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mir dann nur die Kapitalien für meine Erfindung vorzu-- ftrccken und kann den Profit von allen Patenten dann ganz zu gleichen Teilen mit mir genießen."
6. K a p i t e l.
Fräulein Therese Berber betrat um 6 Uhr mit einem ^ifriedenen Aufseufzen ihre kleine Wohnung, aus einer Stube, Kammer und KLiche bestehend, die siel) im vierten Stockwerk eines Gartenhauses von Berlin W befand. Dieser Augenblick, wenn sie von ihren Geschäftsstunden heimkam, bildete für sic den Höhepunkt des Tages. Es war doch höchst reizvoll und angenehm, so seine eigenen vier Wände zu haben!
Natürlich, der Onkel Berber hatte sich angestellt, als ob ne nun auf den allerschiefsten Abwegen sei, da sie eine selb- Wohnung mit eigner Aufwartefrau nahm. Er war ja so köstlich altmodisch, der Wackre! Als ob es nicht geradezu lelbstverständlich war, daß sie die von der Mutter ererbten Möbel, die so lange auf dem Hausboden des Onkels einp gestaubl waren, endlich benutzte, nachdem ihr Gehalt in dem photographischen Atelier die schwindelnde Höhe von dreitau send Mark erreicht hatte!
ß a ' alle Tage freute sich Therese ihres rebellischen Entschlusses, anstatt ihn, wie es Frau Ulrich prophezeit hatte, „binnen kurzem bitter zu bereuen".
^"0 ordentlich alle ihre Sachen erst an ihren Ort, schlupfte dann in ein hübsches, loses Hausgewand, das be- quem war, ohne Morgenrockscharakter zu haben, und trat herauf handereibend vor den großen Spiegel, der ihre prachtvolle Gestalt voll zurückwarf.
„Siehst du, olles Mädel," sprach sie zu ihrem Konterfei, „nun kannst du dir einen ganzen Abend lang wieder Vorkommen wie eure Schloßherrin! Was sage ich! Viel freier mrd großartiger habe ich es doch! Mich umschwänzeln keine Diener und Zofen, auf mich lauern auch keine Gäste, ich fauche mrr über nichts und niemand den Kopf zu zerbrechen, kein Telophon und kein Telegraph stört mich, und ich kann mich m der göttlichsten Selbstsucht mit meiner ÄV^L^^bnden Pewson be-sclMigen! Ha - diese wunder-
SMe und Ruhe, der ich mich jetzt hingeben werde! Dies^ Srcheriein vor allem Draußenftehenden ist doch..
« o l? )rir I e .f Klingeln ließ sie zusammenfahren. Therese llef nach der Tür, hielt plötzlich inne, sah nach der Uhr und stanipfte mit dem Fuße auf.
„Zum Donnerwetter!" murmelte sie, „das ueuue ick etue Unverschämtheit! Welcher Uubekaunte untersteht sich «toe ironisch« Illustration m meinen Mreiheitsträumen #u liefern?! ©ä ttnrb doch nicht der GsLbriefträger.. "t nntfleIte ^ Male, noch anhaltender
-, tf Ke Tür auf, Endete rasch die Gasflamme
M lnrtmd öffnete mit weniger Sanftnmt
als Geschwindrglert die Korridortür.
Draußen stand ein langer, junger Mann in einem ®«itiacfet, mit einem großen Kalabreser auf unnötig lan- ^mr^Haar nnd mit napolevnisch übereiimndergeschlagenen
» ^ die Dür anfflog und die junge Dame in dem Hellen Ä',Änem §ut.^ m ftonb ' W Ci ” 'EM und griff
Ohne ihn aüzunehmen, sagte er:
"Ach wünsche Fräulein Berber zu sprechen Mr'wieder ^ ^ m ^ prtd)en '' widerte sie und schloß die
. sie indessen noch nicht in das Schloß gedrückt
Mngling sagen Wftot ^brümndevung den fremder!
«AL Vt Mnen ähnlich! Ms» feige sind Sie auch!"
"Ach/umfange feilte Herrenbesuche!" fauchte sie lvenn Lelier Otter'- TOOrTcn ' fo f “ ^ Ä iS
tei* Salonheld. Und ich komme auch nur in Geschäften angstrgen Sre sich doch um Gotteslvillen nicht vor mir, ich werde Ihnen nichts tun!"
Therese ward immer empörter. — Was bildete sich denn dieser Mensch ein: Fürchten sollte sie sich vor ihm?
rrgend jemand in der Welt? Zum Lachen einfach! „ttwmiieu Sie herem," rief sie, „und fassen Sie sich kurz, bitte. Ich bin sehr beschäftiat."
