Der Aschreichlum unftrer Gewässer einst und jetzt.

Bon Dr. Johannes Klein Pa ul.

Der lange l-arte Winter ist diesmal auf den Fischbestand un­srer Gewässer nicht ganz ohne Einfluß geblieben. Dre Bäche int Harzgebirge % B. waren irrt Winter bis auf beat Gruird ein­gefroren, urtb als Folge davon ist der ganze Forellenbestand darrst vernichtet: zu Hunderten trieben die Fischleicl)en Überall an dest Ufern und Wehre:: an. Hingegen hat bei Hela der Lachsfang! wieder begönne::, inrd zwar gleich am Anfang mit einen: Riesen­ergebnis. Am ersten Ttage wurden dreihundert Zentner einb gebracht, darunter viele Tiere, die bis zu 40 Pfund wogen. So große Lachse werde:: in unseren Flusse:: nur höchst selten gefangen. Kurz vor Ansbruch des Krieges wurde von: Königlichen Zovlo- stsclien Musen::: zu Dresden ein bei Pirna gefangmer 18 Pfmch ck-iwerer Lachs männlick-en Geschlechtes angetanst, ein Prachttier einer Art, und öffentlich, ansgestellt. Hechte von dieser Größe werden noch öfter, selbst in kleineren Gewässer:: erbeutet. Im letzten Winter noch brachte ein Fischwasserpäclster in Thüringen einen zwar:zig Pfmrd schweren Heck>t mit nach Hanse, Und gleich­zeitig auch :wch eine andere, noch) kostbarere Beute: das \mx der Otter, der ihm den Hecht ansgespiirt und aus dein! Wasser aufs Eis gezogm! Dem Otter ward für diesen sauren Timst sauerer Lohn, er büßte ihn mit denk Leben. Doch das ist noch längst nicht der größte Hecht, von dem wir wissen^ Jin Jahre 1707 wurde ans der Elbe ein Hecht gefischt,der 32 1 /» Pfund wog und gm^e Kiesel­steine im Leibe hatte". Wer es nicht glaubt, daß es auch jetzt :roch so große und lveit größere Fische in unfern Gewässern gibt, der reise mit nächster Gelegenheit in die Schweiz. Int Zuger See wurde- voriges Jahr ein 35 Psimd schwerer Karpsm gefangm, der nach den: Answciden er tvar prall mit Rogen gefüllt. immer noch 22 Pfund wog. Er hatte eine Länge von 92 Zentimeter und einen Brustumfang von 75 Zentimetern; in der Mittelreihe zählte man 40 Schuppe,:, die größte war so groß wie ein Fünfnmrkstück. Ein Ein Gipsabdruck dieses kaltblütigen Riesen wird im Zuger Fische- reimusenm ausbewahrt. Der riesigste Hecht aber, den d:e Geschichte kennt, ist im Rat hause zu Heilbronn beschrieben n:td abgebildet^ Er soll 350 Pfund gewogen haben und beinahe fünf Ellen lang gewesen sein ein richtiges Fabeltier, derrn er soll auch an 300 Jahre alt geworden sein. Wie der neben den: Bilde aus-

gehmlgte Bericht in Verse:: erzählt, hat ihn im Jahre 1230 Friedrich der Andere" anläßlich eines Fischersestes (gewiß nicht als winziges Fischlein, sondern gewiß schon als anschnlick) Fisch) mit einen: Ringe versehe:: und in den Böcklinger See ge­setzt, imb 1497, also 267 Jahre später, wurde er wieder heraus!- gefischt und dem Kaiser Maximilian vor die Füße gelegt.

