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Vogen Morgen mußte, er auf einmal, was er tun müsse.
,Lch muß unbedingt nach Hauses erklärte er dem ge- Korsam aufhorchenden, eigenen Herzens. „Es ist meine Pflicht, v-a nacü dem Rechten zu sehen! Ich muß mich doch endlich mn mein Kind bekümmern! ES wäre ja lächerlich, sich durch sinnlose Schicklichkeitsbedenken abhalten zu lassen! Lächerlich und unserer beider unwürdia. Ich kann doch bei Phipp wohnen, oder im Hotel. Ich habe Sehnsucht nach meinem Kinde. Und übrigens muß ich Marie unbedingt die Schlüssel bringen, sie wird sich ganz gewiß bereits darum geäugstigt haben."
Die Schlüssel gäben den Ausschlag. Hans Jmhosf verließ Berlin pünktlich mit dem Morgenzuge.
(Schluß folgt.)
Wildgemüse.
. Die lang andauernde Kälte des heurigen Frühjahrs hat die Entwickelung der Vegetation um mehrere Wachen zurückgehalten, und dadurch einen empfindlichen Mangel an Frühgemüse verursacht. So gilt ey jetzt und in allernächster Zeit, auf jede Weise Ersatz zu gewinne!:, den uns die eßbaren wildwachsenden Kräuter in willkommenem Maße bieten.
Tatsächlich gibt es in unserer Flora eine ganze Reihe solcher Kräuter, die recht gut als Nahrungsmittel Verwendung finden kön- neu, in sicheren genuiseärmeren Zeiten allgemein als solche fanden und noch jetzt in manchen Gegenden, namentlich im Gebirge, benutzt werden.
In sehr dankenswerter Weise hat die Schulabteilung Großherzoglichen Ministeriunis des Innern an die ihr unterstellten Schulleitungen kürzlich bereits eine Aufforderung zum Einsammeln von Wildgennsie seitens der Schulen gerichtet, das in erster Linie im Daushalt der Angehörigen der Schulkiiider, dann aber auch in Volksjpnsestcllen, Lazaretten, Krankenhäusern, Kasernen zur Verwendung kommen soll. Dadurch wird die Kienntnis der in Betracht kommenden Kräuter in weite Kreise gebracht und eine zweckmäßige Volksernährung gefördert. Für die erste Frühlingszeit empfiehlt das Rundschreiben vor allem die weiße, die rote und die gefleckte Taubnessel, die Vogelmiere, die große und die kleine Brenncssel, den Geißfuß oder Giersch, den Löwenzahn, die Brunnenkresse, den Sauerampfer und die Schafgarbe.
Auch der Alice-Frauenverein hat sich dieser Angelegenheit atu genommen und wird das Sammeln und die Verwertung der Wildgemüse in ieder Weise fördern.
.. Jk? er obige Gewächse und einige mrdere, auf die tvir ebenfalls dre Aufmerksamkeit richten möchten, solle:: hier einige Ausführungen Platz snkden.
„ wilde Sauera mpfer (Nnmex aectosa) wächst hier überall auf Wiesen und au Grasrainen. Seine Verwendung zu Sauerampfersuppe sowie die der B r u n n e n k r e s s e (Nasturtium ofsici- nale), d:e :n den Dorfgräben verbreitet ist, zu Salat ist allgemein bekannt, ebeatsv dre der Blätter des Löwenzahns (Taraxaenm osiicmale) zu Salat. Da die Löwenzahnblätter etwas bitter schniekem empfiehlt es sich, die ausgestochenen Pflanzen mitsamt den Wurzeln auf 10 bis 12 Tage im Keller in Saiid einzulegen, wodurch sie etwas ausblerchen und milde werden.
