Ausgabe 
8.8.1917
 
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Jvar Rye stand auf und drückte seinem Freunde kräftig die Hand. '

Du sollst bleiben," sagte er.Ich stehe ganz allem, und du mußt mir helfen. Ich verstehe gut, wus du gedacht hast. Aber ich brauche dir wohl nicht mehr zu sagen, als daß ich nicht die geringste Schuld an diesem Verbrechen trage. Glaubst du mir? Wenn du mir nicht glaubst, dann reise lieber sofort ab."

In seiner Stimme lag auch nickt die Spur einer Bitte, eher klang sich nach Ergebung und Hoffnungslosigkeit. As- bchrn Krag verstand die Bedeutung dieses Händedrucks; er wußte, daß er einem guten und charaktervollen Mann gegen- übcrstand und glaubte ihm.

Ich bleibe," sagte der Detektiv.

Du glaubst also an mich?"

Ja."

Und du wirst auch ferner an mich glauben, geschehe, was da wolle?"

Ja.'

Aber meine Sache steht sehr schlecht."

Um so interessanter wird die Aufgabe für mich sein."

Aber ich muß etwas vor dir verborgen holten."

Asbjörn Krag stutzte.

Steht es mit dieser Sache in Beziehung?"

Vielleicht."

Aber jedes Verschweigen verschlechtert deine Sache noch Mehr."

Da ist nichts zu machen. Ich kann nicht reden."

Selbst wenn es dein Hchweigen unmöglich macht, den wahren Schuldigen zu entlarven?"

Das wird kaum der Fall sein. Wenigstens nicht, so weit ich die Lage beurteilen kann."

Nun, so müssen wir eben sehen, uns trotz deines Schweigens über diesen einen Punkt zu behelfen. Willst du ^nir jetzt den ganzen Hergang berichten? Zch bin sehr ge­spannt, zu erfahren, was eigentlich hier vorgegangen ist."

Und Jvar Rye berichtete:

Wie du weißt, bin ick) hier in der Gegend nicht sehr- beliebt. Auch mein Vater erfreute sich keiner besonders her­vorragenden Beliebtheit, aber die Leute in der Gegend kamen doch gut mit ihm aus, denn in verschiedenen Beziehungen deckten sich seine und ihre Interessen. Mein Vater war näm­lich ein sehr eifriger Landwirt.

Ich aber ich habe dafür gar kein Interesse. Und ich kann wirklich nicht mit den Leuten hier verkehren. Sie mö­gen ja meinetwegen alle miteinander sehr biedere Menschen sein, aber ich kann nun einmal nicht mit ihnen umgehen. Und du weißt vielleicht auch, daß das Stundenhalten und das Predigen von Laien hier sehr im Schwange ist. Ich. bm bei verschiedenen Gelegenheiten gegen dieses hysterische Getue aufgetreten auf eine Weise, daß ich damit Aergcrnis erregt habe.

Kurz gesagt, ich gelte hier bei der Masse des Volkes für.gottlos. Ueberdies fühlen sich die Leute von meinem ab- ^ifenden und verschlossenen Wesen abgcstoßen. Sie meinen, ich jei hochmütig, und doch gibt es nichts, was meiner Natur ferner tage als Hochmut, in deni Sinn, wie die Leute dies Wort..verstehen. Ich habe mir also im Lauf der Zeiten eine Unbeliebtheit erworben, die mich, offen gestanden, voll­kommen kalt ließ Mid die nur dazu diente, mich noch, «be­weisender zu machen, als, strengegenommen, notwendig ge­wesen Ware. Wenn die Sache zum/Schwur kommt, so gibt es JJ??/ ""r die Leute nicht zutranen würden. Das ver­steckte Mißvergnügen, der bisher verborgne Haß, all das Mnmt letzt zum Ausbruch. Das habe ich in den letzten vier­zehn Tagen empfunden, ich habe es in den schiefen und lauernden Blicken gelesen, die mir zugeworfen worden sind. Treber Freund, ich kann nichts dafür, aber ich bin wirklich so verhärtet, daß all diese Gehässigkeit spurlos an mir ab- Seglrtten ist. Ich hatte anderes zu denken, und ich bin ein selbftandiger Mann und mein eigener Herr. Warum sollte ifch mich um das Gerede der Leute kümmern?

Nun verstehst du also, daß ich hier in der Gegend nicht fehr geliebt werde. Im Gegenteil, ich habe hier keinen einzigen Freund. Einen habe ich gehabt, aber der ist viel- leicht in diefem Augenblick schon tot. Ich ineine den Oberst.

der^Oberst stand die ganze Zeit über hoch in der Gunst des Volkes Er und seine Tochter wurden förmlich ver- göttert. Und das mit Recht, deiin eine liebenswürdigere Familie kann man sich gar iiicht denken.

