Ausgabe 
2.5.1917
 
Einzelbild herunterladen

191

tattr in seiner Stintme, als er den Friedel fragte:Und die Brust, Uehl's mit der besser?"

Bekümmeist verneinte der:Nein, immer schlechter kvird's. Daruin wollen sie mich ja auch nicht nehmen. Und ich wär' auch Ao gerne, so sehr gerne dabei!"

9to, laß gart sein, Sllter," tröstete der gutmütige Hannes. G,War brauchen doch auch hier in der Heimat Männer. Must halt jeder seine Pflicht tun der eine hier, der andere da! Für mich ist s übrigens noch ein persönliches Glück, daß sie dich nicht ge­nommen haben," setzte er lächelnd hinzu,hättest mir schön gefehlt auf meuter Hochzeit!"

Hochzeit - bat, Hannes? Davon tveiß ich ja -noch gar nichts," erstaunt blickte Friede! den Freund an.

Plötzlich aber trat ein banges Fragen in die wunderschönen Augen des' jungen Lehrers, Augen, in denen eine große, gute Menschenseele sich barg.Ja, wen, wen willst du denn freien?" fragte er leise, «mm die Angst vor der nächsten Minute verbergend.

Die Lisbetha, des -R>.>delbauLru Aclteste, die SckMste, die Fernste von allen!" jubelte Hannes.

Nun der Schlag gefallen, schien Friede! ruhiger zu werden. Vermessen war es, sich neben solch erneu Nebenbuhler auch nur in Gedanken zu stellen! Und doch wollte es das arme Herz tuxIj immer nicht fassen; der Hannes, bet übermütige, lustige Bursch, und die sanfte, sinnige Lisbeth! Aber der Hannes hatte es gesagt, und so nmßte es wahr sein.

Ruhig glaube er zu sein, der Friede!, und merkte gar nicht, das; große, schioere Tropfen ans seinen Wlgcn fielen, hart und schwer als sagte jede: Für dich gibt's frht Glück, kein Glück!

. Aber auch Hannes ruerkte nichts von des Freundes Verstörtheit, vrel zu fest hatte ihn seine Liebe im Bann. Still, jeder seinen Ge- daacken nachhängend, schritten sie jetzt dem schlafenden Dorfe zu, und des Freundes bittende Worte:Zur Hochzeit spielst mir doch, Fraedel, gelt?" begleiteten den jungen Lehrer in sein Heim liegen ihn nicht los.

Nun iwar er da, Hannes Berghofers seligster Tag! Tie Hochzeitsfröhlichikeit hatte ihren Höhepunkt erreicht, da bat Hannes den Friedel um das versprochene Lied. .. .

Nun ivar es aber ein eigenes, wenn der Friedel spielte. Tae Böglern schienen bei seinem Spiel *u lauschen und von ihm lernen zu wollen den wunderbar süßen Klang. Die Menschen aber sahen beim Singen seiner Geige in die Ferne. Bald selig jubelnd, bald sckiwermütig war ihr Blick, und ilmen war's, als öffnete sich bet Frredels Spiel ein weites, weites Tor und gewährte ihnen Einblick in ein sonst verschlossenes Paradies. Hatte er geendet, daun blickten sie sich loohl scheu an!und schlichen hinaus, um draußen ihre Tränen $u verbergen.

Und heute libertraf Friedel sich selbst. So süß und bang hatte noch me seme Geige geschluchzt, hastig Mick>en sich die ersten hinaus, die Männer, um draußen ihre Tränen zu verbergen, ler, e ^vernend folgten die Frauen.

J-riedel aber spielte, spielte. Schwere Tropfen standen ans ferner todblassen &t\m. Die schwache Brust keuchte, das arme, krauke ve^ Yog m vasenden Schlägen. Er merkte es nicht, und die beiden Glücklichen dort drüben im Ehreneck merkten es auch nicht. Ihnen waren diese süssen Töne nur eine weich schmeichelnde Begleitung zu ihreni heimlichen, zärtlichen Kosen.

Aber eine andere sah es, Marie, Lisbethas junge Sck)wesder. Kern Auge ließ sie von ihnr.

Endlich litt es sie nicht länger, leise schlich sie zu chm herüber und legte battend die Hmid auf seinen Arm:Hör auf, Friedel, hör aus!"

