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der. Rye jhio zum Bahnhof, um abzureiscn. Asbtorn Krag blieb iwch lange sitzen, tief in Gedanken versunken. Das war jedenfalls eine wunderliche Sache, ohne Ähnlichkeit mit andern Geschichten, mit denen er als Detektiv schon zu tun gehabt hatte. , .., ... ^ . . .
legte sich die Frage ob er srch überhaupt m
diese «Äche mischen solle oder nicht.
Was konnte er eigentlich tun?
Hier war ja nicht die geringste Ungesetzlichkeit begangE worden, und weder in seiner Eigenschaft als Polizer- heamter noch als Privatperson hatte er Veranlassung, sich! an den alten Obersten und seine Familie heran zud rängen.
Aber jedenfalls konnte er feinem alten Freunde Jvar Mye einen Besuch machen nnd ettr paar Tage bei ihnr bleiben. Er konnte ja sagen, er wolle sich einige Tage der Muhe gönnen.
Am Tage darauf erhielt er eine Postkarte mrt folgendem Wortlaut:
Lieber Freund!
Dein Zimmer steht bereit.
Dein Jvar.
Mein er bedachte sich noch immer.
Da ereignete sich etwas, das ihn veranlaßte, einen! xascheu Entschluß zu fassen.
Den Dag, nachdem er diese Postkarte erhalten hatte, traf er den Vorstand der Detektivabteilung, der ihm ein Telegramm zeigte. Es lautete:
„Oberst Anders Holger ist in der Nähe seines Hofes lebensgefährlich verletzt aufgefunden worden. Unglücks fall oder Ueberfall. Umstände sehr verdächtig. Gerichtliche Unter- siLchnna im Gang."
Ooerst Anders Holger, das war ja der alte Oberfh, Dagichs Vater.
Eine Stunde darauf war Asbjärn Krag unterwegs.
3. Kapitel.
Im Verda cht.
Während der Eisendahnfahrt befand sich Asbjörn Krag tot einer Unruhe, wie er sie noch selten verspürt hatte. Minmal ums andere las er das Delegrarmn mit der Nachsicht von dem rätselhaften Unglücksfall.
Der alte Oberst war also halbtot in der Nähe seines!' Hofes aufgefunden worden. Unter verdächtigen Umständen. Es kam Mag sonderbar vor, daß ihm Freund Rye davon keine Mitteilung gemacht batte. Aber vermrttlich hatte das traurige Ereignis seine Gedanken z!u sehr eingenommen.
Verdächtige Umstände! Diese Worte klangen sehr bedenklich. Es mußte ihnen etwas sehr Ernstes zugrunde liegen, sonst hätte das Telegramm kaum so gelautet. Diese Depesche war von einem Berichterstatter ans Telegraphenbureau gerichtet lvorden. Wahrscheinlich hatten also die Leitungen Christtanias bereits das Publikum in Bewegung gesetzt, und das war dem Detektiv kein angenehmer Ge- banke. Es war ihm immer am liebsten, wenn er seine Arbeit in der Stille tun konnte. Er ging durch alle Wagen des Zuges, entdeckte aber zu seiner Freude keine Jour-' nalisten. Nun hatte er also jedenfalls einen halben Tag Vorsprung.
Einer der Reisenden fing ein Gespräch mit ihm an. Es war ein älterer Herr mit einem gutmüttgen Gesicht, ein Versicherungsbeamter auf einer Dienstteise. Während des Gesprächs erwähnte Asbjörn Krag auch den Unglücksfall. der den alten Oberst getroffen hatte, und das interessierte den Versicherungsinspektor sehr lebhaft. Es zeigte sich, daß er den Oberst seit mehreren Jahren kannte.
„Ich hielt viel von dem alten Herrn," sagte der Inspektor. „Er war ein alter Soldat von echstern Schrot und! Korn, konservativ und hartköpfig, aber im Grunde herzensgut. Seine Gastfreiheit war großartig."
„Da ist er wohl sehr reich?" ftagte Krag.
„Er hat etwas von seinem Vater geerbt, aber er selbst hat sein Vermögen vervielfacht, denn er hatte einen ausgeprägten Geschäftssinn. Bei mehreren Fabrikeil war er beteiligt, trocknete Moore aus und ließ Land urbar machen. Ich glaube, daß sein Vermögen jetzt nach unfern Verhält- nrssen wohl groß genannt werden darf."
