ttcheln Wohlgefallen das Mrrt gefärbte Antlitz, die schimmernde Pracht der Flechten und die dunklen, geraden Äugen- bvauen über den geschtossenerl Lidern. Dann zog sie sacht die Tür wieder zu und verließ cruf den Zehenspitzen ihr Zimmer.
„Sie soll schlafen," murmelte sie. „Wie jung sie noch ist! Und wie gesund, daß ihr Körper sofort von selbst das beste Erfrischungsrnittel ergreift, um die Ermüdung wett- rmnachen, oie sie natürlich überfallen hat! Ich werde allein der Abendtafel beiwohnen und später dem Kinde Abendbrot auf dem Zimmer qffon lassen! Morgen soll sie Berlin tm nüchternen Bormittagslicht kennen lernen. Und dann reise ich ab, und sie muß allein im Strome schwimmen. Trügt mich nicht mein Gefühl, so wird sie hier chr Mick machen, so oder so; ehrlich und tapfer ist sie — solche Menschen braucht man hier wie überall. Glückauf denn, meine! kleine Ruth!"
Ihre innere Rührung hinter den funvelnden Kneifer- aläsern verbergend, begab sich Franziska in den allgemeinen Salon und begrüßte einige Stammgäste, die sie von früher kannte. Auch der knabenhafte Jüngling wurde ihr vorgestellt, der ihnen vorhin die Tür geöffnet hatte: Mister Bost aus Philadelphia; Glaswaren en gros und Schau- unternehmer; ein Krösus von Vaters Gnaden, dessen kindliches Benehmen über seine fabelhasten merkantilen Talente ebenso hinwegtänfchte wie „Fräuleins" Demut.
(Fortsetzung folgt.)
Der Ausreißer.
(Schluß.)
Die fremde Dame war bald hinter ihm her. M der fünften «Straßenecke holte sie den .Flüchtling endlich ein. Sie hatte bemerkt, wie sein ganzes Vksen aus den Angeln ging, und sie wollte sich den Versuch nicht verdrießen lassen, es wieder einzurenken: vielleicht kam! sie noch ziurocht, um ärgeres Unheil zu verhüten.
.Er wurde über urrd über rot, als die schöne, seine Dame ihn an rief, und sein erster Jnipuls war, davonznlaufen. Aber schließlich schämte er sich seiner bubenhaften Scheu, und als sie sachkundig! von Minsik Md von seinem Spiel Ml sprechen begann, hatte sie! sein Zutrauen bald geiummeit.
lieber vierzehn Jahve war er bereits alt, natürlich! Und er wollte Musiker werden, Komponist. Und keiner sah. wie ihn die Schul!tube beengte, wie die harten Kanten nnd Stacheln der Fach- disziplmen seine ,nach künstlerisck-er Gestaltung dürstende Seele wund und blutig rissen. Und man habe ihm sogar die Weiterbildung m seiner vergötterteil Kunst versagt, danrit die Schulstlkdien nicht darunter- lrtten. Da fexfe ihn die Verzweiflung gepackt: und dev Drang nach i>cm großen Erlebnis der seelischen Freiheit, das da draußen irgend! vo ans ihn tva.rtete. . .
Und er Irichtete ihr auch, !vie er seine Sehnsucht büßeil gewußt, und Me ec tan jenem Gaukler in der gestohlenen Uniform bis aufs Leder'ausgeplündert worden sei. Und wie er längst wiedep M Hmise wäre, wenn nicht die Entdeckung des erlitt mm Berlusts zugleich seinen Fluchtversuch euthiMen zniMte. . . .
Sie scheute nicht den langen Weg, den sie der arme, trostlose Funge quer drirch ganz, .Berlin mit sich schleppte. Latte sie nicht selbst mit ihrer trostlosm SüM sucht zu kämpfen? War sie nicht selbst von HenUiveh gesckKttelt — von Hei inweh nach einem Rterr- sch.ell, der rhr einst Freund nnd Vaterhaus nnd Welt nnd Selig- kelt gewesen war?
Sie hatte von ihm nichts lviedergehört, seit er in dm Kriec A^ogen war. Keine Kunde von Tod, Verwnitdnng oder Gefangen' schaft l-atte ftc erreicht. Leer tmd hohl klmrg das Echo des Krieg« von den tosenden Sck^.rchtfeldern in ihr verarmtes Leben hinein Es lwr em Schmerz, tiefer lurd lastender noch als jener der Frm und Mutter im Trauerflor.
Ich Werken der Güte Und engelhaften Huld entquoll dies über machtlge Lew ihrem vollen Herzen, suchte sich Mlmknng und Tros am Trotten der airdern. Das itw'r es, was sie antrieb, den müd sellgeil Pfaden der Gl ückv erlassenen nachzugehm. .
Jenen scharfen, verzehrenden Schnlmz aber konilte sie hmt. viellecht emer geäugstigteil Mutter ersparen.
Wenn er die verlorene .Summe von ihr annähme, so könne ei nocli, l-eutc rn lein Heini zurückkehoen, intö nieinand brauche zu wißeil welch schacksalsschwere Möglichkeiten znüsck-eir Anfang nn! Ende dieses Tages beschloss^ lagen. . . .
.. . Er ging langsamer, unrnhig überlege iw. Wieviel läng von dresem Enschluß ab! Seme Stimme ül^erschliig sich vor Erremm und hemckrckier Freude, als er antwortete:
ihi-e Dresse ^ ^ ^ >arIclKni «"fzufassen {ft —" Und er bitte im
^tztere verweigerte sie. .Als großer Tvnkünstler ,oerd« er m sicherlich emstün der Lage feig .... ineiitte sie schnauft. Und dann iverde fte iljri [djfon wieder zu suchen wissen.
