Ausgabe 
12.5.1917
 
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D?es hier vor ihm War sein Glück. Sein künftiges W'erbi Der Freund, der Kamerad, jder Genosse fürsl Leben. «Die eine Seele, die ihn völlig verstand, die völlig an ihn glaubte. Wie groß, wie hoch der Mensch arrch steigen mag und Hans Jmhofs spürte es in dieser Stunde mit gottgesairdter Kraft in sich, daß er nicht mix ein Werdender, ein Kämpfer imb Sucher, soridern ein Führer, ein Vollbringer, fein sollte wie hoch er auch einmal stieg diese eine Seele brauchte er. Und nmrde sie sich jetzt gewinnenach! sie gehörte ihm ja bereits! Gehörte ihm seit leid erprob den Jahren Fesh- halten würde er sie sich jetzt, und nie wieder loslassen!

Der kleine übermütige Mann da unten hatte bereits ein neues Spiel begonnen. Er faßte einen der langen, starken Zöpse, die dem Mädchen über Schulter und Busen hingen, und zog und zerrte in drolliger Tolpatschigkeit daran herum so kräftig, daß es weh tat. Marie nrachte sich lachend von ihn: frei, stand vorsichtig aus und schüttelte das schöne Haar in den Nacken zurück.

In dem Augenblick sah sie den Mann auf der Tür­schwelle. Und ihre Augen weiteten sich ganz groß, ihre Ge­stalt erstarrte, die Hände sanken ihr hilflos zu beiden Seiten nieder das Kind hielt sich an ihren Röcken fest und blickte gleich ihr mit großen Augen aus den fremden Mann.

So standen sie alte drei, lange Atemzüge hindurch, ganz still. Dann mit einem Male hielt Hans Jmhofs schon das Mädchen in seinen Annen.

Marie!" sprach er flehend und sah ihr tief, tief in die Augen,du mußt es wissen du weißt es läugst daß wir zwei zueinander gehören. Sag' mir, daß du mein werden willst!"

Sie blickte ihn starr an, blaß und still den Kopf zurückgeworfen, denn er hielt sie fest umschlungen an sich gedrückt. Sie schwiegen erst beide, sahen sich nur an.

Nein!" sagte sie plötzlich heiser. Sie bog den Kopf noch weiter zurück, lmb ihre ganze Gestalt erstarrte in Ab­wehr.Nein," wiederholte sie mit derselben tonlosen Stimme.Das kann ich nicht! Das will ich nicht!"

Sein braunes Gesicht erblich. Er ließ sie aus seinen Annen.

Warum nicht?" fragte er klanglos wie sie.

Nein!" ssieß sie zuin dritten Male abgebrochen her­vor.Glicht so lieber gar nicht, lieber nie! Nur, weil

du denkst, daß dir wieder eine Frau brauchst-- eine

Wirtschafterin, eine Pflegerin für dein Ktird! Denn wes- hvlb nähmst du mich wohl sonst"

Da hielt er sie schon zum zweiten Male an seinem Herren und küßte sie stürmisch.

So! Da hast du's" flüsterte er ihr dazwischen zu. Küßt man so seine Wirtschafterin? Das Kiitderfräulenr, bas man grad' engagieren möchte? O, du ungläubiger

Thomas!-- So küßt Hans Im ho ff nur die geliebte

Mau die er für seine Seele nötig hat, nicht für sein Haus oder seinen Jungen"

Hans Jmhofs der Kleine hatte bei dem ersten stürmü- schen Ueberfall auf seine Pflegemutter sein noch immer blwas schwankendes Gleichgewicht verloren und sich ziemlich kräftig neben das aufgeregte Paar ertvachsener Leute auf den Erdboden gesetzt. So verblüfft, daß er zuerst sogar zu weinen vergaß. Aber lange ließ dieser energische Jüngling sich nrcht zur Seite schieben. Bei seines Vaters letzten Wor­ten siel er prompt wie auf ein Stichwort ein. Und brüllte ^_daß die beiden erschrocken auseinanderprallten, Marie sich schuldbewußt zu ihm hinabbog und ihn angstvoll besorgt aus den Arm nahm.

Da lachte er schon wieder getröstet. Und kuschelte sich fest an die vertrage Zufluchtsstätte. Der große Hans stand daneben und kam sich lvieder mal überflüssig vor. Marie druckte das krause, blonde Köpfchen mit der freien Hand an sich und sah durch Tränen lächelnd zu dem geliebten Manne empor.

Für den Jungen bin ich dir doch auch recht nötig Me sie ganz leise mit einer zarten Schelmerei, die neu in Mem Wesen erwacht war und Hans Jmhofs als eine selige verheigung entzückte. *

Er hat dich nicht so nötig als ich," versicherte er, legte t\ e unb öog sie mitsamt ihrer kleinen Last dicht an sich Der jüngere Hans duldete es gnädig. Und Marke sammelte unter seines Vaters Küssen:

Daß es so etwas gibt daß es so etwas gibti, Ä9 Hans! sie schob ibn etwas zurück, um ihm ins Auge

sehen zu foitnen:Ich Hab' fct gedacht, du würdest am Ende oie Meta heiraten-!"

Was ?" Hans schrie es fast beltauflachend.Die! Meta? Die fette, satte, selbstzufriedene Meta?" Marie nickte stumm.Der wolltest du mich ausliefern?" fragte er kopsi schüttelnd weiter.

