Krühllngsahven.
1 (Schluß.)
Herr Heiniburg War eigentlich selbst erstaunt, wamM er so fomdig überrascht voni Wagen sprang und ihr Eeaeneilte, um etniae Sckwitte vor ihr stehen zubleiben wie ein ®mD, ba> eine MäochmÄchcmmig zu sehen glmckt. Ja, aber warum sah ^e -uchso mLr<bcnhaft anders aus, wrc dre mcr,t sehr cle^anken, modnchen Damen seiner Bekanntschaft, wenn sr« rhin aus der «romenade begegneten, an deiren er immer zuerst den kostbaren Mantel, dre neue idutsasson, daS prächtige Kleid >ah, che er sie selbst bemerkte Hier füll er nichts, als das süße, ernste Gesicht, rosig augeh-mcht Lu der srischen Märzluft. und^ die, groben verträumten Auqen unter deni runden Mzhut, der eine ,clsr malerische, aber gar keine moderne Fasson Tjattc. Und er ging mit ihr zurück drwch den Wald Im Walde machte er eure neue Entdeckung. Namlrch, daß der Frühling ein zauberhaftes Wunder sei, und daß ev für rhu brsher
keinen Frühling gegeben habe. ^ _
Hellmut sprang nrrt Odin und Baldstr rm vollen Jagen vorau^. Ter Weg führte sie durch den Frchtemvald rn ern Gehölz von jungen Birken uno Buchen. Tie ^Nachmittagssonne warf schrate
Strahlen zwischen die schlanken Stamme, rn deren GeZwerg dre feuchte Waldluft als duftblauer Nebelschilerer hing. Das Geäst zeigte derr warmen, rötlichbraunen und violetten Ton IMrngerwer Knospen, während aus denr Boden dererts frisches, jasttges, grünes, Gras zwischen dunklenr Moos und dem faulen Laub de» Winters sproßte. Ein herbes, würziges Aroma stieg aus dem Waldboden, und ans den Zweigen tönten die ersten süßen Vogellaute herab, ein Zwitschern wie verhaltener Jubel, in den sich hie und da das laute, trotzige Krächzen eines Raben und das gellende Geschwätz der Elfter mischte. Aus der Tiefe des Waldes tönten singende, lauüMde Kiirderstimmeu. Herr Heimburg blieb stehen und lauschte. -seine Brust weitete sich, er atmete tief auf, blickte erstaunt um sich und lauschte. „Wie gut das klingt," sagte er „rch vermute, das stnd Kinder aus deur Torfe." Frau von .Hochberg lächelte. ,^pas ist der Wald," sagte sie. „Man kann im Frühling rn kernen Wald gehen, ohne dieses liebliche Singen aus seiner Tiefe zu hören. Im Frühling singen alle Wälder." Wenn ihm eine von seinen Stadtbekanntinnen das geantwortet hätte, hätte er sie für kindisch oder verrückt gehalten, von dieser Frau gefiel ihm die Antwort seltsam gut. Ja, er selbst hörte plötzlich) ans dem zuwerlerr leise verhallenden, zuweilen zu jauchzendeir Rufen anschwellendem Gesang, gcheimninsvolle, märchenhafte Klänge und Töne, wie sie sein Ohr nach nie vernommair. Und das wohlige Entzücken, das ihm das Herz schwellte, hatte sogar nichts mit alledem zu tun, was ihm bis jetzt begehrenswert, schön rmd angenehm erschienen war.