Doch weder Lachs noch Hecht sind eigentlich unsere größten Flußfische. Die größten such vielnrehr der Wels und der Stör, die, wenn^ auch selten, bis 3 Meter laug werden. Für einen Lachs gilt, ebenso wie für den Aal, ein Meter, für eine:: Hecht 80 Zen­timeter, für einen Karpfen 70 Zentimeter als ein anständiges! Durchschnitts inaß; mrdcre Edelfische, wie Zander und Flußkarpsen, erreichen nur ganz ansnahmsweisc diese Größe. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß nicht auch die kleinen Fische in unserlem- Bolkshanshalte eine große Rolle spielten: jedenfalls war das früher «in hohem Maße der Fall. Man früher so unglaublich viel Fische an alte:: unfern deutschen Flüsse::, daß sich das Ge- , finde von der Maas bis znm Memel in seine:: Met Ver­trägen ausdrücklich verbat, öfters als zweimal in der Woche mit Lachsfleisch gefüttert zu ir-crbeu. Noch im Jahre 1871 wurde auf dein Granau er Anger bei Magdeburg Störsleifch an die dort untergebrachten französischen Kriegsgefangenen um 2 Groschen das Pfund abgegeben; man hatte dantals dort cm einen: Tage vierzig große Störe in der Elbe gefangen und wußte sie nicht besser zu verwerten. Andererseits und schätzte inan früher- j aber auch manche Klein fische, die -vir heute frmim' den: Aussehest und den: Namen nach kennen, und fing sie in solcher Menge, daß wir uns davor: 'heute karmr noch eure rechte Vorstellung mehr zu mache:: verrnögen. So übersandte der Rat der Stadt Döbeln den: Dresdener Hof früher (zuerst im Jahre 1593) viele Jahve lcn:g regelmäßig, sobald die Miltide aufgetaut war, sechs bis acht Schock Steinbeißer. Wer kennt heute noch Steinbeißer, gar n.och als Fischgericht?! Höchstens Schmerlen werden heute noch hier und da als Leckerbissen aufgetischt als einziger unter de:: vielen unscheinbaren Kleinfifcl>en, die unsere Bäche beleben; Theodor Fontane erzählt davon reizvoll in einer seiner Harz-NovellenÜ Ein ähnliches Präsent erhalt auch Kaiser Ferdinand, als er in: Jahre 1562 nach Jsni kam; dort verehrte man ihn:zwei Wagen Haber, einen Wagen Wein und sieben Schifflein mit Fischen": Haber und Fisch werde:: im Mittelalter sehr oft zusammen ge­nannt; das war ein altes Gericht.

In unser:: Tage:: kennt imd schätzt man von den Klein fischen eigentlich nur noch die grelle. Aber von den nteiftm gilt frei-j lich, was die folge::de:: Verse bündig :md zierlich gebunden zn- samnden fasse:::

Forellen ist mein Lieblingsessen!

Ich selbst Hab' sie noch nie gegessen,

Doch meiner Mutter Sckstvester Sohn,

Der hat mal neben einem Mmm gesessen.

Der lxrtte ivelche sehe:: essen. . .

Forellen standen auch früher schon iutmer hoch im Preise. So bistete beispielsweise in dein vogtläudischeu Städtchen Schöneck im Jahre 1698 das Pfund Forellen (nach Ausweis einer dama- ligen Stadtrechnung) die ansehilliche Sunrme von 1 Gulden und 6 Groschen meißnisch; zum Vergleiche führe ich an, daß das ganze Jahresgehalt des dortige:: Bürgermeisters damals nur 6 Gulden betrug; für 2 Gulden und 2 Groschen lief ein Bote in Schöneck über das ganze Erzgebirge nach Dresden und zinilck. Vielleicht! erklärt sich dieser auffallend hohe Preis dadurch, daß die Forellen dan:als infolge eines großenFischsterbens", wie jetzt wieder, selten geworden waren; wahrscheinlicher aber ist: wer Forellen essen wollte, fing sie sich selber. So taten z. B die Freibergerk Bürger, sogar rwch währeich des Dreißigjährigen Krieges, als im Jahve 1645 das schwedische Feldheer unter Torstenson vor ihren Toren lag. Mollner berichtet darüber in seiner Chronik: . . so