Sie zuckle die Achseln mit einem Anflug ihrer gltev, kühlen Zurückhaltung.

,^Jch dachte, du liebtest das Sanfte, Nachgiebige 7

Ich selbst bin doch so eine schreckliche Kratzbürste "

Ja Gott sei Dank!" sagte Haus inbrünstig.Denk' mal, was !vir uns! manchmal zanken werden, Schatz! Es wird prachtvoll werden! Ich freu' mich, jetzt schon auf den nächsten Zank. Am liebsten finge ich gleich an! Es ist doch eigentlich empörend, du hartherziges Geschöpf, daß du gestern eiiifach kaltlächel iid ab reistest Uiid mich mit deiiier gefährlichen Empfangsdame dann allein ließest Wenn ich nun wirklich auf die 'reinaefallen wäre?" ~

Er sah Marie scherzend-üvermütig in die Augen ^ sie erwiderte seinen Blick ganz ernst.

Weißt du, Hans," sagte sie mit der ehrbaren Gründ­lichkeit, die er so innig an ihr zu lieben und zu verehrest begann,weißt du, Hans da hätte ich dir auch nicht helfen können! Keinen Finger hätte ich dagegen rühren dürfen ich schon gar nicht! Gerade weil ich dich so lieb hatte! Denn da mußtest du ganz allein oen Weg zii mir finden und hast ihn ja auch gefunden weil du eben Hans im Glück bist denn, sieh mal"> sie errötete plötzlich in lieblicher Schalkhaftigkeitdas glaub' ich jetzt schon beinah selber: Es war' dein Pech gewesen, wenn du biß Pechmarie nicht schließlich doch gekriegt hättest!" cri

Die Kettung der verwundeten.

v. Bülow *).

Ein Bataillon des Regiments 126 liegt hier in St. Renü)' auf Vorposten. Württembergs, famose Kerls. Ich habe sie lieben gelernt in die! er Nacht.

Ich schildere dem. Hauptmann, den ich treffe, die Lage meiner Verwundeten. Bitte um Hilfe, um Bedeckung für die Wagen, die ich heranschafsen will. Gern sagt ec sie mir zu und stellt mich dem Major vor, der auch bereitwilligst jede Unterstützung verspricht.

Jetzt zur Sanitätskoinpagnie! oder imeni> anderswo Wagen aufsprechen! Ich sause die stell sich senkende Straße hinab, Etival zu.

Auf halben: Wege stehen einige Häuser. Tort halten Sanitäts­wagen, drei Stück. Das war Hllfe in der Not. Wie hätte ich im! Dunkeln sonst suchen Utüssen. Tenn es ist Nacht geworden inzwischen.

Langes verhandeln. Bor allem der Führer macht Schwierige keilen. Endsich fährt er.

Zwei Dragoner klapperir im Dunkel vorüber, antworten nicht auf Anruf.-

Ich komme tzu den 126ern und erfahre, soeben habe einq Dragoncrpatrouille den Anmarsch feindlicher Kolonnen geinelde^ Direkt im Dal vion Tibonprö habe sie außerdem drei Gruppeit Franzosen geseben.

Verflucht, das ist übel! Soll im, letzten Moment die Rettung! der Verwundeten scheitern?

Wenn Herr Hanptmann .gestatten, mache ich doch den Verinch."

Bitte," sagt er,wieviel Lewe möchten Sie mithaben?"

Drei Gruppen."

Wenige Augenblicke später habe ich meine 24 Mann, lauter, Freiwillige, du ihre wunden Kameraden herausholen wollen. dazu

emlg^ tüchtige Unteroffiziere. Hetzt kann's losgehen!-

. Vorn zwer Gruppeu, dahinter die drei Sanitätsivagen in­mitten der dritten Gruppe. So setzen wir uns in Marsch, lang-, bonnt nicht lautes Wagenrollen den Feind aufmerksaui macht.. Zu Fuß bm ich bei der Spitze. Mein Rad ließ Ich dort, wo ich du Wcipen fand.

Bei der Feldwache ein kurzer Halt. Auch hier hat man Nachricht von der Annäherung des Feindes. Genaues ist nicht bekannt, doch Pt die vordere Postierung eingezogen. Falls wir angegriffen, werden, verspricht der Feldwebel Hilfe m bringen.

Wieder vorwärts. Der Mond leuchtet. In der Ferne tönt Hun^gebell hört mmr weit, weit einzelne Schüsse knallen. Rechts nnsterer Tannenwald. Leise schleichen wir vorwärts: 100 Meter hinter uns die Wagen.

JH § ei Brockhcms erscheint unter dem TitelDie Jäger vor!" (FeKpostausgabe 1 Mk.) soeben das zweite Buch des Oberleutnant- v. Bülow, dessen KrregsnovclleFahneneid" einen großen Erfolg gehabt hat. Durch das Eiltgpgmkommen der Berlagsyandlung sind wir m der Lage, einen ll-arakterissischen Abschnitt abzildrucken. Stil urü> Tenrperameiit sind ganz Soldat: den Blick auf das Uesent» iche gerichtet, Tatsache ^Hmidlunm Schlag auf Schlag. Das KM lebt von der erste,: bis Mv letzten Selle.