Ausgabe 
5.5.1917
 
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"Ein nettes, liebes, prächtiges Mädel!" sagte er ganz

Marie sah ihn grenzenlos erstaunt an.

"Du meinst?" fragte sie.

. Au wurde er verlegen. Sie schien ihm in diesem Augen­blick direkt hochmütig ablehnend.

u u^eine dies Fräulein Stilling, oder wie sie sonst

7 ^Alterte er.Ich erinnere inich, daß sie eine auf­fallend hübsche Erscheinung ist."

Es war die erste bewußte Unwahrheit, die er gegen Marie Krumpa aussprach. Vielleicht empfand sie's als solche. Denn chr Geneht beschattete sich und sie forderte ihn ziem- Iich kurz auf, doch lieber intt ihr in ihr kleines Privatzimmer

bver J l ^ öde Augenblicke wer durch, und da endlich Platz zu nehmcjr.

^v5ht?fJL at cr 'J* e letzte sich ihm schräg gegenüber au ihren Lchreibtisch, und wahrend er, noch immer ein wenig ver- Vt 1 ? ersten Nnterhaltungsthema sachte, fing sie selbst bereits fließend und ruhig zu reden an.

Mrlles letztem Brief, den sie ihm noch nicht hatte können. Sie holte das krau e Schreildn aus der Tasche und las es chm vor. Es drehte sich wie immer haitplsächlich um die Fortschritte des lustig gedeihenden fleinen Hans, barm um einige Muanschaffungen für die Garderobe dieses lungen Weltbürgers - und enthielt schließlich) die Meldung, daß der eigentliche Besitzer des Häusck)ens neulich dagewesen er er wolle es Nicht weiter vermieten, sondern zu Begiiin des neuen Jahres selbst beziehen.

Das waren ja unerfreulickie Nachrichten. Hans fuhr sich Mit bilden Händen durch das üppige Haupthaar.

^us fange ich denn da aber an!" rief er ganz ver- z^Krempel^ la nun Qav n ^' °Ö in mit dem gan-

du unterKrempel" auch dein Kiiid mit?" fragte Marie mcht ohne gelinde Bosheit.

Er starrte sie ganz entsetzt an.

*xo Sunqe! Natürlich," rief er.An den hatte ich

A»och -gar nicht gedacht . . . Und der ist doch die Haupt-

baiiwAV? 0 bod> wenigstens! Ich dachte wahr­haftig schon, du hattest ihn ganz und gar vergessen."

Hans sah düster vor sich hin.

sehr kleinlaut.^ ^ manchmal wirklich, Marie," gestand er

recht starte f Marie' ^ " schrecklich, schrecklich un-

"sill's eher scheinen, als ob's bloß Tieftraurig und verständlich zugleich. Was ^ ich denn von meinem Kinde? Was kann ich ihm sein? Wao ist es mir? Vielleicht, wenn ich es jetzt wiedersehe."

... '"' ^ ue bas tu's recht bald!" rief Marie eifria Spuckend.Es wird gut.für euch beide fein! arme.

IsmiÄ hlia ^ en .v ' 3ch will dir nur jetzt eingestehen Hans, was rch der nicht habe schreiben mögen. Ich bin schon Mennal dort gewesen in diesem Jahre, um nach Mille sehen. Ich hielt es nicht aus, so gar mcht zu wrsfen, wie da alles in Wirklichkeit aussah Dasi

selb»^- nZM V b l eV Berichterstatter ist, wirst du wohl

& Äftttf-ws L Ä'i sie ssfasusg ä« «

in ^itiöer Bewegnng auf. r* be <! xf)m gelvesen, du hast soviel mehr für ibn Q m \ a u- x A bex Vater!" sagte er voll bitterer Sckam ^ l( $ b -V e Marie. Nein, laß nur- Fch weiß

'uchts von Dank hören. Und doch - W le n kLLletztvor dir! Ich habe nur mir selbst, nur meinen Zwecken und Zielen gelebt, seitdem ich allein blreb. ^n diesem Augenblick wirds mir klar was irft mr armen Kinde für ein schweres U,7ech?°LA.gen

Ach Unsinn! Sag doch so was nicht'" Marie Tiinrfcf«* ctne geradezu leichtfertig wegwerfende Handbeweauna Es

L i?i° °7^"dlich, so klar verstandttch daß 7s dir so und nrchjs anders ging. Mau kann höchstens saaen daß es

bLsi^ Inches dadurch verchnm^ das erste'

yrmmuiche Ernurchen der zungen Seele. Du bast keine ym rmna. wre -rückend sich der kleine Vtensch entwickelt hK

^Kauu ich das Bild sehen?" fragte Hans weich.

