Ausgabe 
27.6.1917
 
Einzelbild herunterladen

276

Unterscheidet zwei Formten des gewöhnlichen .Feigenbaumes, dent -ahmen, der die guten Früchte trägt, und den milden, der zwar ebenso grünt, aber mir unbrauchbare Früchte hervorbringt. Schon in ältester Zeit bemerkte man aber, daß die gehegten Frucht bäume nur in der Nähe von wilden Feigenbäumen gedeihen, ,uid so entstand das M ärchen iwn der Freundschaft -wischen den beiden Baunmrten Und der Brauch, entweder die zahnten Feigenbäume stets neben wilde zu pflairzcn oder znniffrdest in den zahmen Baum einen los­gelösten Zweig des Wildlings zu hängen. Um dem Rätsel auf die Spur zu fommai, muß zmrächst bemerkt werden, daß die junge Neige an sich eine .Ajrt geschlossenen Treibhauses darstÄlt, in welchem die Blütchen in Massen an den Feigenkolben sitzen. Und -war gibt es männliche und weibliche Blüten. Merkwürdig ist wm, daß in drm Jung feigen der zahmen Fruchtbäume nur Blüren- Weibchen sitzen, an den Frrrchtkolben der lvitden Feigenbäume hin­gegen per obere Teil in.it rein männlichen Blüten besetzt ist. Die Blü­ten des unteren Teiles endlich sind bei den wilden Bäumen meist angestochen wie kleine Galläpfel, und in ihnen haben Jnsektenmaden ihre Behausung ansgeschlagen. Es handelt sich um die Made einer kaum einen Millimeter großen Wespe, die dem Geschlecht der sog. Erzwespen angehört. Beim Aarskriechen begibt sich das Gewimmel der Wespen in den oberen Teil des Fruchthauses, die Wespeuweib- chen streben aus diesem Wege ins Freie und werden dabei über Und über von jdem männlichen BlütNistmtb der tvilden Feige bepudcrt. In diesem ordcattlicki eingepuderten Instand schwingen, sie sich schließlich in die Lust, ,vo sie sich sofort nach einem neuen Feigen bauschen nmsehen, um dort wieder einzukriechen und ihre Eier ein-ulegen. Sie schwirren also zu dem benachbarten edlörü Feigenbaum, und dasselbe ist natürlich der Fall, loenn man in eine,: zahmen Baum auch mtr einen Zweig eines ivilden gehängt hat. In dem Fruchthäuschen des edlen Baumes angelangt, sucht diq Welpe das Ei abzulegen, das jedoch dem langen Griffel des kräftig wachsenden Blütemoeibä-ens sdeckenbleibt und zu gründen geht. Dabei tvird aber der linännliche Blüteiastjaub des tvilden Baannes auf die weiblichen Blüten des zahmen übertragen, cw berührt die Narbe, mib die Fortpflanzung des vor rühmen Feigen-' Geschlechtes kmm vor sich gehen,, erst jetzt tritt die zahme Feige in ihre eigentliche Mffiezeit ein. So ist in der wilden Geißseige das Männliche, in der Edelfeige das weibliche Prinzip zu erblicken die Erzwespen aber versehen zwischen beiden den einigen Dienst von Liebesbvtem Dies erklärt die sozusagen unnennbare Schutzg-e-

_R*. .7^.71, t.. v bcm

wilden und dem zahmen Baum, die Mystik ist wieder' effunal ent­schleiert und aus des feinverästelte Zusammenarbeiten natürlicher Hilfskräfte -»rückgeführt.