„Mama! o, Mama!" rief.Hellmut jetzt herbeispringend, ^dort auf der Waldwiese blühen schon die Anemonen! Komm doch, komm!" Frau von Höchberg folgte dem Ruf und auch Herr Heimburg eilte nach der bezeichneten Stelle, als gelte es etwas ungeheuer Wichtiges in Augenschein zu nehmen. Zum erstenmal' fei seinem Leben, als reifer Mann nnd Chef eines Bankhauses, sprang er über kleine Wassergräben und kletterte über Gehege einer schönen Frau nach, die all diese Schwierigkeiten mit spielender Leichtigkeit überwand, und zum ersten Male platschte er mit Vergnügen auf einer feuchten Wald.mese umher, sich immer und immer mühselig nach den zarten, silberweißen Blüten bückerid, er, der daheim die kostbarsten exotischen Blüten seines Treibhauses selten eines Blickes würdigte. Als endlich alle Drei die Hände voll Blumen hatten, gingen sie nach einer alten, knorrigen Eiche am Waldessaum. Tort fetzte sich Frau von Hochberg auf einen Baumstumpf und ordnete die Blüten zu einem prächtigen Strauß, während sich Hellmut lang in das Moos zu ihren Füßen warf, von Odin und Baldur umlagert. Und auch der Chef des Bankhauses warf sich lang ins Gras und machte die Entdeckung, daß es entzückend sei, den btaßblanen Himmel durch das braune Eickengeäst auf dem Rücken liegend zu betrachten und noch entzückender, den Fuß einer schönen Frau in. das weiche Moos gebrückt in unmittelbarer Nähe neben sich zu haben. lieber der Wiese zog der Nebel seine Zauberkreise, in denen gespenstische Lustgestalten zu schweben schienen// und die sinkende Sonne setzte den Abendhimmel in Brand. Ten schwarzen Fi'chtenstämmen gegenüber entzündete sich gotdrotc Feuersglut und aus dem Eichen-; Wipfel flog erschreckt mit klapperndem Flügelschilag ein großer Vogel, der mit Nagendem Rufe eine Zeitlang über dem Nebel schwebte, bis er sich geängstigt in den Wald zurückflüchtete. „Eine Eule!" rief Hellmut. „Wenn ich noch meine Büchse hier hätte!"
Frau v. Höchberg hatte leise ein Liedchen gesummt, da bat Hellmut: „Mama, sing noch einmal schöne Frühlingslied !" und als auch Herr Heimburg bat, stand sie auf und mit dem Rücken an die Eiche gelehnt, sang sie das Jubellied:
..Wenn der Frühling auf die Berge steigt."
Herr Heiniburg hatte die ersten Primadonnen der Welt in Konzerten gehört, in denen er seinen Platz mit 100 M. bezahlt hatte, aber noch nie hatte ihn ein Lied so hingerissen, wie dieser Frühlings-, gechng im knospenden Walde, aus dem die Klage um erlittenes Leid, lfm die „Hegenzeit und Vinterqual" und der schmetternde, Jiubelrus „O wie wunderschön ist die Frühlingszeit!" so natürlich, wk auS tief,rem Herzen klang. Er satz reguimslos lauschend und ttukte rn die Wendövmw, in den wogenden Nebel auf der Weis
lmd in die duftig-blaue Waldestiefe. Ein Ahnen bescklich ihsti daß das Leben noch andere Höhen habe als diejenigen, auf welchem Intelligenz und Willenskraft ihre Siege feiern, noch andere Gütep als tricjenigen, die sich durch dhrbeit und Pflichterfüllung erwerben! lassen noch ein anderes Glück, als das des reinen, starken Selbst-, bewußtseins der Familien- und Manneslehre — nein — ein Glück- so süß und märchenhaft, wie der Lenz, von denr der schweigend^ Wald ringsstmher s äumte — ein pstück, um das dev stolzest«, stärkste Mann auf den Knien bittet, wert es sich nicht erringen Unb eig kaufen'läßt, sondern nur wie ein Gnadengeschenk rn den .schoß fällt. Er ging wie ein Träumender neben der schönen Frau zurück nach dem Schloß. Und als er sich von ihr verabschiedete, hielt ca ihre Hand fest in der seinen und sagte mit grobem, ehrlichem! Mannesblick: „Tacs ich wiederkommen? daN ich es übernehmen, Ihre Angelegenheiten zlu ordnen und den Selbstbetrieb des Kohlew- werkes für Sie zu ermöglichen? Ich hoffe zuversichtlich, daß Sie imstande Jein werden, dieses schöne Gut Ihrem swhne zu erhalten." Ta stürzten plötzlich Tränen aus ihren Augen, und aus dein! Zittern ihrer Hand und dem leise gestammelten „Ich cmnke Ihnen!" hörte er all die Angst und Onat heraus, die sie gelitten^ Er beugte sich tief herab und küßte ihre Hand, es war ein Kuß, der mehr sagte als Morte und als er ihr dann noch einmal u$ die Augen sah, glaubte er in ihnen das Frühlingsahnen sernesl Herzens wiederzufinden, das zugleich die Verheißung war vost der Märchen Pracht stnd den goldenen Mündern des komm enden! Lenzes. _
pfingstbrunnen und vrunnenpfingften.
