Ausgabe 
30.4.1917
 
Einzelbild herunterladen

188

tzewesen totalen. Man. rrahnr Me Verheilung in ber Weise vor, bau bm Bedürftigen das Getreide ober Mehl An einem von den Behör­den festgesetzten Höchstpreis abgegeben, ä'urde. In den Städten verteilte man Brotmarken, gegen welche die Bezugsberechtigten bei den Bäckern ihr bestimmtes Quantum erhielten. Die ältesten Brock- »n arten sind uns aus den Hungers ahven 15391540, die damals, aus Kupfer geprägt, von der Stadt Nürnberg mrsgegeben wurden, bekannt. 9?ur n«ar diese PArt obrigkeitlicl^er Fürsorge meist sehr mangelhaft, denn für längere Zeiten der Not reichten die Vorräte fast niemals aus. Tie Macht des Staats war nicht imstande, der frevelhaften Gewiimsucht entgegenz-irtreden, die aus dem Steigen! der Preise Vorteil zu ziehen suchte rmd die notwendigsten Lebens­mittel zurückhielt; wie heilte hat schon damals dieses weitverbreitete Uebel eine traurige Rolle in der Geschichte der Ecnährungsschwierig- keiten gespielt. In den Berichten über diese Heimsuchungen, mrf dem Schaustücken, welche zur Erinnerung an dieselben entstanden, lesen wir wiederholt den SpruchWer Korn einhält, dem fluchen die Leute, aber Segen kommt über den, der es hergibt." Eine große Er­schwerung war es auch, daß in Deutschland keine einheitliche Rege­lung durch die ReichscxÄvult möglich N-ar rmd jeder Staat in volks­wirtschaftlichen Dingen tmr und lassen konnte, was er wollte. Das hat noch bei den letzten großen Mißernten der Fahre 181617 und 1847 zu schweren Reib urigen und Vermehrung der Leiden in einzel­nen Gebieten geführt.

Astch heute stehen wir buircfy den fluchbeladen eir Aushungerungs­krieg rmsever Gegner vor erheblichen Schwierigkeiten in unsere? Errrährnng. Wir können denselben aber mit ganz anderen Mitteln entgegen treten als die Deutschen früherer Jahi'hurrderte. freute vermag das Reich, die Vorräte in den einzelner: Gegenden festzu- stellcn und gegeneinander auszugleichen. Dem Transporte auch großer Mengen stehen keine, rmüberwindlühen frindernisse mehr rnr Wege und durch strenge Rationienulg kann eine zwar knappe, aber immerhin auskömmliche Enlährung gesichert »verbell. Freilich, die Negierung allem kann der Lage nicht Herr norden, sie bedarf dazu der Mithilfe eines jeden einzelnen, der Einsicht rmd des Mten Willens, zumal auch der Landbevölkerung. Jeder muß hier mit seinen Volksgenossen teilen und ertragen, beim wir wären alle verloren, wenn die Eigenliebe des einen Teiles es 1mmöglichgnachte, den andern Teil des Volkes zu enrähren. Schlimmere Zeiten als d:e heutigen haben unsere Vorfahren dnrchgentacht und überstanden, vbrvobl sie noch nicht als vollberechtigte Bürger am Staate Teil hatten, sondern oft in harter Fron ungeliebten Herren dienen muß­ten. Wenn wir Uns heute Entbehrungen auferlegen, so wissen wir wofür, es gilt das Heiligste zu retten, das rms alle umschließt und schützt, unser geliebtes, deutsches Baterlarrd! I. C.

