Ausgabe 
6.8.1917
 
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Der lustige wiederelnzug der Zchwelnewurst in Uönlgsberg Anno lbOP

Mitgeteilt VE Hans Runge.

Während der beiden Letzten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts Hangelte es den Königsberg ern int alten Preußenlartde, gatrz wie rrt unseren Tagen, an sännen, schweinernen Würsten. Es war ein Verbot ergangen wegen Knappheit an schtachtbaren Sckiiivei- uen, WUrsttvaren l>erznstellen. Mit Llblcmf des Jahres 1600 trat das Gesetz außer Kraft, imd die Schwach,t erg itde der Stadt Königs­berg hatte um die Jahreswende nichts Eiligeres und Besseres Kn verrichten, als Vvn einer großen Anzahl g-eschilachbetcr Schweine eine Wurst herzu stell eit, so riesenlang, aber dabei so^schmackhaft Und köstlich, daß^ein Teil davon sogar Serenissimi Tafel zieren, durste. Und das war im Zeitalter der Morgenröte des aufgeklärten Absolutismus eine Tat, die der wohl löblichen Schlackstergilde der ttften, guten Stadt Königsberg #ur Llneekennung und Ehre gereichen durfte!

Dent geneigten Leser sei ein alter, aus Urgvoßvätevzeit stam­mender Berickst über die , lustige Geschichte des Wieder ei nz^uges der langentbehrten Riesen Mettwurst nickst vorenthcckken:

Im Jahre 1601, am 1. Januar, haben die Schlachter zu Königsberg eine Wurst, 1005 Ellen lang, nach dem Schlosse der Stadt Königsberg getragen und Jhco Fürstliche Gnaden davon etliche Ellen verehrt, weil sie innerhalb 18 Jahren fötne gemacht hatten. Sie sind mit Trommeln jmb Pfeifen angezogen, voran ein Führer mit einem Spieße, wohl aufgeputzte mit Federn und Binden, mit fliegenden weißen mrd grünen Fähnlein. Diesem sind gefolgt 103 Schlächterei rechte, haben die Wurst getragen. Ms beyden Seiten sind »etliche einh'vo gegangen, lim die Wurst iu Acht zu uehmen, daß sie nicht Schaden litte. Wie sie nach dem Schlosse gekrümen sind, haben sie ihrer Fürstlichen Gnaden 130 Ellen von selbigem Monstrum verehret. Vom Sch>losse sind sie Über die .Schstniedebrücke in den Kneiphos, von da durch die Altstadt in den Löwenichk gezogen; allda sind sie von den Bäckern empfangen worden, welchen sie auch viel Ellen Volt selbiger Wurst geschenket, und von den Bäckern rwch.nals zu Gaste behalten worden, auch bis in die tiefe Nacht hinein beysammen lustig gewesen . . .

Tie Bäcker waren auch ni-cht müßig und ließen sich nicht lumpen. Sie buken acht gewaltigeStrützel" und sechs große Kringeln. Zwei derStrützeln" Hattert eine Länge von 9 l / 2 Fuß; 12 Schefßel Weizen wurden zu dem Teig genommen. Die Kringel wurden aus Pfeffeickuch^tteig gebacken, mit denr Bäckevgesellen- wapipl?it verziert und mit Löweuköpscm aus Papiergold und bunten Fähnlein behängt. Auf Wunsch Serenissimi wurden die Kosten für diese RiesenlucklvUnder getunt bevchnet. Tie Endsumme ergab 43 Mark 3 Groschen, oder ungefähr 24 Reichstaler.

Ob nun Serenissimus ent sparsamer Herr war tutd genatl wissen wollte, wieviel Taler und Groschen das gewiß lange Ende Wurst wert.gewesen sei, das er verzehrte, inn nachher Vergleiche mit den Preisnotierungeit seures Hof- ttnd Leibsch,lachte rs an stellen zu köimen, oder ob seine Fürjtlvchle Grraden die luftigen Stadt- scksachter M einer besottdereit Steuercondeinniren" wollte, tveil sie so forsch auftvaten und mit dent Schweinernen .gar zu ver­schwenderisch umsprangen, weiß ich nicht;-- genug, Sere­

nissimus besohl Feinem ersten Haus- und Hofmeister, von den Fleischeru spezifizierte Rechnung einzusorderu. Aber geben wir wieder dein Schreiber der oltett, fast verblaßten Zeilen das Wort:

,Mndern Tags ist auf Begehren Fürstlicher Turchlauckst von beit Srf:i(M;ibern Ivos die lange Wurst gekostet und was darauf gegangen, olles aufs genaueste berechjnet und zum Bericht auf­gesetzt worden:

Die Wurst ist laug 1005 Ellen, hat gewogen 22 Stein Uud 5 Pftmd, thuet 685 Pftutd, dazu ist kein ander Fleisch gekommen, als Rthlr. Gr. eh.