Zu Pfingsten hat die Lieblichikeit des Maien ihren Höhepunkt erreicht. Kein znreites Fest ist wie dieses danach angetan, im Freien begangen zu werden, und seit Atters wandert alt und jung zu Pfingsten hinaus, in Wälder und Herne, um an schattigen Brunnen und Quellen zu lagern. Bon jeher haben die Brunnen beim Pfingstfesle eine Rolle gespielt: in den „Brunnenpfingsten", die in vielen deutschen Gauen an den „Pftngstbrunnen" gefeiert werden, finden sich die Reste der alten Quellenverehrung erhalten, und manchmal hat sich die christliche Legende dieser Quellenverehrung bemächtigt und hat sie in ein neues Gewand gekleidet. Ter „Ganggolfsbrunnen zu Mendt" (Nassaus, zu dem am zweiten Pfingsttage seit vielen Jahren die Kinder hinausziehen, um ihn mit.Blumen zu bekränzen und ftöhlich um ihn henimzutanzeu, ist ein Beispiel hierfür. Seine Entstehimg verdankt er, wie die christliche Legende wissen will, einem Ritter Gongolf, der aus Mendt nach Palästina gezogen war nnd seinen Bürgern ver-, sprachen hatte, er wolle ihnen allen etwas mitbringen, wenn er gesund zurnckkäme. Im Heiligen Lande dachte er daran, daß man in Mendt kein Wasser habe, und so flehte er am Grabe des Erlösers zu Jerusalsm den Heiland an, er möge in Mendt einen Brunnen springen lassen. Im Traume erschien ihm darauf ein Engel, der ihm verkündete, was er zu tun Habs? Nack) der Rück-, kehr in die Heimat folgte ec dem Geheiße des Engels und stieß seinen Pilgerslab neben der Kirche vor aller Augen in die Erde, woraus der wundervolle Quell aus dem Boden heraus geschossen kam. Eine andere Gangolfsqnetle, zu der am Pfingstmonat gleichfalls eine förmliche Wallfahrt erfolgt, findet sich tm Großherzogtum Baden nahe der württembergischen Grenze bei Neudenau. Auch mit ihr ist eine Sage verknüpft, nach der Gangolf, ein großer Krieasheld, durch das Wasser der Quelle Heilung fand und zum Tanke dafür eine Kapelle errichtete. Mit der Heilkraft der Quellen ward überhaupt die Pfingstfeier anr Brunnen häufig verbunden, und die weite Verbreitung des Brauches läßt auf einen gemeinsamen Ursprung in der Vergangenheit, eben in der alten Quellender-, ehrung, schließen. So gibt es im Oberlande Steiermarks, an dev Salzburger und Kärnttier Grenze, in den Wäldern eine ganze Anzahl von „Pfingstbrünneln", die während des ganzen Jahres unbeachtet bleiben, zu Pftngstcn aber das Ziel vieler Tausender sind und früher sogar in festlichen Aufzügen mit Musik aufgesucht wurden. In der Nähe Muraus liegen niedrere Pfingstbrünnlein, die am Pfingstsonntage aufgesucht werden: den ganzen Tag wird dann gescherzt mtb gespielt und von dem frischen Wasser getrunken, das als „Heiligen-Geist-Tau" bezeichnet wird, während die Brunnen auch als „Heiligen-Geist-Brunneu" bezeichnet werden. Andere, solche Pfingstbrunnen, die im Rufe stehen, große Heilkraft zu haben, sind die Quellen bei dem böhmischen Orte Bremik (Güntersbad', solvie der St.-Pirmins-Brunnen an dem berühmten Wallfahrtsorte St. Pirmin in Luxemburg. Auch diese beiden Brunnen )iitb am Pfingstmontage das Ziel ungezählter Wanderer. Von der Luxemburger Quelle heißt es im besonderen, sie vermöge kranke Kinder zu heilen. An den verschMwnsten Orten Deutschlands werden die Brunnen zu Pfingsten Geschmückt und geziert, und die dabei üblichen Bräuche weisen nur geringe Ab-, ueich'.mgen voneinander auf. Bald sind es die Kinder, bald die Mädchen, dann wicder^die Burschen, denen das Brnnnenschmücken zu Pfingsten obliegt. So schmücken in Ilmenau in Thüringen die Kiuder die Brunnen, auf den Wiesen werden Blumen gepflückt, die in Gestalt von Kränzen den Brunnen zieren sollen; Birkenzuweilen auch Erlen werden um den Brunnen hemm in den Boden gesteckt, und an manchen Orten, so bei dem berühmten Brunn enfeste, das. die Stadt Mühlhausen zu Popperode feiert-


