Ausgabe 
30.7.1917
 
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Montag, den 50. 3ult

Die blonde Drossel

Roman von E. Fahrow.

(Fortsetzung.)

Stockton sprang auf und eilte im Zimmer hin und her. Seine Hände fuchtelten umher, sein Gesicht wurde m be­ängstigender Weise bald blaß, bald braunrot, und er schrie mit schriller Stimme und überstürzter Eue: .

Du sagst es also mit dürren Worten! Du bist immer lwch so herzlos, wie du es von jeher warst! Aber letzt ist cs aus Mit altem Wenn und Aber! Es ist drr vielleicht un- bequeni, aber es ist dennoch wahr, daß ich ctn tobtröitrer Mensch bin! Anstrengungen, Herzkränkungen sind mir auss strengste verboten. Uub in deiner Hand liegt ganz einfach mein Leben."

Ruth stand aus und versuchte, den Alten zu beruhigen, seine Hand-zu erfassen, die er ihr aber zornig fortritz.

Besinne dick, dock,, Papa," bat sie,wovon sprichst du denn jetzt? Die Sache mit Wecker ist doch längst vorbei. Wo­mit soll ich beitu nun dein Leben retten können, wenn du

glaubst, du seiest so krank?" . ^ . -

Mit eilt wenig gutem Willen, stieß er hervor,wäre

alles getan!" , . ,, . ^ ~ .

Dann besann er sich, daß er auch vielleicht andere war­ten auszieheu sollte, und plötzlich ward sein Don weich und fein Blick ganz demütig, als er fvrtfuhr:

Ruth, es gibt Opfer, die ein liebevolles Kind wohl zu bringen vermag, wenn es für seinen Vater nur wirkliche Kindesliebe empfindet. Du weißt, niemals war ich cm Freund von rührseligen Worten. Aber heute ist der ^ag der Ent­scheidung heute liegt bei Gott Tod und Leben deines Va­ters in deiner Hand." ^ . -

Ruth hatte ihr Pelzmützchen ab-enommen und aus den Tisch gelegl, (auch den Mantel warf sie aus einen Stuhl. Ihr war so heiß und schwül und bange zumut. Das flehende Ge­sicht des Alten und seine unerträgliche Demut benahmen ihr

fast den Atem. ,

Ich verstehe kein Wort," murmelte sie.

Er aber blicfte sie an, wie sie dort stand un Schimmer des schon verblassenden Tageslichts und so angstvoll zu ihm Hinblicke. Ihre Holdseligkeit fiel ihm eben jetzt so recht ins Auge, und zugleich stieg das Bild des schönen Freiers- mannes vor ihm empor, der sein Retter werden wollte.

Ruth," sprach er förmlich zärtlich,du gewinnst die Herzen der Männer spielend leicht, das weißt du ra ganz allein. Und jetzt wirbt wieder einer um dich aber er m nicht alt und abstoßend, sondern jung und hübsch und reich. Der will mir helfen, will mir auf der Stelle alle notigen Kapitalien aus den Tisch legen, wenn du dich o, gar nicht etwa sofort, mit ihm verheiraten willst! So stürmisch und anspruchsvoll ist er aar nicht sondern wenn du dich nur mit ihm verloben willst! Er liebt dich wie ein Wahnsinni­ger. Ruth! Und ich würde, wenn du jetzt ein einziges Mal

nachgeben, meine Bitte erfüllen willst, ein glücklicher, ein wohlhabender Mann sein." t r

Ruth tanzten bunte Funken vor den Augen herum. Was nrochte denn hier geschehen sein, wer mochte ihren armen, verwirrten Vater so betört haben? Wußte sie nicht von Her­mann, daß alle seine Pläne wertlos waren, daß ledes dar­auf verwandte Kapital verloren sein mußte?

Von wem sprichst du, Papa?" fragte sie leise.

Es ist ein Mann aus vornehmer Familie, der sich m Berkin in dich verliebt hat. Er glaubte, daß es richtige^ sei, wenn er zuerst mit mir, mit deinem Vater, spräche, be­vor er dir als Bewerber gegenübertritt. Aber es ist gegen ihn wahrhaftig nichts einzuwenden!" , t .

Bevor du weitersprichst, Pa, will ich dir Mit emem Worte die Unmöglichkeit klarmachen, auf irgendwelche Hei­ratsprojekte einzugehen Ich habe mein Wort bereits ver­geben und ich weickn es halten. Du würdest selbst kerne Treu­losigkeit von mir verlangen, nicht wahr?"

Treulosigkeit? Und dein Wort vergebenohne mich auch nur danach zu fragen? Ha eine Lächerlichkeit ist das, wenn nichts Schlimmeres! Du hast also hinter meinem Rücken irgendeine Liebelei angefangen und wagst es, mir mit solchen Kindereien entgegenzutreten? Laß dich nicht aus­lachen!"

Ruth erhob ihren Kopf sehr hoch:

Du irrst dich sehr, wenn du das eine Kruderel nennst! Ich habe das Recht, über mein Herz mrd meine Harw alletu zu bestimmen jawohl, Papa, das habe ich! Und ich werde keinem anderen Manne mein Jawort geben."

Auch dann nicht, wenn ich dich bitte? Wenn ich, dein Vater, meine Existenz in deine Hand lege? Es ist ernster, als du denkst, Ruth, ich warne dich! Du sollst nicht glauben, daß ich dir e/ine Komödie Vorspiele mein Leben, hörst du, mein Leben hängt von deinem Jawort ab!"

Er stand jetzt dicht vor ihr, und sie blickte m ein plötz­lich bleifarbenes, verfallenes Gesicht, das ihr zugleich Ent­setzen und Erbarmen einflößte. ,, ^

Ihr junges Blut jagte in wilden Wellen'Durch ihre Adern. Noch wußte sie nicht, uni wen es sich handelte, und doch wehrte sich ihr ganzes Denken und Wollen gegen die ungeheuerliche Zumutung, die ihr hier gemacht wurde.

Wer," flüsterte sie,wer ist es?" , , , ..

Sofort zuckte in Stockton die Hoffnung hoch. Er satzte aber mit beiden Händen nach dem Herzen, denn was ihm schon mehrfach in letzter Zeit geschehen war, das ging ebeit jetzt wieder an: eine peinigende, schrecklrche Angst und Be­klemmung schnürte ihm das Herz zusammen. Er atmete schwer urid stoßweise. Dazwischen fragte er mühsam

Sage mir erst, an wen du dich so leichtsinnig, - versprach,i hast? Ich werde selbst dafür sorgen, datz du wieder frei wirst."

Hernranu Kürow hat mein Wort."

Ein häßlicher Laiit, halb Grunzen und halb Aechzen, . kam aus seiner Arust-