'hat man doch Nebhülxner und Hasen vor und in den: Graben ge­schossen und in die Stadt gebracht, auch noch zur Not ein frisch Esten Forelle:: bekonvnen körmen." Die Klage:: über den Rück­gang unseres heimischen F-ischbesta:ches sind aber trotz aller in der guten alte:: Zeit zur Verfügung stellenden herrlick-en Fisck>gerichte nicht erst neueren Datums, sondern uralt. Schon in: Aisgange- des Mittelalters hat man ihn: Einhalt zu tu:: versucht.Vater August", der bekannte sächsisck-e Kurfürst und Volkswirt, versuchte es, den Anschauungei: seiner Zeit gemäß, in erster Linie durch Androhung von abschreckwchen, wahrhaft barbarische:: Strafen. Wer widerrechtlich fischt," heißt es in seiner <rm 21. Llpril 1572 erlassenen Fischereiordnung,muß unter den: Galgen auf einen Schemel treten, und dann werden ihm die Hände mit dem Galgen­strick zusamutengebunden. Daraus wird ihrn der Scheiuwl unter den Füßen tveggestoßen, und so muß er eiue Zeitlang unter schwere:: Qualen schwebe::. Zuletzt wird er Landes verwiesen. Wenn er ttotz seines Eides (!) wlederkorstntt u:rd wieder Fisckie stiehlt, lvird ev nnt ewiger Gefängnus, mit einiger Verdammung aus Galeren in Eisen oder stets währender Arbeit belegt. Wer ans Teiche:: oder H älter:: Fische stiehlt, soll es mit den: Tode durch den Strang­büßen." Die rund zweihundert Jahre später (1711)verneuerte Fischordnung des König-Kurfiftsteu August des Starken", die ihrerseits auf zwei in der Zwischenzeit schon in Kraft getreten neuere kurfürstliche Verorderungen ans den .Jahren 1657 und 1686 fußte, nahm vorwiegend darauf Bedacht, den Vorhände:: en Fisch- bestand zu erl-alten und namentlich den jungen Nachwuchs zw schonen. Ein Nerstchock Strafe wird denen angedroht, die ver­botene, kleine Fische oder Krebse kaufen. Fachreuser: dürfen nicht über den ganzen Fluß geschlagen werde::,also, daß gar kein Fischgen vorbei: gangen"; der Hamei: soll iM Wasser gehalten! werden; aufs Land darf daraus nichts geschüttet tverden, damit die eftwr nritgefangene Fischbrut nicht verderbe. Gefischt darf über­haupt rnkwwch zweimal in der Woche werde::, und zwar ünMer nur von Sonnenaufgang bis vormittags 11 Uhr. Das sogenannte Gesellen fischen ist verboten; höchstens zwei Perso::en dürfen mtt- eiimnder, al'.er nur mit einem Hamen den Fischfang betreiben. -Im. Interesse des wichtigen Dessauer Lachsfangs, am' Zusamlnen- flusse der Mulde nrit der Elbe, warm dort aber auch dafür schon ähnliche Maßnahmen getrostem So war dort zeitweilig das An­geln nur alten Leuten. Kranken und Invaliden erlaubt und wüü- re:td der Laichzeit aller Kahnverkehr von den Brücken bis zur Elve überhaupt verboten

° Alle diese Maßnahnren und Besttebm:gen landesherrlicher Fürsorge haben aber, wie '.vir alle wissen, leider so g:tt wie gar- nichts genützt. Der Ursache:: des anscheinerid unaufhaltsamen Rück­ganges des. einstigen Fischreichtums unserer fließenden Gewässer gibt es gar ^n viel. Mm: ist vielfach geneigt, sie in frühererj Ranb-Fischerei, und in späterer Zeit in der Kanalisierung und Verschm:ltz:mg oder Ver'giftung der Flüsse sonne in ihrer Beim- ruhignng durch Turbinen und durch die Dampssch: sfahrt zu er­blicken. Wenn das alles auch in der Hauptsackp' richtig sein mag, sei demgegenüber doch auch in Rechnung gezogen, daß beispiels­weise mlf der kurzen Elbstrecke innerhalb des Königsreicl)es Sachsen noch in den Jahren 1884 bis 1911 nicht weniger als 650 Fisch­ottern, 2126 Reiher und 116 Fischadler erlegt wurden, von un­gezählten andern gefährlichen Fischseüide:: und -rm:bern nickst zu reden. Dabei schätzt nvan den Sck>aden, den ein Reiher für die Fischerei ansmacht, aus 1000 Mark!

Hciupcn und Raupenplagen.

An die ägyptische Plage der Heuschrecken, die das Lmid be­deckten und alles fraßen, erinnern Nanpe:wlagen, wie sie gegen­wärtig 'eine den Berliner Tiergarten Irin:sucht. Jetzt sind die Raupen ausgewachsen und mit ihrer vollen Größe hat auch ihre Freßgier ihre Höh^e errcicht. Kahl, buchstäblich kahl, fresse:: sie jede:: Bann:, den sie befallen, statt der dickste:: Kiwne, durch die die Sonnenkringel ans den Boden sielen, tragen die Lmibbäuine k:'Kn^- merliche Reste von Blätter::, die nur noch) aus dem Gcnirwe bestehen. Der Gärtner line der Förster tote:: eine ganze Reihe voi: Raupen, die zu förntticlstn Laichplage:: werden::nen mch alles Grün vernichte::, und die des Goldasters, nnr die cs sich in der Reickishanptstadt in erster Linie handelt, gehört zu den ge­fährlicheren. In großen Nester:: überwintern die kleine:: Ränpchen; in: Mürz ober Avril, jvenn sich die Bäume bcckaulwu, beginnen sie