* TerSchwanengesang" der Vögel. Tie noch immer- ungelöste Frage, ob der sog.Schwanengesang" der Vögel mehr als ein Volksglairbe sei, hat neuerdings zu einer regel­rechten wissenschaftlichen Auseinandersetzung geführt. Im Verlaufe, derselben äußerte sich der Münchner Professor Zimmer dahin, daß Gesangesänßerungen kranker und sterbender Vögel keines­wegs dem Märchenreich angehöreir, sondern häufig beobachtet werden könnten. Der Gesang des Vogels sei als ein Ausfluß von gesteigertem Empfinden verschiedenster Art zu betrachten, keinestvegs aber ausschließlich als eine Aeußerung von Wohl­befinden. Besondere Käfigvögel sängen sehr oft noch in tod­krankem Zustande cin Sterbelied. Während andere Forfcher dieser Ansicht grundsätzlich widersprechen, äußert sich nun, wie den Naturwissenschaften" «entnommen werden kann, der Gesanges- Psychologe Professor Braun dahin, daß die Frage, ob kranke oder sterbende Vögel zu singen pflegen, überhaupt nßcht eindeutig beantwortet werden kann. Die verschiedenen Dogelartcn unter­scheiden sich auch in dieser Hinsicht voneinander, neben den rein- örtlichen Unterschieden seien aber auch noch individuelle Ab­weichungen in Rechnung zu stellen. Am besten sei die Frage so zu beantworten, daßSchwanenlieder" todkranker Vögel durchaus nicht unmöglich sind, daß sic aber stets als seltene Erscheinungen verzeichnet werden müssen.

* Rossinis musikalische Ra che. In Mailand wird gegenwärtig eine ,dec unbekanntesten Opern Rossinis,Signor Bruschino", zur Aufführung gebracht. Tie Musik dieses Werkes ist nichts lveniger als wohlklingend, hat aber auch ihre eigene Geff fchichte, da Rossini sich mit dieser Komposition rächen wollte. Im Jahre 1813 erfuhr der Theaterdirektor San Mose in Venedig, dem gegenüber Rossini sich vertraglich zur Neverlassung seiner nächstes Oper verpftich-tet hatte, daß der Meister das gleiche für einen Vor- Awß von 500 Lire auch einem anderen Direktor zngesagt hatte. Erbost forderte San Mose die Einhaltung des Vertrages und zwang so Rossin 1, die Musik zu einem blödsinnigen Text zu schreiben. Die erste Ausführung ließ aber den Direktor sein -Viorgehen bereuen. Kereits luähxaw des Vorspiels war das Publikum sehr erstaunt darüber, daß die zweiten Violinen das Spiel der ersten begleiteten, indem sie von den Musikern vorschriftsmäßig gegen die Notenpult geschlagen wurden. Hieraus schluchzten die Baßgeigen in den höch­sten Oktaven, während die Sopranistin mit ihrer Stimme gewisser­maßen in den Keller hinabsteigen mußte. Während der kölnischsten ^ene des Stuckes ertönte ein gedehnter Trauermarsch. Die Vor­stellung endete mit einem Riesenkrach im Publikum, aber Rossini

war gerächt. Allerdings mag er kaum erlvactet haben, daß du; Italiener diese sonderbare Racheoper 104 Jahre später wieder ernst­haft zur Ausführung bringen würden.

Süchertisch.

August H 0 rncffer , Die Freimaurerei. (Reclams Unt- versal-Bibliotbek Nr. 5930. Verlag Philipp Reclmn jun. Leipzig.) (öeheftet 25 Pf., gebunden GO Pf. Inhalt -J Die Entstehung der Frei­maurerei: Entwicklungskämpse; Die freimaurerische Philo,ophre: Das Bundesleben im neunzehnten Jahrhundert: An der Schwelle des dr-itten Jahrhunderts. Genau zweihundert Jahre nach der Reformation trat der Freimaurerbund ins Leben, und während sich die Protestanten zur Jubelfeier ihrer Kirck^e rüsten, begehen die Freimaurer das Gebnrtsfest ihrerehrwiirdigen Bruder,chasr und des von dieser Brüderschaft verkündeten Ideals. Da ziemt es sich wohl, einen Blick aus das Werden, Wollen und Wirken der Freimaurerei zu ioerfcn und auch die Frage zu stellen, ob tnellcuast. die beiden Entwicklungen: Reformation und Freimaurerei, m einem! kulturgeschichtlichen Znfammenhangc miternander ,tehen. Es kommt hinzu, daß durch das auffällige, den wahren Zielen des Bundes nicht entsprechende politische Hervortreten aus!andfich-er Logen in den letzten Jahren weite Kreise auf die Freimaurerei and merksam geworden sind unb sich über die Organisation des Blindes und seine Ziele unterrichten möchten. Das vorliegende kleine Werk des durch seine Forschungen aus dem gleichen Gebiete bekannten! Münchener Schriftstellers gibt einen zuverlässigen Ueberblick über alle wesentlichen Tatsachen, indem es in anregender Darstellung das Verhältnis des Bundes zu der europäischen Kultur der beiden letzten Jahrhunderte schildert und ihn von seiner Entstehung bis zur Gegenwart begleitet. ^ ^ . . .. ,

