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schlanke Empfangsdame so beschäftigt, daß ihm nur Ge­legenheit zu einer kurzen Frage blieb.

Wann er die Probebilder sehen könne? In fünf bis sechs Hagen. Man könne sie ihn: aber auch mit der Post zusenden. Nein? Er wünsche selbst zu kommen? Ja, dann also nächsten Donnerstag bestimmt.Auf Wiedersehen, Herr Referendar."

Die Glastür schwang hinter ihm zu, und Ruth wandte sich ihrer Beschäftigung wieder zu.

Nicht mit einen: einzigen Gedanken folgte sie dem jungen Herzensbrecher. Sie wartete mit einiger Ungeduld heute die Stunde des Geschäftsschlusses ab, denn Kürow war in Berlin angekommen und wollte sie gegen Abend in der Pension Schubert aussuchen.

Er hatte weit mehr Schwierigkeiten gehabt als sie, eine neue Anstellung zu finden.

Herr Wecker, einen Zusammenhang ahnend zwischen dem Abgänge seines begabten Ingenieurs und der Kündigung Ruth Stocktons, war voller kleinlicher Bosheit bemüht ge­wesen, Kürow zu schaden.

In Dortmund und in der Nähe wollte dieser ja nicht bleiben, aber alle großen Betriebe in Berlin, bei denen er sich schriftlich Meldete, hatten Auskünfte von Wecker ver­langt. Und alle diese Auskünfte hatte der erboste Krösus so zu färben gewußt, daß man den jungen Bewerber zwar für talentvoll und geschickt, aber für unzuverlässig und un­gleichmäßig in den Leistungen halten mußte.

Heute aber war Hermanns Brief an Ruth voller Zu­versicht getvesen. Eine große, sehr bekannte Fabrik von Flug­reugen hatte seine persönliche Vorstellung gewünscht, und deshalb kam er nun an.

Ich weiß, ich werde kommen und siegen," schrieb er. Ich habe diese Nacht von Kaviar geträumt, und ich weiß, was das bei mir bedeutet."

Ruth war kaum eine Viertelstunde zu Hause angelangt, da meldete man ihr Besuch. Ein Herr warte im Empfangs- ' zimmer und wünsche Fräulein Stockton zu sprechen. Ruth warf einen raschen Blick im Zimmer umher. Es sah ganz Präsentabel" aus. Ihre Ottomane, die des Nachts als Bett diente, war mit einer bunten Plüschdecke behängt, der Waschtisch stellte bei Tage eine Kommode vor, der Kleider­schrank, ein Möbel, das sie haßte, stand im Gange' vor den: Zimmer. Man konnte schon diesen kleinen Raum als Wohn­zimmer ansprechen, wenn man bescheiden war.

Das Stubenmädchen brachte gleich darauf den Besuch herbei.

Lächelnd stand Ruth mitten im Zimmer und streckte den: blonden Hünen die Rechte entgegen. Aber er machte es wie an jenem Tage in den Anlagen, hob sie mit -gelassenem Schwünge empor und küßte sie von Herzen.

Mein Mädel!" sagte er innig und schaute sie an, als ob er sie versengen wollte.

Willkommen," erwiderte sie freundlich.

Er ließ sie herunter und nahm nun ihre beiden Hände, bte er schüttelte.

Ruth," sprach er so sanft und leise wie er nur konnte, das war \a nicht mehr auszuhalten ohne dich! Wenn ich letzt keine Stellung gesunden hätte, so wäre ich dennoch ge­kommen. Aber wie siehst du aus! Prachtvoll! Schöner als le zuvor. Und ganz uub gar nicht so, als ob du dich voA Sehnsucht nach mir verzehrt hättest."

Sollte ich das?" fragte sie lächelnd. Ich habe wohl an dich gedacht, Hermann. Aber viel Zeit habe ich nicht zum Nachdenken hier. Wie geht es meinem Vater? Du warst doch nochmals in Dortmund?"

Sie fragt erst nach ihrem Vater", dachte er eifersüch­tig,und nicht nach mir. Herrgott, und ich Hab Tag und Nacht an nichts anderes denken können als nur an sie allein. Zum ^errücktwerden lieb Hab ich sie! Aber sie muß wohl erst noch lernen, was solche Liebe bedeutet. Ob sie mir je mit gleicher Münze zahlen wird?"

Komm," sagte Ruth,nimm Platz. Und erzähle mir Kles, vor allem auch von dir. Meinem Vater kann es nicht schlecht gehen, sonst hätte es mir Franziska ja geschrieben."

geht ihm gut. Eigentlich ausgezeichnet; er hat eine geregelte Tätigkeit, und doch genügend Zeit, sich mit seinem Erfindungen zu beschäftigen. Seine Gesundheit ist dieselbe wie immer, also im Grunde ist er nie richtig krank, doch stets unzufrieden und voller Klagen gegen Gott und die Welt."