Die V o g e l m i c r e (Stellaria media), die als Grünfutter von den Zimmervögeln gern verzehrt wird, ist ein kleinblättriges, am Boden medernegeirdes Kraut mit weißen Blütchnr, daS auf Aeckeru und iii Gärteil in großen Mengen, zu finden ist. Gründliches Abwaschen von Erde und Sand ans den Kräuterrosette!: wird erforderlich sein; daher wird man wohl andere, größerblättrige Kräuter bevorzugen, nur einen Ersatz für Spinatgemüse zu erhalten. Hierzu werden die drei Taubuesselartcn (Lamium albüm, rubrum, maculatum), die überall häufig sind und leicht in größeren Mengen gesammelt werden können, empfohlen, ebenso die zartaefiedertew N.lngen Blätter der S cha f g a rb e (Achillaca millofoliun'.),. ferner die Blätter deq W e. g e r i ch e (Plantago, major, media,- laneeolata), namentlich bte des mittleren Wegerichs, die int Vogelsberg als erstes Gn'ingemüse oft benutzt werden. Besonders aber kommen, nach allen vorliegenden Angaben in Botanischen Werken zu schließen, B r e n n e s s e l (Urtica dioiea) und Geißfuß (Aegopodium Poda- graria) in Betracht, die biüde als Gemüse wie Spinat zubereitet, recht nahrhaft sind :uid in größten Mengen bei nns wild wachsen Die Brenncssel ist jedermann bekannt, weniger der Geißfuß Dieses Unkraut :nächst in ausgedehnten Beständen überall an Hecken, auf Grasplätzen unter Bänuten im Halbsck)atten. Der Geißfuß ist ein golden gäwächs, das im So innrer lv-eiße Doldenblüten trägt. Seine Blätter entstwiugen ein ein unterirdisch kriechenden Stengel, kommen einzeln für sich aus den: Boden hervor und sind doppelt dreizählig, aus schief eilanzettförmigen, an: Rande sägezähnigcn Fiederblättchen, zusammengesetzt. Zurzeit sind die jungen, noch zarten, jetzt etwa ern Dezimeter langen Blätter ebenso )m die jungen Sprosse der Brennesscln besonders geeignet zum Einsammeln. Es sollte nie- mand versäumen, diese Kräuter 'zur Belebung seiner mit Kartoffeln und Rüben überreichlich bedachten Speisekarte zu setzen. Die Zubereitu na ist die aleickst, Me Ne: Svinat. Man kann die Geißfuß-
blärter dämpfen oder auch vorher etwas abbrühen, wodurch sie milder werden. An Güte stehen sie dem Spinat' durchaus gleich. Für Breunessclspiuat wird eine Zugabe von Schafgarbeblätter:: emp- fohlen. '
Recht brauchbar zu Salat an Stelle von Schmalzkraut sind die kleinen glänzenden Blätter des S cha rb o cks krau t e s oder dev Feigwurz ((Ranuneulus Ficaria) zu verwenden. Dieses Kraut, dessen gelbe Blüten sich jetzt zu öffnen beginnen, kommt im ersten Frühjahr mit den Veilchen zum Vorscheii: und ist Ende Mai bereits abgestorben. Zwischen leinen Wurzeln sitzen keulenförmige, an den kriechenden Stengeln rundliche Knöllchen, die sich mit StärkemeU füllen, anfangs scharf schmecken, nach der Blütezeit aber milde und genießbar werden. Indessen dürste das Einsammeln dieser Knöllchen zu mühsam sein. In der Pfalz werden die Blätter als Salat viel verwertet. Da das Kraut an feuchten Waldstellen ungemein häufig vorkommt, so könnte es in großen Massen hserbeigeschasft werden.
Junge Hopfcnsprosse (Humulus lupnlus) liefern ebenfalls einen guten Salat. In größter Menge wächst der Hopfe:: wild im Gebüsch der Aue::wälder am Rhein, beispielsweise auf dem Kühkopf, wo auch die Nessel ungemein üppig gedeiht.
Als ausgiebiges Wurzelgemüse an Stelle der Schwarzwurzel, entweder wie diese zubereitet oder auch nach dem Abbrühen zu Salat hergerichtet, kann die Nachtkerze (Oenothera biennis) in Betracht ^kommen, eine nordamerikanische, mit dem Weidenröschen und der Fnchsia verwandte zweijährige Staude, die seit Beginn des 17. Jahrhunderts über ganz Europa sich verbreitet hat und nament- lieh an Eisenbahndämmen, auf Sand- m:d Schuttfeldern massenhaft bei uns vorkommt. Die Pflanze bildet im ersten Jahre eine überwinterte Blattrosette auf langer Pfahlwurzel und im zweiten Jahre den bekannten hohen Blütenschast mit feinen großen, abends anf- blühe. den gelben Blumen. Tie Blasirrosette!: sind im Winter und in: ersten.. Frühjahr rötlich gefärbt. Auch dM Fleisch der Wurzeln zeigt häufig etwas rötliche Färbung. In manchen Gegenden Deutschlands ist die Wurzel als Rhapontikwurzel oder als Rapunzelsellerie bekannt und auf dem Gemüsemarkt, vorhanden.
