812
Erntedichtung
.. Än Dcmtschland, im Larrde der Poesie. l>iben sich naturgemäß dre Dichter viel mit den Feldern und der Ernte in ihren Schöpf uu- gen obgegeben: schon in frühen Zeiten wurden die den GötteriS dargebrachteu Bltt- und Dankopser in gelnrndener Rede verherr- licht, Unsere Vorfahren lebten gern mit der Statur, mrd die Feld- arbeit, die rmtcr dem besonderen Schuh der Götter stand, ivar ihnen Lebensbedürmis. Hölty dichtet:
Sicheln klingen — Mädchen singen Unter Sicknl klang.
Bis vom Mond beschiminert Rings die Stoppel flimmert Tönt der Erntesang.
Die Dichtung schließt sich vielfach <tn iibliche Sitten an; je mar die poetische Mahnung ausgesprochen, jeden säumigen Arbiter mit Strohseisen oder einer Aehcenfgssel m binden' bis er sich dllrä) eine Geldsl»einde losgekaust, lvas zu fröhliche Kurzweil geimg Veranlassung bot.
, ^ öleibt charakteristisch, daß, die Lau diente an ihren Ernte- Sebräucheu festhalten, und die Dichter haben sie besungen:
„Und morgen, da bringen die Leute Der Ernte slatterliden Kranz:
Da tönen Helle Schalmeien Durch unsere fröhlichen Reihen,
Da schwing ich mein Liebchen tm Tanz."
Die Erntekrone, das Abbild Wotans. des Gottes der Ernte, wurde der Herrschaft unter Absingnng eines Gedichtes überreicht, das tvohl überall ähnliche Worte mit kleinen Abändernngen auf-' weist. Der Refrain dürfte wohl lauten:
„Wir bringen hier den Erntekranz Die Ernte ist geschehen ganz..
Natürlich sind die Wünsche der Angestellten an die Herrschaft wre „einen goldenen Tisch, an allen vier Ecken Braten und Fisch mrd nlitten darauf eine Kanne Wein" nicht versessen. Zn diesen Tagen ist kein Unterschied zwischen Knecht Nick) Bauersmann. Aus einer Schale essen und trinken sie beim Erntemahle: sowohl der Ernter wie der Schnitter rufen fröhlich „Gott tzab' Dank!" nach erfüllter Arbeit aus. Doch »v-ird den Hvrven nahsegelegt, daß sie zwar Ueberfluß in ihre Scheuer ernten, aber sie sollen stets ein- SÄ>enk fein, das; des Armen Brot teuer bleibt.
„Sieh, Vater, diese Pracht.
Die hat der liebe Gott geniacht."
Tie Freude an der Ernte kommt in Schillers Worden:
„Sclstver beladen Schwankt der Wagen", und in Goethes:
,<Jn schlanken Silberivclleu Wogt die Saat der Ernte zu"
zum Ausdruck. 'Daß das .Korn nicht mutwillig zertreten loerden soll, mahnt der Dichter, iveuu er sich vor allen! an die bluinensuchenden Kruder ivendet:
„Mein Kind, Hab' du des Ko nies acht,
Zertritt es nicht ob einer Blunre ..."
Wenn auch jetzt durch die Meth- und Dresch. Maschinen die Arbeit erleickstert wich und die alten Lieder übertönt l^erden, die Macht der Gewohnheit wird auch lyier trotz der ernsteil Werten, in denen wir leben, überwiegen und die patriarchalischen Beziehungen zu dieser Spezialdichttmg nie außer acht lassen.
vüchertlsch.
. , — Gräfin zu Rcventlow, Das Logierhaus zur sch wank e u d en W e l t k u g e l und andere Novellen (Langens Markbuch^r Baud 19). Umschtagzeichnnng von H. E. Stern. Preis M Pappband 1 Mark. Verlag von Albert Langen in München. — Dw Gräfin Reoentlow, die rm Vorjahr mit ihrem humoristischen Roman „Der Geldkomplex" einen starken Erfolg hatte, vereinigt im vorliegenden Bändchen eine Anzahl Erzählnngen von gleicher Art wie ihre beFamxten größeren Arbeiten. Zn ihnen allen wohnt jener varado/e Witz, der mit spöttischer Geste durchaus nicht oberfläch- Irche Erkenntnis vorzubringen weiß, und die Geschichten sind von einer witzbütnschen B.'HZme-Grazie getragen, wie sie heute uwhl fauur einem zioeiten deutschen Schriftsteller zu eigen ist.
— Heinrich Mann, Bunte Gesellschaft Novellen (Langens MarMchn Band 18). Umschlagzeichnung von O. Baumberger. Preis ui Pappband 1 Mark. Verlag von Albert Langen in Muncr.e». Heinrich Mann ist heule anerkannt als der erste und bis ;etzt größte Vertreter des deutschen literarischen Expressiouisucus M,t wie starkem Recht, erhellt aus der Lektüre seiner frühen Er- zahluiigeli, die hier zürn erstcnnial in Buchform vereinigt vorliegen> Z'n ihnen allen sind Andeutunyen oder auch Zusammenfassungen des tu den großen Romanen bis ms einzelne Entwickelten. Das Paar der „Liebesspiele" — emer glühenden und höchst intensiven Vor- fttrdw zur „Jagd nach Liebe" —, die schmäle (Gestalt der Eontsssina,
der Mmn alle versteckte Weichheit seines Wesens geschenkt hat die legendären Figuren der Rocca de' Fichi-Geschichten, die Partner d-os „Ehvenhaudels" schließlich im! Simplizissinrus-Groteskstil, - chve «bunte Gesellschaft" ht feinster Auszug des ganzen betäubenden Wirbels, der dem W-mck .veiurich Manns den Eindruck einer die Mwä-e Menschheit wnspaunenden Mannigsaltigkeit sichert.