Er besann sich, daß er Blumen mitgebracht hatte, und sah sich um. Beim Eintreten hatte er den Strauß auf die Dielen fallen lassen, und nun hob er ihn auf.

Während er ihn vor Ruth auf den Tisch legte und sich in dem Sessel niederlieb, den sie ihn: hingeschoben hatte, nahm sie den Strauß auf, und er sah deutlich, daß sie einen Kuß auf die Rosen drückte.

Danke schön," murmelte sie.Das sind herrliche Rosen. Und nun setze dich bequem hin, wir trinken Tee zusammen, und du mußt erzählen."

Muß ich? Aber ich sitze ja so schrecklich rveit von dir. Kann ich nicht neben dir noch Platz finden?"

Nein", lachte sie,das ist doch nicht nötig."

Also gut," seufzte er.Ich berichte zunächst: Mail hat muh engagiert. Mein Einkommen ist um ein Viertel größer als bei Wecker. Aber ich werde enorm zu tun haben. Wir können uns höchstens des Sonntags sehen und an Feier­tagen, Kaisers Geburtstag und so weiter. Uebrigens wohne ich nicht direkt in Berlin, sondern in Pankow."

Wie? Hast du schon eine Wohnung?"

Heute vormittag um zehn Rücksprache mit meinen neuen Chefs. Um elf Uhr Unterzeichnung des Vertrags. Um 12 Uhr Frühstück bei Fritz Töpfer in Berlin. Da werden wir übrigens öfter hingehen, du und ich. Um zwei Uhr zurück nach Pankow, Wohnungssuche. Um vier Uhr Zimmer gemietet, Gepäck hinbesorgt, mit Wirtin sämtliche Kleinig­keiten besprochen und abgemacht. Um halb sechs Uhr wieder Berlin gerutscht, um halb sieben Pension Schubert ange­langt, fünf Minuten nach halb sieben von meiner Braut ziemlich gnädig empfangen. Um dreiviertel sieben Rapport abgestattet. Jetzt bist du an der Reihe."

Sie faltete die Hände und legte sie artig wie ein auf­sagendes Kmd auf die Tischkante.

Laut brieflicher Berichterstattung angestellt als Emp- fangsdame be: dem Hofphotographen Otter. Dienst bis um sechs Uhr. Zweimal wöchentlich von halb neun bis halb zehn Uhr Gesangsunterricht bei Signora Tribaldi. Unangeneh- mer noch als das Empfangen bei Otter. Sonntags bisher Ausflüge mit Fräulein Berber, meiner neuen Freundin. Letztere schlug mir heute mittag in der Frühstückspause treffen wir uns zuweilen bei Aschinger (billig und manche mal gut) sie schlug mir also vor, meine Stellung bei dem Photographen nur so lange zu behalten, bis ich etwas Be­haglicheres fände. Hatte auch schon einen Vorschlag, den ich Mit her später besprechen möchte. Ich finde Berlin entzückend und Mochte me wieder fort von hier."

tAber wenn nun dein künftiger Gatte anderwärts sein Heim errichten muß?"

Das hat noch lange Wege."

r"Oh, wer weiß. Ich glaube, zwei Jahre wäre das Aller- langste, was wir noch warten müßten."

. ,/Zwei Jahre sind aber eine Ewigkeit. Inzwischen soll ick) ia eine Konzertsängerin werden und furchtbar viel Geld verdienen."

nur verhaßt. Dich aus dem Podium zu sehen! Jede Aus- Pjeiner weiblichen Person finde ich schon wenig wün­schenswert; aber wo es sich um nreine Braut handelt, will rch ganz und gar nichts davon hören."

Emen Moment schwieg Ruth. Dann sagte sie ganz lie­benswürdig:

* L^böer Hermann, wenn du mein Gatte sein wirst, dann kannst du derartige Verfügungen treffen. Aber wir sind noch Nicht einmal öffentlich verlobt . . . ." *

werden^ aber doch jeden Augenblick nachgeholt'

Ich wünsche es vorderhand noch gar nicht. O Her- maim, sieh nicht so böse aus! Ich meine ja nur, daß eine jahrelange Verlobung mindestens zwecklos ist. Ueberha-upt diese Oeffentlichkeiten! Wir beide wissen doch, daß wir uns Welt an?"' ^ ba§ md > t genug? Was geht es die Außen-

wäre recht viel zu antworten. Aber ich sehe

em, daß uh kem Rcht habe, auf irgend etwas zu pochen. Also wie du willst, Ruth. Es geht auch ohne öffentliche Vec-

(Fortsetzung folgt.)