Die wichtigsten Wildgemüse sind Geißfuß, Breii^essel, Nachtkerze und Scharbockskraut, weil diese eben in größten Mengen leicht eingesammelt werden können. Genaue Kenntnis der Pflanzen ist naturgemäß erforderlich, damit keine Verwechselungen mit schäd--' lichen Pflanzen eintreten. Wer sie einmal gesehen hat, wird sie leicht wieder erkennen.
Die verschiedenen Wildgentüsepflanzen werden demnächst im Schaufenster der Rote-Kreuz-Teestube zu Darmstadt, Ernft-Ludwig- straße, zur Ausstellung gebracht.
Vermischtes.
— Eine Menzel-Anekdote. Bei der Schilderung der Studienarbeit der Maler erzählt Fechner in der Mainummer von Velhagen m:d Klasiugs Monatsheften auch einige Anekdoten^ darunter ein köstliches Geschichtchen vom alte:: Menzal. Durch die Nebelluft,^schreibt er, glühen die elektrischen Bogenlampen. Und seltsame Farbenkränze umralMen die Hunderte von leuchtenden! Punkten, die sich in regelmäßigen Linien, de:: Fahrdamm entlang', da hinten begegnen. An der Bordschwelle steht aufmerksam beobachtend der alte, kleine Herr schon seit geraumer Zeit. „Exzellenzü- ken, det werden wir jleich luden" — u:id kräftige Arme fassen ihn sorgsam Mid führen den Widerstrebenden sicher und sckmell durch all den Wirrtvarr der vielerlei Wagen hinüber zur ander:: Seite des Dammes/ Behutsam stellt der stmu'mige Arbeitsmamr seinen Schützling auf sicherem ab. Unwillig der: „Was fällt
Ihnen ein? Wollte gar nicht herüber. Lichter tm Nebel beobachten und so. Kennen Sie mich denn überhaupt? Wer sind Sie denn?"
— „Na, wer sollte wolt Menzeln uich kemren! Aber denn kominen Se man, Exzellenzeken, da werd ick Ihne:: man wieder rctuhr setzen." Eh: der Meister sich's recht versieht, stellst er auch schon! wieder drüben bei seiner Laterne. Während er jetzt tn seine:n! Portemonnaie herum sucht, begütigt ihn der Menschenfreund: „Nee, so it*ar’t uich jemecnt, lassen Se man stecke::." Der Meister behält indessen freu Sprecher interessiert im Auge. „Stehen bleiben!" herrscht er ihn plötzlich an, zieht sein Skizzenbuch heraus, um! sich in: Handunrdrehen ein paar Notizei: über die Beleuchtuugst-i Wirkung im Nebeldunst zu machen. „Was sind Sie denn?" — „Na, ick Hab doch hier iu die Irgend als Mauerpolier zu tun."
— ,,Da haben sie wohl keine Zeit, mir als Modell zu stehen? Paffen mir gerade." — „Uff'n Sonntag jeht et schon mal. An'n nächsten? Ja'woll, da kam: ick. Jute Nacht, Exzellenz, und »lischt for nirjut!"
* K o r k e r s a tz ans Papierstoff. Daß die Ersatzurittel- JndUstrie sich läiigst über die Greirzen der Kriegführenden hinaus verbreitet hat, ibetveiscu die intmer .wieder auftauchenden Mel-> duugen von neue:: Ersatzmitteln !lud Ersatzprozessen, die im neutralem Ausland entdeckt wurden. Der neueste Ersatz entsta-ud. !oie einer.Mitteilung der „Un:sck?ail" zu entnehmen ist, in Siandi^ navien. In Gotebnrg umrde nämlich von G. Hillerström ein Korkcrsatz erfunden, der aus ungefähr derselben Art Papf-ogoff hergestellt lvird, den man bisher zur Erzeugung von weicher Pappe Venvaudte. Der Papierstvff ü>ird in verschieden breite Streifen^ geichinttm, hierauf iiuit dem neu erfundenen Zusatz verarbeite^


