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nehmste Tamc weil und tarii, fonbctn auch die -cmeinste und mfbrrtr&ftiafte fd" - was für biffc cu*fle»cutli*tt Prrftw. lfctfrit bat trMjfte tob Uttr, bieUKÜ cs brmbUifienb uitb Irutfclw bcbniiftf -. ifat nffagt Hobe: $>m Sck^llhaas. Sic itnb ein ,vab. rer Künstler —, also seit dieser Jett nMrntr mul' ich ihn me «nderS alS Herr Dchellhaas.
„Tic Fvau Landrärin sagte über mufc so uxie fattc sie von Rumt ntr gesehen Nämlich der Ritz in ihrem taf fette lfnt ei i öabcu« fieib war, irrt Eclauvn^ zu sagvi. an einem kehr peniblen Platz, sozusagen direkt mitten auf dem -lermcl ." TieS flüsterte
er hinter vorgefattener Hand n» einer Dritter zu. die zuerst etn«S ängstlich bXicPtr, txrmi erteil plStichen Hustenansall besam, w>»zu sie eines Taschentuches benötigte, um es ivr den Miuid zu halten. ^.Sie müssen wissen, Fnoi Rärin, cs tvar das violett und grün gestreifte, ztvei äußerst schnncriae Kalüren. und ,>rade sozusagen treu» und quer gerissen, tvirkldch äußerst genierlich aber man sah nichit die Spur mehr" und Herr Schell haaS erhob feine Stimme ru eineni Enrziickinrgssctirei — ,/> — d — oh. ich foflr Ihnen, yrml Rätin, nickZt einen ?)domang sah man davon, nülK einen" —, und da er fern ganz passendes Work für cnese lZöck'Lte Momanglosigfeit fand, so dämpfte er plötzlich seine Stimme wieder Mid sprach dafür verschämt ein faniiscties aus: „nicht einen Fitzel."
Man sieht, Herr Sck?ttlfaas pflegte außer der Kunst, Risse und Schaden, die an beit penibelsten Sollen sich befanden, <Mva auf dem Oberarm, auch» die Kunst der vornelimcn und nwhlgesetztcn Rede. Und sie lvar es auch, welch.' ich fast am meisten bewunderte. Ich sah »war gern zu. wenn er mit faardünnen Fäden und fast unncl Uxlrcn Radeln knnst^N die Muster nach^irdeitete, besonders, trenn das Musikwerk in seinem langsam um sich selbst drelien- den. mit allerhand glitzerndem Flittcickrain sclt,mn ausstassierten Gcl-äuse vmi der Form eines Baumkuchens, mit sein«! gläsernen Tönen spielte, und wenn ich dazu eine gebackene Hirne speisen Vomtte, die per runzelt, zäh und ledcrartig sckMeckte, — — aber noch lieber hörte ich) ihn reden. Er drechselte auch die Sätze so kunit- voll, daß sic sich bedeutsam und ungewöhnlich anhörten, er schaute einen mit seinen runden Eulenaugen über die auf die Nasenspitze 'gescholtene Brille so durchbohrend an, und er erhob die Stimme so laut oder flüsterte so dnrchdrinaend, daß e* mich mit einem Sefauer der El/rfurcht über lief, obgleich ich nuurchmal lieber laut farcruk- gelacht hätte.
„Louise," jagte er in solchen „Dromangs", Lourse, es tut n«hl' verstanden zu werden. Aber Mißverstehungen schmerzen, oh, wenn die Wett nicht so voll Mißverstehungen wäre, eS wäre besser rnn alles bestellt. Und wenn es auch) sozusagen ein er° hebendes Gefühl sein kann, von hohen Persönlichleüen mit Recht als Künstler geschätzt «si werden, — dennoch — dennoch —" lind er verstummte und senkte sein Haupt trauervvll auf feine Arbeit:
„Es gibt Härten auch) in ntemer ÄiuifL" fuhr er nach) einer Weile fort, Härten! Sieh Louise, Bäcker Klusius Gattin war eben hier, sie hatte in ihrer besten DonntagÄnantille ein Öocl.' von wegen Ursache eines Funkens ans dem Hera, ich sage Dir, Louise, man sah nicht mehr die Stelle, wo es gewesen war, keinen Däomang sah nvrn mehr, aber sie behauptete, nran sehe eS dvc!?, und wolüe inir mein ehrlich verdientes Knstemännch nich aeben, — das schmerzt, Louise, nicht wegen des Kastenmännchens, sondern wegen der Hricuntersetzung meiner Kunst? Aber das begreifst Tu noch nicht, jedoch, -es tut wohl, sich auszuspreck>en, auch bei mangelnder Verständnislostgkeik'."
