gu tun, als mit Menschen- Aber hier sind mir nun zum Mel. Darf ich Sie noch anderswohin fahren? Oder wohnen Sie in dieser Gegend?"
„Ich tvohne nicht weit und sheige lieber aus. Also, Fräulein Stockton, ich werde mir in den nächsten Tagen, erhüben, Sie zu besuchen und mit Ihnen einer: Kriegs Plan ans zuh ecken, wie wir uns am bestem im Berliner Wirbel einrichten. Einstweilen aus Wiedersehen!"
Ruth hatte fast gar nichts gesprochen, aber ihr lebhaftes Mienenspiel hatte gezeigt, wie sympathisch ihr diese neue Bekanntschaft war.
Jetzt nickte sie und lächielte und drückte herzhaft die barg eboteue^Ha itb.
Dann ging es drei Treppen hinauf, über breite Stufen, die mit billigen und purpurvoten Läufern belegt waren. Auf jedem Treppenabsatz befand sich ein Wandspiegel schlecht und recht; daneben ein Rohrsesselchen ohne Ähne für schwache Steiger.
„Uff!" sagte Franziska, als sie bei dem dritten Stocks- Werk angekommen waren und mm feststellten, daß dies erst die „zweite Etage" sei. „So ein Schwindel! Das haben wir nun auch erst Von den Parisern gelernt: „Au troisieme -— audessus de l’entresol!“ Als ob es eine Schande wäre, im
vierten Stock zu wohnen!"
Sie klingelte, errdlich Vor der richtigen Tür, herrisch und lange. Und sofort, wie aus einer Pistole geschossen, stürzte jenrand herzu und riß die Tür auf.
Es war ein ganz junger Herr, knabenhaft und äus- ländischen Aussehens, der offenbar jemand anders erwartet hatte und nun eine verlegen^ Verbeugung machte.
„Oh, entschuldigen Sie," murmelte er in der kauenden Aussprache, die Franziska mit „Knautschen" zu bezeichne:: pflegte. „Ich dachte. .
„Ist Fräulein Schubert zu sprechen?" unterbrach sie ihn. „Wir werden erwartet — sozusagen-"
Eine Tür rechts tat sich auf, und ein Dienstmädchen Mit einem weißen Häubchen erschien.
„Gott, Mister Bost!" sprach sie vorwurfsvoll zu dem Jüngling, „Sie sollen doch nicht immer aufmachen! — Bitte die Damen! Fräulein wird gleich komme::!"
Und mit einer gebildete:: Geste öffnete sie die Tür zum Salon, drehte eine elektrische Lampe au und versicherte dann ftenndlich, es sei recht schönes Wetter.
„Fräulein" kam nun auch eilfertig herbei. Eine große, unendlich magere Dame mit einem Gesicht, das so mechanisch lächelte, daß man das Gefühl hatte, auch im Schlafe lächle «k wohl verbindlich.
„Grüß Gott!" rief sie den Dame:: er:tgegei:, absichtlich Ehren süddeutschen Gruß wählend, den sie sich trotz zwanzig- jährügen Aufenthaltes in Berlin nicht abgewöhnt hatte, weil man ihr stets versicherte, es klinge so „traulich".
,,'n Abend," erwiderte Franziska trocken. „Na, wie geht's, Fräulein Schubert? Hier ist Fräulein Stockton, von der ich Ihnen geschrieben habe. Für einen Monat ungefähr wird sie wohl Ihr Gast sein, dann hat sie hoffentlich ein Unterkommen gestruden."
„Herzlich willkommen!" Mete Fräulein Melinda Schubert. „Ich hoffe, daß es Ihnen bei uns gefallen wird. Meine Schwester und ich, wir Haben ja viel Erfahrung und können Ihnen gewiß mancherlei Rat geben. Nun w:ll ich Ihnen aber erst Ihr Zimmer zeigen. — Gnädige Frau, Sie bleiben doch auch einige Tage hier, nicht wahr?"
„Nur bis rnorgen, ich bin zu Hause nicht abkömmlich. In diesem Penftonat wohne ich stets, wenn ich in Berlin bin, Ruth. — Es ist teuer hier, — na natürlich, Fräulein Schubert! — aber auch gut. Und du mußt aut genährt und gepflegt toerden, gerade in dieser ersten Zeit, wo Berlin Sturn: auf deine Nerven laufen wird."
« 'Äft. f 1 ? h?ben ja ein so ruhiges, schönes Zimmer, ?Ebes Fraule:n Stocktou," lächelte „Fränlein", „Sie werden YerrUch schlafen. Auch ist unser Pensionat augenblicklich nicht uversullt nur einige Ausländer und durchreisende deutsche Damen; man hat es bei uns ganz in der Hand, ob man allem blerber: oder anregenden Berkehr haben w-Ul. Minden Sie allem zu speisen, so können Sie das auch — natür- nch gegen (Atraberechnung, das geht ja nicht anders. Hier,' sehen S:e, dieses Zimn:er dachte ich — aber es sind auch noch andere frei, falls Sie irgend wünschen ..."
^desttE «ing immer in derselben devoten, ae-
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„Danke, es gefällt mir ganz gut," murines Ruth.
