Pechmarie und Hans im Glück.
Die Geschichte einerJugendfteundschaft von E. v. D o r n a u. Nachdruck und UeberfetzungsrechL in fremde Sprachen Vorbehalten.
(Fortsetzung.)
Hmrs kam schon am nächsten Vormittag wieder. Zn so früher Stunde, daß ihn Marie unnmglich erwarten konnte. Sie befand sich auch gar nicht in der Vorderwohn nng, und das kleine Hausmädchen wollte davonlanfen, um sie cms den Küchenregionen herbeizurufen. Hcnrs rief sie zurück und ließ sich beu Weg nach der Kitche zeigen. Gemächlcch ging er den langen Seitenkorridor nach hurten. Die Küchentür, ganz anr Ende, stand angelehrU, uiio ec hörte Maries muntere, kom- nvandieren.de Stimme schon von ferne. Er kam leise näher, drückte die Tür vollends auf, marschierte mit spitzbübischem Lächeln hinein — als Marie sich endlich nmsah, die bis dahin mit dein Rücken nach der Tür, vorn: Anricytetisch ein neues Küchenmädchen \n die Geheimnisse des Geflügetrupfens ein- weihte, — faß er behaglich, mit untergeschlagenen Armen ans einem Stuhl.
„Ra, aber! Hans! du!" machte sie verblüfft. „Was tust du denn hier?"
„Ich sehe und höre zu." Er stand auf und streckte ihr die Hand entgegen. „Es war ungemein bildend —"
Sie tat, als sähe sie seine Hand nicht, und die Rück- erinnernng an den Mschied ges^rn trieb ihr eine leichte Röte ins Gesicht.
„Machen Sie die Tauben also so weit fertig," sagte sie Kn ihrer Küchenhilfe. „Ich komme nachher wieder und sage Ihnen weiter Bescheid." Sie wusch sich die Härvde am Aus- uß, band die Schürze ab und ging zur Korridortür. Von a aus winkte sie Hans, der ihr belustigt zusah, mit einer Kopsbewegung herbei.
„Komm nur mit nach vorn," sagte sie. „Mer lange Zeit habe ich jetzt nicht für dich, das sage ich dir gleich! Weshalb kommst du auch so früh? Es ist knapp halb elf Uhr! Um diese Zeit haba ich immer besonders viel tnt Haushalt Ku tun."
Er ließ ihren Borwurf völlig ungerührt über sich ergehen.
„Du wirst wohl schon 'mal ein Viertelstündchen für mich erübrigen," erklärte er vergnügt. „Soviel kann ich bearo- sprachen. — Geht's wieder in deine kleine, nette Privat- fcabine? Siehst du, ich kenne schon den Weg!"
„Eine fabelhafte Leistung!" spottete Marie, während er die Tür öffnete und sie an ihm vorüber in ihr Zimmerchen trat. Ihr war plötzlich so leicht, so ausgelassen froh zumute.
„Denke, ich Hab' mich entschlossen, schon heut nachmittag fcu fahren!" jagte Hans mit ernsterer Miene. „Ich hak»' keine Ruhe mehr, bis ich das Original meines Bildes Ijier" (er drückte mit der .Hand gegen die Brusttasche) „in Lebensgröße zu sehen kriege. Deshalb komme ich so früh."
Auch Maries Gesicht wurde ernsthaft. So bald sollte nun schon wieder alles vorbei sein?
Sie sah an ihm vorbei und wurde blaß.
„Ich denke, du hattest noch so sehr viel zu erledigen —P sagte sie zögernd.
„Ist altes bereits geschehen!" Hans lachte schon wieder fröhlich. „Ich Hab' meine Zeit nicht verloren, jage ich dir! Gestern abend bin ich gleich noch einmal bei meinem Verleger gewesen, zur endgültigen Rücksprache, und heute ftüh sind die übrigen Geschichten — Bank nsw. — drangekommen. Alles ist schon in atlerschönster Ordnung. Auch mit meinen: indischen Buche, das ich diesen Winter erst schreiben will. Schreiben will. Was ist das für ein Segen, Marie, daß ich
jetzt schreiben kann, was und wieviel ich will.-Mein
Verleger — ein würdiger, alter, ängstlicher Ehrenmann, ach, was beschreib' ich ihn dir: du kennst chn ja! — hat mir gestern abend raten wollen, „mehr Konzessionen an den Geschmack des Publikums zu machen." Ich antwortete ihm: „Verehrter Mummelgreis, schreiben Sie sich Ihren konzessionierten Salat gefälligst alleine!" Und drückte ihm teilnehmend die Hand und tat, als ob ich abschöbe-auf dein
ersten Treppenabsatz hatte er mich bereits eingeholt, so schwerfällig er auch körperlich ist. — Eine halbe Stunde später steckte ich nun neu Kontrakt in die Tasche. — Aber du sagst ja gar nichts, Marie. —"
„Ich höre doch zu!" sagte sie unwillig. Sie war ärgerlich — auf ihn, auf sich, aus den plötzlich so rasch entschlossenen Verleger-rnußte denn mit einem Male alles so
Hals über Kops geben? Man kam ja gar nicht erst zur Besinnung — sie fand solche Ueberstürzung geradezu ekelhaft!
„Und nun l)ab' ich auch grad' heute vormittag besonders wenig Zeit!" sagte sie laut höchst verdrießlich.
„Hast du denn immer so viel zu tun?" fragte Hans voll Interesse.
„Um diese Zeit immer, das gehört nun 'mal dazu."
„Mer du hast doch Fräulein Stilling?"
„Pah! Die verstebt vom Kochen nichts."
„Mer sie könnte dich sonst entlasten —"
„Sie tut, so viel sie kann," sagte Marie kurz. Ihr war so garstig zunlute, daß sie hätte weinen -können. Er sollte sie doch gefälligst mit der Meta in Frieden lassen! Die ging ihn ganz und gar nichts an-
„Und du tust mehr, als du kannst!" bemerkte Hans sehr eindringlich. „Das merke ich dir deutlich an — du siehst ganz blaß und abgearbeitet ans. Und das geht doch nicht, Marie! Das hast du dock) wahrhaftig nicht notig! Nimm dir wenigstens genügend tüchtige Hilfskräfte, Kind! Deine Mittel erlauben es oir ja —"
„Ach, was du fing bist!" Ihre Augen blitzten ihn jetzt heraus fordernd an. „Tust, als ob du auch hiervon etwas verstüirdest — als ob so eure arme B-erliner Pensionsmntter unter allen Umständen Seide spinnen müßte!"
„Jede natürlich nicht, aber du-Oder bringt die
Geschichte dir nicht viel ein?"'