-vcar-le machte eine Bewegung, aufzustehen.

sagte'sw ihfe* Fenster, auf meinem Nähtisch stehen,"

h Kreits dort.Laß, bemühe dich nicht ich

hol^> nnr fchon selber," sagte er. Und dann schwieg er eine lange, lange Zert, versunken in das liebliche Kinderantlitz- UM ern fremdes, und war doch das seines eigenen Kindes, dev ernztgen Menfcken in der Welt, der zu ihL gehörte.

. Zaus gerade bückten die Hellen, klaren Kinderaugen aus dem Bilde heraus rn die seinen. Und er spürte, wie ihm feucht wurden.

Mir kommt's jetzt vor, als ob ich ihn schon ganz! genau kennte!" sagte er endlich leise.Da ist kein fremder Zug, der mich störte."

^ &en f° leise.Kein einziger. Er srcht drr so ähnlich, wm nnr . ein kleines Kind einem er- wachfenen Menschen ähnlich sehen kann. Und die Augen; öa * sind ganz und gar deine Augen."

das Bild behalten?" fragte Hans heiser.

steb/n ^%)u tnirm e ?A ld ^ ei r zweites vor meinem Bette! flehen^ Du wulst fchou gehen, Hans?"

r,v,^ aJ9 m S d) - e ievt lieber gehen," versetzte er abge-

belegter Stimme.Du wirst das mF L'dem WdF"'"" Elchen allein sein n.it

mal^dek?h°Ä^,APs. Aber du kommst noch ein.

antwortete'nich7 gleich. M m in baS ernfte ^'ge und Natürlich kmnme ich wieder," sagte er dann hastig Vor übermorgen kann ich keinesfalls' fahren ick/ b' noch viel Wichtiges zu erledigen. Auf Wiedersehen, Marie." r ._ ft ol ^usch ihre Hand an die Lippen, ehe er sie los

sie^lie^°3°bM^^f Bewegung nicht voraussehen können, linni- iwer ficE> ergehen, dies ungewohnte Er-

"^brennend rot wurde sie dabet. Hans mng fort

" 'Sf'S pk&L

(Fortsetzung folgt.)

Goethes Lili.

(Zn ihrem 100. Todestag, 6. Mai 1917.)

Von Dr. Paul Lauda n. lich der 80jährige Goethe entschloß, im 17. Buch von ^nes Bra^n^Ä" lem schmerzlrck)-süßestes Lebensjahr",

Greise in mVt £l11 ',harznstellen, da traten dem. grelle ttt m Erinnerung mr jene langst verklungenen nie v.o-- gesfenen Tage dre Tränen ins Auge, und die tiefe T-regnng stines

'vera Ai eiunraI cin Mädchenb ich von nn- w ä ' Hat Ewch der alte Goethe gestanden, daß er gelwbl habe, und so nimmt Liti unter deii Kranen die rlachsten ssaiit^n, die fein Leben und Dichten eiUscheidend

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sph-ren, dre Gocthe gleichsam in symbEr Vnkört^ma « gegentraten. Die Helden der rperung ent-

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S«ncht nmh Italien wächst, tritt in Frau von Ttetn die Brr- treterrn eines abgeklärten Klassizismus entaeaen und Lili sn-ls<v>

° Zusammenhänge die kokette Schöne des endcnbm Rokoko bar tue .,Staatsdame", die in einem Schimimr » S »°"r und ,einer Koketterie blendet und alle SrefötaHrfKn 3 M«

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