Der räffeihafie Feind.
Roman von Sven Elve st ad.
(Fortsetzung.)
Sie war ganz verwirrt vor Angst und Verlegenheit und fragte:
„Du willst fortgehen?"
„Ja. Wundert dick) das?"
„Weiter fort?"
„Sehr weit fort, Dagnh. Willst du mir nicht Antwort auf meine "Frage geben?"
„Nein: denn ich kann nicht! Du darfst mich nicht fragen."
„Ist etwas geschehen?"
„Ja, es ist etwas geschehen: etwas, das nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann."
„Auch mit einem klaren Verstand, guten Willen und zwei starken Fäusten?"
tSie gab keine Antwort: sie lächelte nur. Ein sehr nervöses Lächeln. Ihre Lippen bebten.
„Liebst du mich nicht mehr, Dagnh? Oder willst du mir auch diese Frage nicht beantworten?"
' Erst schüttelte sie nur den Kops. Aber dann war es, als ob sie einen Entschluß gefaßt hätte.
„Laß meine Zügel los," sagte sie. „Laß meine Zügel los, dann will ich dir Antwort geben."
Ich ließ die Zügel fahren.
Sie beugte sich zu mir herüber und sagte mit süßere bebender Stimme:
„Ich habe dich von jeher geliebt, und ich liebe dich noch und werde dich immer lieben."
Aber dann spornte sie ihr Pferd und jagte davon.
Ich rief ihr ihren Namen nach .Sie drehte sich im Sattel um, winkte mir zu und rief:
„Wir dürfen uns nie mehr sehen!"
Seither habe ich sie auch nicht mehr gesehen. Ich weiß nutzt, ob sie noch auf dem böse ist. Vielleicht ist sie nock) da. Ich habe meine Ausritte fortgesetzt, weil ich sie nicht entbehren kann, aber ich bin andere Wege geritten.
Und damit, lieber Krag, hast du erfahren, was geschehen ist. Ich bitte dich um deine Hilfe. Das tue ich, weil rch gewiß weiß, daß dies nicht eine gewöhnliche Liebesgeschichte ist, keine leichte und vorübergehende Frühjahrsliebelei.
Es handelt sich um Großes für uns beide, jedenfalls für mich."
Rhe stand auf und trat ans Fenster. In seiner Stimme war ein merkwürdiges Beben, als er sagte:
. handelt sich um so Großes, als es sich überhaupt
rnl Leben handeln kann.
Du begreifst wohl, daß ich nicht aus nock) ein weiß. Aber vielleicht kommt es daher, weil ick vor Unglücksgefühl fieberkrank bin und blind vor großer Liebe. Aber ich kann wirklich nicht ergründen, was geschehen ist. Es liegt auf mir
wie eine trübe Ahnung, daß hinter diesen Begebenheiten ein Geheimnis steckt. Ein Geheimnis, dessen Lösung ich nickt finden kann, aber vielleicht vermagst du es. Und wenn rch an das vergrämte Gesicht des alten Obersten denke, als ich zuletzt nrit ihm sprach, da zittert mir unwillkürlich das Herz. Was müssen das für Ereignisse gewesen sein, die so unauslöschliche Spuren in das Antlitz eines Menschen graben konnten!"
Jvar Rhe hatte zu Ende gesprochen.
„Wo ist mein Ueberzieher?" rief er. „Ich gehe!"
„Ohne meine Antwort abzuwarten?" fragte Asbjörn Krag.
„Du weißt ja, wo ich wohne," antwortete der Freund. „Du kannst, kommen, wann du willst. Ich lasse ein Zimmer für dch bereit halten. Aber du mußt innerhalb acht Tagen kommen."
„Warum so geschwind?"
„Nach acht Tagen reise ich ab."
Im nächsten Augenblick stand Rhe im Ueberzieher da. ^ „Ich möchte nur zwei Fragen an dich richten," sagte Krag.
„Bitte!"
„Wer, glaubst du, ist wohl die Ursache von allem dem, der Vater oder die Tochter?"
„Ich meine, das sei aus meiner Erzählung deutlich hervorgegangen," erwiderte Rhe. „Es ist meine feste Ueberzeu- gmrg, daß es der Vater, der alte Oberst ist, der sich meinem Glück und dem seiner Tochter in den Weg stellt. Aber er tuj das notgedrungen und mit blutendem Herzen."
„Hältst du den Alten für einen Ehrenmann?"
„Ich mag ihn sehr gern leiden, und ich halte ihn bedingt für einen Ehrenmann," antwortete Rhe.
„Schön. Nun noch eine Frage. Weiß die Nachbarschaft etwas von dieser Geschichte?"
„Ja, du, da bringst du mich auf etwas, das mich mit veranlaßt, meine Abreise zu beschleunigen. Es war ja nicht zu vermeiden, daß die Nachbarschaft etwas von Unserer Verlobung erfuhr. Ich weiß auch keinen Grund, warum sie nichts davon hätte erfahren dürfen, die Hochzeit war ja schon festgesetzt. Nun haben sie natürlich auch von dem Bruch erfahren, und es hat ein Geschwätz gegeben. Das ist unangenehm, aber es läßt sich nichts dagegen machen."
Als nun Rye gehen wollte, hielt ihn Krag mit noch einer Frage auf.
„Du hast mir von dem Obersten und Fräulein Dagnh erzählt. Kwtn nicht auch noch eine dritte Person im Spiele sein?"
„Was meinst du damit?"
„Gibt es nicht noch einen Dritten? Ich meine außer dir?"
Rye drückte die Hand des Polizeibeamten.
. „Nein!" sagte er. „Es gibt keinen Dritten. Dafür stehe rch."
Nim verabschiedeten sich die beiden Freunde voneinan-


