts mehr für Dich, iveil Du mit meiner Lebensarbeit fertig bist; ich beanspruch ebensoviel, ^ die Arbeit Mir die Freude am Leben bewahre Wie'

^rtsetz-m? Doll Nachahmer Deines Werkes' ^^lirci. T'eines Erbes sem? Nein, lieber Bater! Ich. null von ^)in anfangen, gman so wie Tu es getan, will Tchpftr und Grün­

der sem, init dmi einzigen Zugeständnis, daß ich es in Deinem Geiste AU sem versuchen werde. Welchen Gewinn hätte ich vvn einer Arbeit ohne Mühe? Welche Befriedigung, zu laufm und M verkanscn mit Deinem Scheckbuch? Welch Freude, jedm Morgen Deinen Geldschank zu öfftrcii mit der Gewißheit, daß er unbedingt verlustsicher ist dank Deiner Arbeit? Würde es Deinem ^vhne wohl anstehm, sich von dm Angestellten ehrfurchsbolk bedienen, sich von Deinen Börsmftmnden hochachtungsvoll be- hwadeln zu lassen? Ja, der hat es leicht! würde mair sagm. Und nmn würde recht haben. Und ich müßte reicht der Sohn deS alten Hausen sein, ivenu ich mich dabei wohl fühlen sollte.

Jetzt sehe ich Tich lächln. Aber es ist noch ein Lächln des Zweifels. Woher dieft Wandlung? fragst Du. Ich gebe zu, daß ich früher nicht aklzuvielm Gesinnungswechsel dieser Art gezeigt habe Ta lebte man im Bewußtsein seines Wertes so selbstver­ständlich sicher, so fest auf wohlgegründeter Erde. Ädan sah auf seme Person, auf seine Leistungen und Erfolge, uni fand alles natürlich und wohlverdient. Daß diese Auffassung gründlich ab- geunrtschaftet hat bei uns Feld raum wmigstens ist eine der Wohltaten des Krieges. Ich darf behaupten, daß solche Wand- lUng mich in der günstigsteii Weise beeinflußt hat. Du selbst wirst davon überzeugt- sein. Tenn würde ich so schreiben können, wenn yS nicht kerngeftmd, jung und stark wäre? Und traust TU nur nicht zu, daß ich noch glücklich beeiidetem Krieg die Firnia Hansen u. Sohn wieder hochbringe, daß ich auf deii Grund- niauem des altm Hauses, falls es inzwischen ganz abbrmnen wüte, ein nmes, vielleicht ein größeres baue? Gsiviß traust Du es fernem .Lolpie zu, und weil Du es tust, sind alle Deine Sorgen eitel.

^äuii noch, etwas Besonderes. Einer meiner bravsten Leute hat itcf;! mir als der Sohn unseres Freundes und, wie ich durch ihn erfahren habe, imscres ^Schuldners in B... bekannt gemacht, mt schwerem Herzen ist er gekommen. Sein Vater habe ilpn niit- geteilt, daß der Konkurs seines Geschäfts unvermeidlich sei. Ob Tu versluck',en wolltest. Dich der Sache anzuuehmen, daß wenigstms em Vergleickr zustande komme. Er hoffe später alles gutzumachm, von seinen Außmständen im Verlaufe der Zchü zunächst unsere Forderungen abzutragm. Ich habe ihm Hilfe zugesagt im Uranien der Firma Hansen u. Sohn, und habe ihni damit sichtbar alle Lebensirmde wiedergegebm. Leider haben mir die Engländer wieder einmal einm Strich durch meine Rechnung gemacht. Einer Granate ist der Arme zum Opfer gefallm. Um sein Andenkm vesouders zu ehrm, bitte ich Tich, mein Versprechen einzulösm und Tich mit dem bedauernswerten Bater unverzüglich in Ver- bindimg zu setzen. Unfern Lohn findm wir in dem Bewußtsein, einem tapftren Loldaten das Sterben l»ich«ter gemacht zu habm.

Ta ich zum Schluß komme, bilde ich mir ein. Dein Lächeln bedmte Zuftiedenheit. Ich sehe Tich nach der kleinm lackiertm Bigarreukiste greifen, aus der zu unsem Glanzzeitm die ver­wohnten Ueberseeklinden bedient wurden. Mit diesem lieben Blld Ar Migen will ich mich schlafm legen und hoffentlich ein gesundes Erwachm habm. Zu Hause wirst Tu einm zweiten Brief vorfindm, worm alles steht, was hierm nicht gesagt ist, was ein Feldgrauer seiner Mutter und den Schwestern zu sagen hat. Und nun ein herzlick>es Lebewohl für acht Tage.

*

, Hansen ist es warm gewordm. Er fühlt, daß die Wärme auZ fernem Herzen kommt. Jetzt sitzt er wieder im Sessel zurückgelehnt, die Augen halb gescküoslen; seine frischbelebten Züge, seine Lippen zincken ew lwmig.So'n Jung! Dow Jung!" Mehr sagt er 5JS5- .nimmt die Zigarre aus der Luxuskiste, schließt die Bucker, klingelt dem Dimer, wi'inscht guten Mend und verläßt das stille Kontor.

Tu kommst^ spät, Vater!" begrüßt ihn seine Frau.

Ja meme Liel'e, ich habe lange in den Büchem gearbeitet."

Und I>aft einen guten Abschluß gemacht?"

Ja, ich habe einm guten Mschluß gemacht," sagt viausm. und seine Frau mutz es ihm w-ohl glauben, da er mit' wlckier Ueberzeuguug spricht, da seine Stimme so froh klingt, sein Gesicht so zufrieden, wie cs in letzter Zeit selten ist.

vermischtes.

r ^ie ^intft des Pilzsam m el n s. Dnich dm Krieg .ww du Pilze zu Ehrm gekommen; viele, die sich vorher bmrS allerlei Bedenken von ihrem Gmuß abl-alten ließm, l^aben sie als nahrhafte und Ivohlfeile Lebensmittel schätzen gelernt imd die Kenntnis der Ditze hat während des Krieges in breiterm? Lchichten dr'r BevölkeNuig Fruttschritte gemacht. Beim Sammeln aber werden auch von guten Pilzkennern noch immer Fehler beaangen

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iircuiwuiM »anrnngsmittil aevm anit diese Muse verloren. Pilzsammeln ist eine Knnst, die gelemt sein will. Wie soll man Pilze sammeln? Einer nnscrer hervor-

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M, I^ben mi neues, klemes, aber nnterrichtendes Prlzvnm im

Killtnr" erscheinen, das mtter dem TitelUnsei'e Speisepitze" eine Auswahl b* pänfigerm