NermrkchtcS,

* Ter automatische Soldat in Amerika. Um die Kriegsstarke des amerikanischen Heeres wirksam zu ergänzen, melden sich seit einiger Zeit die Erfinder nachdrücklichst zu Worte. Unter den neuen phantastischen Vorschlägen, die die neue Situation gezeitigt hat, verdient jedenfalls die Entdeckung des automatischen Soldaten, die in einer Zeitschrift im fernen Westen ernsthaft er­örtert wird, besondere Beachtung. Der von Bern Pieper ans dent Staate Jllinops erfundene Automat, der den stolzen TitelKing Grey" träist. ist ein Stahlriese in Menschengestalt von 3 Meter Länge und mit einem Gewicht von 300 Kilogramm. Das nur ein Drittel so große Modell aus Holz und Nöetall kann schwere Lasten tragen und sich wie einMensch bewegen. Ter innere Mechanismus, der sebr entwickelt zu sein scheint, besteht aus zwei Motoren von 40 PS. und einem .Hilfsmotor von 2 PS.,der das elektrische Nervensystem treibt", wie der Erfinder es nennt. Bern Pieper glaubt, daß eine größere Anzahl solcher Stahl riesen ohne jede Schkwierigkeil die Stacheldrahtlstudernisse durchbrechen, über die Schützengräben schreiten und die Besatzung niedermähen würde. Bern Pieper scheint freilich dabei die feindliche Artillerie nicht mit in Rechnung gezogen zu haben, und das ist immerhin ein nicht ganz unbedenklicher kleiner Recherlfehler.

* Das Grammophon a l s Militärkapelle. Ter englische Mannschastsmangel zeigt sich auch darin, daß die englischen! Militärkapellen, selbst in der Heimat, eingezogen worden find man braucht alle Leute bei der Waffe. Die englischen Truppen wissen sich aber zu helfen, mrd wenn englische Soldaten in geschlos­sener Truppe durch London marschieren, erklingt doch die übliche Militärmusik. Sirmarschiert"' der Truppe voraus: es ist ein einzelner Kakhimann, der ein Grammophon auf den: Rücken trägt. Ein schwedisches Blatt, das dies mitteilt, belegt seine Angabe durch eine photographisch' Ausnahme.

* Wie die Bäcker in Kristianssund sich Kohlen verschafften. In Kristianssund befürdet sich ein Bäcker, der den dortigen englischen Konsul zu sein eil .Kunden zählt. Eines! schönen Tages, so erzählt dasSvenska Dagblad", war sein Kohlenvorvat gänzlich erschöpft, und er wandte sich an den Konsul Mit der Bitte, ihm gnädigst zu gestatten, seinen Kohlenbedarf zu decken. Ter Konsul lehnte jeooch diesen berechtigten Wunsch ab. Ta swlld nun der Bäcker und sah sich vor der Notlvendigkeit, sein Geschäft zu schließen. Bald darauf fanb eine Versammlnng samt- i

licher städtischer Bäcker statt, und da erwies es sich, daß kein ein­ziger von iljneu die Brotlieferung für das errglische Konsulat über­nehmen wollte. Illid man beschloß, dem britischen Konsul mitzu­teilen. daß falls der Konsul ven Bäckern keine Kohlen verschaffen konnte, sie dem Konsul auch kein Brot liefern, könnten. Und liehe da unrnittelbar ldarauf churoe der Kohlenmangel der Bäcker behoben.

* Ein See mit giftigem Wasser. Es ist jedenfalls eine wohl einzig dastehende Dderkwürdigkeft, daß in den oberen Schichten des Wassers eines SeeS ganz vergnügt alle möglichen

t ische leben, während in der Tiefe kein pflanzlickies oder tierische- ebewesen existieren kam:. Das ist im Ritom-See in Bal Piota des Kantons Tessin der Fall. Von 12 Meter unter der Oberfläche an ist das Wasser so stark mit Schwefelwasserstoff durchsetzt, daß der Aufenthalt für alle Organismen dort unmöglich ist. Selbst in größter Verdünnimg hat sich das ans der Tiefe entnommene Wässer »chon nach kurzer Einwirkung für Forellen als tödlich erwiesen. Nach einer Mitteilung der Fischerei-Zeitung ist die Hydrologische Kommission der Schweizerischen Naturforschendcn Gesellschaft mit der Untersuchung der Herkunft des giftigen Gasgehaltes beschäftigt. Tie Wasserkraft dieses Sees ist als Kraftquelle für die Gotthardt­bahn in Aussicht genommen.

* Ter Auktions-Sänger. Daß bei öffentlichen Ver­steigerungen die kostenlose Verabreichung von Getränken und be­legter: Brötchen die Geschäftsstimmung hebt, ist bereits eine alte Weisheit. Auf eine neue Idee aber kan: ein englisches Kunst- versteigcrungshaus, das die folgende Anzeige veröffentlichte:Ge­suche wird für dauernde Anstellung ein sentimerrtaler Sänger, der sich bei Versteigerungen durch seine Kunst nützlich macht! . .

