Ausgabe 
2.5.1917
 
Einzelbild herunterladen

192

{juteit alten Zeit tiBerfymfrt vom Zuckerbäckcrgcwerbe her. So bmrde im Jahre 1484 die älteste Apotheke in Dresden, die Marienapothcke am Altmarkt, die heute noch besteht, vom Landes- Herrn als solchebefreit" (privilegiert), nachdem sie vorher "schon lange ein Krämerladen .gelvefen war, wv uum Saffran, Wachs und Honig faulen konnte. Unb zum Schuhe der bereits im Jahre 1294 (bald nach Grüickmna der Stadt entstandenen Freiberger Apo­theke (der ältesten in Sachsen) verordnete iml Jahre 1475 der Rat, daß Niemand Eonfect und andere Wahren, die in die Apotheke gehören, verkaufen solle, ohne in. Jahrmärkten und Massen: WüczL möge der Apotheker verSaufeu wie andere Krämer, hingegen aber soll cr die Stadt mit Siegekwachs und Dinten frei halten, soviel der Rat bedarf". Noch im Jalpre 1559 beschwerte sich die Witwe des älteren (früheren) Dresdener Apothekers Barthels, daß sich Joh. Lißbcrger (irgend ein imangenehmer Konkurrent) unterstehe Confection, geworfenen Zucker und anders, so Inn ebner Apotheke gehörig, zu machen und seil zu haben", und der KurfürstVater August" befahl durch Reskript vom 3. Februar, es ihm tvegzn- nechmen. Konditoreien gab es also damals noch nicht.

In Dresden Entstand auch die erste Zuckersieoerei ans deutschem Boden. Mrt dieser Gründrmg ging es, ivie fast bei allem Neuen, nrcht ohne Schßoieriakieiten ab. Diese hier aber ivarcn besonders seltsamer Art. Im Jahve 1586 erwarb eine unternehmende Frau Barbara Rauscherin *u Dresdeir ein Privilegium auf sechs Jahre, Zucker zu sieden. Nach Ablauf dieser Zeit suckle sie um Erneuerung nach. Doch da glaubte der Rat zu Leipzig, das wäre wider sein Stapelrecht, Und suchte es zu hintertveiben. Der Kurfürst ernentL zwar das Privileg wieder, aber mit der Einschränkung, daß sie dasselbe bescheiden ttüh und also gebrauche, daß dadurch der Stadt Leipzig nichts nachteiliges -ugefügt wsroe; vielmehr soll sie den! Zucker, so zu Dresden raffiniert und gut gemacht wird, anherd Tiach Leipzig) zur Niederlage die drei Märkte (Messen) zu ver­schaffen schuldig sein, alsdann mag sie ihres besten Gefallens den­selben, wohin sie will, vorhanden. Auch das Mehl, rvoraus dckr> Zucker gesotten wird, soll sie nicht, auf der Elbe (!) heranffübreu lassen". Man versagte also dieser unternehmungslustigen säch­sischen Untertanin sogar den Vorteil des bequemen und bllligen Elbhandelsverkehrs!

DasRaffinieren" des Zuckers in den alten Zuckersiedereien geschah um deswillen, weil der Rohrzucker nach Europa in unge­reinigtem Zustande gelangte, und es ging in oer Weise vor sich, daß man ihn durch Erhitzen flüssig machte mrd in schmale Gefäße füllte, die unten spitz zuliefen. Die unreinen Bestandteile der Masse sammelten sich in der Spitze der Gefäße an; man öffnete dann ctnen dort befindlichen Hahn und ließ den Bodensatz ablanfen, bis ganz reiner Zucker znm Vorschein kam. Nach dem Erkatten und Festwerden hatte der Zucker die spitz zulan sende Form, die zu der BezeichnungZuckerhut" Anlaß gegeben hat.

vermischte».