„Mir gefällt es zwar gar nicht," versicherte Franziska, „aber für heute Nacht mag es gehen. Die Hauptsache ist ja doch, daß es still ist. Ich selbst? Wo haben Sie mich hin- quartiert?"
„Hier nebenan — bitte! Ist es Ihnen so recht, gnädige Frau? Oder wünschen Sie . . ."
„Nein, nein, wir wünsche:: gar nichts, Fräulein —. machen Sie doch nicht so viele Umstände! Ich weiß ja doch, daß für den abgemachten Pensionspreis bei Ihnen nur ganz bestimmte Zimmer zu haben sind. Also ist's gut, urü> wir bitten nun um gar nichts mehr als un: warmes Wasser. Wollen Sie, bitte, Marie damit herschicken? Sie heißt doch wieder Maries"
„Ja, in der Tat — man kann doch unnwglich jeden Monat einen neuen Namen einsühren — leider bleiben ja die Dienstbloten heutzutage kaum langer. Also ich sende das Wasser. Und das Gepäck? Soll es abgeholt werden?"
„Es kommt als Frachtgut. Danke , sehr, Fräulein."
>Die Tür schloß sich hinter der laugen, demütigen Gestalt, und Ruth blickte vorwurfsvoll die gfrantbin an:
„Aber Franziska, wie kannst du denn das arme Wurn: so greulich behandeln?!"
„Aha! Also das hast du bereits gen:erkt, daß sie ein „armes Wurm" .ist? Nun, dann will ich dir mal etwas sagen, die ist schlauer und geschickter als du n:id ich zusammen! Mit all ihrer Devotion hat sie nie eine Sekunde etwas anderes im Sinne als ihren Profit, und damit hat sie auch ganz recht! Geschäftsfrauen müssen so sein! Nur »vählte sie aber eine ungewöhnliche Maske dafiir. Ich will sie aber nicht schlecht machen! Taugte sie nichts, so hätte ich dich ja nicht hergebracht. Sie gibt vorzügliche Verpflegung und hält auf anständige Pensionäre. Ihre Schwester ist nichts als Küchenbrödel, man sieht sie fast nie. 'Die beiden haben aber schon ein hübsches Kapital zusamrnengelächelt, das kann ich dir sagen. So, da kommt die ewige Marie mit dem heißen Wasser. Und nun wollen wir uns ein wenig einrichten und dann zur Abendtafel gehen, wenn der Gong ertönen wird."
Sie versicherte sich noch durch einen rasche:: Blick, daß Ruths Handgepäck zur Stelle war, ging i:: ihr Zimmer hrnein urw schloß die Tür.
Ruth besann sich einen Augenblick, sah sich um, als mußte sie erst seststelten, daß sie allein sei, und atrnete tief und ein werng befreit ans.
Dort stand ein kleines, altmodisches Sofa/ auf das sank sie hin, nahm den Hut ab und schloß die Auge::.
„Wunderlich!" dachte sie. „Nun bin ich wahrhaftig in Berl:n! B:n weg von zu Hanse! Und das ist alles gekommen w:e e:n Orkan! Nicht vierzehn Tage ist es her, da saß ich noch bei Herrn Wecker in den: neuen Bureau und graulte mich, weil der gräßliche Mensch mir mit seinen unerträg-, Uchen Augen so viel vorvedete! Und dann kam es Schlag auf Schlag! Grst ging Hermann Kürow fort — dann wurde ich tollkühn und ki'lndigte Wecker — dann bekam Vater Nerven- anfälle — und schließlich ging doch alles glatt und ich reiste ab; und nun bin ich hier! Wahrhaftig draußen im Stroin! Ach, wie das donnerte und brauste da auf den Straßen! Und mir ist eigentlich ein bißchen bange, und eigerttlich ist mir auch wieder furchtbar kühn und fröhlich zumute! Es w:rd schlon gehen, denke ich! Das nette Mädel, die Therese Berber! D:e hat's gemacht, glaube ich! Wenn ich die nicht gle:ch so gefunden hätte — vielleicht wäre ich ganz zer- k:::rscht vor Angst! Denn Franziska, so gut ich ihr bin,mnd so sehr :ch auch ihrer tatkräftiger: Hilfe alles dies verdanke, fte versteht es uicht, einen: neben dem Mut auch noch ein Stuck Frieder: zu geben. Und den brauche ich! Der: werde :ch nur auch imnrer schaffen, auch wenn es nur in einem so w:nz:gen Zufluchtswirrkel ist wie dieses Zimmer. Das Früu- leu: Berber — die wird mir schon helfen. Die hat so was Warmes. Das braucht man ebenfalls! Und übrigens ist es ja himmlisch still in dieser Zelle."
varre me rnugeu geicylofleu, um die wohltue:rde Strlle des Augenblicks auszukosten.
Und plötzlich schlief sie. Schlief fest und tief, so daß sie n:cht answachte, als Franziska klopfte und fragte, ob sie fertrg se:.
Sie öffnete nun die Tür mib sah Ruth schlummernd aus dem Sofa halb sitzen und halb liegen.
Ein sanftes und liebevolles Lächeln glitt über Fraw- z:skas Züge. Einige Sekunda: betrachtete sie mit mütter-