Und Herr Schellhaas seufzte so tief aus seinem Magen herauf, daß es mir sehr unheimlich) ivurde. Seine lbehasie Phantasie mochte ihni auch die kleinsten GeschZchnisse -zum Ereignis Einmal hatte ich bei ihm ein winziges Kätzchen heiß bewundert: es war so klein, wie eine junge Ktttze überl)aupt sein kann, und tonnte noch nicht
Miau sagen, sondern blieb noch) bei einem kläglichen Mi-Mi.
Tiefes Gcchöp/chen fands ich ein paar Tage darauf auf der Straße, im dlugcnblick. da ein großer Hund sich? überlegte, ob es der Mühe wert sei. es durch; eiu Schütteln in ein besseres Jenseits zu befördern. Ich rettete es und trug es int Triumph zu seinem Eigentümer zurück. Herr Sefalllxras freute sich mäßig:
„Ten ganzen Tag läuft dieses Tier weg." sagte er mit rollender stimme und himmelwärts gerichteten Augen, „und wenn man es einsperrt, so brüllt es WÜ ein Löwe!"
Tos kleine Tier fattc sich mittlerweile unter einen Schwank irifnKfen und sein Bti Mi llang,»v»e das Pfeifen einer Maus worunter hcrror. Aber Herr Schellhaas reckte die Hand nach der Stelle und sagte pathetisch: „Ta hörst Du es, nne ein Löwe", und es war ihn, augenscheinlich ein nwhltnender Gedanke, daß etwas aus seinem Besitz wie ein Löwe brüllte. '
Es gab auch eine Frau Schellhaas. Ihr Dasein verriet sich jedoch- meist nur durch einen starken Wäsche- oder Bügelduft, der aus den unteren Regionen des kleinen Häuschens zu den Gemächern des Hwisherrn hinauchrang. Tenn wenn auch bie Frau Loiidrätin öfters Mi einer penible»! Stelle, etwa auf dem Aermel — einen Riß hatte, und cs ja überhaupt solck< Monrangs des öfteren gab. so reichte doch die Bezablung dafür hin, um Herrn schellhaasens fturftfmüf* Neigungen zu allerhand seltsamen Schnurrpieifeieien, nrie das drehende, glitzernde Musikwerk eins war, oder die tveißcn Mäuse, die wie »oabni'innig in
thirwi "äka beannho'. len Tarrun lvusch und plättete Frau schMlk- hui, mit tifet imb ^olg die Wüsche der „IeMtfeu Herren" de- Stäblleint, NxrS Herr SchpilhaaS als eine „von wei-en BeriihiUNg mit .n'dildeien Ständen 'iülZst honorige Liebhaberei" bczcichuet^ und darum auch duld.-tc, deun eigciltllch fjatU seine „Gattin" ss. evixis nicht nötig. Frwi Schülhaas \vax eilte blasse, kleine und stille Frau, die aus Bcw.rn^r.ing für ihren erhabrncA Watten cinüjf feiner Rcdcblilten m ihren eigenen Garten perpflanzt batte und sie möglich'! oft an^vandte. BclonderS liebte sic daS „mit Erlaubnis ui sagen." „Tie Hemden rvm Herrn ?lnscsscl-, mit Ei'lanbnis zu saget'.'' .chcr Spülsiein,mit Erlaubnis zu fanen" und „dem .1>nrK linr.i Tau meist er seine St rümpfe, mit Erlaubnis zu sagen". Sie musste viel tmsch.-n und plätten, die Frau des Künstlers, um die Ansprüche befriedigen zu halfen, die er an dpö Leben stellen konnte: ihre Hände nurnt immer grauweiß und verrunzelt und ihr Gefickt sah mer au- Aber iie tat alles stiN
und fleißig, und mir wsm der Gatte pompl-aft erklärte, daß seine „WaUm" es nicht nötig lxtbe. so zu arbelten, ging manchmal ein schnelles. etnraS bitteres Lächeln um ihren cingesallenen Miuid.
Tie scl?önsten Augenblicke in ihrem kleinen Leben tvaren es, nvnn sie des Sonntags an der Seite ihres Gatten zur Kirche ging, in einem k«iitterigen scktvarzen „tasfetasstnen" lileid, wrliheS sich um sic blähte, wie ein Segel, in einem grioicilen Scl>il, imd mit einem seltsamen Hutgelniude ron sonst nie gesehener Form über dem granblassen Gesül^. Herr 2ckZelll)aas dnldi'te sie nur in diesem Aufzug an seiner ^eite, „denn man hat seinen Stolz sozusagen, und weiß, was sick^ gehört." Er telbst trug einen sckinalrandigen, drei Stock hohen Zplinderhut zu einem oliv- brMmen Rock und hohen Vatermördern und tpandclte mit Würde und Hvl)eit einher.