— Z wi scheu Reims und den Argonne n. Herausge- Eden von Nöajor d. Res. von Gn«rard. Bilderaufnahmen von! Kriegs Photograph Rich. Spellrng. Geschmackvoll ansgestattet in jeitenr Bütten-Umschlag. Pveis 3,50 Mt. Verlag Gvcthlein n. Co.
v in Leipzig. Das nene, l-ochinteressante Bilder wert ,,Zwischen Reims !mrd den Argonwen" gibt zum ersten Male einen lleocrblick in Bildern über die reiche Kriegswirtschaftliche Tätige tteu, über die uugMure Wbait, die deutscher Fleiß iu dev Champagne geleistet hat. Groß sind die Kämpfe gewesen, die es KN ubenvmden galt, um alles das zu erreichen, was da geschaffen worden ist von und für unsere Feldgrauen. Abwechslungsreich und anschaulich in seiner Art, bringt das Werk auch seltene Bilder von: der rz-ront, reizvolle Photographien vom Leben und Treiben in dev Etappe, sowie eine Anzahl künstlerischer Aufnahmen von berühmten Orten und charakteristiscl-en Landschaften der Champagne in hervorragender Wiedergabe. Die Taheimgebliebewen wird es mit Ltolz erfüllen, unfern Feldgoauen ein Buch des Erimrerns sein.
- "Die Weltliteratur. Nr. 27. Adalbert Stifter. Brigitta. Nr. 28. Nikolaus Gogol: Die Nacht vor dem Weihnachtsfest. Preis der Nunrmvr 10 Pfg. Verlag der Weltliteratur, München 2, Fcnbergraben 24. Erhältlich in jeder Buchhandlung imd ans den Bahn Hofen.
Gießener Hausfrauen-Berein.
Kochnnweisungen.
Stachelbeerspeise mit Sago. Stachelb^ren werden mit aen-ü-gendem Wasser zu einem fllissigen Brei gekocht, der durch ein Sieb gerührt wird. Auf 2 Liter Saft rechnet man 250—275 Gvrmjm Sago. Nun stellt Man den mit Zncker gemischten Saft aufs Fener, läßt ihn Mn Kochen kvmnren und gibt dann den Sago dazir, läßt ihn unter stetem Rühren gar und die Nkasse dick kosten und gibt ste zu'ul Erkalten in mit kallem Wasser gespülte Glasschüsseln oder Formen.
5öurc^eltcr. Leber wird in Milch gewässert, darin schneidet mau sie in Scheiben oder Stücke und bratet sie in Mehl gewälzt A zerlassenem Fett cm, fügt Salz, ettvas Essig und ein bis zwei Suppennmnel hinzu und läßt sie gar schmoren. Grütze schmeckt sehr gut dazu.
Ein machen von Bohnen in Flaschen. Die Bohnen wec-deu geschnitten und in lnstdicht abschließende, sogenarmte Patent- flaschen getan. Alsdcnm rvird Wasser darüber ^gossen und das Gan^e über Nackst ofhen stehengelassen. Am andern Tage wird das abgestmidene Wasser iveggeschättet und durch soisches ersetzt, wobei daraus zu act-ten ist, daß es tkber den Tfohnen richtig abschlicß!^ d. h. diese ganz bedeckt. Nimmehr kann die Flasche geschlosst werden, und die Flaschenbohnen sind fertig, die bann stehend aus- bewahrt nnrden kömwn. Besonders sei beunierkt, daß Abbrsthen und Einsalzen durchaus nicht erforderlich ist. Die Bohnen halten sich jahrelang und behalten ganz ihren frischm natürlichen Geschmack.
Graupenpudding. y 4 Pfund durch eine Kasfoentühle gemahlene Graupen werden mtt i/ 2 Liter Milch auf dem Fener unter beständigem Rühren gekocht bis sie sich ooni Löffel lösen. 2 Eigelb und 1—2 Löffel Butter werden mit y 4 Pfund Zucker schrumig gerührt und dauu die erkalteten Graupen dazu getan. Den Eierschnee durchgemischt und in der Puddingforul iy 2 Stunden gekocht.
Grießplätzchen. 2 Eier und >/. Pfund Zucken werden schaumig ge;cl>lagen und mit y 4 Pftmd Grieß gemengt. Aul ge- Itrichenem Blech zu Häufchen gesetzt imd 10 Mmuten gebacken.
B u t 1 e r f r i s ch a u f z u b e w a h r e n. Man drückt die Butter fest m ein Weckglas, y 8 Liter zu y 2 Pfund Butter, tat ein dop- veltes Pergamentpapier darüber, schüttet eine Kleinigkeit (etwa einen' Teelöffel voll) reinen Spiritus oder Rum darauf. Dies steckt man an und tut brennend Ring und Deckel darauf. Es muß fest slUießen dann hält sich die Butter lange Zeit frisch.
Adstrichrätsel.
llob, Kiatcheu, Vers, Lante, Riga, eug.
Von jedem Wort ist ein Buchstabe zu streichen. Die übrigen Buch- staben müssen im Z»,sammenhang ein wichtiges Kriegsereignis bezeichnen.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer:
Treizüger von Havelka.
(W. Lol, Dbl, Lei, e 6, B a 2, 5, f 3.
Schw. Le 4. Th I, 5, B d 5, f6, h3.)
1. L e 6 - d 7, d 4 ; 2. D b 3-f. - 1. Leb; 3. Dd6-f.-
^ Xd4; 2. L{2-f- — 1 . beliebig ander-; 2. Dc2-f-.


