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„Mel einbringen? Was nleinst du damit ?'
„Nun, Ueberschüsse natürlich! Sei doch nicht so schwer- ßLllia, bitte! Was soll ich sonst lvoht meinen? Du mußt doch, nachdem dir alle Unkosten, Steuern, Abgaben usw. abgewogen h«-st, selbstverständlich einen Reingewinn erzielen!"
„Selbstverständlich!" höhnte Marie. „Bei btr scheint sehr vieles selbsweritändlich zu sein! Nun, ich kann dir Versicherer, i>aß ich selbstverständlich nicht einen Pfennig Reingewinn, Ueberschuß, oder wie du's sonst nennen willst, heraus- bekonrme!"
„Mer das ist dann doch purer Blödsinn —!" rief Hans.
„Blödsinn? Du bist nicht übermäßig höflich, mein Lieber —"
„Dazu habe ich auch gar keine 'Veranlassung, meine Liebe — im Gegenteil —" — Wie zwei Kampshähne mit borsten Köpsen standen sich die beiden gegenüber. Dann lenkte Marie den ihren, harte ein Schlüsselbund vom Gürtel und schloß die alte Truhe auf, die neben dem Schreibtisch stand.
„Da!" sagte sie und reichte ihm, ohne ihn anznsehen, ein Buch, das ganz obenauf gelegen.
„Was soll ich denn damit? Das ist ja wohl mein eigner
„Soldat auf Vorposten" — so nenne ich das Buch aber nur mir selber —"
„Ja. Nun lies, was bu mir geschrieben Haft! Das habe ick mir auch als Ziel hingestellt, Harrs! Danach versuche ich zu leben. Ich will nicht Geld verdienen mit meiner Pension, ich will Gutes damit zu tun versuchen. An Leuten, denen es sonst gar nicht gut ginge. Nun begreifst du vielleicht, tvarunr ich — „keine Seide spinne"."
„Liebe, gute Marie!" rief Hans erschüttert. Er streckte die Häitde nach ihr aus, sie nahm ihm das Buch wieder fort, ohne ihm die Harrd zu lassen, lvarf es in die Truhe zurück und lreß den Dec^l zuklappen. Dann starrd sie ganz stitt, mit herabhängenden Armen und sah vor sich nieder. Mit einer ruhigen Ergebung, die ihnr weh tat. Sie war ja viel zu jung, um ohne Hoffnungen fein zu dürfen.
„Wie alt bist du eigentlich jetzt?" fragte er plötzlich.
^re sah stirnrnnzelno auf, als störe sie seine Frage unliebsam rn ihren Gcwanken.
„Das kannst du dir doch selbst ausrechnen!" sagte sie verdrießlich. „Bald ncunundzwanzig. Vor drei Jahren, als wir iins zuerst wredersahen, hast du mich auch gefragt, und da war rch sechsundzwaiizig."
^ ll öist gerade fünf Jahre jünger LÄ ich. So alt wie Phipp. Und ich bin immer der Anführer euren duminen Streichen gewesen, von klein auf, Mid also, fürchte ich, auch diesmal."
Er zeigte nach der Truhe, in der sein Buch verschwnn- ven war. „Daß du dich anfopfern solltest für andere, ohne Dank und Lohn - das habe ich natürlich bl r 6ir mnt ural so was in deinen Dickwpf gesetzt hast" — Hans zuckte resigniert die Achseln
„da wcrd man's dir wohl kaum ausreden können. Ick
ÄLJS Trost ist. daß du ja tarnet deine
sechstausend Mark Zinsen hast und behältst."
Hans hielt inne. Sie hatte eine rasche Bewegung ae- er^fchtzte^ 0 k^uldbewnßt an ihm vorbeigesehen, daß
„Was ist?"' fragte er aufmerksam. „Ich spreche von demen sechstausend Mark Zinsen — J f ;
5 “ Be W) b0dEl ""Irlich längst nicht
Hans' erschrak so, daß er ganz blaß wurde
^6. ihm der Aerger brühsiedendheiß zu Kopfe. ^ Markte Marie am Arm und schi'ittelte sie. ^
„Was hast du mit deinem Vermögen gemacht?"' herrschte nicht sag«.. 4 ÄXS
Sie lachte triumphierend.
nianchmal recht dumm, Hans Jmhoff'" spottete sie ,So klug du auch sein willst - hast am Ende ^ ^ n ! e lein Pensionat übernehmen, jemand andeoS abkaufen, und ernrichten, und instand setzen — von meinen Zinsen! Natürlich Hab' ich doch das Kapital an7re7fen ^"en, ganz erheblich Hab' ich's damals angegriffen."
„. "Das sagt sie mit lachendem Munde!" rief Harrs außer
in^die^in mX" bU eilt f n ^ iI dE? Vermögens wirklich dies — er suchte nach errr-enr nicht allzu kräftigen Worte — „tu diese Nnglücksidee hineingesteckt hast
muß sich das doch amortisieren oder zum iveniasten verzinsen!"
Sie sah ihn verständnislos an.