Manchmal vcrscl».'.xnid Herr Sck-elll-aas für ciltigc Tage Zkam man zu solchen Zeiteu mit einem Auftrag, so fand man dir Frau noch gedrückter mit» eifriger arbeitend, als gavrilstckich. Ihr Maiur 1 sei uack) der Stadt, um „Mat''rial" ui besorget!, bl^entete sic dann ihre Kunden. Aon solchen Sindisahrten kam Herr Sch-lll-aac. sdcl» in einem etiuaS desolaten Zustiand zurück, der sick:. selbst l-uvch die schrankenloseste Detvunderung der städttsckien Herrlichkeiten ;iiri>t ganz erklären lieft.
,fi, Frau Rätin," schpvarmte er dann. .,w,chch eine Erhebung genient man doch, tv-cuu man die Museunis besiulst? Tie Staturen find erhebend. Zlvar sind sie, mit Erlmibnis zu sagen, sehr imbe» Neidet, v,elches ich tadeln mus), aber doch, man hat doch das Bewusstsein oer Kunst, und dies ist sozusagen für mich die Haupd, sache."
Er lxttle schon ^.lamals oas Geheimnis so mancher Zkunst- begeisterung ergründet, mein Herr Sckvllhaas.
„Ich glaube, der Meister Schellhaas macht sich öfters einen fideler'. Tag, als seiner Frau lveb sein kaim," sagte meine Mutter einmal zum Baker, als sic mich nicht in Hörweite bemerkte, und Vater nickte da«i. Wanim sollte Herr schellhaas sich keinen stdelcii Tag machen? dachte ich. Große Leute sind doch wunderlich. Und doch behielt Mutter recht. Tenn eines schönen Tages fand meine Mutter Frau Schellhaas so in Tränen gebadet, daß sie Trieft umhin konnte, nach der Ursache zu fragen.
Frau Schellhaas aber war erst nicht zu bnoegen, Auskimft zu geben Erst nach und nach kam es heraus^ daß Herr Schelll-aa- Mif Abtvegen ging. „Oh, auf Pfaden der L-Ünde, mit ErlailbniS fu sagen," meinte Frau Schellhaas. „Er war im Therjatcr ge> wesen, in einem heidnisck?7n Stück, und darin hatten sie getanzt, jairoht, Frauenzimmer mit Röcken, btc nicht ’unial bis über die Knie gingen und oben ljenim auch. — mit Erlaubnis zu sagen — sozusagen nichts, — und so etwas hatte Herrn SckDellhaas gefallen, — ihre Beine warfen die ja wohl so in die Höhe, daß sie mit dein großen Zeh einander unter die Nase kamen" und Herr Sck^llliaas fatte sich aus lauter Begeisterung darüber anderen Tages daheim einen Rausch angetrrncken, und als er damit »:ach Hanse kam, da, — da hatte et seiner „Gattin," seiner angetranten Frau vormachen wollen, wie die, - die - die Therjater- frauleut getanzt hatten, — o, eine Schande is das, Frau Rätin, — und er war bingefallen und hatte sich die Nase zerschlagen, und den Arm verstaucht, imd nun lag er im Bett, und sie fattc die jkuochcnflickern holen müssen, die ihm den Arm einrenktc, und auf der Nase batte er ein Pilaster, und tllchtige Schmerzen stand er aus. Hier hörte Frau Schellhaas plötzlich aufzu weinen, machte ein rachsüchtiges Gesick-t und sagte: „Und das ist ihm sozusagen eine. Sttaie und recht geschehen!" Llber dann übermanntc sie bcKf-, der Jammer wieder und sie laut »oieder ins Weinen uni» schlug sogar auf den Tisch imd schluchzte laut auf:
„Und Frau Rätin, mit Erlaubnis zu sagen, von meinem gesparten Geld hat cr die Gottlosigkeiten begangen!"
Und außer sich vor Schmerz. Z'orn und Enipörung riß Frau Schellhaas die Tür auf, und da lag in seinem Bett Herr Schekl- Haas mit verbundener Nase und geschientem ?trm hilflos, von seiner Höhe gestürzt, ein entthronter Götze.
Ich- ging dann nicht mehr gern zu ihm. Bei seinen schönsten Reien hätte ich ja doch an seine Gottlosigkeit denken müssen und an seine verbundene Nase.


