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Dis blonde Drossel
Roman von E Fahrow.
(Fortsetzung.) ,
„Seien Sie doch nicht so grausam und nachtragend, bat er. „Ich habe mich doch
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„bricht jetzt und nicht hier', mein <Herr, ich bitte Sie wieder von meiner Bildfläche zu verschwinden denn an Sonntagen will ich durchaus nichts Geschäftliches Haren
toder sehen." „
„Dann könnte ich ja von anderen Dingen . .
„Ein andermal vielleicht. Ich muß wirtlich bedauern, f— ich habe keine Zeit. Wirtlich keine Zeit"
„Ein andermal? Das ist doch tvenigsten.' eine Aussicht, die nrich tröstet. Ich gehe schon, Fräulein Verber.
Ader erst sagen Sie inir, bitte, ivann und wo ich Sie
sprechen kannA' ^ ^ ^ «
Therese schlug die Augen gen Himmel, so daß inan säst
nur noch das Weiße sah und seufzte! , , „
„Mit Uv och nachmittag lun vier Uhr an der Normaluhr.
, „An welcher? Potsdamer Platz?"
„Nein, Sie naiver Herr. All der Normaluhr am Lehrter Biehhos, wo ich Pferdemls nahmen zu machen gedenke. 'r— Da komnit endlich unsere Suppe. Leben Sie wohl, Herr Kirchler, Sie haben ja nun Ihren Willen."
Sie neigte königlich das Haupt gegen ihn, und er verbeugte sich Vasallenhaft tief vor ihr. Auch vor Ruth mackste er eilre Heilte kurze Pflichtverbeugung. Dann entfernte er sich mit großen, schwingenden Schritten ltnd Uetz sich in so großer' Entfernung erst in einer Ecke nieder, daß er von dort aus nicht mehr lästig fallen konnte.
Ruth lachte lind blickte flagend Therese all „Nein," sagte sie mit Betonung, „kein Verehrer, bitte! Ueb er Haupt kein näherer Bekannter. Ern sonderbarer Gchivärmer, der mir zu den „Unentwegten" zu gehören
fcfjet nt" .
Während jetzt der Kellner sie bediente, begann sie von jenem Besuche zu erzählen, den Amadeus Kirchler ihr ab-
^^DaßerAnmdeuS heißt," schloß sie, „»«schliminert den Kalt noch. Ich habe ihn im Adreßbuch anfgesncksi. Er hertzt tatsächlich so. Was wsil der Jnrigltng bloß noch von mir!
„Er sah Sie voller Anbetung me," ertmderde Ruth. .Ahn scheint Slmors Pfeil getroffen zu haben." ^
„Was geht da? mich an?" knurrte Therese. ,,^ch gedenke mich'nicht mit Liebesgeschichten abz»geben, sondern vorerst einmal einige Jahre etwas Tüchtiges zu lefltcn. Aber er wollte mich ja auch übrigens geschäftlich sprecheil. es wird mir nichts übrig bleiben, als ihm diesen wünsch einmal u»d nickt wieder zu gewäbvmi. — Uebrigens. damit
ich Ihnen nicht vorkomme wie eine Birc^o, will uh Auen gestehen, daß ich einmal, als ich neunzehn ^ahre alt im, einen Mann geliebt habe. Der hatte auch mich lieb. WÄ waren feckss Wochen heimlich verlobt. Aber dann starb jx au den Folgen einer Lnngenentznndnug, die er süchgeh^. weil er zwick Kinder vom Ertrinken in einem verensten S« gerettet hatte. — Seitdem habe ich noch nicht wieder sollhe Liebe empfunden, obioohl doch beinah fünf Fahre inzwischen verflossen sind."
Arme Therese!" sagte Ruth lveich.
Aber die dunklen Augen ihres Gegenüber nwren rmr sekundenlang noch dunkler und ein wenig feucht geworden. Jebt blickten sie ganz ruhig und klar.
„Es ist überwunden. Kleine, wirklich ganz vorbei. .tun wollen lvir uns wieder diesem heiteren Mahl zmvenden. Schmeckt Ihnen die Stippe?" ^
9. Kapitel
Eine Stunde später saßen Ruth und Therese an der Stelle, von der vorher Therese gesprochen tjatte.
Therese lag, die Arme unter dem Kopf oersckwankh ganz still. Die Augen hatte sie geschlossen, doch znioeil^ öffnete sie sie ein wenig, nno blinzelte hinüber zu Ruth, die
ihr gegenüber im Gras saß. .... • ....
Das blonde Haar stand wie ein Heiligenschein um das zartfarbige Gesicht, das ein wenig zurückgebogen war. Unv zwischen den roten Lippen kam der lieblich Vogel gesang he vor, der wie der schwierigste Kunstgesang klang, nur daß er dabei etwas so imvergleichlich Frisches und Imtuilich^
Ot ’ C 0c> sang sie, wortlos, dock voller wechselnden Ausdrucks bald fröhlich, bald tilgend und sehnsüchtig, voll nnddantt wieder leise. Therese dachte sich ihr Teil, abgesehen von der Bewunderung, die sie erfüllte. — Und als der Gesang sckMneg, sprach sie, sozusagen in die Wipfel der Kiesern hinaus.
„Ein gottbegnadetes Menschenkind! Und daß Sie so zärtlich verliebt sind, habe ich auch noch urcht gewußt.
beliebt ^Tas^ivill ich nicht hören, will ich nicht sein.
„Es 'mich doch ein störendes, nnangenehmes Wort sein. Alle Menschen sträilben sich dagegen. Aber toenn rch doä> nicht eine ganz allgemeine Verliebkhert merne so eine beschvnr- gende Bemäntelung des Wortes Srnntrchkeit, sondern mrr eine ganz persöulicl)«, wohlbereä)t,gte. ga.rz natürliche Euch- sinduna für einen Einzelnen? Dmru brauchen -sie es doch
nickt abzustreiten." ^ ^
Ruth schwieg ein Weilchen, dann erwiderte sie . g-ck habe Ihnen von Hermanll Kürow erzählt. Fa, ich bin ihm gut, ich habe ihn lieb. Ich will ihn hewatem Aber ich glaube, so eine richtige, heiße Verliebtheit ist doch nicht. Ich stelle sie mir ganz anders vor.
} Nun [a ich verstehe. Sie glauben, Sie konnten ganz