? (Sin Mufterftaat int Tierreiche. Die Kunst der ^osÄeubildung ist bekanntlich nicht nur unter den Menschen, sorr- krrn auch bei den Tieren verbreitet. Regelrechte Staatswesen tst Msterem Sinne gibt eS abberdiugs nur in der Welt der Insekten, iow zwar sind hier Hummel-, Wespen-, Bieiren-, Ameisen- und Termitenstaaten bekannt. Diese Tierstaaten, von sog. sozialen In­sekten gebildet, sind besonders psychologisch für den Müffchen interessant, da man bei ihnen in mannigfacher Beziehung die Ge­wohnheiten und Gesetze beobachten kann, die auch unser Gesell­schaftsleben beherrschen. Da die Staatsmaschine der sozialen In­sekten aber viel einfacher ist und bedeutend ruhiger uno sicherer ar- bcitet als die der Menschen, läßt sie sich in ihren Einzelheiten mit ziemlicher, Genauigkeit fest stellen. Das am wenigsten ausgebildcte Staatswesen besitzen die Humnreln, ein« Where Stufe nehmen be­reits die Wespen ein, hieraus folgen die Bienen unb Ameisen, die unstreitig höchste Entwicklung der StaatSsorm aber wurde von den Termiten erreicht. Nach den Forschungen des Münchener Pro- fesiors K. Escherich. rÄrer die Dr. phil. O. Damm im Prometheus aau» neuartige Mitteilungen macht hat man bei den Termiten! sozusagen den Musterstaat im Tierreiche «ußTedeckt. Vvrbemerkt sei, daß die Termiten nicht, wie hcvrfig angenommen, mit den Ameisen verwandt sind, sondern vielmehr zur Familie der niedrigst orga-i nisierten Insekten, etiua zu den bei nuS bekannten Küchenschaben, dre meisten Aehnlichkeiteii aufweisen. Wenn man den Bau eines Termitenstaates z. B. der TermeS bellicosuS vor Beginn der Reaenzeit untersucht, findet nnm darin sechs verschiedene Formen, pno zwar erstens das königliche Paar, zrveitenS geflügelte Tiere, drittens die in der überwiegenden Mehrheit vorkonrmendeil Ar­beiter, viertens große Soldaten, fünftens fBeirte Soldaten lutb sechstens die Jngendstadien. UebrigenS ist die Zusanrntensetzung bei den einzelnen Termitenstaaten verschiedtN und hängt auch von der Zeit ab. Derselbe Termitenbou enthält in der Trockenzeit z. B. »eine geflügelten Tiere. Bei arideren Termitenarben findet man mir eine Art von Soldaten, oder auch gar keine oder auch wiederum! drei verschriene Soldatengruppem Die hvchstorganisierte Art hat natürlich auch die ausgeprägteste Kastenbildnng. Das königlich« Paar und die Geflügelten sind als die eigerttlicben Fortpslanzungs-'