Vöcherllsch.

Velha^en & Klasings Monatshefte geben so­eben ihr Aprilheft heraus. Es ist wieder frisch und dabei abwechse­lungsreich und gehaltvoll, lieberrasckxeird schön ist diesmal der Bilderschmuck. Zwei Aussätze wird jeder gleich lesen, weil sie über­aus zeitgemäß sind: wie Fritz Bley der: neutralen Herrn Wilson schildert und Klaus von Rhoderrs muntere Plauderei über die gro­ßer:^ Schwindler, die die Dummheit und (Geldgier ihrer Zeitge­nossen auszubeuten verstanden. Ebenfalls ganz zeitgemäß sind Otto Röses Arbeit überTie Schkveiz im Weltkriege" und das schwungvolle Gedicht stindolf Herzogs auf Graf Zeppelins Heim­fahrt. An dm Krieg geurkahlren eine Reihe von bunten Bildern. Karl Felbers, die den Schauplatz der Kämpfe zwischen Maas und Mosel schildern. An die ^Kunstfreunde wendet sich der mit farben­frohen Bildern geschmückt« Aufsatz über Kart Ludwig Jessen, einem .Hermatsmaier aus dem Frieseuland, desseir kräftige Bilder sich lden: Gedächtnis unvergeßlich enrprägen. Literatur freunde werden dagegen Karl Streckers Betrachtungen über die in ben Berlinern Theatern im letzter: Winter aufgesührten Thead'rstücke und Tr. Pfeifers Würdigung des vor hundert Jahren verstorbenen Frei- heitsdichters Max von Schalrkendors mit Interesse verfolgen. Garrz besonders glücklich sind iit dem vorliegenden Aprilheft mur Belhagen & Klasings Monatsheften die erzählcrrde Beitrüge.

sTerTürmer -'Kriegsausgabe) Herausgeber: I. E. Frhr.- v. Grotthuß Vierteljährlich (6 Hefte) 5 Mark, Einzelheft 90Pfg. Probeheft portofrei «(Stuttgart, Greftrer L Pfeiffer,. Aus dem Inhalt des zweiten April Heftes: Sinei Botschafter) und verschiedene Gedanken. Von I. E. Frhrn. v. Grotthuß. Die schwedische Margret. Eine Kriegs- mrd Hexengeschichte aus Nord- schleswig. Bon Erich Schlaikjer. (Fortsetzung.) Vlamland frei! Bon Obecpfarrer A. Sckw-valter. Sieger Frühling. Von Inge Karsterr.' Vertrauliches und Erbauliches ai:s Michaels Waschküch. Von I. F. Frhrn. v. Gotthuß. Gertug von Amcrfto' Fricdrich^ List, Deutschlands Retter. Bon Dr. Georg Bicdenkapp. Mvnroedvktrin^ rurd Weltpolitik. Von Otto Eorbach. Die Vlamen. Soft wann verriet uns Italien? Von Tr. Justus Schoenthal. Wie Lange noch? Von Walter Jäger. Höchstpreis für .Bilder. Bon K. St. Meister der Klavierbunst ans per vorklassischen Zeft. Bon H. Oehlerking. All>ert König nrrd Ferdinand Steiniger. Von K. St. Türmers Tagebuch: Der Krieg. Auf der Warte. Kunstbeitagen. Notenbeilage.

Augn st Strindberg-Quarantäne Nr. 16 der Weltlftevatur. Mft eurer Karikatur August Strindberg von Olaf Gülbranssohn. Preis der Nummer 10 Pfg. Erhältlich in jeder BuchhcnMrmg. Verlag der Weltliteratur, Mürrchen 2, Färber- graben 24. _

Abstrichrätsel.

Verstand, Acht, Llärz, Halftern, Ur, Bora, Note, Kram, Siegel Von jedem Wort ist die Hälfte der Buchstaben zu streichen derart, daß die andere Hälfte aus uebenoinauderstehe den Bnchstaben be­steht. Die nicht gestrichuen Hälften müssen im Zusammeuhaug eine kriegerische Maßnahme nennen.

(Anflüsung in nächster 9ftrmmer.)

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:

Wir und unsre Bundesbrüder ringen alle Feinde nieder.

Schristleitung: Fr. R. Zeuz. Zwitling-runddruck und Verlag der Arühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießeir.