Ausgabe 
5.5.1917
 
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... lL " 1 süchtig die Fülle der entzückenden und leidenschaft-

Irthen Biller an Mls vorüberziehen, die in das vornehme Pa- rrt^echaus der Schonemanns am Frankfurter Kormnarkt führen mrd da^> zarte Pastellgemalde der hellblonden Lili int Rahmen fjuci. krauten Rokokomterieurs unter einer mondänen Gesekl- von verren m der Pu derpe rücke und Dannen im Reifrock §s!!s?K^ lallen Bn einem Hanskonzert am Neujahrstag 1775 K C L l ^I ^ 3 ta|töfe Figur und das seeleiwolle Gesicht ^ ^^vchter, und jo klmgt Klaviermusik anmutiger Sonateir Mld Menuette m dieses jubelnd anschwellende, darrii tragisch sich ve^unketMe Li^b^grück hinein, bis zu jenem grauen November- abend zehn Monate spater da Goethe vor seiner- Abreise nach vor Lilis Fenster fielst, ihren Schatten anr Klavier sieht Uvd von ihrer Sttmnle sein Lied hört, das er mr sie gedichtet: ..^arnm ziehst du mich unwiderstehlich, ach? in jene Pracht?" Nnr mit der ganzen Kraft seines Charakters kann er den Abschied für rmmeb nehmen Goethe hatte die Leidenschaft mit aller Macht AVE' und auch Llü hat ihn tief und wahr geliebt. Wenn trotz- dem ihre Koketterie hin und tvieder, vor allem den vertrauten Ge­schäfts freunden des Hauses gegenüber, hervortrat, so lag dies mel?r rn dem tändelnden Verkehrston der Zeit, der ihr als einer tungen ^ame von Welt anerzogen war, als in ihrenr Charakter, ^.er Konflrkt, der bald rn dern Verhältnis der Beiden aus- brach war viel mehr bedingt durch das alle Schran- keu sprengende, rn die Welt hinaus begehrende Genie

des Mcnrnes der jrch m den,, engen Modesalon Lilis nicht toohl- Nfv konnte. Wie nr dem Gedicht vonLilis Park" in einer ^ tritt das Bild des gefangeiien Bären auch in

D^fen früh hervor. W«n« Sie sich, meine Liebe einen Goethe vorftellen können," ,chrelbt er an Auguste Stolberg der st" 6chonrerten Rock, sonst von Kopf zil Fuße auch in leidlich konsi- ^vter Galanterie, umleuchtet vonr unbedeutenden Prachtglanze der Wandleuchter und Kronleuchter, mitten unter allerley Leuten, von hwAmvs. ^" 9 en am Spieltische gehalteii wird, der in ab-

SÄwÄ?" 1 ! 9 au ~ i n ^Gesellschaft, ins Conzert, und von da ans dar Ball getrieben ivird, unb mit allem Interesse des Leicht­sinns, eurer niedlichen Blondine den Hof machtj so haben Sie den Ge^ellsch^Ä's. ^ltuachts-Goethe." Befreit von dem Zwairg des idvll durchleben tue beiden Liebenden dann wieder

auf dem La.idsitz der Verwandten in Offenbach, und [?rih$MT rf f bUn9t kule enetgische Bekannte die offizielle Verlobung zwijckwn ihnen zustande. Goethe ivird BräutigamEs war ein L' L«^L°^übor uns W°lte.ch..," meint der Greis L-i>!i,s^>^Ebl'ck' M rch m dem Verlauf meines wundersamen

tollte wie es einem Bräutiqam

>»> >» d,»

,,Wie ein Vogel, der den Faden bricht Und zum Walde kehrt.

Er schleppt des Gefängnisses Schmach,

Noch em Stückchen des Fadens nach:

Cr ist der alte freigeborene Vogel nicht,

M Cr hat schon jemand augehöret."

Mi

'vrt nr die freie Welt!" dieser Gebaut treibt ihn ans ^ ,c v"t dem Gwfen Stolberg, aus der ihm das

kt b torflmAt 6 ^ m ^ afre ?* in l .Machtlied" immerdar licht und ^ Zuruckgekehrteii beginnen aufs neue die w -Ä ver sehnenden Leidenschast, des abstoßenden Zwanges' da^ rem ers^seiue.l ganzen Wert ertenm midihmüb^ ans der flucht nach Amerika, folgen lvill, sucht Um drüber ihrer Natur zu halten. Doch der frei in uwgffcl?» Kieikb'^ fSfuuig tft ftdr & c »urd. reißt ihn los ans ihrem S h ih U \ dy ^unar. Auch hier lebt Lilis Liebe noch

^r^/N,/vrt.Im holden Lal auf schneebedeckten Höhen, fiÄÄÄff ual>" Bis sie euMch vor neuen Ein- mimen und Crlebuifsen zurücktreten nrnß, verblaßt, doch nie ver-

glülüiche^Lftb^ '^chdcm vorher eine z,veite un-

. . --MB .. es/ und Berlobnugsgefchichte ihr Her; mich frftmpr d»tte. dem.Bankier Bcrnhtird von TiWinTlu glücklichen Ehe die .Vaiid gereicht. Goethe fand sie bei einem Be W pf« '»it ihrenr Nei.,.m Töchlerchen "Lnd

S«.lengrotz>- und Tapferkeit ihrer,Natur bE>?t" sich nEh

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Schlier FrnmNn^B^' ^ EglosMeinuh Gvcches

G«the.sie ist durch LeiL t f^1?tm li*fcta ä mi"'

rme Stiiblichr von gut^r Giäster'n beivacht und

hindurchgefii^t ivird, so ists diese. Es war mir so wohl neben l^r m .^Cler Iphigenie lese." Der Gräfin Eglosfsüin gestaiib sie mit seltener Aufrichtigkeit, welch bestim-- mwwen Gmfluß Goethes Liebe au? ilw q.<nzes Leben gehabt habe: ^emenr Caelsiim verdanke sie ei ^ aiii> allein ihre geistige Aus- an der Seite eines würd^... Zarten und den Kreis hosf- nnng^voller Kinder, in welchem sie Erfaß füjr alle Leiden fände, ^»L^,Dluunel ihr anserlegt. Sie müsse sich daher als sein Ge- ! d v.V/ ^'trachten und bis znm letzten Hauch ihres Lebens mit re- tigiojer Berehnlilg an feinem Bilde hangen." Zeugnisse dieser in- NMN Brrrhrnng smd di- wmigm Briefr, die sie sLL an Goelhe ge,chrleben, und auch oer Dlchrer gedachte ihrer mit ähnlichen Ge­fühlen.So wenig man sich tvieder Brüder und Schlvestern schaffen fr!-?.' ^5 er Mutter tot sind," schreibt er 1797 an einen rvciilg kann man sich Freunde erwerben, lind, dte eln früheres völlig cntschjvnndcue-s Ingeiidverhält- wär?sws?^?e- *** Achtzigjährige sagte zu Eckermann:Ich ^rorl^ ^etvisen, d:w ganzen Welt zu sagen, n>ie sehr ich sie o..s,?,?-?oret:Ich sehe die reizende Lili !vjeder in aller Lebendigkeit vor mir, und es ist mjrr, als fühlte ich lviedev den Hauch ihrer beglückenden Nähe." Laiige hatte er gezögert ihr ferner Lebensbefchreibung heraiffzubeschwüren. Nun da er E tat war sie langst gestorben, am 6. Mai 1817 im Kre se ihr^ Familie, rm Elf atz, wo sie ihre zweite Heimat ge nnden Goethes Dichtung aber lebt sie für immer fort ^

a ^nem ersten dräirgenderr Seelenrnf nachneuer ^iebe ' dcr i» dcm G-dichtHerz, mein 5>L7 waK sÄl Goethes tilgend ly rik die .Herrschaft Lilis über seine Verse an kündigt, bis zrr dem letzten verklärten Bild idrer Per,vnliä)kelt inWahrheit und Dichtung" leuchten Züge dieses entzückenden Wesens mit den großen blauen Augen, der herrlichen &L U &. "Ken Mund aus vielen feüwr Dichtung 1,1 .wvtn derStecka , rvie ffe schon der graziösen Elmire ^ "Cwtmn und Elmire" ihr Büesen leiht Tie Dorothea

rum mindesten von ihreir änßcreii <3d>td? ]a M;[ Iv.'NMlchc Allregung erfahren. Der dramatische Entiours .rr Ä ? a o i lU ^ochklang dreier Leidenschaft Auch inWck- Km Lehrmhren" m denWahlverwandtschaften^ im kÄEg thres Einflusses entdecken »oollen. Aus

Lili"^chr^gzLke^ ' ,d " ift di° -*#»

vermischtes.

* Heiteres aus der Geschichte des dentsrben Schauspiels. Wenn das deutsche Schauspiel, wie übrigensi a a ei i»s 1T ?I5 11 Völker seit seinen Uranfängen mit lMteren nirlt e n? Men wtir so fehlt doch mich seiner Geschichte selbst

1 1 ?? Eplsodeil die bei rückblickender Betrachtung

ru un. eme Heiterkeit erwecken, die zurzeit jener Geschehnisse wohl ^absichtigt war. ^as komische Element rm Spiele selbst war !?; n ^ Ö c ür ?r?" l ? eit dllhwe bekannt und hat sich im Verlaufe vlai??!n?n^"'"sbu Cntnncktungen bis in den heutigen Th-aterspiel- ir liS'i r 1 ! 1 ^ Mittelalterliche Mstjerienbübne, die r Ueberlieserungen anknüpfte, sondern sich selbständig

!s? 7 l fl 1 e m? 4 clt .^.'^Ustvurst vor, der, wie einet

8???^lck/lchtlichen Plauderer Wolf von Muralds int nächsten s^t derder Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart ersäfeinen-

'cka kl->af'te,-^Bn^"^^" b »u entnehmen ist, anfangs als

ffl llS cv "vch.tranzö,Ischen Mustern als luftiger ^-ensel austrat. In die geistlicheil Spiele in Telttschland wurden dann frühzeitig die volkstiimlichen Markt- und Pn'igelszenen ein-

ibr^Wesen Quacksalber, Kanflente und Knechte

J ; 1 Wksen trieben. Ter sttlgereaste Hanstmirst-Charakter nmrde hieraus m den Fastnachtsspielen gesckasscn, die besonders um 1450 m Nurnlxrg beliebt luareu und von Hans Sacks dickterisch umgc- w-n'd-l wlirden. Ter große Erfolg des Sansiv..?st s« L tMr v ß u'! C tn l Sxntfäjdmfciclev ihr Können h.iNptsächlic^ de Än^K.^^?ellten Besonderes Heimat rocht gewälwte man Ä ?;? ui Wien wo Josef Anton Srrausitzky im ÄJ'ap K Stegrcifkvmodie emführte. Ein heiteres theater- aimi kKÄ!? ?okl'"lent stellt der von Murald. mttget.ilte laug- Ä- ll' Komödien,dar:Tie gestürzte Tyranncy Wüterichs Polisoirte oder Triumph der Lielw' Hanswurst, dem getreuen Spion, eiufattigeu Sol- Liebt)aber unb !vas für Lustbarkeiten senier ?? ^?0U ferner vorstelsten." Tie Vorliebe für den V<ltk al>cr "nch ihre schlechten Seilen, da durch sie das ^nehr ver,lachte, bis es dann durch die uiisterb- lick- Friedenke Karolme isteuber zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit Gottsched neuen n»id höheren Zielen zugesührt ??? lllIl !ö2 l ? ltl ! Merk,lein ans dem Cutivichtuugs- ^?eren Büb,,enkilnst InüX't bk Berliner Erstaufführung 'on Leffmgs Meisterin st,vielMüum von Barnhelm" im Krhi?

die Entwicklung des literarisch »vertvollcn dcut- ästn Lustspiels ihren Anfang mchnr. Trotz dieses großen Erfolges ^kauntlich manchmal schlver um die gebührende n, o! cl - : 7 '' CIU klinisches llniPiim fei erivödut. Kh?Ä W 1, !? uii I 'NU Jsfl-and in Berlin durck bcn Steller tx-s Sultans der Erfolg stark gefährdet ivurdc. Ter ^xldiujpieler versprach sich näinlich lwi Stelle:Auch soll cs