Mitiwoch, -en 6. Zun?.
Die blonde Drossel
Roman von E. Fa h r o \t>.
(Fortsetzung.)
„Sie fragt noch!" rief er ans. „HrmmeL, ist denn so etwas denkbar? — Aber uatürTirf) — eine Frau, bringt alles fertig! Alles !"
Therese fyatte jetzt ihre Volte Ruhe miedergefnuden und betrachtete das emPorgewandte Gesicht des entrüsteten Be- sucl)-ers, das mit seinen starren Zügen und dem dunklen, kühn gemellten Haupthaar interessant aussah.
„(5t sieht mir eigentlich ein bißchen ähnlich/' dachte sie. „Hat nnr viel stärkere Angerlbrauen. Hat so etwas Rinaldo- Rinaldinihaftes. Uebrigens scheint er et'was übergeschnappt zu sein."
Jn.pvischeu hatte jener die Anne sinken lassen, räusperte sich, als Meiin er nach Fassung trachtete, und stieß dann ebenso dramatisch rote vorher heraus:
„Sie ruinieren mich! Sind wenigstens auf dem besten Wege dazu. — Oder wollen Sie etwa behaupten, daß Ihre Konkurrenz rein und lauter sei? Unlänter ist sie, das erkläre ich Ihnen-hiermit!"
Nun lorrrde es Therese aber dock)- zu bn.lt. — Sie faltete ihre klare Stirn, trat einen. Schritt vor mcd sprach:
„Sie haben nun Grobheiten genug geäußert, finde ich. Wenn Sie dazu imstande sirrd, so roden Sie jetzt schlicht und deutlich. Bon welcher unlauteren Konkurrenz sprechen Sie?"'
„Ich bin Photograph," polterte er.
„Das sehe ich!" erwiderte sie wieder mit eiueltl ironischen Blick ans seine Samtjacke. „Was geht das mich aber an?"
„Ach, welche Unschuld Sie heucheln! — Sollten Sie vielleicht nicht wissen —" (und hier ward es unsagbar, welchen Sarkasmus er iu seinen Ton legte), „durchaus gar nichts davorc wissen, daß ich ein Sp^ial-Atelier für Tier- ausnahrueu habe""
„Acht"
Therese sank jetzt ans einen Stuhl. Sie begriff jetzt. Und so gerecht war sie, daß sie in vollster Gutmütigkeit alterr Zorn vergaß und nur daran dachte, welchen Schlag sie in der Tat dem aitbeni versetzt haben mußte.
„Entschuldigen Sie," sagte sie ganz ehrlich, „ich habe es in der Tat nicht gewußt. Sonst hätte ich in meinen Anzeigen natürlich rächt den Passus gebraucht „das erste und einzige Tier-Atelier der Stadt"."
„Fa!" ries er ans, „das ist es ja eben? — Dieser Passus löscht mich einfach aus — macht mich sozusagen tot — fffft — weg bin ich — fortgepnstet — ich existiere einfach nickck mehr! - Fräulein Therese Berber ist die einzige Spezialistin am Ort! — Und soviel weiß selbst ein neugeborenes Kind, daß es natürlich, bei der modernere Menschheit mehr „zieht", wenn eilte junge Dame sich zum Photographieren erbietet, als wenn ein ganz gewöhnlicher Sterblicher, — ein bloßer Manu — ein simpler Berufsphotograph — dasselbe tut!"
„hoffentlich zieht es!" erwiderte Therese kÄtblütt«. „denn wissen Sie, zunt Spaß etabliere ich mich nicht! Ich will Geschäfte machen! Es tut mir ja leid, daß ich Vm Ihnen nichts wußte, und bei meinen künftigen Anzewsn werde ich natürlich den bewußten Passus w-eglasseu. — Aber weiter kann ich Ihnen nichts versprecheu. — Ich habe meine Inserate in lauter Blättern erscheinen lassen, dte von Sportsfreunden, Gutsbesitzern und Tierliebhabern gelesen werden — zurzeit bin ich aber noch aar nicht selbständig etabliert, sondern ich habe nur die Erlaubnis von meinem bisherigen Ehef, bereits Ausnahmen zu machen, wenn man sich an mich wendet."
„Und Sie haben also nach gar kein selbständiges Atelier?-' fragte der nun selbst erstaunte Herr.
„Nein. Wie kann ich denn ein Atelier haben, wenn ich lauter Pferde und Hurcde, Rinder Und anderes Viehzeug photographieren will? — Ich werde herumveisen. — Ja. vorgestern bin ich bereits auf einem Rittergut gewesen rmd habe dort einige Ausnahmen gemacht; — ich bitte höf- lichst um Entschuldigung, daß ich mir das erlaubt habe."
Riualdo Rinaldini setzte sich mit einem Krach auf einen Stuhl; er schien alles vehetnent zu machen. Darm holte er ein schönes, seidenes Taschentuch hervor — leider war e$ karmoisiurot — und wischte sich die Stirn datnit.
„Das ist was arideres," murmelte er.
Tcherese fing an, sich zu amüsieren. Und sie tvartete mit leiser Spannung, was nun ihr wunderlicher Gast weiter tun werde.
Da er gar nichts tat, sondern sitzen blieb, als sei er dazu arrsdrücklich aufgesordert worden, erhob sie sich und räusperte sich jetzt ihrerseits.
„Also'?" sprach sie ermunternd, „wenn Sie mir nun nichts mehr zu sagen haben . .
„Gleich!" sagte er. ,/Fch gehe gleich. Ich möchte nur — ja, ich glaube, ich habe um Entschuldigung zu bitten. Ich war aber sehr aufgeregt."
„Allerdings. Und Sie sind also entschuldigt. — Was sonst nochA'
Da sie sich der Tür näherte, und in ihrem ganzen Wesen deutlich ausgesprochen lag, daß er nun überflüssig sei, erhob er sich gleichfalls.
Es schien, als ob er jetzt erst sähe, daß er einem sckwneu Mädchen gegenüberstehe. Denn seine vorher flammenden Augen wurden ganz sanft und demütig, und er wurde in einer netten und ruhigen Art rot.
„Ich bitte wirklich um Verzeihung," wiederholte er. „In der Regel bin ich nicht so ungezogen. Ich war nur so..
„Aufgeregt," fiel sie ihm ins Wort. „Das haben wir ja bereits festgesteltt. Uno ich verzeihe Ihnen auch wirklich. — Es ist Nicht angenehm, wenn man!bishev alleiniger Spezialist war, nun einen Konkurrenten zu errtdecken. ?toch dazu eine Konkurrentin. Ich sehe vollkommen ein, daß dies beit Fall verschlimmert."
„Im Gegenteil," ries er mit plötzlicher Geflauterie, „es