Er trat hinter ihr in das behagliche, erhellte Wohn- zunmer, wcrrf indessen keinen Blick umher, sondern durch- bohrte sörnrlrch die vor ihnr Stehende mit seinen dunklen Augen.
^Mein Nanie ist Kirchler," verkündete er zornig.
Therese wartete.
„Was er für eine unternehmende Dolle hat!" dachte sie. „UeberHaupt beißt er sozusagen das Künstlerische heraus. Komischer Mensch jedenfalls!" *
!$& ^mrne" fuhr er fort, „um zu fragen, !vas Sie dazu veranlaßt, die Existenz eines Menschen zu untergraben, den Sie gar nrcht kennen. Die Existenz, sage ich!"
../'ff 1 “ ^?tt," murmelte Therese, „ich glaube, Sie sind incht ber Trost!— Was habe ich Ihnen denn getan ?"
®te unendlich langen Arme ihres Besuchers fuhren so unvermutet in einer dramatischen Gebärde weit ausein^ ander,, daß sie drei Schritt Mrückwich, Es sah aus, alA wollte er fte cm fein Herz schließen.
Statt dessen blieb er mit ausgebreiteten «lrmen stehen und wandte sich mit anklageud emporgerichteten Augen»-, brauen an die Zimmerdecke. u r
(Fortsetzung folgt.)
Die drei Alten.
Bon Paul Alexander Schettler,
„Ach was. Herrenbesuche!" fuhr sie der sonderbare Sanitrwckige an. „Ich bin lein Herr^" lonverbare
SS'Ä, «»XtÄTS? *' - - -«
, . ^uer der verschwiegensten Gassm der Altstadt, wohin von £ er des Großstadtlebens kaum mehr die letzten verebben-
^^n "^la^ lre^ diealte Weinstube, „Zum goldnen Vlies" ^^.N^wene^ Häuschen, von seinen Nachbarhäusern tarn zu unterscheiden, beherbergt das Weinzimmer des goldenen 5^r, enger Raunt, mit dunkler Holztäfelung und Sietat ausgestattet, verleiht der diuillen. Stube das Ansehen von etwas Altväterhaftem.
™ Fiiedenszeiten war es ein Ereignis, wenn sich der FUß, emeO Freinden ln die alte Weinstube verirrte. Vielleicht daß
Äi,»ä„^n^m-Erikanischer Bier- ,md Weinpalästc 5^'oMwtsort stckler Burger oder weltabgewandter Philosoph^ du-ser crussterbMden Art warm der alten Weinstube *"*1 geblieben, die sich allabendlich
JJ3L ^En Eckttsch unter dem braunen Lüsterweibchen einfandest
chms chrm Skat°chiett^ " Schoppen eines biederen Wein-
W^?V-Stammgäste im alten Vlies waren ein Doktor em -^tadtsekretar und cm pein,,ionierter Oberlehrer. Mle drei verelnsmnt mrd rnr Schlwabeiralter. Sie hatten sich, weiß Gott Msmnmengefturden. Der Strom des Lebens hatte sie absetts an diesen entlegeiren Strand gespült. '
. schon saßen sie Abend für Abend im goldnen Blies
am scheren Erchmttsch unter deln knnstvott geschnitzten Lüsterweib- chen. Sre waren dre emzigen Gäste in dom stillen^^ Lokal Obne vrele Worte setzten sie sich an ihren Platz; J!chrn, der Kellnw ohne den Auftrag abzuwarten, die gefiillten Gläser mtS teste das Kartenspiel auf deii Tisch. Der Doktor beamm dann
^ mischen intb bie Karten schweigend nahnren die Partner ihre Karten steckten ^ m .‘ >ie Linde, glitten mit den Augen prüfend nnd
?^^ 5 m Kopfe wiegend über das Spiel, zupfwn ernsthaft wicktia die Blatter aus der Kartenblnm. mid klatscht^sie^^lmfdou S
sai «HL Selbstverständlichkeit, als
Jet c§ tirl td^ter Akt. Es war augenblicklich so still im Raume daß man daA,Gaslicht, das das Lüsterweibchen mit Schlaugenarmerr kise singen und rauschen hörtc.daß men das 9 nt < ^ Elasgehause der Standuhr würdevoll
fSn si ^ n * J 1 T '' l ult) des Doktors und das kur^e
de^ Sekretär^ zu dem trockenen Kartenaufschlageu wie ein schreckhaftes Geräusch den Raum ditrchirrte Wenn
Li?,!» <*„
i.... §^0 Spieler aber saßen, bis der schwerntütig singende Ton
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