Fremd irrte sein Blick an dem Mädchen vorbei, das noch heißer bat:Hör auf, hör auf du geigst dir ja das Herz aus der Brust!"

Da blieb sein Blick wie erwachend in Mariens Augen hangen, und er sah dann all die heiße Angst-, die sie um ihn litt

Em lnses, Wehes Lächeln trgt in Friedels dunkle Augen da hatte ;a das Glück auch auf seinem Wege gestanden, und er hatte es mcht bemerkt.

Ganz weich Ivar seine Stimme, als er sich zu dem Mädchen wandte: ,,Laß, Manc, mrr noch ein Lied, das letzte Lied'"

Noch inmger sang die Geige. Marie war's, als ob sie vor thrern Herrgott stände und der Chor der Seligen sie umschmeichele.

Da, ein läher Klang, der junge Geiger "wankte und fiel schwer m des Mädchens Arme.

Entsetzt eilten die Neuvennähltm herbei; die Dochzntsgäste, alles wollte helfen.

Doch traurig schüttelte Marie ben Kopf hier gab es nichts mehr AU helfen. Friede! hatte, wie er vorhin selbst gesagt, sein letztes Lied gespielt.!

ö)fc unsere Vorfahren den Zucker kennen lernten.

Von Dr. Johannes Kleinpauk.

<grft ber Weltkrieg nett fernen zahlreichen Verordnungen über den Verkauf der notw'endigsten Na lwungs mittel hat so recht ge- xrgt, eine wie große und schier unentbehrliche Rolle der Zucker ^^utage aus dem Gebiete der Volksernährung spielt. Nickst alle ! aber wissen, daß er diese Bedeutung erst der Entdeckung des Ber- I

lilier Chemikers Miarggraf verdankt, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts den Nutzen der Zuckerrübe erkannte und damit die Grundlage für die gesvaltige Zuckerindustrie schuf, dir inr vorigen Jahrhundert in allen Ländern Europas emporblühte. Vorher tvurde der Zucker aus dem Zuckerrohr geivonnen, und noch früher war der Honig der gebräuchlichste Süßstoff. Namentlich um deii Birkensaft (Märzsvasser) genießbar zu machen, und zur Mek bereitung wurde er benutzt. Durch Pytheas von Massilia erfahre« wir, .daß die Verwendung des Honigs zur Metbereitung bereits zur Zeit Alexanders des Großen bei den Friesen an der Ems­mündung üblich war. Und aus den Anfängen der sächsischen Gv- schichte kennen wir die Erzählung, daß sich die Frauen auf der Burg Meißen im Zeitalter Heinrichs des Städtebauers der An­griffe der Avaren erwehrten, indem sie heißen Met auf die Be» lagerer heruntecgossen. Schon vorher, im Jahre 868, labten sich di« auf dem Konzil zu Worms versammelten hohen geistlichen und weltlichen Herren mit Met, im Jahre 1299 wird er auch in Frankfurt a. M. zuerst erwähnt, noch im Jahre 1403 wurde es in Dresden erlaubt, Met zu schenken. Zu dieser Zeit wurde der Met vielfach auch sck»m mit Bier oder Wein veredelt; als im Jahn. 1486 die Bierbrauer zu Frankfurt a. M. an fingen, Honig in das Mer M tun, fragte der Rat bei den Aerzten an. ob das der Ge­sundheit nickst sckstiidlich sei; damit wandte man sich gerade an die rechte Schmiede, denn der Stadtarzt braute selbst!

Auch als sonstige süße Würze vertrat der Honig zuerst die Stelle von Zucker und Sirup. Schon bei Albert von Stade findet sich im .Jahre 1025 die (Auäzvickmung: , oanonicis in diebuS bvmesticis unicuique detur snrlitae oopia". So beim 5kuck-ew- backen. Besonders geht eins der bodenständigsten Gewerbe im alten Nürnberg, .die weltberühmte Nürnberger Lebküchlerei, unmittel­bar <mf die Meuenzüchterei zurück. In dem ausgedehnten Reichs­walde. der sich heute noch wie ein meilenbreiter grüner Gürtel um vre Stadt Nürnberg legt, blüht-e im Mittelalter die Bienenzucht tn dem Maße, daß sie von Tausenden betrieben wurde, und daß nran den Walddes heiligen römischen Reiches SBien eng arten" nannte. Die Hvnigwaren waren daher auch iu früher Zeit ein außerordentlich wichtiger Handelsgegenstand. Als König Jol^nrr von Böhmen die Stadt Pirna im Jahre 1320 mit der Stapel gerechtigkeit begnadigte, wurden in der Zolltaxe Dresdener Bücher mit 1 Pfennig, Honigwaren aber mit 14 Pfennigen angesetzt. Wie die Handwerker in den Städten in ihren Innungen und Zünften, so taten sich auch die Imker (Norddeutschland> und Zeidler (Süddeutschland) zu Genossenschaften zusammen; die zum Teil bis m verhältnismäßig späte Jahrhunderte fortlebten. Im Jahre lo98 gab beispielsweise die Zeidlergesellschaft zu Görlitz noch ihr Zeidlerrecht heraus, und imLorenter Reichswald" blieben die Verhältnisse der alten Bienenväter bis zum Ende des 18. Jahrhun­derts bestehen- noch vom Jahre 1799 datiert ein Bericht über das letzte zu Feucht, eiuem Orte bei Nüruberg, abgehaltene kaiserliche Zeidlerrecht. Die Zeidelgüter wurden nach Lehnsreckst verliehen und ihre Abgaben bestanden natürlich ans Wachs und Honig. Später wurde darausWachs- und Honiggelb". Wie 'hoch die Bienenpflege ans allen diesen Gründen bei unseren Vorfahren in Ansehen stand, beweist der außerordentliche Schutz, den die Bienen Mid Beuten i'cherall genossen; wer Honig verfälschte, wurde mir dem Tode bedroht! Anderseits sick>erte ein Tropfen Honig den Kindern das Leben, in jener frühen Vorzeit, als die Neugeborenen noch von der Aussetzung bedroht waren, so lange sie noch nichts ge­nossen hatten. .."

Der Zucker wurde bei uns zugrst durch die Kreuzzüge bekannt. In der Gegend von Tripoli fanden die Kreuzfahrer das Zucker­rohr. das ße bezeichneriderweise zuerstHouigrohr" (canna mellis) nannten. Infolge der Umständlichkeiten des weiten Versands war der Zucker aber lange so anßer-ordentlich teuer, daß er als Volksnahnmgs'mittel, überhaupt nicht in Frage kam. Im 13. und 14. Jahrhundert kostete der Zentrier Zucker auf unfern größten Märkten nach imserm Gelbe 800 bis 1000 Mk. Zu Anfang des zahlte man in Danzig für ein Pfund Zucker 5 Mk.., und in Wien sogar 7 Mk.; im Jahre 1540 kostete das Pftlnd in Freiburg 6,50 Mk., im Jahre 1540 in Lüneburg und in Nürnberg 4,50 Mk. Noch vor hundert Jahren, während dee Kontinentalsperre gegen Errgland, kostete, das Pfund Zucker in Hamburg 6 Mk., und im Binnenlande mußte vielfach das Doppelte dafür gezahlt werden; damals wurde er, weil der Seeweg ver­schlossen war, von Griechenland her mit Tragtieren und Fragen auf Dem Landwege durch Serbien und Ungarn nach Deutschland eingeschmuggelt. Infolge dieser Verhältnisse lerntcai die Minder­bemittelten den Zucker bis in die rieneste Zeit eigentlich nur als Arzenei oder sonstige Apothekerware kennen. In den Mittelalter- lick-cn Apotheken fand der Zucker wie früher der Honig cirif so ans gebreitete Verivendung, daß das Sprichwort auskam:

Ohne Zucker, Wachs und Wein

Kann man kein Apotheker sein.

Für ttnd wider alles mögliche sollte er angeblich helfen, sogar den Ranch von, gebranntem Zucker sollte man gegen den Schnupfen oder Naßpfnnfel" in die Nase gehen lassen. Am liebsten aber und am allgemeinsten genoß man ihn auf gewöhnliche Weise, da denn die Apotheker die wundersamsten und wirksamsten Formen als Penid- oder Gerstenzucker, Rvsenzucker, Zitronenzucker und Violen zu cker l)erzu stellen verstanden. Ein rechter Apotheker war eben gleichzeitig Konditor, und vielfach kamen die Pillendreher der