„Amortisieren? Verzinsen?" wiederholte sie gedehnt. „Ich begreife nicht *— da kann ich doch nichts wieder von heransbekommen, bevor ich die Pension nicht verkaufe/' Hans fuhr sich wieder mit beiden Händen durchs Haar. e§ W ^m — Verzweifeln!" stöhnte er. „Nicht die blässeste Ahnung hat sie — du mußt doch so viel verdienen, Mädchen, und dir gntschreiben, das ist das alter-, aller- mindeste, als das in die Pension gesteckte Barvermögen Zlnsen bringen würde! Hast du dir denn das gar nicht berechnet?""
Sie schüttelte in hoffnungsloser Verwirrung den Kopf. „Von all dem Hab' ich doch gar keinen Begriff gehabt!" stammelte sie kleinlaut und trotzig zugleich, wie ein zu Umed)t gescholtenes Kind. „Ich begreif' auch jetzt nodj gar nicht recht, was du eigentlich meinst —"
Hans lief mit großen Schritten in dem winzigen Zim- merchen auf und ab. Alle Augenblicke stieß<er irgendwo an. Marre drückte sich vor seinem Ungestüm erschrocken in eine Ecke. Mrt einem Male blieb er vor ihr stehen.
„Ich meine," sprach er mit unheilverkündender Ruhe, „daß du dich nicht wie ein sonst immerhin leidlich vernünf- tigeo Frauenzimmer benommen hast — sondern wie eine Glans jawohl! wie eine Gans. So! Nim weißt du's! B.enn rch bedenke," — er fuhr sich abermals durch die Haare „baß es dir anscheinend auch nie im Traume eingefallen rst, drese Zinsen aus dem Ertrage der Pension herauszn-- zrehen — es ist zum Rasendwerden!"
Und er lief von neuern wie ein Wilder hin und her, Marre guckte ihm scheu nach.
P "7 so ^vaS Aehnlick-eS gedacht — Hab' ich wohl schon manchmal," stotterte sie hilflos.
„Aber?" Er blieb mit einem Rucke stehen.
„Aber ich Hab's schließlich lieber doch nicht getan. Wenn sieh mal, Hans," sie kanmperlegen und doch znversicht- lrcy lhrer Ecke hervor. „Wenn ich mir die Zinsen von dem Gelde das rch reingesteckt habe, auch nock> berechrrete — dann ging dre Geschichte doch nicht so ziernlich glatt auf — tmc ste's letzt tut, wenn alle leidlich pünktlich zahlen und ick den Rest merner Zrnserr zu Hilfe nehme! Dann war dock eben ern Defrzrt von ein paar taufe,id Mark da! Na, und das durfte dock) nrcht sein, nicht wahr?! Deshalb Hab' ich die Zrnsen lieber gar nicht erst gerechnet!"
„O Gott! O Gott!" machte Hans schwach. Er stand yosinmrgsws, mrt gerungenen Händen, neben dem Schreib- trsch. ^hm siel absolut nichts mehr ein, was er gegenüber r!rf ^ cf)iiittei:tidf 7 en Verständnislosigkeit sagen könnte Mrt einem Male packte ihn wieder die helle Wut. Er schlug mit der Hand aus die Schreibtischplatte: W
„Dir mußt heiraten, Mädchen!" schrie ex etbctt. „Das ist dre einzige Rettung für dich!" 1
Marie zuckte jäh zusarumeir. Sie wurde so Meta, so ^■■ C k be t?)' ÜI , tr erschrak. Er dachte einen Augenblick, sie wurde ohnmächtig, er tat «ineu Sck)rttt auf sie zu, um sie zn
g°wetaüzu7äm M tid> ' büCfj W °W B ™ iU -gv°b
fid > sHn ««faßt. „Rede keinen Unsinn," sagte sie, hochrnutig abwehrend, „ich heirate nie. Misch dich
gut meinst, tae/E Angelegenheiten! Ich weih, daß du es
Sie hielt larrschend inne.
(Fortsetzung folgt.)
Erste §rllhls!rgstage am Nhclrr.
Benr Hans Ludrvig L r n ken ba ch.
. Wohl in ^inem Jahre ist die Frnhlrirgssehnsucht so stark ae- wiesen, wie dresin^ nach dem unerbittlich lairgen eisigen ^rüas- Wärter. Während sinst der März, tr?eirigstmis 'bei uns am Rhein
Nenner ^ ttc ^ an j )fnen Stadler
tn Hellen Schareu hrnauswvnderten, um die ersten Grüße oes iun- ^ ^h^^^^runehnren, hat uns der „Lenzmond"" 1017 ? M r r und Eebi»e und schneroenden WÄch gebricht. Frierend Mensch« diherm m der einzigen, knapp 5 eheizte 7 r Stube je oft fje hrnauMickten durch die beschlagenen Scheiben'
' ^ Dringlicherr Wolkenschleier zu zerreitzen
chne SM 4-«Ke Probe wnrde unsere Gednw gestellt * Winer> E ves VJUmiM in Mrkd uÄ FÄd uSb S SÄä Klennerbtt« dazu, um an den kahlen
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