Da Wichten beide lachen.
Er steckte derr Schein Lästig in die Westentasche, während sich die Helfertu mit flüchtigem Gruß seinem Dank entzog.
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Spät abends betrat er das Familien zrimnxr. Das Gedeck für ihn stand aus dem. Tisch.
Gott sei Dank — es nxrr iwch ntenrarrd auf der Polizei gewesen ! Aber alle hatten sich anscheineich sehr Um ihn gesorgt.
Was beim eigentlich los war? —
Oh, nichts Besonderes. Sie hätten sich nur etwas längär beim ^Fußballspielen mifgehalten . . . ^„Und in einem Wirtshaus, da wareine Dante, und die spielte L^ckiumann — herrlich! . . ."
Während er aß, herrschte ein bedrücktes Schveigni. Wie lveam ettoas Fremdes in der Atmosphäre läge.
„Und,wo hast du dann das Geld?" fragte errdlich Mama.
,,Hier, Mutti! Es komtte mir niemand wechseln. Ein Kollege hat ernstweilen für mich aus gelegt."
Und dann, drängend Und schwer, als hinge viel, viel mehr davon ab als von all dm in Rede stehenden Kleinigkeiten:
,,Mutter — darf ich morgen wieder mit den Mnsikstunden im Konservatorium beginnen?"
r Sie wußte nicht, wie es kann: aber es war etwas bi seiner Stimme, was jede Ablehnung und Gleichgültigkeit aasschiloU.
Sie zog ihn an sich und sichte ihn, wortlos bejaheich.
Die Kose in der Kulturgeschichte und Poesie.
Keiner Blunrc wnrde von jeher eine solche Verehrung Mtteil wie der Rose. Schon im Altertum hieß sie die Königin der Blumen oder die Blume der Blumen. Bei den alten Griechen war sie Aphrodite, der Göttin der Liebe, und Eros geweiht. Unsere Vorfahren hatten sie Frau Holle zngeeignet, und später wnrde sie der heftigen Maria gewidmet. Sie war allgemein das Sinnbild der Anmut, der Schönheit und der Jugend, wegen ihres raschen Vergehens aber auch das des schnellen Verfalles und der Vergänglichkeit alles Jrd2- schm. Papst Urban V. stiftete die Goldene Rose, die Tugendrvse, die am Sonntag Lätare, dem Rosensonrttag, an katholische F-ürsümre-r verliehen wird. Wie sich in allm Zeitaltern Liebende mit Rosen beschenkten, wie diese das Symbol der Jugendfröhlichkeit waren, wie sie Göttern als Opfer dargebracht und großen Feldherren bei Siegeseinzügen hingestteut wurden, so wurde der Rosenstrauch auch auf Opferstöcken und auf Gräbern eingepflanzt. Die Rose erscheint Überall: an berühmten Bauwerken, auf Bildnissen, auf Gedenk- münzen und auch in den Wappen alter Geschlechter.
Wie keine Blunre mehr Verehrer und Verehrerinnen gefunden hat, als die rasch welkende Rftlq, so hat auch keine so viel Dichter- gesunden. In Griechenland und im alten Rom, im Persien der alten Zeit, Überall märt) die Rosse als die schönste Blume von den Dichtern gefeiert. Die Morgenröte nennt sie Homer, urid unzählige Dichter der Alten wissen Herrliches über die Rose, tib.-r auch Wehmütiges über ihr rasches Verwelken zn berichten. Aufonius singt im 4. Jahrhundert unseres Zeitalters:
Einen einzigen Tag umfaßt das Leben der Rose,
Das in einem Dtonat Jugend und Alter verknüpft und weiter:
Pflücke die Rosen, o Mädchen, solau.gc sie grünen nnd blühen. Wisse, daß auch dein Lenz schnell wie die Rose vergeht.
Firdrlsi, der größte persische Dichter, smgt von der ^Äse: Siebzehnmal die Rose blühte,
Siebzehnmal ist sie verwelket;
Urkd die Nachttgall besang sie Und versttlnrmte siebtzehnmal.
Auch in Deiltschlarrd gibt es kaum einen Dichter, der der Rose nicht ein Gedicht oder mel/rere gewidniel hätte. Altmeister Goethe sang: ^ -
L>ah ein Küab' ein Röslern stehn . . . und in „Hermann und Dorothea" heißt es:
9lber Rosen winde genug zum himslichen Krauze,
B<üd als LUie sck-lrngt silberne Locke sich durch.
Cliamisso, Logau, Hölch, Lcssing, Uhland, Platerr, Rnckett, Enrannel QkiUü ünd viele andevs, E hälfen die Rose besungen. Wie schön weiß Platen die Rose zu sckyldern, voenn er sagt:
An Dauer !reicht die Rose dem Rubin,
Ihn aber schmückt des Taues Träne nicht.
uird Lcirau singt:
Diese Rose pftück' ich hier In der fremden Ferne:
Liebes Mädchen, dir, ach dir - Brächt' ich sie so gerne!
Doch bis ich zu dir mag zich'n Viele weite Meilen,
Ist die Rose längst dahin,
'Denn die Rosen eilen.
Nie soll lveiter sich ins Land Lieb' von Liebe wagen.
Als sich blickend in der Hand Läßt die Rose tragen.