81 lautere Schweinsschinken.= 118 10 3

Die Därmen von 45 Schweinen item

l'/'a Tonnen Salt;.= 3 5

item l'/a Tonnen Bier.= 3

item 18'/« Pfund Pfeffer.. . = 24 13

item ha beit daran gearbeitet drei Meister,

67 Gesellen, machet 70 Persoiten. Haben dabey anSgctrunken 2 Faß und eine Tonne Bier. Aber die ganze Zeche über ist auf- gegangcn ohngefähr 40 Faß Bier, jedes Faß 12 Mark, ntacht. 480, Mark.

Den ersten Tag daran gearbeitet von 6 llhr deS Morgeits bis auf den Abend um 7, deS anderen Tages voit 8 1 Uhr.

Der Kränze (womit die Wurst geschmückt

war) sind aeiveseu 109, haben gekostet . 112,60

Ter polnische Groschen, wonach damals in Westpreußen ge­rechnet wurde, gtngon! .20 (Stücf auf Äit« Mark.

Es waren noch ivohlfeile Zeiten im alten Preußen, als 81 lauter Schweiusschinken" etwas mehr als 118 Reichstaler kosteten. Dafür gibt's heutzutage, im dritten Jahre des Weltkrieges., wenn Niait Glück hat unddie Sache gut geht," höchstens zwei.

Auch, der Pfeffer, der heute wieder nn er scholli g l ich ivird, lvar wohl ums Jahr 1600 ein kostspieliges EöQvürz.

Ten lustigen Köuigsberger Schilachterumizug, bei dem nxohl die längste jemals hergestellte Wurst zur Schau getragcit wurde, hat ein Maler in de rb-to Mischer Manier im Bilde festgehalten. Lange Jahre hirtg das Gentälde in ,, LU tshädti scheu Gemeingarten" zu Königsberg. _ '

vermischte*.

Wie die moderne Kältemnschine entstand.

Die für zahlreiche Industriezweige und besonders für die Herstellung uno Bewahrung gebrauchsfertiger Genußmittel so über­aus wichtige Kältetechnik wird in den Vordergrund gerückt durch dos Jubiläum i^res Begründers Earl von Liitde, der vor wenigen Tageit seinen 75. Geburtstag feierte. Trotzdem es bereits vor dem praktischen Ergebnis dec Arbeiten Lindes Kühlapparate und Kältemaschinen gab, kann ohne Uebertreibung gesagt werden, daß erst seine Stttdien zu dem ivissenschaftlichen Begriff der Kältetechnik geführt haben. Linde, der heute auf eilt Lebenswetk von dauerndent Werte zUrückzublicken verntag, hat in seinen der Allgemeinheit ttock) nichts zugänglichen Lebenserinnernng-en ausgcführt, wie es zur Schaffung der modernen Kältemaschine kam, und die wesentlichsten Mit e l-ngen hierüber lassm sich, einem Be uchit ron Prof. Dr. Ma; Joboo irr denRaturwisse 1 t.fch 7 .fden" entnehmen. Schals außer­ordentlicher Professor sah Linde sich aus siitanziellen Grüttden gezwungen, mancherlei Nebenaufgaben 311 übernehmen, und ein