Es erregte darum Unwillen niid sogar Entrüstung ruiid

herum auf ben Gütern, als das Gerücht auskani, ich würde mich mit der Tochter des Obersten verloben. Man hielt es für höchst, unpassend, daß ein so gottloser Mensch wie ich in eine so prächtige Familie kommen sollte, und es wurde gesagt, ich hätte mit Geschick und Tücke dem Oberst Sand in die Augen gestreut. Ja, man scheute sich sogar nicht einmal, zu behaupten, die Verlobung sei von ineiner Seite um Berechnung Und Geldspekulation. Ich sollte mein Erbteil auf Reisen vergeudet haben Und nahe am Konkurs stehen. Lieber Freund, dir will ich sagen, was diese Menschen nicht wissen: Ich habe allerdings auf meinen Reisen mehr Geld gebraucht, als mein Erbteil betragen hat, aber ick) habe mir durch glückliche Spekulationen ein neues und viel be­trächtlicheres Vermögen erworben, als mein Erbe gewesen war. Ick verberge dir nichts. Ich erzähle alles, wie es ist, denn ich will, daß du dem richtigen Eindruck bekommen sollst von allen Umständen, die dazu beigetragen haben, daß ich jetzt so nahe am Mgrund stehe. Ich will dir auch nicht verbergen, daß mich der alte Oberst zu Anfang mit ver- dächtigen Blicken betrachtet hat; aber er änderte verhältnis­mäßig rasch seine Ansicht von mir, und er gab sich auch Mühe, seine Bekannten zu einer milderen Beurteilung meiner Person zu veranlassen. *

Das glückte ihm aber nicht.

Die Leute sagten, ich hätte ihn nur durch falsches und heuchlerisches Auftreten betört.

Mer der Oberst, der sich auf sein eigenes Urteil verließ, (kümmerte sich nicht um das Gerede der Leute.

Zu jener Zeit war ich der glücklichste Mensch unter der Sonne.

Dann aber kam plötzlich die schreckliche Veränderung'. L>h habe dir erzählt, was an jenem traurigen Tage passiert ist, der mir unvergeßlich vor der Seele steht.

Ich habe seither viel gegrübelt und nachgedacht, aber es war mir nicht möglich, eine Lösung des Rätsels zu ftnden. E

Warum mußten wir Uns so plötzlich trennen?

Warum sollte mit einem Male alles zwischen Uns ans sein?

Mer den Leuten in der Umgegend war die Sache voll­ständig klar. Endlich seien dem alten Oberst die Angen aufgegangen, sagten sie zu einander. Endlich sehe er ein, was ich für ein schlechter und gottloser Mensch sei.

? ich in jenen Tag>en nur noch! finsterer und ver­schloß ener wurde, deuteten sie, daß ick Rache brüte, und Daanys verweinte Augen bestätigten iynen nur wieder ein­mal, daß die Liebe blind mache.

Nach allgemeiner Auffassung stand die Sache so, daß der alte Oberst ferner Tochter entschieden untersagt habe, mich iwrederzusehen, daß er mir das Hans verboten habe, und basier selbst sich zu Hause halte, weil er mich nicht treffen

Und nun wurde der Oberst mehr tot als lebendig auf- geftmden. Er lag am Waldrand unter den Zweigen einiger Baume und hatte eine große klaffende Wunde am Hinter­kopfe. *

Lieber F>reund, nach allgemeiner Ansicht bin ich sein Riorder und ich muß gestehen, ich habe den Schein gegen in ich. Ich ..." J a

Hier wurde Asbjörn Krags Freund durch eine laute Ltrmnie, die ,rch im Borziurmer hören ließ, unterbrochen, jemand wollte herein, und ein anderer Jemand suchte ihn daran zu hrndern. ' '

Sin schmerzliches Lächeln glitt über Jvar Ryes Gesicht.

Das rft das Gericht!" sagte er.

Und nim hörte Asbjörn Krag draußen im Vorzimmer eme polternde Stimme sagen:

Es hilft nichts, mir den Zutritt zu wehren, Andresen. Ich komnie nn Namen Hes Gesetzes."

(Fortsetzung folgt.)

Der Volkschullehrer.

Eine einfache Geschichte von Fr an eine MannjvUng.

(Nachdruck verboten.)

rin I,a J tC r ä Arbeit gelvesM, die der arme

Volte,chiullchrcr -m diesem Jahre ya bewAtiglm hatte! Alle Kollegen waren dem Rufe des Vaterlandes gefolgt und er selbst hotle ei Mohl mir seinem schwächlichen Slmssehen mid der großen Brille M verdanM, daß er mit sein« 35 Jahren in seiner Lchnle bleiben tarnte und als einziger Vertreter der Bolksschül« lm Zaume hielt. Leicht Mar cs' nicht in der nicht cbeii mit Frucht-