tiere des Staatstvesens zu betrachte::. Der .König und die Königin haben nach dem Hochzeitsfluge die Flügel durch Selbstverstümnre- lung verloren. Die Königin ist ausschließlich da, um für den ganzen Stamm das Geschäft des Eierlegens zu besorgen. Eine Königin allein vermag die Staatseinwohnerschaff aus Huirderttausende^ elbst ans Millionen zu vermehren. Im Gegensatz zu anderen ta-otsbildenden Jnsetterr bleibt der König auch nach dem Hochzeits­luge Om Leben. Gleich dem Königspaar sind auch die geflügelten! Trere beträchtlich größer als die übrigen Stzaatsmitglioder, da dis Arbeiter- und Soldatenttuppen sich ans verkümmerten Tieren zusammen setzen. Im Gegensatz zu den Bienen und Ameiserr gehören der Arbeiterklasse nickst mir Weibchen, sondern auch Männchen am Die Arbeit selbst ist anßerordeirtttch vrelartig. Tie Hauptarbeiten! sind Nestbau, Herbeisck-affen der Nalstuug, Fütterung und Neint- ynttg des königlichen Paares und der Soldaten, Reinhalten der Wohnungen, Pflege der Brut nsw. Tie zur Verteidigung des Staates berufenen Soldaten sind sozusagen l)ochspezialisterte Ar­beiter mit besonderer Ausbildung des Mopses und der Mnndteila. Man unterscheidet die twruralgebmtten Soldaten mit stark ent­wickelten, langen und oft phantastisch gekrümmten Kiefern, und die sog. Nasuti mit retortenförmig ausgezogenem' Kopf. Bet den einen werden die Kiefer als Waffe benützt, bei den andern sondert der nasenförnrige Fortsatz des Kopfes ein klebriges Sekret ab. das durch seine ätzende Wirkung als Kampfmittel gebraucht wird. Bezeich­nend für das Organisationstalent der Termiten ist der heute beson­ders interessierende Umstand, daß sie auch Über eine regelrechte Nahrungsmittelorganisation verfügen. Ein Teil der cnffgerwmme- nen Stoffe wird als verarbeitete Nahrung hur Fütterung der zahl­reichen Larven verwendet. Besonders wichtig bet der Ernährungs- srage ist die Zuckst gewisser Pilzarten, Zu diesem Zweck stellen die Termiten schfvamm artige Körper, diePilzknchen" her, lvelche! sozusagen als Mistbeete dieneir Sie bestehen cms Holz, sind mtti Poren übersat, die zu labyrintharttg geimcndenen Gängen führen, und ihr Gerüst wird vott dem Fadeng esl eckst des Pilzes durch­wuchert. Wie hoch eitttvickelt die Termiten sind, kann man an dem Abbeißen der Unkräuter erkennen, so daß sie auch eine regelrechte gärtnerisckn Tätigkeit zur Schaffung ihrer NahrungsNiittelvorräte ansüben.

(Aus der Zeitung der 10. Armee.)

* Im Eifer. Der Leutnant verläßt den Exerzierplatz und befiehlt dem aufficht haben den (Feldwebel:Also um ^/z12 Uhr lassen Sie einrücken.." Doch der hat seine Uhr im Oluartier lassen Und meldet das dem.Leutnant. Antwort: , 9lber, mein lieber! Feldwebel, nichts einfacher als das. Die Fabrik da drüben pfeift Um 12 Uhr, ha geh'n Sie eben eine halbe Stunde vorher los,"

* Auch ein Erfolg der amerikanischen Kriegs­erklärung. Der erste Grfolg der amerikanischen Kriegsevt klärung bestand darin, daß die Verkäufer alter Dokumente wieder effimal ans ihre Kosten komnren. In Paris und London wird ge^eu-i wärtig wilde Jagd aus die Autographen historischer amerikanffcher Persönlichkeiten gemacht, und die Preise steigen von Tag zu Lag.- < Eo wurden jetzt, wie der Gaulois berichtet, für eine Anzahl Briese von Benjamin Franklin, die auf den UnabhLnaigkeitskrieg Bezug haben, in London nicht weniger als 16 250 Mark bezahlt.

VÜchertisch.

Bongs illustrierte Kriegsgeschichte. Der Krieg 1914/17 in Wort und Bild das 124. bis 126. Heft (Preis je 30 Psg.) Deutsches Verlags haus Bong L Co., Berlin W. bl, Potsdamer Straße 83.

- Der Bölkerkrieg, Hefte 121 und 122 (Herausgeber Dr. C. H. Baer, Verlag Julius Hoffmann in Stuttgart) weisen außerott»entlich reichen Jirhalt auf.

Magisches Dreieck.

A

B D D K E

E I M M

N N 0 0 S

Die Buchstaben sind in die Felder des Dreiecks derart einzu­tragen. daß die vorderste senkrechte Reihe einen wichtigen Kriegs­schauplatz benennt c«nd die wagerechten Reihen bedeuten: 1. Konsonanz 3. rätselhaft, vielumstrtttene Naturkraft, 3. Zeitabschnitt, 4. Himmels­körper, 5. Bodeniorm

(Auflösung in nächster Nummer.)

Lhlflösnng des AbftrichrLtfels in voriger Nummer.

Verstand, Acht, März, Halsterry Ur. Born, Note, Kram, Siegel.

Verschärfter U-Boot-Krieg.

Pchrisllettung: Fr. R. Zenz. - Zwiliingsrnnddruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Stetndruckerei. R. Lange, Gießen.