f r ei sausschreiben veranlaßte ihn, die Literatur über künstliche ühlung geitau zu prüfen. Trotzdem die drei Haupttypen der Kälte­maschinen KaltlufiMaschinen, Kaltdampf-Llbsorptionsmaschütcn Und Kaltdautps-Kompressions Maschinen - bereits vorhanden wa­ren, erkannte Linde sofort, daß auf diesem Gebiet noch wichtige Ausgaben Ku lösen gab. Er schuf in der Folge eine Theorie der Kältemaschinen, wobei er das größtmögliche Verhältnis von Kalte- pvcdu'ktion zur aufgewarrdteit Arbeit zu firtden such>Le. Die Ver­öffentlichung dieser Studien erregte die Beachtung der an künstlicher Kühlung außerordentlich interessierten Brauereiindustrie, die Linde die Mittel für eine Versuchs Maschine zur Verfügung stellte. Mehr­jährige praktische Arbeit führte auch zu einem vollen Erfolge. Das hauptsächlich Reue der Theorie und Ansführungsart Lindes bestand in der Erwägung, daß Kälte sich am «günstigsten erzeugen läßt, trenn bei der höchstzulässigen Temperatur der zu kühlenden Substanz Wärme entzogen imd wenn diese Wärme bei der geringstmöglichen Temperatur an eine wärmeaufnehmertde Substanz wettergegeben wird. Zirr Verwirklichung dieser Theorie erschienen die sog. Kompressionsmaschmm am bestert geeignet. Bei diesen wird eine flüchtige Flüssigkeit" durch den zu kühleren Körper verdampft, Wobei sie ihm die Wärme entzieht. Ter Dampf wird dann komprimiert, wieder verflüssigt, und 'seine Wärme geht an doS Kühlwasser über, worauf der ganze Vorgang aufs neue beginnen kann. Es gab derartige Kompressionsmaschinett auf einer gewissen Vorstufe in England, und zwar wurde bei deuselben Schweseläther angewandt. Der Fehler bestand hauptsächliich darin, daß der ge­ringelt Flüchtigkeit des Schwefeläthers ein verhältnismäßig sehr- niedriger Druck entspricht und daß durch die Druckverluste in den Ventilen die Wirkltngskraft noch verrmgert wird. Man mußte sich also nach flüchtigen Flüssigkeiten umsch.'n, deren Dämpfe bereits bei Temperaturen in Höhe der Untgebungstemperatnr hohe Drucke ausuben Zuerst wurde Methyläther und eitdlich Ammoniak ange­wandt. Weitere Verbesserungen bestanden im Llbschluß der unter Gasdruck stehenden Räume von der Außenlust durch Sperrflüssig­keit etwa Glyzerin die gleichzeitig zur Schmierung dienteit. So wurde endlich, von Linde die nioderne Ammoniakkompressions­maschine geschaffen, die mit ihrer besonderen Tichtungsart in ganz Europa heute die typische Fornt der modernen Kältemasch<u< darstellt.

Der vernachlässigte Frosch.

In dieser Zeit, da der VerlvertungSntöglich,keit jeder Ticr- gattmtg uachgespürt werden soll, lvird, nach den Ansichten L. Lörws im St. Hubertus, dem Frosch viel zu loenig Beachtung gesclwutk. Tie Stellung unseres heimischen Wasserfrosches hätte übrigens schvit läirgst im Nahmen des Fischercigesetzes eine nähere Er- örterung verdieitt. Heute interessiert uns vor allem die Tatsaclx, daß die Froschkeulen eilt wirtschaftlich nicht zu unterschätzendes Gericht darstellen. Vor dem Kriege waren die Frosch/eulen eine Lupusspeise, die int Marktpreis höher stand als manch,,' Arten von Edelsisch.'u. Da die Kriegsverhältnissc aber so vieles umgekehrt haben, ist nicht ernzusehen, waruut die Froschscbutkcl iehl nicht wenigstens teilweise eine Rolle als ergänzendes Volksnahruilgs- mittel spielen sollten. Jedenfalls ist es falsch, daß die Frösche gewissermaßen als vogelfrei erklärt werden und nach Belieben schrankenloser Ausrottung preisgegeben sind. Es soll nicht geletlgnct werden, daß der Wasserftosch iu der Teichwirtschaft kleinere Schäden aurichltet, andererseits erweist er sich aber 5 . B. durch das Vertilgen der Malariantücken als unbedingt nützlich. Jedenfalls lväre e>> nicht unvernünftig, heute beni sog'.Frösch.'u", das ist dem Froschsang, näherzntreten, und zivar zur Geivimtultg der . stt keulen. Tie beste Art dieses Fröschens ist d<ts Angeln mit dem roten Lappen". Mart benäht ein möglichst jckReiend rotes Wal! läppchcu von Visitenfartengröße auf beiden -Veiten mit zivei oder drei Reihen kleiner Angclh<rkeit, sodaß deren Spitzem zum Fan;;