Scholz , Hermann D.: Was wir der Re f 0 r ma - tion zu verdanken haben. Zur Vierhcundertialnfeier dep Reformation. Verlag des Evangelischen Bundes in Berlin W. 60. Gr. 8°. 136 S, geh. 1,50 Mk., geb. 2 Mk. Die auf Veranlass, simg des Evangelischen Bundes verfaßte Schrift des in weiten Kreisen wohlbekaunten Verfassers ist eine ebenso gediegene als wertvolle Gabe zum Refvrmationsjnbeljahr. Schon dw Ueb.'r- schriften der 11 Abschnitte lassen den großen imd reichen ^nyatt ahnen: 1. In schwerer Zeit. 2. Aus dem Wege zur Reformation, 3. Reformation oder Revolution? 4. Altes mch Neues m der Re- iormation. 5 Die Grundlaapn vev rLfor»ncre»>r,sch-e,r Fr-öinnNgkcrt.

0. Die Reformation mch dasdeutsche Wesen". 7. Die Reforma­tion und die deutsche Bildung. 8. EnttvicÜnilgs-gänge der Refor­mation. 9. Die Reformation und der moderne Staatsgedanke. 10. Die Reformation imd das gesellschaftliche Leben. 11. Tie Re­formation geht fort.

Hendschel, Kinder unb Käuze. 80 Skizzen. Preis Mk. 1,50, Pappbd. 2 Mk. Verlag von Jul. Hofffnalm., Stuttgart. Als der Frankfurter Maler Albert Hendschel zu Weihnachten 1672 seine erste Skizzenmappe veröffentliclste, hatte diese einen so außer­gewöhnlichen Erfolg, daß die.eingehenden Bestellungen lange Zeit nicht befriedigt werden konnteii. Eng gedrängt stand das Publikimi au den Schaufenstern der Buchlcchen imd Kunsthandlungen, inj denen feine Skizzen ausgestellt waren. Im Nu hatte sich der lieberlswürdige Schalk mit seiner Zeichenkunst die Bewunderung von jung und alt erobert und Wurde zu einer Weltberühmtheit/ Was sein Stift erzählte, koirnte überall verstanden werden, ,vo der Sinn für poetisch verklär teil Humor in Kunst und Lebent vorhanden war. Um die bei unseren Zeitgenossen unverdienter- maßen ettvas in Vergessenheit geratenen Arbeiten des einzig­artigen Künstlers mehr als bisher zum Gemeingut des deutschen Volkes zu machen, bietet dieses Bändchen eine Anchvahl von 80 der bestell Skizzen des Frankfurter Meisters liebst seinem Bildnis, begleitet von einem kurzen Abriß über sein Leben.

Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Lite raturfreunde. Verlag: Egon Fleischet & Eo., Berlin W.9. Das

1. JüliHeft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Julius

Rvdeirberg: Aus Tagebüchern IV : Walter von Molo: Charontische Bücher; E. Th. Kaempf: Keyserlings .,Fürstinnen": Heinz Micliae- lis: Dichtung und Journalismus; Kurt Martens: Flugschriften über den Krieg XIX: Echo der Bühnen Echo der Zeitungen Echo der Zeitschriften Echo des Auslandes Kurze An­zeigen Notizen. ' _

Wortspiel-Rätsel.

Ampel Eris - Eros - Qarteu Gesang Launen Mais - Reich Serben Trab

Von jedem Wort ist dlcrch Umstettililg der Biichstabeil ein aiideres Hauptwort zi, bilden Werden die neuen Wörter nach ihrer Be- deutiing wie folgt geordnet, beneniien die A,ifa,igsbnchstaben eine europäische Hauptstadt:

1. Balun heißer Länder. - 2. Voriiauie. - 3. afrikanische Hafcu-

stadt. - 4. imd 5. Rahrungsniittel. 6. Land in Asien. 7.

Haarwuchs. - 6. Trnppengattulig. - 9. BliUiie. -10. Flilß in Asien.

(Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Rätsels in voriger Nuinmer:

Aunilit, Alitoll.

Gckrntlettung: Ir. R. Zenz. ZwillinaSrunddrilck urid Verlas der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steiildruckerei. R. Lange, Gießen.