Der gesprächige Inspektor erzählte noch allerlei von dem alten Obersten, und Asbjörn Krag lauschte begierig. Me kleinste Kleinigkeit war ihm wichtig, wenn er mit einer derartigen Untersuchung beschäftigt war; alles, was er
erfahreil konnte, stapelte er in seillein Gehirn auf. Da lag alles gewissermaßen in Schllbfächerll geordnet, und er konnte llach Bedarf das bettefsende Fach aufzieheil Nlld durchsuchen.
Im Laufe des Nachmtttags langte der Zug an dev kleinen Statton an. Krag hatte seinem Freunde seine Ankunft nicht angezeigt und wurde deshalb auch nicht am Bahnhof abgeholt. Es war milde und warme Witterung, und Asbjörn Krag freute fick) behaglich auf die Wagenfahrt, die er bis zu Jvar Ryes Gutshof zurückzulegen hatte. Er trat in den Kaufladen, um sich einen Wagen zu bestellen.
„So, Sie wollen also zu Herrn Rye," svgte der Kaufmann ruhig und sah ihn aufmerksam an.
Asbjörn bemerkte den Blick und wunderte sich darüber.
-Meinen Sie, er sei nicht zu Hanse?" fragte er.
Der Kaufmann lachte.
„Doch, ich glaube schon. Ich glaube nicht, daß er jetzt so bald auf Reisen gehen wird. Jedenfalls nicht weit fort."
Als Asbjörn Krag diese ernst gesprochenen und verdächtig klingenden Worte hörte, fühlte er wieder eine sonderbare Unruhe in seinem ganzen Körper.
„Sie sprechen von einem ineiner besten Fremrde," sagte er zu dem Kaufmann.
,Mch so!" beeilte sich dieser zu sagen. „Na ja, Jvar Rye ist gewiß ein sehr braver Mann. Und große Reisen hat er gemacht. Ist er nicht rund um' die ganze Erde gekommen?"
„Doch, das ist er. Er ist in vielen Ländern gewesen."
„Ja, in der Fremde dranßeil llimmt man's nicht so genau," sagte der Kaufmann und ging dann hin, um den Kutscher zu rufen.
Asbjörn Krag merkte wohl die Vorsicht, die ans diesen Worten sprach. Also hatte sich das Gerede der Leute bereits dieser Sache bemächtigt. Krag merkte, daß man Jvar Rye nicht wohlwollte.
Als Kutscher erhielt Asbjörn einen alten graubärtigcn Bauern. Während des ersten Teiles der Fahrt zeigte sich der Bauer still und verschlossen, aber durch Krags Freundlichkeit und die Gabe eines Priemchens Tabak taute er auf. Endlich fragte er zögernd:
„Sie Sie — sind Sie dort aus der Stadt?"
„Behüte, ich bin ans Christiania."
„Und Sie wollen zu Jvar Rye?"
„Gewiß."
„Kennen Sie ihn denn?"
„Nein," behauptete Krag einer plötzlichen Eingebung entsprechend.
Es entstand eine lange Pause. Dann begann der Bauer wieder zu fragen:
„ß)ann sind Sie vielleicht einer — so einer von denen — die aus der Stadt erwartet werden?"
„Nein, das bin ich nicht," erwiderte Asbjörn Krag. „Aber ich bin wegen des Unglücksfalls, der Oberst Holger betroffen hat, hergekommen."
Der Bauer nickte.
,>Na, das konnte ich mir ja denken," sagte er.
„Lebt er noch?"
„Ja, er lebt noch, und vielleicht macht er es auch durch, aber er ist noch nicht wieder zu sich gekommen."
Nun wurde der Bauer gehimnisvoll und murmelte halblaut vor sich hin:
„Vielleicht ist es für jemand recht gut, daß er noch nicht wieder zum Bewußtsein gekommen ist und Zeugnis oblegen kann." '
„Kennen Sie Herrn Rye?" fragte Krag.
„Jawohl, ich kenne ihn schon, und ich habe auch seinen Vater gekannt. Das war ein Biedermann. Mit ihm ließ sich doch noch ein Wort reden. Aber der da läßt sich niemand zu nahe kommen."
Asbjörn Krag sah wohl ein, daß ein Mann wie Jvar Rye mit seinem Starrkops, seinem abweisenden und verschlossenen Wesen unter dem Volke wenig beliebt sein konnte.
Kurz darauf fragte der Bauer:
„Was haben Sie denn für einen Beruf?"
Krag wußte nicht recht, was er sagen sollte. Polizev- beamter wollte er nicht sagen.
„Ich bin Journalist," sagte er.
Das verstand der Bauer nicht.
„Einer, der in die Zeitung schreibt," erklärte der Detektiv.
Da ging dein Bauer ein Licht auf.
„Also Kvlporateur. Ach so," sagte er. (Forts, folgt.)
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